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Absetzdurchfall: Wird Zink bald verboten?

Zink hilft bei Absetzdurchfall. Doch es ist umstritten, weil es die Umwelt belasten soll. In den nächsten Monaten wird die EU-Kommission entscheiden, ob Zink in Tierarzneimitteln weiterhin erlaubt bleibt.

Möglichst ohne Zinkoxid und Antibiotika beim Absetzen auskommen – das ist das große Ziel. Foto: Archiv
Möglichst ohne Zinkoxid und Antibiotika beim Absetzen auskommen – das ist das große Ziel. Foto: Archiv
Sind Sie Sauenhalter? Dann hatten Ihre Ferkel sicher schon einmal Durchfall beim Absetzen. Der Absetzdurchfall ist ein weit verbreitetes Problem. Er kommt immer wieder, und er ist teuer. Antibiotika stehen immer stärker in der Kritik. Deshalb verzichten viele Landwirte bei Absetzdurchfall auf sie. Oft ist die nächste Lösung Zinkoxid. Der Tierarzt verschreibt Arzneimittel, die Zinkoxid enthalten. Der Landwirt darf diese laut Zulassungsinformationen je nach Produkt maximal 14 Tage einsetzen. Das Futter enthält dann über diesen Zeitraum bis zu 3.000 Milligramm Zinkoxid pro Kilo. Diese 3.000 mg werden als therapeutische Dosis bezeichnet. Genau diese therapeutischen Dosierungen sind äußerst umstritten. Denn das Ferkel scheidet bei einer solchen Behandlung auch wieder einiges an Zink aus. Diese Zinkmengen gelangen über die Gülle in den Boden.

Auf der einen Seite steht also der Nutzen: Bekämpfung von Absetzdurchfall. Auf der anderen Seite das Risiko: die Wirkung auf den Boden. Der Ausschuss für Tierarzneimittel (CVMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko negativ bewertet. Der Nutzen wiege das Risiko also nicht auf. Deshalb empfahl der CVMP im März dieses Jahres, alle bestehenden Zulassungen für Zinkoxid in Tierarzneimitteln aufzuheben. Weiters sprach sich der CVMP dafür aus, keine neuen Tierarzneimittel, die Zinkoxid enthalten, zuzulassen.

Entscheidung über Zinkoxid noch 2017?
Nun ist die EU-Kommission am Zug. Sie wird in den nächsten Monaten über die Zukunft von Zinkoxid in Tierarzneimitteln entscheiden. Folgt die Kommission der Empfehlung des CVMP, wird Zink in Zukunft nicht mehr als Vorbeuge und Behandlung von Absetzdurchfällen zur Verfügung stehen.
Noch im Juni soll es eine weitere Sitzung des „Standing Committee“ geben. „Standing Committees“ (ständige Ausschüsse) unterstützen die EU-Kommission, indem sie eine Stellungnahme zu den Maßnahmenentwürfen abgeben, bevor diese angenommen werden. Die österreichische Vertreterin im CVMP, Brigitte Hauser von der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), erklärt: „Danach wird die Kommission ihre Entscheidung über die betroffenen Produkte treffen, die – je nach Entscheidung – unmittelbar umgesetzt wird.“
In der Branche sind die Meinungen geteilt. Einige Tierärzte können sich nicht vorstellen, dass auch bestehende Zulassungen aufgehoben werden. Denn dann müsste die EU mit Schadenersatzklagen der Hersteller rechnen.

Warum Zinkoxid in hohen Dosierungen im Futter umstritten ist, wie gefährlich es für die Bodengesundheit wirklich ist und was Experten zum möglichen Verbot von Zinkoxid in Tierarzneimitteln sagen, lesen Sie in der aktuellen LANDWIRT-Ausgabe 11/2017.
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Aktualisiert am: 23.05.2017 08:39