Wohin steuert Europas Schweineproduktion?

Die Verbraucheransprüche erkennen und danach produzieren. Dieses Leitmotiv des größten Fleischvermarkters Europas VION, könnte die europäische Schweinehaltung nachhaltig verändern. Zum Guten, wie Dr. Heinz Schweer betont.
Der fortschrittliche Landwirt: Herr Schweer, welche
Herausforderungen warten auf die europäische Schweineproduktion in den nächsten Jahren und Jahrzehnten?
Dr. Heinz Schweer: Wir haben eine Weltbevölkerung, die von jetzt 6,9 Milliarden in den nächsten 35 Jahren auf 9 Milliarden wachsen wird. Viel wichtiger ist aber, dass auch die Kaufkraft wächst. In China beispielsweise beobachten wir derzeit ein gewaltiges Wirtschaftswachstum. Laut Weltbank kommen jeden Monat rund zwei Millionen neue Fleischkonsumenten auf uns zu. Wenn wir heute in China 76 Mio. Fleischkonsumenten haben, werden das 2015 schon 207 Mio. sein.

Der fortschrittliche Landwirt: In Deutschland, den Niederlanden und einigen anderen Ländern Europas wird derzeit intensiv über die Einführung eines freiwilligen Tierschutz-Labels diskutiert, womit höhere Standards in der Tierhaltung besser erkannt und honoriert werden würden. Besteht hier nicht die Gefahr, dass damit die konventionelle Produktion an den Pranger gestellt und eine Diskussion über die Anhebung der gesetzlichen Tierschutz-Standards losgetreten wird?
Dr. Heinz Schweer: In Deutschland wurde ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums erstellt, welches zum Schluss kam, dass es bei Fleisch einen Markt von 20 % für höhere Haltungsstandards gibt. Es soll damit nicht die Tierschutzgesetzgebung nach oben geschraubt werden, wie viele behaupten. Aber wenn es dafür einen Markt gibt, dann ist man aus Marketinggesichtspunkten gut beraten, diese Differenzierung für bestimmte Kundenkreise wahrzunehmen. Wir erarbeiten gerade in einer Initiativgruppe Kriterien, die über dem gesetzlichen Standard liegen. In dieser Initiativgruppe ist auch der Deutsche Tierschutzbund dabei. Ob es gelingt, ein solches Label aufzubauen und am Markt erfolgreich platzieren zu können, werden wir sehen.

Der fortschrittliche Landwirt: Zum Thema Kastration. In Österreich und Deutschland konnte man mit dem Einsatz von Schmerzmitteln zumindest zwischenzeitlich eine akzeptable Lösung für die Landwirtschaft finden. Welche Empfehlungen oder gar gesetzliche Grundlagen erwarten Sie diesbezüglich in den nächsten Jahren von der Europäischen Kommission?
Dr. Heinz Schweer: Die EU möchte kein Gesetz, sondern eine Erklärung der Wirtschaftsbeteiligten zum freiwilligen Ausstieg aus der Kastration. Die EU will aus der Ferkelkastration aussteigen, aber nur unter Bedingungen, die weiterhin eine Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schweineproduktion ermöglichen und zudem auf Akzeptanz der Verbraucher stoßen. Aber man möchte einen Termin für den Ausstieg aus der Ferkelkastration haben. Holland hat das Jahr 2015 fixiert, und ich denke dies wird auch eingehalten werden. Andere Länder sehen das anders und sprechen von 2020. Ich prophezeie mal, dass die Tierschutzorganisationen da nicht mitmachen werden. Die wollen das schneller haben. Es gibt aber bis jetzt noch keine fixen Zeitrahmen. Das Problem ist, dass bisher noch keine Alternative besteht, welche die vorhin erwähnten Anforderungen erfüllt. Es wird aber viel geforscht.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Ausgabe 21 von „Der fortschrittliche Landwirt“.

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Aktualisiert am: 21.10.2010 13:43
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