Vierbauch: "Wer Bio-Milch verkaufen will, muss innovativ sein."

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Bio-Milch sei in den meisten Molkereien ein Minderheitenprogramm, meint Bio-Wiesenmilch-Beauftragter Rudi Vierbauch. Der Aufbau einer molkereieigenen Bio-Marke werde zumeist durch die molkerei-interne Konkurrenz gebremst.
Der ehemalige Bio-Austria-Obmann Rudi Vierbauch ist Bio-Wiesenmilch-Beauftragter.
Der ehemalige Bio-Austria-Obmann Rudi Vierbauch ist Bio-Wiesenmilch-Beauftragter.


LANDWIRT: Woran liegt es, dass die Handelsketten ihre eigenen Marken speziell im Bio-Bereich so flächendeckend etablieren konnten?

Rudi Vierbauch: Die Ketten hatten leichtes Spiel. Es gab praktisch keine Gegenwehr vonseiten der Molkereien. Wer hätte einer Handelskette eine Bedingung stellen können, wenn sie die Lohnverarbeitung für ein bestimmtes Produkt verlangt hätte? Wer hätte gesagt, wenn du Produkt A als anonyme Handelsmarke haben willst, musst du mein Markenprodukt mit ins Regal stellen? Nein, es gab schlicht keine zu verteidigende molkereigeführte Bio-Marke. Niemand investierte nennenswerte Summen in den Aufbau einer Bio-Milchmarke. Das war klarerweise leichtes Spiel für den Handel.

Hat nicht auch das durch die Bio-Förderungen alle fünf bis sieben Jahre anschwellende Angebot einen Druck auf die Molkereien ausgeübt?

Überhaupt nicht! Wenn du auf einem Markt auftrittst, brauchst du einen gewissen Mengenüberhang, um kontinuierliche Lieferfähigkeit gewährleisten zu können. Die Nachfrage nach Bio steigt ja langsam und anhaltend. Starke Preissprünge im Regal wegen Unter- oder Überangebots bei Rohmilch sind nicht das, was den Verbraucher bei der Stange hält.

Warum haben die Molkereien aus dem Bio-Boom so wenig gemacht?

Bio-Marketing wird immer noch als Konkurrenz zur konventionellen Schiene verstanden. Anstatt Bio als Preislokomotive einzusetzen, wurde abgeblockt. Aus diesem Konflikt konnten die Handelsketten Kapital schlagen. Jetzt merken alle Milchbauern, was ihnen durch die Vertragslandwirtschaft mit den Ketten blüht. Richtlinien machen jetzt die Filialisten, nicht die Bauern. Gegen diese Konsequenzen wehren wir uns gerade.

Bio-Wiesenmilch gibt es immer noch. Ist das bloße Überleben schon als Erfolg zu werten?

Die Bio-Wiesenmilch ist mittlerweile die führende Bio-Marke der Kärntnermilch. Schön wäre gewesen, hätten wir die Bio-Milch im Glas, wie wir überlegt hatten, als Erste umgesetzt. Jetzt können wir uns wenigstens nachträglich bestätigt fühlen. Wer Bio-Milch verkaufen will, muss immer innovativ sein und investieren. Das kostet eine Zeit lang Geld. Die Zinserträge der Investition nimmt dann jeder gern.

Interview: Alois Burgstaller

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Aktualisiert am: 31.08.2018 22:19
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