Schweinekrankheiten: Dysenterie nicht unterschätzen

Dysenterie ist eine Durchfallerkrankung, für die Mastschweine im Gewichtsabschnitt 40 bis 70 kg besonders anfällig sind. Da der Erreger über Schadnager und Fliegen, über Gerätschaften, Gülle, Mensch und Tier übertragen werden kann, kommt der Bekämpfung von Ratten, Mäusen und Fliegen eine sehr große Bedeutung in der Vorbeuge zu.
Auch Hunde und Katzen sind Vektoren und sollten deshalb vor und nicht im Schweinestall bleiben. Ebenso wichtig ist bei Dysenterieausbruch die Behandlung der Gülle mit Alzogur. In der Gülle können die Erreger monatelang überleben und gesunde Schweine infizieren. „Ein alleiniger Medikamenteneinsatz, der eine genaue und entsprechende Dosierung voraussetzt, wir in der Regel den Erreger nicht erfolgreich aus dem Bestand eliminieren können. Gewarnt wird auch vor einer Totalsanierung mittels Herdenneuaufbau, wenn die „Co-Faktoren „ nicht beherrscht werden (Hygiene des Umfeldes).

Erreger nistet sich in der Darmwand ein

Das Problem bei Dysenterie, verursacht durch das Bakterium Brachyspira hyodysenteriae, liegt darin, dass „Frei von Dysenterie nie frei von Brachyspira hyodysenteriae heißt.“ Saugferkel können erkrankt sein, ohne sichtbare Symptome zu zeigen. Ebenso latent infizierte Tiere, die den Erreger im Kot ausscheiden. Der Erreger besitzt die Fähigkeit, sich in die Darmwand einzunisten und dort zu verweilen, bis ungünstige Umweltverhältnisse ihm zum Ausbruch verhelfen. Stress, Fütterungs- und Haltungsfehler führen dann zu einer massiven Vermehrung und Ausscheidung des Bakteriums. Typische Anzeichen der Dickdarmerkrankung sind blasse Haut, Mattigkeit und Fressunlust. Es folgt ein akuter Durchfall. „Erkranken können bis zu 90 % der Tiere, jedoch ist die Todesrate bei einer medikamentellen Behandlung relativ gering( 0 bis 60 %). Wie heftig die Erkrankung verläuft, hängt vom Immunstatus der Tiere, von ihrem Alter, ihrer Haltung und von eventuellen Vorerkrankungen ab.

Dosierung der Medikamente und Behandlungsdauer muss beachtet werden

Die Behandlung der Schweine durch den Hoftierarzt erfolgt oral. Über das Futter wird den Schweinen ein Medikament verabreicht. Dabei ist drauf zu achten, dass das Medikament nicht unterdosiert wird und damit wirkungslos bleibt. Ebenso sollte ein Resistenztest auf bestimmte Substanzen gemacht werden. Auch wenn die Schweine nach einigen Tagen wieder durchfallfrei sind – die Behandlung sollte mindestens zwei bis drei Wochen fortgeführt werden. Nach zehn bis 14 Tagen ist ein zweiter Behandlungszyklus empfehlendwert, „um den Infektionsdruck weiter abzusenken. Denn bei der Erstbehandlung werden erfahrungsgemäß nicht alle Erreger eliminiert. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Ferkelerzeuger und Mäster sorgt dafür, dass gesundheitliche Probleme frühzeitig gemeinsam mit den Hoftierärzten gelöst werden können.
(Quelle: „Dysenterie nicht unterschätzen“ von Dr. Ernst-Günter Hellwig in Veterinärpraxis I, S. 51 - 57)


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Aktualisiert am: 30.11.2009 23:30
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