Schweine: Die richtige Haltungstechnik für gesunde Klauen

Mängel in der Haltungstechnik sind hauptverantwortlich für Klauenverletzungen von Sauen in der Gruppenhaltung. Risikofaktoren in der betrieblichen Haltungstechnik müssen daher identifiziert und ausgeschaltet werden.
Die Remontierungsrate in den Ferkelerzeugerbetrieben hat in den letzten Jahren ständig zugenommen und liegt in manchen Betrieben über 50 %. Auch die Sauentotalverluste sind überproportional gestiegen und übersteigen oft 10 % der Sauenabgänge. Dies gilt besonders für Dänemark, wo Sauen mit Schulterläsionen nicht selten nach dem Absetzen notgetötet werden, um einer Strafe am Schlachthof zu entgehen. Diese gesundheitliche Situation kostet in den Betrieben viel Geld, hemmt die Arbeitsfreude und ist insgesamt auf Dauer nicht akzeptabel. Ein beachtlicher Teil der vorzeitigen Sauenabgänge beruht auf Klauenerkrankungen. Diese können auf infektiösen, fütterungsbedingten, erblichen und oder haltungsbedingten Ursachen beruhen, weshalb es meist keine einfache und schnelle Lösung gibt.

Generell verhalten sich Tiere nach dem Schadenvermeidungsprinzip, d.h. sie sind bestrebt Schäden einschließlich von Klauenverletzungen zu vermeiden. Offensichtlich sind die Ställe so gestaltet, dass die Sauen mit ihrem genetisch und durch Erfahrung erworbenem Verhaltensrepertoire überfordert sind und Verletzungen nicht vermeiden können. Besonderes Augenmerk verdienen sechs Risikobereiche:
 Instabile soziale Rangordnung
 Stressige Fütterung
 Permanenter Beschäftigungsmangel
 Mangelnder Liegekomfort
 Betonspaltenboden
 Mensch

Erholung im Wartestall
Die Beanspruchungen der Sauen sind in der Säugezeit sehr groß. Große Würfe verlangen in der Fütterung hohe Stoffumsätze, wobei der Kastenstand keinen Komfort bietet in Bezug auf tägliche Bewegung sowie Trennung von Kot-, Fress- und Liegebereich. Darüber hinaus stehen die hohen Temperaturen für die Ferkel dem der Sauen sehr entgegen. Langlebige Sauen, die komplikationslos 6 bis 8 Würfe bringen, brauchen nach jeder Säugezeit eine Phase der Erholung und Regeneration. Der Wartestall bietet sich hierfür an. Da in manchen Betrieben 10 bis 15 % gruppen- oder systemuntaugliche Sauen auftreten, muss man davon ausgehen, dass gravierende Mängel in der Fütterungs- und/oder Haltungstechnik bestehen. Die sprunghaft angestiegenen hohen Remontierungsraten beruhen im Wesentlichen auf der unbefriedigenden Gestaltung der Warteställe, bei deren Planung das Verhalten der Sauen zu wenig berücksichtigt wird. Ohne eine stabile Rangordnung, ungestörte Fütterung, genügend Sättigungsfutter und entsprechenden Liegekomfort können die offensichtlichen Probleme nicht gelöst werden. Die Klauengesundheit ist mit Einstreu wesentlich besser als ohne Einstreu.

Schlüssel zum Erfolg: Vorbeuge
Ferkelerzeugerbetriebe erreichen nur dann niedrige Arbeits- und Produktionskosten, wenn die oben angeführten Vorbeugemaßnahmen im Hinblick auf gute Klauengesundheit getroffen sind. Die Behandlung von Sauen im Klauenpflegestand kann sich nur auf einen sehr kleinen Teil der Herde beschränken. Der Schlüssel zum Erfolg liegt deshalb in der Vorbeuge.

Autor: DI Rudolf WIEDMANN, Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg (D)


Aktualisiert am: 04.02.2010 14:29
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