Sauenfruchtbarkeit: Besser durch frühe Pubertät

Durch konkrete Maßnahmen kann der Eintritt der Geschlechtsreife bei Jungsauen beeinflusst werden. Eine Vorverlegung des Pubertätseintritts bietet Vorteile für die spätere Sauenfruchtbarkeit.
Beim weiblichen Schwein wirken Transporte, Umstallungen und Bewegung stimulierend auf den Eintritt der Geschlechtsreife.
Beim weiblichen Schwein wirken Transporte, Umstallungen und Bewegung stimulierend auf den Eintritt der Geschlechtsreife.
Ein zentraler Punkt beim Jungsauen-Management ist die Realisierung der konditionellen und sexuellen Reife bei der ersten Besamung. Im Mittel werden Jungsauen mit etwa 250 Tagen erstmals belegt. Manche Ferkelerzeugerbetriebe haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Jungsauen erst mit 260 - 270 Tagen Alter zu besamen. Die Jungsauen sollen vor der Erstbelegung mindestens zwei Brunstzyklen durchlaufen haben. Zur Brunstsynchronisation dürfen nur geschlechtsreife Tiere aufgestellt werden. Die Lebendmasse bei der Erstbelegung sollte mindestens 135 kg, besser 140 bis 150 kg betragen. Die Jungsauen sollen großrahmig sein, um in der Gebärmutter ausreichend Raum für viele Ferkel zu bieten.

Mindestens 17 cm Speckauflage
Die Speckschicht ist Speicherplatz für die weiblichen Geschlechtshormone. Somit bietet die Fettauflage eine wichtige Voraussetzung für den ungestörten Ablauf des Brunstzyklus und die Ovulation einer großen Zahl an Eizellen. Am lebenden Tier wird die Seitenspeckdicke durch Ultraschalltests ermittelt. Sie sollte zum Zeitpunkt der ersten Belegung über 17 mm betragen. Die Jungsauen nehmen (als Zielstellung) zwischen dem 180. und 220. Lebenstag über 700 bis 800 g zu. Das Fundament muss eine korrekte Beinstellung und eine gute Klauengesundheit aufweisen. Links und rechts müssen mindestens 7 anatomisch korrekt ausgebildete Zitzen ohne Mängel vorhanden sein.

Eintritt der Geschlechtsreife
Der Eintritt der Pubertät ist durch das erstmalige Auftreten des Duldungsreflexes zu erkennen. Dabei wird die Duldung durch einen sexuell aktiven Eber ausgelöst. Rötung und Schwellung der Vulva allein sind kein Beweis für das Vorliegen einer Brunst. Nach dem Eintritt der Geschlechtsreife stellt sich ein regelmäßiger Brunstzyklus von durchschnittlich 21 Tagen ein. Während vor etwa 30 Jahren das mittlere Alter bei Pubertätsbrunst 233 Tage betrug, tritt heutzutage bei frühreifen Sauen die erste Brunst deutlich unter 200 Tagen Lebensalter ein, die Schwankungen gehen allerdings stark auseinander.

Beeinflussung der Geschlechtsreife
Eine Vorverlegung des Pubertätseintrittes ist sinnvoll – allerdings nicht, um die Jungsauen früher besamen zu können, sondern um möglichst 2 bis 3 Zyklen vor der ersten Belegung ablaufen zu lassen.

Autor: Prof. Dr. Steffen HOY, Universität Gießen (D)


Aktualisiert am: 21.12.2009 10:05
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