Rinderfütterung: Sonderfuttermittel für Milchkühe

Lebendhefen und geschützte Futtermittel sollen helfen, die hohen Nährstoffanforderungen in der modernen Milchviehfütterung zu erfüllen. Wie und in welchen besonderen Fütterungssituationen Lebendhefen, geschütztes Eiweiß und geschütztes Fett sinnvoll eingesetzt werden können, ist Thema dieser ÖAG-Broschüre.
Anzustreben ist eine möglichst hohe Milchleistung aus Grundfutter. Erst bei sehr hoher Laktationsleistung ist der Zusatz von Lebendhefe, geschütztem Eiweiß und geschütztem Fett sinnvoll.
Anzustreben ist eine möglichst hohe Milchleistung aus Grundfutter. Erst bei sehr hoher Laktationsleistung ist der Zusatz von Lebendhefe, geschütztem Eiweiß und geschütztem Fett sinnvoll.
Empfehlungen für den Einsatz von Lebendhefe
§ Lebendhefen sind natürliche Mikroorganismen, die futtermittelrechtlich mit bestimmten Stämmen einer Hefeart als Futterzusatzstoff zugelassen sind.
§ Lebendhefen werden als Futterzusatzstoff in getrockneter Form als Pulver in Allein- oder Ergänzungsfuttermitteln eingemischt und können nur in dieser Form von Landwirten bezogen werden. Üblicherweise werden Lebendhefepräparate in das Mineralfutter eingemischt.
§ Mischfuttermittel mit mikrobiellen Zusätzen, insbesondere auch jene mit Lebendhefen, haben eine streng limitierte Verwendungsfrist und sind nach Ablauf dieses Datums weitgehend wirkungslos.

Unter folgenden Bedingungen kann der Einsatz von Lebendhefen sinnvoll sein:
§ grundsätzlich bei sehr hohen Milchleistungen ab einer täglichen Leistung von 35 l Milch
§ in den ersten 100 Laktationstagen
§ bei Auftreten von Klauenrehe
§ bei Kraftfutteranteilen in der Ration von über 40 %
§ bei Milchfettproblemen mit Gehalten von weniger als 3,6 %

Wann sollten Lebendhefen nicht eingesetzt werden:
§ in Futtermischungen (zB TMR), die mit Propionsäure konserviert wurden
§ bei durchschnittlichem bzw mäßigem Milchleistungsniveau
§ ab dem 2. Laktationsdrittel bei strukturreichen Rationen und geringen Kraftfutteranteilen

Was ist beim Hefeeinsatz noch zu beachten:
§ Einsatz vorzugsweise über das Mineralfutter
§ Wirkung nur bei regelmäßigem (täglichem) Einsatz
§ Lebendhefepräparate sind bio- und käsereitauglich
§ Mehrkosten in der Höhe von 5 bis 7 Cent je Kuh und Tag

Einsatz geschützter Eiweißfuttermittel
Der Einsatz geschützter Aminosäuren bzw. geschützter Eiweißfuttermittel ist nicht generell sinnvoll oder notwendig. Der Einsatz macht Sinn bei Rationen:

  • ab Tagesgemelken über 30 kg
  • mit hohem Anteil an Maissilage
  • mit generell niedrigem Eiweißgehalt
  • bei notwendigen Einsatzmengen von Eiweißfuttermitteln über 1 kg pro Tier und Tag.


Im biologischen Landbau sind diese Produkte kaum einsetzbar, da das Ausgangsfuttermittel meist Extraktionsschrote darstellen. Auch durch die Behandlung mit Formaldehyd scheiden sie als Biofuttermittel aus.
Interessant wurden die Futtermittel in der jüngsten Vergangenheit durch die GVO-freie Milchviehfütterung bei der Suche nach Alternativen zum handelsüblichen Sojaextraktionsschrot. Hier spielen die geschützten Rapsprodukte eine zunehmend wichtigere Rolle.

Allgemeine Schlussfolgerungen
Mit höheren Leistungen steigen die Anforderungen an die Rationsgestaltung. Ab 30 kg Milch ist neben der leistungsgerechten Energieversorgung besonders das darmverdauliche Protein von Interesse. Ab 40 kg Milch kann der Einsatz von pansenstabilem Eiweiß überlegt werden. Ab 50 kg Milch ist der Einsatz von pansenstabilen Aminosäuren möglich. Bei höheren Tagesgemelken kann auch an den Einsatz von pansenstabilem Fett sinnvoll sein.
Generell ist die Aufnahme möglichst großer Mengen Grobfutter durch Erzeugung bester Silagen und Heu anzustreben. Der Einsatz geschützter Futtermittel ist nur bei Hochleistungsherden sinnvoll. Auch ohne diese Spezialfuttermittel sind hohe Milchmengen bei guter Persistenz zu erreichen.

Die Autoren: DI Günther WIEDNER, NÖ LLK; Lebendhefen und DI Franz TIEFENTHALLER, LK Oberösterreich; Geschütztes Eiweiß; Geschütztes Fett


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Aktualisiert am: 10.07.2007 17:03