Regenwürmer - Wer gräbt den Boden um?

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Der Regenwurm ist ein Indikator für einen fruchtbaren Acker. Doch Wurm ist nicht gleich Wurm. Es gibt unterschiedliche Arten, die sich in Lebensart und Nutzen für den Landwirt deutlich unterscheiden.
Ein Boden mit einer hohen Dichte an Regenwürmern ist auch ein fruchtbarer Boden. Foto: Agrarfoto
Ein Boden mit einer hohen Dichte an Regenwürmern ist auch ein fruchtbarer Boden. Foto: Agrarfoto
Bis zu 20 Tonnen Mikroorganismen und Bodentiere leben auf einem Hektar fruchtbarem Boden. Rund bis zu zwei Tonnen – also zehn Prozent – davon nehmen die unterschiedlichsten Regenwürmer ein. In Mitteleuropa sind 60 unterschiedliche Arten bekannt. Auf landwirtschaftlichen Böden sind jedoch nur rund zehn Arten – an einzelnen Standorten noch weniger. Die Regenwürmer sind Zwitter, sie legen Eier, die durch einen Kokon geschützt sind, in dem sich die Jungen entwickeln. Pro Jahr sind dies eine bis zwei Generationen. Sie ernähren sich von abgestorbenen Pflanzen und Wurzelresten, die sie zusammen mit mineralischen Bodenbestandteilen aufnehmen und als Regenwurmkot wieder ausscheiden. Unter den Bodenarten bevorzugen die Regenwürmer mittlere bis schwere Böden, die eine schwach saure bis neutrale Bodenreaktion aufweisen. Unter den Regenwurmtypen finden wir in landwirtschaftlichen Böden fast ausschließlich Mineralbodenbewohner und Tiefgräber.

Tief graben
Der bekannteste Regenwurm, der „Tauwurm“ ist ein ausgesprochener Tiefgräber. Den Hauptgang gräbt er bis in eine zuverlässig feuchte Bodenschicht. Er kann bis in drei Meter Tiefe reichen und verzweigt sich zur Erdoberfläche hin in mehrere Ausfuhröffnungen. Durch den beim Graben ausgeübten Druck entsteht eine stabile Röhre, die der Wurm mit Schleimstoffen und Kot auskleidet und mehrere Jahre bewohnt. Durch verdichtete Bodenschichten frisst sich der Tauwurm regelrecht hindurch. Als Nahrung bevorzugt er Pflanzenreste, die er von der Bodenoberfläche in feuchte Bereiche seiner Wohnhöhle einzieht. Hier werden diese Reste erst von Mikroorganismen vorverdaut. Diese vorverdauten Reste nimmt der Wurm dann mit dem Boden auf. Den Kot scheidet er überwiegend an der Bodenoberfläche aus. Eine hohe Population mit teilweise mehr als 100 Wurmröhren/m2 kann pro Jahr über 50 t Kot produzieren und so den Boden umschichten. Verlassene Röhren nutzen die Pflanzenwurzeln, um tiefer in den Boden zu gelangen und Wasser- und Nährstoffe aufzunehmen. Bei einem hohen Besatz an Tauwürmern, mit vielen intakten Röhren, können Unmengen an Wasser – zum Beispiel bei lang anhaltendem Regen – rasch im Boden versickern.

Von Max Schmidt

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Aktualisiert am: 07.02.2018 10:27