Projekt Melissa: Bienenschäden und Pflanzenschutz

Das Forschungsprojekt „MELISSA“ beschäftigte sich in den letzten drei Jahren mit den Zusammenhängen zwischen Bienenverlusten, Bienenkrankheiten und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Imkereiwirtschaft und Landwirtschaft sollen kooperieren.
Das Projekt Melissa befasste sich mit den Zusammenhängen zwischen Bienensterben und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Das Projekt Melissa befasste sich mit den Zusammenhängen zwischen Bienensterben und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Wesentlich für die Verhinderung von Bienenschäden bei der Aussaat von insektizidgebeiztem Saatgut von Mais und Ölkürbis mit pneumatischen Sämaschinen ist die Vermeidung der Abdrift von Beizmittelabrieb. Die Zulassung schreibt daher Abriebgrenzwerte, die Verwendung von Deflektoren und eine maximale Windgeschwindigkeit von 5 m/sec (18 km/h) vor. Im Rahmen des „MELISSA“-Projektes wurde die Windgeschwindigkeit im Hauptanbaumonat April untersucht. In den Jahren 2009 bis 2011 wurde die maximale Windgeschwindigkeit zur Zeit der Windspitzen zum Teil weit überschritten. Beim Anbau insektizidgebeizten Saatguts sollte der Landwirt darauf achten, dass diese Grenze nicht überschritten wird.

Neonikotinoide Beizmittel
Im Jahr 2011 kam es zu einer deutlichen Flächenausweitung der Maisanbaufläche auf ca. 297.000 ha. Der Verkauf insektizidgebeizten Saat guts in Österreich ging dagegen im Jahr 2011 im Vergleich zu 2010 um rund ein Drittel zurück. Der Anteil des mit Neonikotinoiden gebeizten Saatgutes am gesamten Saatmaisabsatzmarkt betrug ca. 27,9 %.
Die österreichische Ölkürbisanbaufläche reduzierte sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr um rund 1.300 ha auf ca. 26.000 ha. Der Anteil des mit Neonikotinoiden gebeizten Saatgutes am gesamten Saatkürbismarkt 2011 betrug ca. 28,6 %.

Untersuchung von Bienenverlusten
Das Bienensterben wurde 2011 mit Hilfe von Imkereibetrieben erhoben, deren Meldungen in drei Gruppen gegliedert waren:

  • Gruppe A meldete Vergiftungsverdacht zur Zeit der Auswinterung. Meldungen von sechs Betrieben (neun Ständen) aus zwei Bundesländern (OÖ, NÖ).
  • Gruppe B meldete Vergiftungsverdacht im Zeitraum Frühjahr – Sommer 2011. Meldungen von 85 Imkern (139 Ständen) aus sechs Bundesländern.
  • Gruppe C: meldete Vergiftungsverdacht nach Maisblüte. Meldungen von fünf Betrieben (fünf Ständen) aus drei Bundesländern.


Die eingesendeten Bienen- und Brutproben wurden auf Krankheitserreger und Parasiten untersucht. Die Rückstandsuntersuchungen an Bienen und Bienenbrot erfolgten auf die insektiziden Beizmittelwirkstoffe Clothianidin, Thiamethoxam, Imidacloprid, Fipronil und den Metaboliten Fipronil-sulfon.

Vermehrtes Vorkommen von toten Bienen im Gras vor dem Bienenstock.
Vermehrtes Vorkommen von toten Bienen im Gras vor dem Bienenstock.
Vergiftungsverdacht zur Zeit der Auswinterung
Imker der Gruppe A meldeten in sechs Fällen den Verdacht von Winterverlusten wegen Vergiftungen. Die Völker waren teilweise stark geschwächt, es gab aber auch ganze Völkerverluste. Die Rückstandsuntersuchung von Bienenbrot aus abgestorbenen bzw. geschädigten Wintervölkern ergab in zwei Fällen aus Oberösterreich ein positives Ergebnis für Clothianidin bzw. Imidacloprid unter der Bestimmungsgrenze. Ob in diesen beiden Fällen tatsächlich durch insektizidgebeiztes Saatgut
kontaminierter Pollen bzw. Bienenbrot während der Winterbienenaufzucht zu den Völkerverlusten geführt oder dazu beigetragen hat, wie von den Imkern als Schadursache vermutet, ist anhand der wenigen vorliegenden Daten nicht zu entscheiden. In den anderen vier Fällen waren Parasiten und Krankheitserreger an den Völkerverlusten mit beteiligt bzw. dafür die wahrscheinliche Ursache. Dies lässt sich aus dem hohen Anteil positiver Nachweise für Varroa, Flügeldeformationsvirus, das Akute Bienenparalyse Virus und für Nosema ableiten.

Autoren: Rudolf MOOSBECKHOFER, Josef MAYR, Katharina ETTER, Anton TURKOWITSCH, Eveline DORN, Christoph CZERWENKA, Irmgard DERAKHSHIFAR, Hemma KÖGLBERGER, Michael SCHWARZ, Josef HARTMANN, Anja BARTELS; Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Wien.

Weitere Details zum Projekt "Melissa" können Sie in der Ausgabe 9/2012 des "Fortschrittlichen Landwirts" nachlesen. Probeheft bestellen.


Aktualisiert am: 19.04.2012 09:16
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