Milchproduktion im Berggebiet – ist sie noch wirtschaftlich?

Das Jahr 2013 steht für große Herausforderungen für die künftige Milchproduktion im österreichischen Berggebiet. Was bisherige Entwicklungen über die Zukunft verraten, lesen Sie im ersten Teil des Beitrages.
Die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft je Betrieb stiegen von 2003 bis 2008 im Schnitt in allen Erschwernisgruppen bis auf wenige Ausnahmen stetig an.
Die Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft je Betrieb stiegen von 2003 bis 2008 im Schnitt in allen Erschwernisgruppen bis auf wenige Ausnahmen stetig an.
Die große Relevanz der Milchproduktion für das österreichische Berggebiet belegen einige wenige Strukturdaten aus 2008/09: 72 Prozent der Milchbetriebe zählen zu den Bergbauernbetrieben, in Summe produzieren sie etwa zwei Drittel der heimischen Milch. Aufgrund der natürlichen Standortnachteile verfügen sie über deutlich weniger Milchquote je Betrieb als Nichtbergbauernbetriebe (61 gegenüber 81 Tonnen). Mit zunehmender natürlicher Erschwernis nimmt die durchschnittliche Milchquote je Betrieb signifikant ab: von 74 Tonnen in der BHK-Gruppe 1 auf 29 Tonnen in der BHK-Gruppe 4.

Milchproduktion wandert in die Gunstlagen des Berggebiets
Die Milchproduktion im Berggebiet hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Ein Grund liegt sicher daran, dass im Grünland die Alternativen zur Milchproduktion wirtschaftlich weniger interessant sind als im Ackerland. Insgesamt nahm die Milchquote von Bergbauernbetrieben seit 1995 um fast ein Fünftel zu, während sie in Nichtbergbauernbetrieben um 2,5 Prozent abnahm. Auch die Anzahl der Betriebe reduzierte sich im gleichen Zeitraum außerhalb des Berggebiets deutlicher (-56 Prozent) als unter den Bergbauernbetrieben (-41 Prozent). Die Zunahme der Milchquote und damit der Milchproduktion im Berggebiet sagt jedoch noch nichts über die Verlagerungen innerhalb der Bergbauernbetriebe aus. Analysiert man den Transfer von Milchquoten nach der natürlichen Erschwernis der Betriebe, so zeigt sich eine Verlagerung von oben nach unten: Betriebe bzw. Regionen mit großer Erschwernis verloren Milchquoten, während jene in Tal- und Hügellagen des Berggebiets überproportional an Milchquoten zulegten. Daraus resultiert die Herausforderung für extreme Bergregionen, wie hier die Milchproduktion längerfristig abgesichert werden kann.

Autor: Dr. Leopold KIRNER, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, Wien


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Aktualisiert am: 21.10.2009 14:51
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