Milchmarkt realistisch einschätzen

Nicht Wunschvorstellungen und Verklärung der Vergangenheit bringen eine bessere Milch-Zukunft, sondern nur der Blick auf die Fakten. Erst wenn Angebot und Nachfrage wieder im Lot sind, wird es höhere Milchpreise geben. Welche Probleme eine kleine Privatmolkerei dabei sieht, lesen Sie in diesem Beitrag.
Selbst wenn einzelne Molkereien eine Art Quote für ihre Milcherzeuger einführen, so wird sich das insgesamt auf den Milchmarkt zu wenig auswirken.
Selbst wenn einzelne Molkereien eine Art Quote für ihre Milcherzeuger einführen, so wird sich das insgesamt auf den Milchmarkt zu wenig auswirken.
Diskussionen, wie die Mengensteuerung nach 2015 aussehen könnten, stehen bei den Molkereien derzeit auf der Tagesordnung. Je mehr sich die Erkenntnis durchsetzt, dass die staatliche Quote jetzt endgültig nicht mehr zu halten ist, um so mehr beschäftigen sich Milcherzeuger und auch manche Molkereien damit, wie es nach dem Ende der Quote weitergehen könnte. Dabei klammern sich viele jetzt an eine Art Ersatzquote, in der Hoffnung, dass das dann zu Milchpreisen führt, bei dem alle Betriebe weitermachen können.

Regulierung durch Molkerei?
Oft wird argumentiert, dass einzelne Molkereien doch mit ihren Lieferanten die Mengen begrenzen können. Das kann in diesem Stadium, wo es die staatliche Quote noch gibt und von der Molkerei in der Regel als Basis für die Anlieferungsgrenze hergenommen wird, sogar funktionieren. In diesem System kann sich auch noch jeder einzelne vorwärts strebende Milcherzeuger über eine einheitliche und eindeutig geregelte Gesetzeslage mit zusätzlicher Quote eindecken und sich so der molkereibedingten Einschränkung entziehen. Die echten Probleme kommen erst, wenn die staatliche Basis nicht mehr da ist, dann geht es schlimmer zu als in der Schweiz.

Szenario mit Kaufverträgen
Wir als Bergader Privatkäserei haben derzeit mit elf verschiedenen Liefergemeinschaften Milchkaufverträge und würden dann daran gehen, Mengen in den Verträgen festzuschreiben. Wir könnten es uns ganz einfach machen und mit der Liefergemeinschaft festlegen, welche festen Mengen zu welchen Zeiten abzuliefern sind und den Rest dann den Vorständen überlassen, wie sie das mit ihren Bauern regeln. Wahrscheinlich sind die Vorstände aber dann bald nicht mehr Vorstände und die Gemeinschaft zerlegt sich über kurz oder lang selbst und geht zerstritten auseinander, weil sie sich über die vielen Detailfragen nicht einigen kann. Das Problem fängt mit der grundsätzlichen Festlegung der Ausgangsbasis an: Ist es die vorherige Quote? Was ist mit anteiliger Pachtquote? Oder wird die Anlieferung im letzten Jahr vor Quotenende genommen. Was ist mit der Fettquote? Was passiert, wenn der Einzelne seine Menge überschreitet, aber die Gesamtmenge der Gemeinschaft noch nicht erfüllt ist, wird dann innerhalb der Gemeinschaft saldiert? Oder umgedreht, wenn die Gesamtmenge der Gemeinschaft schon voll geliefert ist, dürfen dann die Lieferanten, die sich die Ablieferung eingeteilt haben und ihren Anteil noch nicht ausgeschöpft haben auch nicht mehr weiter liefern? Oder gibt es dann dafür nur eine Strafe? Diese Strafe müsste dann auch vorher festgelegt werden.

Lieferrechte handelbar
Wir müssen davon ausgehen, dass so wie in den letzten Jahrzehnten, ob mit oder ohne Quote auch in den nächsten 10 Jahren zahlreiche Landwirte aus der Milchproduktion aussteigen. Da waren in den letzten 40 Jahren keine großen Unterschiede. Wie werden diese Lieferrechte neu verteilt? Wer von den verbleibenden Lieferanten bekommt wie viel davon? Prozentual für alle gleich, oder gibt es für Investitionen etwas mehr usw.? Oder können die Lieferanten diese Lieferrechte untereinander handeln, das heißt, dass diejenigen, die in Ruhestand gehen oder aus anderen Gründen ausscheiden wieder von den weiter arbeitenden Milchbauern Geld bekommen müssen? Wie können diese Lieferrechte dann übergehen? Nur Kauf oder auch Pacht und Leasing? Wer bescheinigt den Übergang? Muss dafür ein Kaufvertrag, eine Überweisung etc. bei der Molkerei oder der Liefergemeinschaft vorgelegt werden? Kann der Milcherzeuger sich dann nur von Mitgliedern seiner eigenen Gruppe Lieferrechte beschaffen z.B. für die Liefergruppe Innviertel von Ried bis Schärding oder auf bayerischer Seite die Genossenschaft Salzachtal von Fridolfing bis Burghausen statt von Bayern bis Schleswig Holstein? Die Liefergruppen von Bergader würden sich wahrscheinlich nicht dazu durchringen können, dass von Holzkirchen bei München bis St. Ägidi an der österreichischen Donau Mengen ausgetauscht werden können und damit zwangsläufig das Gewicht der einzelnen Liefergruppen verschoben würde. Bisher hat ja viel von der Bürokratie in Österreich die AMA oder in Bayern die Landwirtschaftsämter, die Börsenstelle und das Hauptzollämter abgewickelt. Nach dem Ende der Quote müsste das dann allein von den Molkereien und den Liefergruppen abgewickelt werden. Es hat schon seinen Grund, dass z.B. die deutsche Milchquotenverordnung 58 Paragraphen hat und 26 Seiten umfasst, weil sich erst in der Praxis herausstellt, wo überall Regelungen gefunden werden müssen und der Teufel im Detail steckt.

Autor: Johann KRAUTENBACHER, Bergader Privatkäserei, Waging am See (D)


Aktualisiert am: 08.08.2016 12:38
Landwirt.com Händler Landwirt.com User