Melkarbeitsplätze ergonomisch gestalten

In einem Melkstand mit acht und mehr Plätzen ist die Anforderung an den Melker hoch und die Muskulatur hat kaum Zeit, um sich zu regenerieren. Folgender Beitrag zeigt, wie die Belastung für den Melker reduziert werden kann.
Da der Multilactor® kein Sammelstück hat, ist er leichter und erleichtert die Melkarbeit.
Da der Multilactor® kein Sammelstück hat, ist er leichter und erleichtert die Melkarbeit.
Die Melkarbeit hat sich durch fortschreitende Rationalisierung und Mechanisierung stark verändert. Trotz der gesunkenen physischen Belastung durch eine Umstellung von der Rohmelkanlage zum Melkstand sind insbesondere Melkerinnen überdurchschnittlich oft von Erkrankungen im Bereich des Muskel-Skelett-Systems betroffen. Die Beschwerden sind vor allem im Bereich der oberen Extremitäten lokalisiert. Ähnliche Tendenzen sind auch in anderen Teilen Europas zu erkennen. Fast jeder dritte finnische Milchproduzent leidet an Beschwerden in der Nacken- und Schulterregion. Die Ursachen für Muskel-Skelett-Erkrankungen sind sehr vielfältig und lassen sich nicht immer direkt zuordnen. Sie können rein physischer, aber auch arbeitsorganisatorischer Natur sein. Wesentliche, im modernen Melkstand zu nennende, Risikofaktoren sind die sich immer wiederholenden Körperbewegungen, statische Haltearbeit, zum Teil auch in Kombination mit ungünstigen Körperhaltungen und das hohe Arbeitstempo.

Neigen belastet
Das Überschreiten von 20° Rumpfbeugung geht mit einer erhöhten Belastung der Wirbelsäule insbesondere im Lendenwirbelbereich einher. Beim Arbeiten mit dem Multilactor war die Rumpfbeugung bei allen Arbeitshöhen kleiner als 20°. Das Anlegen des schwereren Melkzeuges dauerte mit ca. 14 Sekunden eine Sekunde länger als das Anlegen des leichteren Melkzeugs. Bei Verwendung des Multilactors reduzierte sich die Zeitdauer des Anlegens und damit die Dauer der Arbeitsbelastung um etwa weitere zwei Sekunden. Die Beanspruchung der Arm-, Schulter- und Rückenmuskulatur war am höchsten, wenn das schwerere Melkzeug eingesetzt und über Schulterniveau gearbeitet wurde. Durch den Gebrauch des Multilactors sank die Muskelbeanspruchung insgesamt deutlich. Der Anteil statischer Haltearbeit wurde reduziert und die dynamischen (günstigen) Muskeltätigkeiten entsprechend erhöht.

Zitzenspitzen auf Schulterhöhe
In der Praxis variieren die Abstände vom Euterboden zur Standfläche in Abhängigkeit des Alters und der Rasse in den Kuhpopulationen um etwa 40 cm. Die Arbeitshöhe wird dadurch maßgeblich beeinflusst. Hinzu kommt der Einfluss durch die Körpergröße der Arbeitskraft. Die in den Versuchen simulierte Variation von 30 cm ist demzufolge unter Praxisbedingungen wesentlich größer und wirkt sich entsprechend auf die Körperhaltung aus.
Basierend auf den Versuchsergebnissen ergibt sich die Empfehlung, die Arbeitshöhe wenn möglich so anzupassen, dass die Zitzenspitzen auf Höhe der Schulter liegen. Das sollte bei der Einstellung von Hubböden aber auch beim Neubau eines Melkstandes (Grubentiefe) berücksichtigt werden. Die optimale Grubentiefe für einen Betrieb ergibt sich aus der mittleren Schulterhöhe des Melkpersonals abzüglich des mittleren Abstands der Zitzenspitzen zum Boden.

Multilactor entlastet
Neben der Optimierung der Arbeitshöhe sind leichte Melkzeuge in der Lage, die Arbeitsbelastung deutlich zu reduzieren. Der Einsatz des Multilactors lässt eine weitere Entlastung der Arbeitskräfte auch im Vergleich zu einem leichten Melkzeug erwarten. Dies ergab die Messung der muskulären Aktivität im direkten Vergleich. Die deutlich messbaren Unterschiede in der Arbeitsschwere bei nur geringen Änderungen der Arbeitsplatzgestaltung im Gegensatz zur möglichen realen Variationsbreite liefern eine erste mögliche Erklärung für die in der Praxis auftretenden Gesundheitsprobleme. Kleine Melker müssen die Arme stärker anheben und haben zudem eine geringere Reichweite, Probleme im Bereich der oberen Extremitäten sind wahrscheinlicher. Große Personen hingegen werden eher unter Schulterniveau arbeiten und höhere Werte bei der Rumpfneigung aufzeigen. Diese ist häufig mit Seitneigung oder Verdrehung des Rumpfes gekoppelt. Dadurch wird die Wirbelsäule verstärkt belastet.

Fazit
Beim Neubau eines Melkstandes sollte die Arbeitshöhe im Melkstand so an die Größe des Melkers angepasst sein, dass die Zitzenspitzen auf Höhe der Schulter liegen. Neben der Optimierung der Arbeitshöhe sind leichte Melkzeuge in der Lage, die Arbeitsbelastung deutlich zu reduzieren. Der Einsatz des Multilactors lässt eine weitere Entlastung der Arbeitskräfte auch im Vergleich zu einem leichten Melkzeug erwarten.

Autoren: Dr. Martina JAKOB, Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim und Dr. Falk LIEBERS, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Berlin (D)


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Aktualisiert am: 05.01.2010 14:05
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