Lenktriebachsanhänger versus Transporter

Das „Landwirt“-Testteam und die BLT Wieselburg haben zwei unterschiedliche Transportsysteme für Steilflächen bei der Heu- und Silageernte unter die Lupe genommen. Zum Vergleich standen ein moderner Transporter und ein Gespann bestehend aus Standardtraktor und Lenktriebachsanhänger.
Triebachs-Gespann: Lindner Geotrac 84 + Lenktriebachsanhänger Urs Schmid + Ladewagenaufbau Lüönd
Triebachs-Gespann: Lindner Geotrac 84 + Lenktriebachsanhänger Urs Schmid + Ladewagenaufbau Lüönd
Für die Bewirtschaftung von Steilflächen zählt der Transporter ähnlich wie der Zweiachsmäher zur maschinellen Grundausstattung vieler Betriebe. Er ist ein Spezialfahrzeug, das für die Anforderungen am Berg seit vielen Jahren immer wieder weiterentwickelt wurde. Diese Technik ist in der alpinen Landwirtschaft weit verbreitet und erprobt. Global betrachtet ist der Transporter aber ein Nischenfahrzeug und dementsprechend teuer. Für viele Betriebe ist oft aufgrund der geringen Auslastungsmöglichkeit ein wirtschaftlicher Einsatz nicht möglich. Daher gibt es immer wieder Versuche und neue Anläufe den Transporter – und auch den Zweiachsmäher – durch die Mechanisierung mit einem Standardtraktor zu ersetzen. Dieser ist je nach Ausstattungsumfang in der Anschaffung wesentlich günstiger als ein Transporter und lässt sich viel flexibler einsetzen. Zusätzlich können Fronthydraulik, Frontzapfwelle und ein Frontlader angebaut werden.
Um sich mit den Steigfähigkeiten eines Transporters messen zu können, müssen der Traktor und die angehängten Geräte möglichst kompakt und leicht sein sowie einen niedrigen Masseschwerpunkt haben. Wird die Triebachse mit einer Wegzapfwelle angetrieben, so lässt sich die Steigfähigkeit eines Traktor-Geräte-Gespanns wesentlich verbessern. Wird diese Achse zusätzlich noch gelenkt, erhöht sich auch die Wendigkeit. Der von uns in diesem Vergleichstest untersuchte Lenktriebachsanhänger des Schweizer Herstellers Urs Schmid kann noch viel mehr.

Transporter Lindner Unitrac 92 L + Ladewagenaufbau Gruber
Transporter Lindner Unitrac 92 L + Ladewagenaufbau Gruber
Zwei ungleiche Alpinisten
Die Zugfahrzeuge für diesen Systemvergleich stellte uns der österreichische Bergspezialist Lindner zur Verfügung: einen Geotrac 84 und den Transporter Unitrac 92 L. Beide Maschinen haben denselben Perkins-Motor mit einer Nennleistung von 68 kW/92 PS. Der Traktor wurde für den Hangeinsatz auf der Vorder- und Hinterachse mit Doppelrädern ausgerüstet. Auch am Lenktriebachsanhänger mit dem Ladewagenaufbau wurde eine Zusatzbereifung montiert. Zum einen um die entsprechende Kippstabilität zu gewährleisten, und andererseits um die Aufstandsfläche für eine gute Verzahnung mit der Grasnarbe zu erhöhen. Beim Transporter verfügte lediglich die Hinterachse über Doppelräder.
Unterschiede gab es auch bei den Aufbauten. Der Unitrac 92 L war mit einem Gruber-Ladewagen ALW 220 mit geschobener Pick-up ausgerüstet. Der Lenktriebachs-Anhänger hatte einen Lüönd Swiss-Profi mit einer Nachlauf-Pick-up auf dem Buckel. Die BLT Wieselburg hat bei Gruber ein maximales Ladevolumen von 11 m³ gemessen. Der Schweizer Lüönd war mit gemessenen 12 m³ geringfügig größer.

Für die Ermittlung des Treibstoffverbrauches wurde an beiden Fahrzeugen ein Kraftstoffmesssystem aufgebaut.
Für die Ermittlung des Treibstoffverbrauches wurde an beiden Fahrzeugen ein Kraftstoffmesssystem aufgebaut.
Das wurde untersucht
Die technischen Parameter wie Motorleistung, Gewichte, Abmessungen und der Masseschwerpunkt wurden auf den Prüfständen der BLT Wieselburg ermittelt. Beim Vergleich in der Praxis wurde Welkheu mit einem durchschnittlichen Trockenmassegehalt von 74,9 % abwechselnd mit dem Transporter und dem Triebachs-Gespann eingefahren, um vergleichbare Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Für die Ermittlung des spezifischen Treibstoffverbrauches wurde an beiden Fahrzeugen ein Kraftstoffmesssystem aufgebaut.
Vor dem Abladen jeder einzelnen Fuhre wurde mit Raddruckwaagen das Gewicht bestimmt.
Vor dem Abladen jeder einzelnen Fuhre wurde mit Raddruckwaagen das Gewicht bestimmt.

Um die Ladeleistung beurteilen zu können, wurden die Arbeitszeiten für den Lade- und Wendevorgang getrennt aufgezeichnet, die Länge der einzelnen Schwade und die Hangneigung bestimmt. Vor dem Abladen jeder einzelnen Fuhre wurde mit Raddruckwaagen das Gewicht ermittelt. Abschließend wurden die entstandenen Schäden an der Grasnarbe beurteilt. Gerade bei der Hangbewirtschaftung gilt es Flurschäden zu vermeiden. Diese führen zu Mindererträgen der Folgeschnitte, begünstigen Erosion und lassen Flächen schließlich verunkrauten.

Stärken und Schwächen der Systeme
Beide Systeme eignen sich für eine sichere und schlagkräftige Futterernte in der Hangbewirtschaftung. Die Vor- und Nachteile des jeweiligen Gespannes hängen auch stark vom Fahrer, den Gegebenheiten auf dem Hof, den Geländeverhältnissen und den Bodenbedingungen ab. Wir haben deshalb die Systeme nicht mit Plus- und Minuspunkten bewertet, sondern deren Stärken und Schwächen zusammengefasst.

Alle Details zu beiden Systemen und wie die Lenktriebachse von Schmid funktioniert, sowie alle Messergebnisse dieser Untersuchung erfahren Sie in der Ausgabe 18/2012 unserer Fachzeitschrift „Der fortschrittliche Landwirt“.
In der Ausgabe 19/2012 werden wir ausführlich über die Wirtschaftlichkeit der beiden Systeme berichten. Zudem haben wir vier Landwirte befragt, die schon einige Jahre mit der Lenktriebachse Erfahrungen gesammelt haben.

Aktualisiert am: 20.09.2012 09:12
Landwirt.com Händler Landwirt.com User