Kurzumtrieb mit Weide und Pappel

In Zeiten, in denen Getreide, Mais und andere Kulturen keine großen Erlöse abwerfen, sind Kulturen, die über einen Kontrakt mit Preisgarantie angebaut werden können, eine interessante Alternative. Eine Kultur dieser Art ist der Kurzumtrieb mit Pappel oder Weide. Für einen erfolgreichen Anbau sind jedoch einige Punkte wesentlich.
Bei Pappel ist die derzeitige Auswahl auf italienische Züchtungen beschränkt.
Bei Pappel ist die derzeitige Auswahl auf italienische Züchtungen beschränkt.
Im Zusammenhang mit dem Anbau von raschwüchsigen Weiden und Pappeln wird fälschlicherweise oft angenommen, dass es sich bei diesen Kulturen um extensive Kulturen handelt. Aber gerade das Ertragsniveau entscheidet wesentlich über den Erfolg. In Gunstlagen sind entsprechend unserer Versuche durchaus Erträge über 20 t TM je Hektar und Jahr im zweijährigem Umtrieb möglich (Durchschnitt 14 bis 16 t je ha und Jahr).

Erstes Jahr entscheidend
Die Kultur muss im ersten Jahr fürsorglich betreut werden. Gelingt es, die Bäume unkrautfrei über das erste Jahr zu bringen, hat man schon einen großen Teil des Weges zum Erfolg hinter sich gebracht. Eine Vorauflaufspritzung unmittelbar nach der Pflanzung bietet der Kultur bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit auf diese Weise Schutz über drei bis vier Wochen hinweg. Danach geht die Reise weiter mit einer Fräse, welche nicht nur der Unkrautbekämpfung dient, sondern auch eine Belüftung der Wurzel sicherstellt. Hat die Kultur eine Wuchshöhe von mindestens einem Meter erreicht, wird die weitere Unkrautbekämpfung nur noch mit einer Unterblattspritzung mit speziellen Geräten, wie sie im Obst- und Weinbau verwendet werden, ausgeführt.

Ohne Dünger kein Kurzumtrieb
Unsere neuen Erfahrungen im Grünlandgebiet zeigen, dass die Pappel selbst auf 1000 m Seehöhe bei günstiger Lage gute Wuchsleistungen erbringen kann. Wir haben jedoch festgestellt, dass die zuvor meist extensiven Grünlandbestände keine gute Phosphorversorgung und auch niedrige pH-Werte aufweisen. Eine Aufdüngung mit Phosphor und eine Verbesserung des pH-Wertes auf zumindest über 5,5 zeigen einen um etwa einen Meter längeren Wuchs im Vergleich zur ungedüngten Variante. Das kann im Alpingebiet wirtschaftlich entscheidend sein. Erträge unter 12 Tonnen absolut trockener Ware (atro) je Hektar und Jahr sind nur dann eine Überlegung wert, wenn die Transportwege zum Endverbraucher kurz sind.

Welche Umtriebszeit?
Primär werden Landwirte mit langfristigen Kontrakten in Lagen, wo eine Ernte mit dem Vollernter möglich ist, den wahrscheinlich im Ertrag höher liegenden zweijährigen Umtrieb (Abstand zweier aufeinander folgender Erntetermine) bevorzugen. Soll jedoch eine Ware erzeugt werden, die nicht so feucht ist, wie dies unmittelbar nach der Ernte von Kurzumtriebsholz mit 50 bis 60 % Wassergehalt der Fall ist, oder ist die Fläche für den Vollernter zu steil (mehr als 15 % Neigung), dann ist der fünf- oder mehrjährige Umtrieb zu bevorzugen. Bei hoher Umtriebsdauer werden die Bäume nicht mehr mit dem Vollernter, sondern per Hand mit der Motorsäge oder mit Harvester und Forwarder geerntet. Anschließend wird das Holz zwischengelagert und nach ca. vier Monaten gehackt. Damit sind Feuchtigkeiten von unter 24 % mittels Lufttrocknung möglich.

Vorteil mehrjähriger Umtriebe
Obwohl die Erträge bei mehrjährigen Umtrieben geringer sind als beim zweijährigem Umtrieb, weil einfach weniger Pflanzen je Hektar stehen, bietet diese Produktionsform den Vorteil, dass der Brennwert in etwa um 6 % höher ist, da durch den geringeren Rindenanteil die Feuchtigkeit geringer ausfällt. Im Durchschnitt werden für den fünfjährigen Umtrieb 1.500 bis 1.900 Stecklinge mit 20 cm, 60 cm oder Zweimeter-Ruten ausgepflanzt. Der Vorteil der langen Ruten liegt darin, dass die chemische Pflege von Beginn an durchgeführt werden kann und die Wuchsleistungen höher sind. Deshalb ist auf kleinen Flächen und auch in hohen Lagen die Pflanzung von Ruten sinnvoll. Es bleibt aber festzuhalten, dass die zwei Meter langen Ruten auch tiefer, nämlich mindestens 60 cm, gepflanzt werden müssen. Manche Standorte im alpinen Gebiet haben nicht diese Krumenmächtigkeit. Für den zweijährigen Umtrieb verwendet man bei Weide 14.000 bis 16.000 und bei Pappel 6.500 bis 7.500 Stecklinge je Hektar.

Vollmaschinelle Kurzumtriebsernte – Vorführung 2009
Große Hersteller von Vollerntern für Kurzumtriebskulturen präsentieren ihre neuesten technischen Entwicklungen. Weiters gibt es aktuelle Informationen zum Thema Kurzumtrieb.
MI 25.11. 2009 von 9-12 Uhr am Betrieb Andrea Schnaderbeck, 8324 Kirchberg an der Raab 25
DO 26.11.2009 von 13-16 Uhr am Betrieb Siegfried Wildbolz, 8753 Fohnsdorf, Aichfeldstraße 8
Nähere Informationen finden Sie unter www.landwirt.com/bioenergie

Autor: Dr. Karl MAYER, LK Steiermark


Autor:
Aktualisiert am: 04.11.2009 14:34
Landwirt.com Händler Landwirt.com User