John Deere Rundballenpresse RB 990 im Praxistest

Mit den Rundballenpressen der Serie 900 hat John Deere eine neue Liga eröffnet. Die von uns getestete 990er überzeugte mit Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und knallharten Ballen. Das sind die Attribute, mit denen auch der FC Barcelona seine Gegner in Schach hält. Trotz allem ist auch die Rundballenpresse von John Deere, wie der siegverwöhnte FC Barcelona, nicht unfehlbar.
Die RB 990 presst knallharte Strohballen bis zu einem Durchmesser von 1,85 m.
Die RB 990 presst knallharte Strohballen bis zu einem Durchmesser von 1,85 m.
Die neue Baureihe von variablen Rundballenpressen besteht aus zwei Typen: die RB 960 mit Ballendurchmessern von 0,6 bis 1,60 m und die von uns getestete RB 990 mit einer Ballengröße von 0,6 bis 1,85 m. John Deere behauptet, dass in diesen neuen Maschinen weniger als 20 % der Leistungsmerkmale der 800er-Serie stecken, dafür aber über 20 Patente. Laut eigenen Angaben dauerte die Entwicklung rund zehn Jahre.
Schon beim ersten Anblick sieht man, dass diese Presse nicht nur optisch, sondern auch technisch anders ist: Die markantesten Merkmale sind zwei breite Pressriemen und ein Vorhang, der aussieht wie das Verdeck eines Cabriolets.

Durchgehender Stahlrahmen
Wie schon seit vielen Jahren bei den Traktoren setzt John Deere nun auch bei den Rundballenpressen auf eine Rahmenkonstruktion. Ein durchgehender Stahlrahmen trägt alle Komponenten der Maschine. Der Rahmen fängt sämtliche Belastungen und Stöße ab und schont so die anderen Baugruppen. Der Hersteller verspricht sich von diesem Bauprinzip eine höhere Lebensdauer. Über die Langlebigkeit können wir, trotz unseres intensiven und umfangreichen Praxistests von knapp 1.000 gepressten Silage-, Heu- und Strohballen, keine Aussage treffen. Trotzdem, innovativ ist dieses Konzept auf jeden Fall!
Durch die neue Bauweise hat die Presse aber auch an Gewicht zugelegt: Sie bringt um rund eine Tonne mehr auf die Waage als das etwas kleinere Modell der 800er-Serie. Somit zählt sie derzeit zu den Schwergewichten im Markt. Mit den großen Reifen der Dimension 500/60 R 22,5 ließ sich unser Testkandidat aber auch am Hang leicht ziehen.

Mit dem ISOBUS-Terminal Greenstar 2 1800 lassen sich alle Einstellungen von der Kabine aus durchführen.
Mit dem ISOBUS-Terminal Greenstar 2 1800 lassen sich alle Einstellungen von der Kabine aus durchführen.
3 Walzen, 2 breite Bänder
Die Ballenkammer der 900er-Serie ist um 4 cm breiter geworden. Sie macht 1,21 m breite Ballen mit einem Durchmesser von 0,6 bis 1,85 m. Auch der maximale Durchmesser ist um 5 cm gewachsen. Das entspricht in Summe um bis zu 10 % mehr Volumen im Vergleich zur Serie 800. Die variable Presskammer wird von nur zwei 57,3 cm breiten endlosen Riemen gebildet. Da bleibt wenig Platz für Ernteverluste zwischen den Riemen. Drei Presswalzen im Einzugsbereich fördern die Ballenrotation. Wie alle anderen Parameter lässt sich der Pressdruck am Terminal in der Kabine einstellen. Bei unserem Testkandidaten befand sich das Manometer für die Druckanzeige auf der Vorderseite der Presse. Das hat John Deere für die Saison 2013 geändert. Ab sofort wird der Pressdruck auf dem Bedienterminal in der Fahrerkabine dargestellt. Das neu entwickelte Riemenspannsystem sorgt für enorme Ballendichten. Unser Testfahrer sagte: „In meiner fast 15-jährigen Tätigkeit als Testfahrer konnte ich noch nie so feste Ballen pressen wie mit der 990 von John Deere. Bei kleinen Schwaden verwendete ich sogar zum Pressen von Silage die Weichkerneinrichtung, um ein vernünftiges Auflösen des Ballens zu gewährleisten.“
Die Ballen waren unter allen Bedingungen sehr gleichmäßig und hatten sogar bei reduzierter treibstoffsparender Drehzahl stets eine schöne Form. Auch das Pressen von Heuballen mit zwei am Terminal einstellbaren Weichkernzonen ist kein Problem.
Wie bei vielen variablen Riemenpressen kann es auch bei der 900er-Serie bei kurzem, nassem Futter im Herbst zu Schwierigkeiten kommen. Futterverschmutzungen im oberen Walzen- und Riemenbereich können die beiden Riemen bei Pressbeginn zum Stillstand bringen. Unter solchen Bedingungen mussten unsere Fahrer jeweils nach rund 20 Ballen kurz absteigen und das zwischen Walzen und Riemen angesammelte Futter beseitigen.

Siegertyp mit durchdachter Technik
Auch beim Preis gibt es Parallelen zur Startruppe des FC Barcelona. Die Leistung lässt sich auch John Deere entsprechend vergüten: Die von uns getestete RB 990 mit dem 13 Messer-Schneidwerk kostet in Serienausstattung schon 74.600 Euro inkl. MwSt. Bleibt nur noch abzuwarten, ob auch John Deere wie der FC Barcelona seine Gegner mit seiner ausgefeilten Technik in Schach halten kann. Die Gene dazu hat diese Rundballenpresse auf jeden Fall.

Weitere Details über die Durchsatzleistung, die neue Duckbill-Netzbindung sowie über das konkurrenzlose Schnellauswurfsystem mit seinen Vor- und Nachteilen erfahren Sie in der Ausgabe 07/2013 unserer Fachzeitschrift „Der fortschrittliche Landwirt“.


Aktualisiert am: 23.03.2013 22:52
Die RB 990 hat einen durchgehender Stahlrahmen, der sämtliche Belastungen und Stöße auffängt.
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