Interview zur Milchquote mit Dr. Leopold Kirner

Kategorien zum Thema: Milchmarkt Milchvieh Rinder Top
Mit 1. April 2015 ist die Milchquote Geschichte. Dr. Leopold Kirner erwartet einen Preiseinbruch, der sich bis zum Herbst wieder erholen sollte.
Dr. Leopold Kirner, Professor an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien, geht davon aus, dass sich der Milchpreis ab Herbst 2015 wieder erholen wird.
Dr. Leopold Kirner, Professor an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien, geht davon aus, dass sich der Milchpreis ab Herbst 2015 wieder erholen wird.
LANDWIRT: In den letzten 20 Jahren wurde die Milchquote 17 Mal überliefert. Hat die Quote ihren Sinn erfüllt?
Leopold Kirner: Die Quote hat sicherlich den Sinn erfüllt. Das Ziel der Quotenregelung war, dass der Preis stabilisiert wird und nicht zu viel geliefert wird. Wir hatten ein höheres Preisniveau gegenüber Drittstaaten. Erst in den letzten Jahren hat die Quote jegliche Funktion verloren. Die Weltmarktpreise lagen teilweise höher als in der EU. Das hat seinen Grund. Die EU hat sich verpflichtet, weniger Exportsubventionen zu zahlen und weniger Zölle auf die Milch zu geben. Dadurch wurde die Quote ausgehöhlt.

Wie wird sich der Preis ab April 2015 entwickeln?
Derzeit ist viel Milch am Markt, es gibt hohe Lagerbestände und das führt dazu, dass wir jetzt einen Preiseinbruch haben. Das hat sich schon abgezeichnet. Der Milchpreis war seit 2011 auf einem relativ hohen Niveau. Weltweit wurde deshalb viel produziert. In liberalisierten Märkten ist es so, dass sich Preise auf und ab entwickeln. Wenn der Preis gut ist, dann ist natürlich der Ansporn zu Mehrproduktion vorhanden. Und das wurde in der ganzen EU, aber auch in anderen wichtigen Exportländern wie den USA oder Neuseeland durchgeführt. Wir sind jetzt im ersten Quartal des Jahres. Ich schätze, dass der Preis noch bis Mitte des Jahres fallen wird und dann der Boden erreicht ist.

Wo wird dieser Tiefpreis etwa liegen?
Das ist die spannende Frage. Ich denke, dass beim Milchpreis noch ein Dreier steht. Natürlich bei großen Streuungen zwischen den Molkereien.

Wie schätzen Sie die längerfristige Tendenz ein?
Die kurzfristige Tendenz ist nicht rosig. Längerfristig wird Milch gebraucht und die Nachfrage ist da. Die Weltbevölkerung wird bis 2050 auf über 9,5 Mrd. Menschen wachsen. Berechnungen der OECD und FAO sagen, dass der Preis leicht nach oben gehen wird. Mit einem starken Knick 2015.


Das gesamte Interview mit Dr. Leopold Kirner lesen Sie in Ausgabe 7/2015 im LANDWIRT.
Kostenloses Probeheft Ausgabe 7/2015 bestellen

Aktualisiert am: 19.03.2015 11:23
Alles für Milchlieferanten im LANDWIRT Gebrauchtmaschinenmarkt
Aktuelles vom Milchmarkt

Milchmarkt von morgen

Global gesehen sind die Prognosen für die Milcherzeuger überwältigend gut. Harte Auseinandersetzungen werden trotzdem erwartet: über Rezepturen, faire Handelspraktiken und Tierwohl.

Blockbutter: Preise lassen nach

Die Preise für Butter haben wieder verloren. Bisher führen auch die gesunkenen Preise nicht dazu, dass sich das Geschäft belebt.

Bio-Milch: Produktion wächst weiter

In Österreich steht der Bio-Milchpreis aufgrund des wachsenden Angebots unter Druck. In Deutschland nimmt der Bio-Markt die Mehrproduktion besser auf als der konventionelle.

Es rührt sich was im Milchregal

Wie Bauern zu produzieren haben, wird zunehmend vom Handel diktiert. Als Druckmittel dienen die Handelsmarken. Wer mit Bio-Produkten ins Regal will, kommt an denen nicht vorbei. Ein paar tüchtige Molkerei-Manager lassen sich davon aber nicht beeindrucken.

Vierbauch: "Wer Bio-Milch verkaufen will, muss innovativ sein."

Bio-Milch sei in den meisten Molkereien ein Minderheitenprogramm, meint Bio-Wiesenmilch-Beauftragter Rudi Vierbauch. Der Aufbau einer molkereieigenen Bio-Marke werde zumeist durch die molkerei-interne Konkurrenz gebremst.

EU bietet Magermilchpulver öfter an

Ab August 2018 sollen in Brüssel die Verkaufsausschreibungen für Magermilchpulver aus der öffentlichen Lagerhaltung zweimal statt bisher einmal im Monat stattfinden.

Wert von Standardmilch deutlich gesunken

Der in Kiel errechnete Kieler Rohstoffwert für konventionelle Milch gab von Juni auf Juli 2018 um 2,9 Cent/kg nach. Grund dafür sind fallende Preise für Magermilchpulver und Butterfett.

Es wird noch mehr gemolken

Schätzungen lassen für das Jahr 2018 weltweit eine höhere Milchproduktion erwarten als im Vorjahr. Auch beim globalen Handel wird mit einem stärkerem Wachstum gerechnet.

Ein Jahr nach der Schulmilchreform

250.000 Kinder in Österreich tranken im aktuellen Schuljahr in den Pausen Milch und Milchprodukte. Seit der Reform im Sommer 2017 wurde der Zuckergehalt in den Milchmischprodukten deutlich gesenkt. Im Herbst gibt es eine Testaktion für Tafelklassler.

Handel erhöht Druck auf Bio-Milchbauern

Handelsketten schrauben die Standards ihrer Marken weiter hinauf. Drastisch bekommen das gerade die Bio-Milchbauern zu spüren.