Herbst-Unkrautbekämpfung in Getreide

Unkrautbekämpfung im Herbst oder im Frühjahr? Diese Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab, die in ihrer Wichtigkeit je nach Betrieb verschieden zu bewerten sind. Besonders für Wintergerste gibt es aber sehr viele Gründe, eine Behandlung im Herbst durchzuführen.
Vor allem bei der Wintergerste sprechen viele Gründe für eine Behandlung im Herbst.
Vor allem bei der Wintergerste sprechen viele Gründe für eine Behandlung im Herbst.
Während die Vorfrüchte die Unkrautarten selektieren, legt der Anbauzeitpunkt die Entwicklungsmöglichkeiten für das Unkraut und somit auch den Konkurrenzdruck fest. Warmes Wetter fördert die rasche Keimung und gute Entwicklung der Unkräuter und sie werden zu ernstzunehmenden Konkurrenten um Nährstoffe und Wasser. Dies gilt besonders bei Wintergerste, die erste Getreide-Kultur für den Herbizideinsatz im Herbst. Früh gedrillte Bestände haben auch ein höheres Befallsrisiko für Blattläuse und damit für das Gelbverzwergungsvirus. Eine Möglichkeit zur Abhilfe wäre die kombinierte Unkraut und Blattlausbekämpfung. Alternativ dazu dient eine Insektizidbeizung der Vorsorge. Dem gegenüber steht die Kosteneinsparung durch die Reduzierung der Saatgutmenge bei frühen Saaten.

Herbst oder Frühjahr?
Während die Gerste noch vor Vegetationsende bestocken soll – neun Blätter wären ideal –, besteht bei Weizen diese Notwendigkeit nicht. Es kann für Weizen auch günstig sein, nicht zu früh zu säen, um nicht spezifische Krankheiten (z.B. Septoria tritici) und Schädlinge (z.B. Halmfliege) zu fördern. Außerdem können kleine Unkräuter auch im Frühjahr preiswert bekämpft werden. Insofern ist eine Herbstbehandlung bei Weizen nicht unbedingt notwendig, aber vielfach sinnvoll. Die betriebsinterne Entscheidung zur Unkraut- und Ungrasbekämpfung im Herbst kann auch das Brechen von Arbeitsspitzen im Frühjahr bedeuten. So können viele Kriterien für eine Unkrautbekämpfung im Herbst sprechen.

Was lässt sich bekämpfen?
Samenunkräuter sind eigentlich immer gut bekämpfbar. Bei starkem Klettenlabkrautdruck mit langer Auflaufzeit kann eine Nachbehandlung im Frühjahr
notwendig sein. Besonders im Herbst wird in vielen Fällen auch bei niedrigen Wirkstoffmengen eine gute Wirkung zu erwarten sein. Beim Auftreten von Windhalm, Vogelmiere und Kamille kann eine 15-Euro-Variante genügen. Sollte Klettenlabkraut im Frühjahr doch problematisch sein, ist es auch in Kombination mit einem Halmfestiger oder einem Fungizid gegen Blattkrankheiten mitbekämpfbar. Somit ist kein eigener Arbeitsgang notwendig. Für Ehrenpreis, der ja oft durch Sulfonylharnstoffanwendungen in Getreide und Mais selektiert wird, ist eine Herbstbehandlung auch aus Gründen der Resistenzvorbeugung sehr interessant. Einzig Wurzelunkräuter lassen sich im Herbst praktisch nicht bekämpfen. Aber hiefür gibt es ja genügend Ausweichtermine.

Wann bekämpfen?
Meist ist die Bekämpfung im frühen Nachauflauf (2- bis 3-Blatt-Stadium des Getreides, Keimblattstadium der Unkräuter) wirkungs- und preismäßig günstiger. Kleine und somit leichter zu bekämpfende Unkräuter helfen auch Aufwandmengen zu sparen. Nur eine absolute Trockenheit könnte die Wirkung der Bodenherbizide reduzieren. Bei einer gleichzeitigen Blattlausbekämpfung eignet sich das 2- bis 3-Blatt- Stadium des Getreides auch bestens, da zu diesem Zeitpunkt die Blattläuse schon „gelandet“ sind. Bei sehr spätem Anbau (z.B. Weizen) werden die Samenunkräuter nur noch wenig keimen, sodass eine entsprechende Entwicklung im Herbst nicht möglich sein wird. Diese kleinen Unkräuter stellen auch kein großes Problem für die Wasser- und Nährstoffversorgung des Getreides im Frühjahr dar. Sie können auch im Frühjahr leicht bekämpft werden.

Autor: DI Peter Klug, Landwirtschaftskammer Steiermark

Weiters in dieser Ausgabe:

Sortenwahl: Weizen und Dinkel

Fusarien Toxine im Mais und Futtergetreide


Aktualisiert am: 06.09.2010 11:23
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