Fleischrinder aufs Grünland

Neben einem erstklassigen Exterieur sollte der Fleischrinderzüchter zukünftig auf die Funktionalität seiner möglichst grünlandtauglichen Tiere noch größeren Wert legen. Was das genau bedeutet, verrät dieser Beitrag.
Eine besonders mütterliche Kuh verursacht weniger Betreuungsaufwand.
Eine besonders mütterliche Kuh verursacht weniger Betreuungsaufwand.
Für jeden Fleischrinderhalter ist eine problemlose Geburt das Wichtigste. Wenn dann noch das Kalb vital ist und baldmöglichst eigenständig das Euter sucht, sind das, neben dem minimalsten Arbeitsaufwand, die bestmöglichsten gesundheitlichen Voraussetzungen für einen gelungenen Start ins neue Kälberleben und eine erfolgreiche Aufzucht. Schwierig ist hierbei, den züchterischen Einfluss festzumachen. Auch wenn Fütterung und Haltung sicherlich große Auswirkungen auf den Geburtsverlauf haben, so ist aber auch der genetische Einfluss auf das Geburtsgewicht eines Kalbes feststellbar. Die Zucht auf immer mehr Tageszunahmen begünstigt Tiere mit großem Rahmen und schwererem Knochenbau, was meist auch höhere Geburtsgewichte der Kälber nach sich zieht. Damit steigt aber auch die Gefahr einer Schwergeburt. Um den Aspekt Leichtkalbigkeit züchterisch bearbeiten zu können, ist eine verlässliche Ermittlung der Geburtsgewichte unumgänglich. Da das Geburtsgewicht jedoch nicht das ausschließliche Kriterium für Leichtkalbigkeit ist, wäre eine möglichst differenzierte Beschreibung der Problemgeburten von enormem hohem Vorteil für die Fleischrinderzucht. Dass Kälber mit geringeren Geburtsgewichten (nicht untergewichtig!) die vitaleren Kälber sind, ist eine Erfahrung, die wohl jeder Praktiker bestätigen kann. Es stellt sich daher die berechtigte Frage, inwieweit eine Zucht auf immer höhere Mastleistung, mit dem augenscheinlich damit verbundenen Ansteigen von Geburts- und Aufzuchtsverlusten, noch wirtschaftlich ist.

Hohe Milchleistung der Mutterkuh
In der Fleischrinderzucht ist, wenn auch von Rasse zu Rasse unterschiedlich, ein Hauptaugenmerk auf die Milchleistung zu legen. Ist bei den ehemaligen Zweinutzungsrassen weniger die Milchmenge, als vielmehr die möglichst gleichmäßige Verteilung über die gesamte Säugeperiode (flache Laktationskurve) das Ziel, so gilt es in der Reinzucht der typischen Fleischrassen, die Milchmengenleistung noch viel mehr als in der Vergangenheit zu beachten. Nur so ist eine bestmögliche Jugendentwicklung der Kälber gewährleistet. Dadurch ist das Ziel, ein Absetzergewicht von mindestens 60 % des Kuhgewichtes, ohne Beifütterung teuren Kraftfutters, zu erreichen. Eine konsequente Wiegung bei einem Kälberalter von 6 - 7 Monaten ohne vorhergehende Beifütterung der Kälber ist Grundlage der Einschätzung der Milchleistung.

Autor: Karl SCHOLLER, Berater für Fleischrinderzucht und –haltung, Amt für Landwirtschaft und Forsten, Schwandorf (D)


Aktualisiert am: 07.07.2008 11:08
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