„Fast jeder Liter Bio-Milch war vorher ein Liter konventioneller Milch“

Der landwirtschaftliche Sektor sehe sich gerne selbst in der Opferrolle, meint Bioland-Präsident Jan Plagge. Einzelne Händler hätten es aber tatsächlich mit der Nutzung ihrer Machtposition übertrieben.
LANDWIRT: Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an den Lebensmitteleinzelhandel denken?

Jan Plagge: Der Lebensmitteleinzelhandel (Anm. Red.: LEH) bringt Bio in die Breite – dorthin, wo viele Menschen einkaufen. Er hat aber auch ein großes Potenzial, den Bürgern in der Breite mehr heimische, attraktive und wertige Bio-Premiumprodukte anzubieten. So kann der notwendige ökologische und ökonomisch nachhaltige Umbau der Land- und Lebensmittelwirtschaft von der Marktseite her unterstützt werden.

LANDWIRT: Der Lebensmitteleinzelhandel ist einerseits ein „Umsatzbringer“, andererseits kann er mit seiner Machtposition auch starken Druck auf Erzeugerpreise, Haltungsanforderungen etc. ausüben. Legt sich die Bio-Branche da mit dem Teufel ins Bett?
"Ja, ich bin davon überzeugt, dass Bio weiter wächst - weil es notwendig ist."
"Ja, ich bin davon überzeugt, dass Bio weiter wächst - weil es notwendig ist."


Jan Plagge: Das Bild ist entstanden, weil es einzelne Händler mit der Nutzung ihrer Machtposition übertrieben haben. Die unfairen Handelspraktiken sowie Ausschreibungs- und Vergabemethoden stehen zu Recht in der Kritik. Hinzu kommt, dass sich der landwirtschaftliche Sektor gerne selbst in der Opferrolle sieht, wenn beispielsweise zu viel Milch oder Fleisch produziert wird, und man nicht bereit ist, gemeinsam organisierte Mengenregulierungssysteme einzuführen. Beides, einseitige Machtausnutzung und fehlende Bereitschaft, die Produktion zu beschränken, führte zu dem Zerrbild und der Sündenbockrolle des LEHs heute.

LANDWIRT: In Deutschland nimmt der Lebensmitteleinzelhandel laut AMI „nur“ 59 % am Öko- Markt ein. In Österreich werden drei Viertel aller Bio-Lebensmittel über den Lebensmitteleinzelhandel gekauft. Erwarten Sie auch in Deutschland eine Konzentration des Bio-Marktes auf den Lebensmitteleinzelhandel?

Jan Plagge: Die Zahlen liegen weniger weit auseinander, als es auf den ersten Blick scheint. Die allgemeine Konzentration des LEH – auch im Bio- Bereich – ist Realität. Anstatt ohnmächtig vor diesen großen Entwicklungen zu stehen und sie anzuprangern, wollen wir als Erzeuger lieber weiter Schritt für Schritt mit den Händlern und Herstellern zusammenarbeiten, die ihren zukünftigen Erfolg in nachhaltigen Partnerschaften, Langfristigkeit, Fairness und Ökologie sehen. Hier liegt noch sehr viel Potenzial – aber die Bereitschaft wächst, denn wir brauchen uns gegenseitig, um die anspruchsvolle Entwicklung Richtung Ökologie, Tierschutz und sozialer Fairness in die Breite zu bringen.

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Ausgabe 4/2018 von LANDWIRT Bio. Bestellen Sie hier ein Probeheft.


Aktualisiert am: 29.06.2018 10:35
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