Dreiländertreffen Klauenpflege 2018

Dreiländertreffen Klauenpflege 2018

Anfang September trafen sich rund 100 Klauenpfleger in der Steiermark, um ihr Wissen rund um ihre tägliche Arbeit auf den neuesten Stand zu bringen.
Christa Egger-Danner betonte, dass Rinderzucht und Klauenpflege gemeinsam viel für die Gesundheit der Rinder bewirken können.
Christa Egger-Danner betonte, dass Rinderzucht und Klauenpflege gemeinsam viel für die Gesundheit der Rinder bewirken können.
Die Klauenpfleger informierten sich beim Dreiländertreffen in Raumberg-Gumpenstein über die neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Wirtschaft rund um die Klauenpflege. Robert Pesenhofer, der Obmann der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Klauenpfleger (AÖK) begrüßte die Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und einigen anderen europäischen Ländern. Christa Egger-Danner von der ZuchtData betonte im ersten Vortrag des Treffens, dass Rinderzucht und Klauenpflege gemeinsam viel für die Gesundheit der Rinder bewirken können. „Man kann Stiere selektieren, die gesunde Klauen vererben. Dazu brauchen wir aber Daten aus der Klauenpflege“, erklärte die Zuchtexpertin. „ Wenn wir die Klauengesundheit langfristig verbessern wollen, kommen wir nicht darum herum, die Klauengesundheit in die Zuchtwertschätzung einzubeziehen.“ Ihre Kollegin Marlene Suntinger erklärte die Ziele des Projektes Q-Wohl. Mit dem Projekt wird die Infrastruktur aufgebaut, damit Klauenpflegedaten im Rinderdatenverbund (RDV) erfasst werden können. Daraus sollen dann Empfehlungen zur Verbesserung der Tiergesundheit entwickelt werden.

Druckbelastung messen
Christoph Mülling von der Veterinärmedizinischen Universität in Leipzig stellte ein Druckmesssystem vor. Damit sollen die Effekte der Klauenpflege  erforscht werden.
Christoph Mülling von der Veterinärmedizinischen Universität in Leipzig stellte ein Druckmesssystem vor. Damit sollen die Effekte der Klauenpflege erforscht werden.
Christoph Mülling von der Veterinärmedizinischen Universität in Leipzig erklärte den anwesenden Klauenpflegern, warum Druck für die Klaue so schädlich ist. „Vor allem die Klauenbeinspitze ist auf harten Böden einer hohen Belastung ausgesetzt. Die Haltung auf harten Böden verändert die Mikrostruktur der Klaue“, gab der Forscher zu bedenken. Er stellte das Druckmesssystem Tekscan vor. Ursprünglich wurde das System für Spitzensportler und Pferde verwendet. Mittlerweile misst es auch die Druckbelastung auf die Rinderklaue. Mit dem System sollen die Effekte der Klauenpflege erforscht werden. In einem Versuch wurde bei 10 Schlachthofklauen die Druckbelastung vor und nach der funktionellen Klauenpflege gemessen. Eine perfekte Balance zwischen Innen- und Außenklaue ist demnach unmöglich. Der Versuch zeigte aber, dass Risikobereiche an der Klaue durch die Klauenpflege verringert werden. Im Versuch testete Professor Mülling gemeinsam mit Klauenpfleger Robert Pesenhofer, wie sich verschiedene Varianten des Entlastungsschnittes auf ein Klauengeschwür auswirken. Es zeigte sich, dass der keilförmige Entlastungsschnitt eine klare Entlastung der Lederhaut bringt. Mit Hilfe von speziellen Folien will Mülling in Zukunft die Druckverteilung der Rinderklaue bei lebenden Rindern messen und damit den Einfluss von Boden und Klauenpflege besser erforschen. Damit könnte in Zukunft auch die Arbeit der Klauenpfleger objektiv beurteilt werden.

Mortellaro eindämmen
„Fehler in der Fütterung beeinflussen die Klauengesundheit. Alleine eine zu flüssige Kotkonsistenz kann die Klauengesundheit gravierend verschlechtern“, erklärte Tierärztin Andrea Fiedler.
„Fehler in der Fütterung beeinflussen die Klauengesundheit. Alleine eine zu flüssige Kotkonsistenz kann die Klauengesundheit gravierend verschlechtern“, erklärte Tierärztin Andrea Fiedler.
Tierärztin Andrea Fiedler stellte in Raumberg-Gumpenstein den 5-Punkte-Plan zur Kontrolle von Mortellaro vor. Der Plan beinhaltet externe und interne Biosicherheit, Früherkennung, Dokumentation und Einzeltierbehandlung. Weiters soll die Bakterienmenge auf den Klauen vermindert, Ziele festgelegt und der Erfolg überwacht werden. Im Punkt „Externe Biosicherheit“ wies Fiedler darauf hin, dass auch Gemeinschaftsalmen ein Risikofaktor seien, da sich die Rinder dort mit Mortellaro infizieren können. Darüber hinaus sollen Rinder nicht gemeinsam mit Schafen, Ziegen oder Schweinen geweidet werden. „Auch der Tierarzt trägt Erreger von Betrieb zu Betrieb. Deshalb ist es wichtig, den Tierärzten und Besamungstechnikern hofeigene Kleidung zur Verfügung zu stellen“, mahnte Fiedler. Externe Biosicherheit muss der Landwirt gemeinsam mit allen Personen, die auf den Betrieb kommen, leisten. Die interne Biosicherheit muss der Betrieb selbst leisten. „Fehler in der Fütterung beeinflussen die Klauengesundheit. Alleine eine zu flüssige Kotkonsistenz kann die Klauengesundheit gravierend verschlechtern“, so die Tierärztin. Weiters müsse die Hygiene, Abmessungen der Liegeboxen und das Liegeverhalten, Belegdichte, sowie die Belüftung überprüft werden. Fiedler plädierte dafür, Kühe virtuell oder direkt ab Hof zu vermarkten und auf Viehmärkte möglichst zu verzichten. „Ich weiß, dass dies ein ketzerischer Ansatz ist, aber es würde helfen, die Ausbreitung von Mortellaro einzudämmen“, gab Fiedler zu bedenken.

Verbände für Mortellaro-Kühe
Marcus Klawitter von der Freien Universität Berlin schilderte die Vor- und Nachteile von Verbänden bei Mortellaro. Klawitters Studie zeigte, dass die Heilung besser war, wenn Verbände angelegt wurden. Angewendet wurden antibiotikahaltiger Blauspray, sowie die Paste Hoof-fit. Der Verband blieb immer eine Woche lang auf der Klaue. War die Läsion nach dieser Woche noch nicht abgeheilt, behandelte Klawitter erneut. „Studien belegen, dass es besser ist, keinen Verband anzulegen, als einen schlechten Verband“, merkte der junge Tierarzt an. Dem „neuen“ Erscheinungsbild der Mortellaro-Krankheit ging Johann Kofler von der Veterinärmedizinischen Universität Wien auf die Spur. „Wie kann ich wissen, ob es sich um einen Mortellaro-infizierten Klauenhorndefekt handelt? Die Wunde riecht ähnlich penetrant wie Haut-Mortellaro“, berichtete der Tierarzt aus der Praxis. Für Kofler ist der Grundstein für eine erfolgreiche Behandlung, dass die ursächlichen Mortellaro-Bakterien von der infizierten Lederhaut an der Sohle bzw. Wand entfernt werden. „Bei allen Defekten, die bereits seit Monaten bestehen, ist die Chirurgie die einzige erfolgversprechende Behandlung“, so das Credo des Veterinärmediziners. Im Anschluss verteilten sich die Teilnehmer in Kleingruppen auf dem Lehrbetrieb der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. In den einzelnen Workshops zeigten die Referenten ihre Erkenntnisse in der Praxis. In den kleinen Gruppen konnten sich die Klauenpfleger intensiv mit ihren Berufskollegen austauschen und vom Wissen der Vortragendes profitieren.

Aktualisiert am: 01.09.2018 23:17
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