Die Macht der Straße - Kommentar

Die Politik scheint gegenüber der schwierigen Lage am Milchmarkt ohnmächtig zu sein. Doch es liegt auch an den Konsumenten, etwas zu verändern. Um Aufmerksamkeit zu erregen, gehen viele Landwirte auf die Straße. Ein Kommentar von LANDWIRT Chefredakteur Roman Goldberger.
Ende Juli protestierten Bauern in Frankreich gegen die niedrigen Preise. Auch beim Agrarministerrat am 7. September in Brüssel werden Bauern demonstrieren. (Foto: landpixel)
Ende Juli protestierten Bauern in Frankreich gegen die niedrigen Preise. Auch beim Agrarministerrat am 7. September in Brüssel werden Bauern demonstrieren. (Foto: landpixel)
Die aktuelle Situation am Milchmarkt zeigt deutlich, wie ohnmächtig die nationale Politik gegenüber weitgehend liberalisierten Märkten geworden ist. Ein runder Tisch hier, eine Krisensitzung dort – und am Ende Enttäuschung überall. Der Vorschlag Bayerns und Österreichs, den Interventionspreis von 21 auf 25 Cent anzuheben, wurde bisher von der EU-Kommission genauso abgeschmettert wie die Bitte, die Superabgabe für das letzte Quotenjahr – immerhin 700 Mio. Euro – in den Milchsektor zurückfließen zu lassen. Es ist aber ohnehin fraglich, ob diese Maßnahmen den Bauern merklich helfen würden. Denn die Gründe für den Preisverfall liegen laut Experten im strauchelnden Absatz. Russland hat den Import seit einem Jahr ausgesetzt und China kauft nur geringe Mengen.

Konsumenten wachrütteln
Was also tun? Demonstrieren? Das machten die Franzosen Ende Juli sehr medienwirksam. Zwar erreichten sie nicht mehr als Lippenbekenntnisse der Politik, die Franzosen haben mit ihren Demonstrationen aber die Aufmerksamkeit der Konsumenten erreicht. Jener, die den Liter Milch um 59 Cent kaufen und damit zu einer Marktradikalisierung beitragen. Jener, die Milchprodukte in der Gastronomie konsumieren und nicht fragen, woher der Käse kommt. Also jene Konsumenten, die als Steigbügelhalter eines immer mächtiger werdenden Lebensmittelhandels dienen. Frankreichs Bauern haben es international in die Nachrichten geschafft. Den Konsumenten wird bewusst, dass es den Milchbauern schlecht geht und dass sie mit ihrer Kaufentscheidung dazu beitragen. Beim Agrarministerrat am 7. September in Brüssel haben auch wir die Chance, die Gesellschaft aufzurütteln. Die europäischen Milchbauern werden demonstrieren.

Diesen Kommentar und mehr Informationen zum Milchmarkt finden Sie in der LANDWIRT Ausgabe 16/2015

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Aktualisiert am: 12.08.2015 14:08
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