Den Bauernhof ums Eck erhalten

Kategorien zum Thema: Agrarpolitik Deutschland News Top
Die Gemeinsame Agrarpolitik hat die EU zum Exportweltmeister von Agrargütern und Lebensmitteln gemacht. Niedrige Bauerneinkommen sind die Kehrseite der Medaille. Ein Kommentar von Roman Goldberger.
Roman Goldberger ist Redakteur und Landwirt in Oberösterreich.
Roman Goldberger ist Redakteur und Landwirt in Oberösterreich.
Seit mehr als 20 Jahren wirtschaften wir Bauern nach den Regeln der Gemeinsamen Agrarpolitik. Es ist eine Politik der Liberalisierung, deren Ziel es ist, international wettbewerbsfähig zu sein. Das hat die EU geschafft. Wir sind der größte Nettoexporteur von Agrarprodukten und haben zu Jahresende 2017 wieder einen neuen Exportrekord aufgestellt.

Die Kehrseite der Medaille ist bedrückend: Das landwirtschaftliche Einkommen liegt weit unter den durchschnittlichen Bruttolöhnen. Wer international wettbewerbsfähig sein will, braucht günstige Rohstoffe. Die Preise für Agrarprodukte sind in den letzten 20 Jahren um keine 20 % gestiegen. Betriebsmittel kosten hingegen heute um 60 % mehr. Viele Landwirte versuchen das mit steigender Betriebsgröße zu kompensieren – und produzieren damit noch größere Probleme: In den „Schweinehochburgen“ Deutschlands muss Gülle abtransportiert werden, weil in der Region zu wenig Fläche zur Verfügung steht. In der Geflügel- und Schweinehaltung sind die notwendigen Bestandsgrößen über das Vorstellungsvermögen vieler Konsumenten hinausgewachsen. Kühe sind von der Weide in Laufställe gewandert, die Bestände sind zu groß geworden. Kurzum: Die Gemeinsame Agrarpolitik formt eine Landwirtschaft, für die die EU-Bevölkerung nicht Milliarden Fördergelder zahlen will.

Der Trend zu Regionalität zeigt, dass der Konsument gerne den „Bauerhof ums Eck“ erhalten will. Im Supermarkt an der Kassa sieht die Realität freilich etwas anders aus, dort zählt der Preis. Über die Gemeinsame Agrarpolitik könnte man dieses Problem lösen. Eine gezielte und stärkere Förderung kleiner Betriebsstrukturen entspräche dem Wunsch weiter Teile der Gesellschaft und würde etwas Wachstumsdruck von den Betrieben nehmen.

Aktualisiert am: 10.02.2018 09:05
Weitere Artikel

Bayern: Landwirtschaft bei der Landtagswahl

Am 14. Oktober wird in Bayern gewählt. An diesem Tag entscheiden die bayerischen Bürger darüber, wie 180 Landtagsmandate verteilt werden. Was die Parteien in Sachen Landwirtschaft vorhaben, haben wir zusammengefasst.

Urteil: Stalleinbruch ist eine Straftat

Ein Tierschützer hatte Einspruch eingelegt nachdem er wegen Einbruchs verurteilt worden war. Das Oberlandesgericht hat diesen Einspruch nun abgewiesen.

Hofabgabeklausel gefallen: Das ist nun wichtig

Wer eine Rente aus der Alterssicherung der Landwirte beziehen will, muss seinen Hof abgeben. Das kippte nun das Bundesverfassungsgericht. Was das konkret bedeutet, wissen die Ecovis-Agrarrechtsexperten Adelheid Holme und Alexander Zschau.

Trockenheit- wer darf was?

Einer der heißesten Sommer seit Jahren hinterlässt seine Spuren. Futterzukauf ist das Topthema bei den Viehhaltern. Die Politik bietet Hilfe an. Hier ein Überblick.

Landwirtschaft und Klimawandel

Hitze, Dürre und Überflutungen – Landwirte sind vom Klimawandel stark betroffen. Oft werden sie auch als Verursacher des Klimawandels dargestellt. Ist das richtig?

Trockenheit: Hilfe für Landwirte

Die Folgen der Witterung in diesem Jahr haben laut Bund ein nationales Ausmaß erreicht. Daher stellt die Regierung den dürregeschädigten Landwirten 150 Mio. Euro Hilfsgelder zur Verfügung.

Interview mit Robert Schnellhammer

Bayern und Österreich verbindet viel. Mentalität, Sprache und Landwirtschaft sind ähnlich. Der Bayerische Agrarexperte Robert Schnellhammer fordert deshalb Solidarität zwischen den Nachbarn.

Dorfmann kritisiert Details der GAP-Reform

Herbert Dorfmann von der EVP geht mit Kommissar Phil Hogan im Interview hart ins Gericht. Die Reformansätze bekämen immer mehr den Charakter einer Augenauswischerei.

EU-Agrarzahlung: vorzeitige Auszahlung möglich

Von der Dürre geplagten Landwirte könnten in diesem Jahr die Ausgleichszahlungen etwas früher bekommen. Die notwendige Erlaubnis hat die EU-Kommission nun erteilt. Deutsche Landwirte sollten damit aber nicht rechnen.

Bayerische Wälder: Pakt unterzeichnet

Auf der INTERFORST haben sich Vertreter der Forstbranche gemeinsam für zukunftsfähige bayerische Wälder ausgesprochen und eine Vereinbarung unterzeichnet.
mehr

Bio Austria Obfrau Getraud Grabmann: Mehr Wertschöpfung für Lebensmittel

Der Lebensmitteleinzelhandel in Österreich nutze seine starke Position aus, erklärt Bio-Austria-Obfrau Gertraud Grabmann. Die Höhe der Erzeugerpreise auf diese Marktmacht zu reduzieren greife aber zu kurz.

Handel erhöht Druck auf Bio-Milchbauern

Handelsketten schrauben die Standards ihrer Marken weiter hinauf. Drastisch bekommen das gerade die Bio-Milchbauern zu spüren.

„Der Lebensmitteleinzelhandel hat BIO groß gemacht“

Zweistellige Zuwachsraten hat die österreichische Supermarktkette Spar bei Bio-Lebensmitteln. Das liege auch am günstigen Preis, erklären Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann und Sortimentsmanager Thomas Panzl im LANDWIRT Interview.

Bio-Feldtage eindrucksvoll

Biolandbau lässt das Nischendasein hinter sich. Kein Zufall, dass auf dem Esterhazy-Gut Seehof zwei Tage lang der Bio-Landbau seine Leistungsschau abfeiert. Mehr als 30% der Flächen sind in der Ackerbauregion Nordburgenland schon auf Bio umgestellt.

Klimawandel verlangt Anpassung

Der Klimawandel ist eine Tatsache. Deshalb werden 20 Regionen jetzt mit öffentlicher Unterstützung aktiv.

GAP nach 2020: Das schlägt die EU-Kommission vor

Am 1. Juni hat EU-Agrarkommissar Phil Hogan seine Pläne für die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 vorgestellt. Kürzungen für Großbetriebe sind dabei ein zentrales Element.

Bio wächst... Und was machen die Preise?

Bio wächst. Der deutsche Bio-Markt hat 2017 die 10-Milliarden-Euro-Marke geknackt. In Österreich wird jeder vierte Hektar biologisch bewirtschaftet. Wie sich das auf die Erzeugerpreise auswirkt, haben wir in in LANDWIRT Bio zusammengestellt.

Schlachthöfe: Überwachung womöglich rechtens

Die Betäubung und Schlachtung von Tieren per Videoaufnahme zu überwachen, könnte auch in Deutschland rechtlich möglich sein. In Großbritannien ist dies seit Mai Pflicht.

Fragen zur Vor-Ort-Kontrolle

Darf ich eine Vor-Ort Kontrolle aus Zeitmangel verweigern? Wie lange muss ich meine Aufzeichnungen aufbewahren? Wir haben bei der AMA nachgefragt.

Mehrfachantrag abgeben

Bis 15. Mai 2018 haben Landwirte noch Zeit, den Mehrfachantrag einzureichen. In diesem Jahr kann der Antrag nur noch online gestellt werden.