Bio: Alternative Ackerkulturen

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Abwechslung ist vor allem in Bio-Fruchtfolgen sehr wichtig. Doch ist die Palette an Ackerkulturen meist begrenzt. Ein Fachtag über alternative Ackerkulturen soll neue Möglichkeiten aufzeigen.
Ertraglich ist bei Mais der Sprung zwischen Populationssorten und Hybriden derzeit noch groß. Foto: Pames/shutterstock.com
Ertraglich ist bei Mais der Sprung zwischen Populationssorten und Hybriden derzeit noch groß. Foto: Pames/shutterstock.com
Der Bio-Ackerbau erfordert vorausschauendes Denken im Gesamtsystem. Fragen nach der am besten geeigneten Sorte bei den einzelnen Kulturen stehen oft im Mittelpunkt des Interesses. Aber auch die Suche nach alternativen Kulturen beschäftigt die Bio-Ackerbauern zunehmend. Ständig tauchen Fragen auf, wie: Gibt es neben Soja, Ackerbohne und Erbse nicht noch andere Leguminosen, die ich anbauen kann? Müssen es beim Mais immer die Hybriden sein oder wäre der Anbau von Sorghum interessant? Um diese Fragen und noch mehr zu beantworten, hat das Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein einen Fachtag im oberösterreichischen St. Florian organisiert. Wir haben vorab mit drei der Referenten über ihre Programmpunkte gesprochen.

Die Geißraute wird sehr extensiv geführt und ist vor allem im Norden Europas beheimatet. Foto: gssa/shutterstock.com
Die Geißraute wird sehr extensiv geführt und ist vor allem im Norden Europas beheimatet. Foto: gssa/shutterstock.com
Neue Futterleguminosen
Leguminosen spielen gerade für Bio-Betreibe eine ganz wichtige Rolle. Sie sammeln Stickstoff, locken Fruchtfolgen auf und sind in der Regel die Lieferanten für Eiweiß. Waltraud Hein von Raumberg-Gumpenstein beschäftigt sich verstärkt mit Futterleguminosen, die bei uns unbekannt sind. Potenzial haben für sie speziell die Esparsette, die Andenlupine und die sogenannte kaukasische Geißraute. Letztere ist mehrjährig und wird vor allem im Baltikum angebaut. Die Geißraute ist sehr resistent gegenüber Trockenheit und wird nur sehr extensiv genutzt. In der Außenstelle der HBLFA in Lambach wurde sie zwischen 2013 und 2017 im Versuch beobachtet. Die Geißraute wird möglichst zeitig im Frühjahr mit einer Saatstärke von 20 bis 30 kg/ha in Drillsaat ausgesät. Damit sie den Luftstickstoff binden kann, ist ein Beimpfen des Saatgutes mit geeigneten Rhizobien notwendig.

Lupinen in Bayern
Der Anbau von Süßlupinen soll künftig das Spektrum der Körner in den bayerischen Äckern vergrößern. Mit dem Anbau beschäftigte sich Andrea Winterling von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Die Lupine gewinnt vor allem als Alternative zur Futtererbse an Wert. Diese wird immer häufiger von der Leguminosenmüdigkeit erfasst. In diesem Fall, kann der Landwirt die Erbse nicht mehr anbauen. In einem Versuch wurde betrachtet, mit welcher Sätechnik, Saatstärke und welchen Reihenabständen die besseren Erträge möglich sind. Die Ergebnisse zeigten, dass die Drillsaat bessere Kornerträge liefert als die Einzelkornsaat. Bei den Reihenabständen von 12,5, 25 und 37,5 cm war allerdings kein Unterschied auszumachen. Ebenso brachten die Saatstärken von 60 und 80 Körnern/m² die gleichen Ergebnisse.

Nicht immer Hybriden
Bei Mais sind Populationssorten anders als Hybriden sehr heterogen und besitzen daher eine bessere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Daher werden diese frei abblühenden Sorten – wie sie auch genannt werden – durch den Klimawandel immer interessanter. Im Projekt „ZuchtMetPop“ verglich Kathrin Buhmann vom Dottenfelderhof mit ihren Kollegen mehrere Populationssorten mit gängigen Hybriden. Laut den einjährigen Ergebnissen aus dem Jahr 2017 zeigten die Populationssorten keine Unterschiede bei den agronomischen Eigenschaften wie der Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlinge sowie der Abreife. Im Ertrag erreichten die Populationssorten zwischen 70 und 85 % der Hybriden. Auch wenn Hybriden höhere Erträge bringen, zeigt das doch das Potential der frei abblühenden Sorten auf.

LANDWIRT Info
Nähere Informationen zu diesen und anderen Themen erfahren Sie bei der Bio-Fachtagung „Alternative Ackerkulturen im Biolandbau“ am 30. Oktober 2018 zwischen 9 und 16 Uhr im Vortragssaal der HLBFA St. Florian.

Schwerpunkte der Tagung
- Spezielle Getreidearten: Speisegerste, Nackthafer und -dinkel
- Offen abblühende Maissorten für die Praxis
- Anbaueignung von Sorghum für oberösterreichische Bedingungen
- Möglichkeiten und Grenzen des Süßlupinenanbaus in Bayern
- Vielfalt der Speiseleguminosen: Linsen, Bohnen und andere
- Erste Erfahrungen zu unbekannten Leguminosen
- Empfehlungen zum Bio-Rapsanbau
- Sonderkulturenanbau im Praxisbetrieb


Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.


Autor: Alexander BÖCK, LANDWIRT Redakteur


Aktualisiert am: 23.10.2018 13:48