Ankara hebt Importverbot für österreichische Lebendrinder auf

Die Türkei hat ihr Importverbot für lebende Rinder aus Österreich aufgehoben, das sie wegen des Verdachts auf Infektionen mit dem Blauzungen-Virus (BTV) bei eingeführten Tieren Mitte Februar verhängt hatte.
Nun dürfen wieder Lebendrinder aus Österreich in die Türkei, einem unserer wichtigsten Abnehmerländer, exportiert werden.
Nun dürfen wieder Lebendrinder aus Österreich in die Türkei, einem unserer wichtigsten Abnehmerländer, exportiert werden.
Wie die Zentrale Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR) am vergangenen Freitag unter Verweis auf die Veterinärverwaltung im Bundesgesundheitsministerium weiter mitteilte, können Zucht- und Nutzrinder aus Österreich ab sofort wieder in die Türkei geliefert werden.

Vorwurf erwies sich als gegnstanslos
Gerüchte, wonach mit BTV infizierte Rinder aus Österreich in die Türkei exportiert worden seien, hätten sich als „gegenstandslos“ erwiesen, erläuterte die ZAR. Die Ergebnisse des EU-Referenzlabors in Großbritannien seien negativ ausgefallen. Ein niederösterreichischer Exporteur hatte Medienberichten zufolge im Februar insgesamt 20 Zuchtrinder in die Türkei verkauft. Wenige Tage später waren fünf Tiere tot, 15 trächtige Kühe hatten Totgeburten. In einem türkischen Labor wurde zumindest bei einem Tier BTV festgestellt. Österreichische Experten bezweifelten den Befund und ließen Gegenproben in einem britischen Labor untersuchen.

Engmaschiges Überwachungssystem
Nach Einschätzung von Branchenkennern könnte ein neuerliches Vorkommen der Blauzungenkrankheit in Österreich weitreichende Konsequenzen für den Zuchtviehabsatz der Alpenrepublik haben. Niederösterreichs Landesveterinärdirektor Franz Karner stellte klar, er könne „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ ausschließen, dass mit der Blauzungenkrankheit infizierte Tiere in die Türkei gelangt seien. Das Überwachungssystem in Niederösterreich sei besonders engmaschig.

Vorderasiatischer Erregerstamm
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden im Laufe der vergangenen Jahre insgesamt 132.000 Untersuchungen an österreichischen Rindern auf BTV durchgeführt; davon seien alle negativ gewesen. Fleckvieh-Manager Josef Miesenberger räumte ein, dass eines der im Februar in die Türkei gelieferten und dort auffällig gewordenen Rinder von Erregern befallen gewesen sei. Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass das Tier in diesem Zustand aus Österreich exportiert worden sei. Laut Miesenberger handelte es sich bei dem Nachweis um den in Vorderasien verbreiteten Erregerstamm 4 und nicht den Erregerstamm 8, der in Europa verbreitet ist.

Türkei eines der wichtigsten Abnehmerländer
Das Ausfuhrverbot in die Türkei traf Österreichs Rinderzüchter mitten in einer Phase des Aufschwungs. Nach einem Einbruch der Viehexportzahlen in 2009 war im vergangenen Jahr wieder ein Exportzuwachs von satten 37% auf 22.266 Stück verzeichnet worden. Das berichtete vergangene Woche die Zentrale Arbeitsgemeinschaft. Deren Angaben zufolge rangiert die Türkei unter den wichtigsten Abnehmerländern österreichischer Rinder auf Platz drei hinter Algerien und Italien. Der österreichweit erste und bislang einzige Fall von Blauzungenkrankheit war 2008 in Oberösterreich von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bei einer Routinekontrolle festgestellt worden. Kurz darauf wurde auch in der Alpenrepublik mit der verpflichteten Impfung aller gefährdeter Nutztiere begonnen, nachdem die Seuche bereits 2006 und 2007 in einigen Nachbarländern aufgetreten war. Die Impfaktion der Tiere ist für die Landwirte kostenlos, wenn auch nicht unumstritten. Der Bund und die EU tragen die Kosten für den Tierarzt. (AgE)

Autor:
Aktualisiert am: 08.03.2011 07:39
Landwirt.com Händler Landwirt.com User