Aktueller Getreidemarkt für Anfang Mai

Der IGC revidierte seine Prognose für die weltweite Weizenernte nach unten. Österreichischer Weizen ist weiterhin gefragt. Ölsaaten weiter im Preishoch.
Die Preisvorstellungen von Maisanbietern können derzeit nicht erfüllt werden.
Die Preisvorstellungen von Maisanbietern können derzeit nicht erfüllt werden.
Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London revidierte in seiner April-Ausgabe des monatlichen Grain Market Reports seine Prognose für die weltweite Weizenernte 2012/13 gegenüber dem März um 5 Mio. t auf 676 Mio. t nach unten. Ebenso wurde der zu
erwartende Weizenverbrauch um 3 Mio. t auf 680 Mio. t gesenkt. Enorme Auswinterungsschäden und Trockenheit in Europa führten diese Revision herbei. In den USA sind die Aussichten für Weizen jedoch sehr gut. Die kommende weltweite Weizenernte wird damit den Rekordwert aus 2011/12 von 695 Mio. t deutlich verfehlen und auch nicht den Bedarf decken können, sodass der IGC 2012/13 einen Bestandsabbau um 4 Mio. t auf immer noch komfortable 206 Mio. t oder 30,29 % des Verbrauchs voraussagt.
Die Stagnation des Weizenverbrauchs sehen die Londoner Experten im Fütterungsbereich, wo in der kommenden Saison Mais das Rennen machen sollte. Denn - unverändert gegenüber dem Vormonat - erwartet der Getreiderat aufgrund der deutlichen Flächenausweitung 2012/13 global eine Rekordmaisernte von 900 Mio. t, die den Verbrauch von 893 Mio. t übertreffen und erstmalig seit vier Jahren einen Bestandsaufbau um 7 Mio. t erlauben soll. Mit einem Anteil der Endlager am Verbrauch (Ratio stock to use) von 15,12 % bleibt es beim Mais aber dennoch eng.
Das Geschäft auf den Weizenmärkten bleibt in diesem Wirtschaftsjahr 2011/2012 weiterhin von starker Nachfrage aus dem Fütterungsbereich geprägt. Dies trifft insbesondere auf Europa und hier auf Deutschland zu. Dort wird Futterweizen trotz der Zufuhr von billiger Ware aus dem Schwarzmeerraum zurzeit teurer als Brotweizen gehandelt. Der europäische Weizenfutures an der Euronext in Paris war diese Woche von einiger Unsicherheit und Zurückhaltung der Marktteilnehmer geprägt sowie von technischen Faktoren, indem vor dem nahen Auslaufen des Mai-Termins Positionen aufgelöst werden. Der Mai-Termin konnte sich nach leichten steten Verlusten bis Freitag aber über 210 € pro t behaupten und der für die kommende Ernte 2012 maßgebliche November-Termin über 200 € pro t. Regenfälle haben vor allem in Frankreich und Deutschland zu einer gewissen Entspannung geführt.

Soja-Komplex und Ölsaaten im Preishoch
Weiterhin im Preishoch befinden sich aufgrund der starken weltweiten Nachfrage sowie Ernteausfällen in der laufenden Kampagne in Südamerika und reduzierten Produktionsprognosen in Europa für 2012/13 der Soja-Komplex an der CBOT sowie Ölsaaten wie Raps. Der Mai-Rapsfutures an der Pariser Euronext erreichte letzte Woche ein kurzfristiges Kontrakt- und Fünfzehn-Monate-Hoch von 514 € pro t.

Weizen ist derzeit äußerst gefragt. (c) Proplanta
Weizen ist derzeit äußerst gefragt. (c) Proplanta
Auch in Österreich bleibt Weizen gefragt
Österreichische Mahl- und Qualitätsweizen bleiben am Kassamarkt gefragt. Weiterhin kauft Polen, wo nach offiziellen Angaben 29 % der Winterkulturen zur Ernte 2012 verloren gingen und 1,3 Mio. ha Ackerland umgebrochen und neu bestellt werden müssen, Weizen in Österreich. Nachdem sich dadurch abzeichnet, dass die verbliebenen Mahlweizenbestände gerade mal den eigenen Restbedarf decken könnten, sind nun auch die einheimischen Verarbeiter aktiv geworden und weichen von Mahlweizenordern auch zunehmend auf Qualitätsweizen aus. Dementsprechend zogen die Notierungen beider Weizensortierungen an der Wiener Produktenbörse neuerlich an, wobei insbesondere Mahlweizen einen neuerlichen deutlichen Sprung über die Marke von 200 € pro t hinaus machte.
Dagegen scheint der Mais zurzeit nicht interessant zu sein. Industrielle Verarbeiter zeigen sich gedeckt und italienische Abnehmer zogen sich vom Markt zurück, lediglich Mischfutterwerke bräuchten noch Ware, heißt es. Damit seien Preisvorstellungen von Anbietern zurzeit nicht durchsetzbar.
Für die Ernte 2012 zeichnet sich ein schwieriges Rapsjahr ab, ebenso leiden die Bestände östlich von Wien weiterhin unter Trockenheit. Lagerraumprobleme zur Ernte scheinen damit ausgeschlossen. Landwirte bauen auf geschädigten und umbrochenen Flächen neben Mais auch viel Sonnenblume sowie Gerste nach - auch Zuckerrübe scheint eine von der Industrie gefragte Alternative zu sein.


Aktualisiert am: 30.05.2012 08:16
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