Überflutete landwirtschaftlich Flächen

Antworten: 15
Stefan79 07-02-2019 20:34 - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Hallo Berufskollegen,
Wie ihr sicher im Herbst in den Medien mitbekommen habt, wurde die Ortschaft Rattendorf im Gailtal von einem schrecklichen Hochwasser heimgesucht. Unsere landwirtschaftlichen Flächen (ca.100 ha) wurden nach einem Dammbruch massiv mit Schotter, feinem Sand und Schlamm eingedeckt. Der Schotter, der sich hauptsächlich dort abgelagert hat wo der Damm gebrochen ist wird entfernt (ca. 30 ha). Die restlichen 70 ha sind im Durschschnitt 50 cm mit feinem Sand und Schlamm bedeckt (ca 350000 m³). Hat von euch jemand Erfahrung ob wir diese Flächen auch räumen müssen oder ob auf dem angeschwemmten "toten" Material Ackerbau betrieben werden kann? Bitte um eure Meinung.



janatürlich antwortet um 07-02-2019 22:20 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Ackerbau?Glaub ich nicht das dir Humus angeschwemmt wurde.Höchstwahrscheinlich steinreich.


Mogwai antwortet um 08-02-2019 06:23 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Wennst schon selber von "toten" Material schreibst dann ist die Sache wohl klar, die Frage ist nur wie "tot" ist es wirklich? Könntest dir mal ein paar Proben in Töpfe geben und was ansäen und schauen was draus wird und auch was ins Labor schicken.

Warum entsorgen die nicht alle Flächen von dem Glump? Ist ja existenzbedrohend wenn du das alles selber zahlen musst, gibts da keine Hilfe?


silverhans antwortet um 08-02-2019 07:11 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Servus Stefan79,
habe selber mehrere Flächen die so ca. alle 10-15 Jahre überschwemmt werden.
Alles Ackerflächen. Wenn der Damm bricht, werden die groben Steine entfernt.
Der feine Sand bzw. Schluff ist auf Dauer ein hervorragender Dünger.
Aufpassen mußt nur auf den Phosphor, diesen wirst ergänzen müssen.
Wir arbeiten die angeschwemmte Schicht immer mit Grubber ein, damit sie
mit dem Mutterboden schön vermischt wird.


frank100 antwortet um 08-02-2019 07:44 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
bei 50 cm an geschwemmter Schicht wird er sich schwer tun mit dem mischen.

Da braucht er schon sowas.
https://www.youtube.com/watch?v=tI4_itd37T0


RT93 antwortet um 08-02-2019 08:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
@frank, diese Variante ist auch sicher günstiger als das Material abzufahren.

Wundert mich aber schon sehr das es hier vonseiten der Behörde keine Richtlinie gibt.
Sonstwo musst schon aufpassen wennst mit a paar LKW voll schöner Erde a Geländemulde angleichst.


Stefan79 antwortet um 08-02-2019 08:23 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
10-15 cm wären meiner Meinung nach möglich einzuarbeiten, das meint auch Dr. Karl Buchgraber. Grundsätzlich ist für die Räumung von der Kärntner Landesregierung ein Budget von 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Das Problem ist nur, wo man dieses Material lagert. Außerdem wäre die Bodenverdichtung durch die Erdbewegungen enorm. Der Tipp mit dem Ansäen werde ich versuchen. Laut Bodenuntersuchung sind in dem Material keine Nährstoffe enthalten. Ist es vielleicht möglich den Boden in 4 - 5 Jahren durch gezielte Fruchtfolge und Düngung wieder in Schwung zu bringen? Ein Teil des veranschlagten Budget könnte doch als Entschädigung für uns Bauern bereitgestellt werden.


xaver75 antwortet um 08-02-2019 09:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Hallo, die 1,8 Mio wird alleine schon die Deponierung kosten …
Bin auch der Meinung, das man besser 10 cm einarbeitet, bevor Mutterboden abtransportiert wird.
Aufladen mit so einer Art Rübenmaus mit Föderband? Abtransport mit Muldenkippern mit großvolumiger Bereifung.
Im restlichen Ö bekommt man nicht mit, das ihr da so hängengelassen werdet, ich würde mit dem Fernsehen etwas Druck ausüben. Der Hr. Buchgraber ist ein guter Mann, der soll diese Sache ordentlich begleiten.

70 ha sind in meiner Region 4 Bauernhöfe.,-)

mfg


Wolfchen antwortet um 08-02-2019 09:34 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Bodenprobe ins Labor!


Bernhard P.213 antwortet um 08-02-2019 12:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Ich weiß wie es in Tirol gehandhabt wird. Bis 15 cm wird es für gewöhnlich eingearbeitet alles was darüber ist wird abgetragen. Wenn die abzutragende Fläche so voll ist mit feinmaterial das ein Abtransport extrem Kostenintensiv ist wird Humus aufgetragen und eingearbeitet. Das Problem was sein kann es ist Totes Material auf deine Fläche gekommen und hat den Mutterboden verschlemmt. Was ein Problem darstellt, da die Überlagerung und verschlemmung schon eine Weile dort liegt kann das Bodenleben im Mutter Oden stark beeinträchtigt sein. Dieses kann eine Weile dauern bis es wieder richtig arbeitet. Sprich nochmal mit den Kulturtechnikern die deine 30 ha gerichtet haben. Was war es überhaupt für ein Damm kann man da einen Betreiber haftbar machen? Ansonten mal in die Medien gehen und deine Problematik dort erleutern.
Bei uns werden die Kosten größtenteils vom Land übernommen, jedoch ist man daran Wasserverbände für gezielte ausleitungen zu schaffen um Gewerbe und Wohngebiete zu schützen. Wenn in diesem Fall (gezielte) Überflutungen stattfinden werden die Kosten von den jeweils geschützten Wasserverbänden übernommen.


nettid antwortet um 08-02-2019 12:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
@ Stefan 79
Im Jahr 2002 wurden im Bezirk Perg entlang der Donau sehr viel Material durch Hochwasser angeschwemmt. Dies passierte im August. Teilweise wurde Material abtransportiert.
Manche Landwirte haben den Boden im Jahr 2002 nicht mehr bearbeitet, sondern nur gewartet auf Fröste im Winter und anschließend im Frühjahr sehr gut abtrocknen lassen und anschließend Mais gebaut. Der Mais hat für eine ordentliche Belebung gesorgt. Danach Fruchtfolgen wie zuvor. Die Maiserträge waren sehr zufriedenstellend.

Ob Maisanbau möglich ist in eurer Gegend, kann ich von hier aus nicht sagen.
Hafer wären von meinen pflanzenbaulichen Erkenntnissen eine Alternative. (Hafer macht Durchwurzelung bis in 1,5 m Tiefe)

Bei Standorten mit reinen Grünland, würde ich nur Grobmaterial entfernen, Unebenheiten ausgleichen und neu ansäen (Saatgut mit erhöhten Anteil an Weißklee und Rotklee) und in zwei bis drei Jahren mit Standort angepassten Gräsern nach säen.




Stefan79 antwortet um 08-02-2019 13:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Zur Klarstellung: Auf der Gesamtfläche sind natürlich mehrer Bauern betroffen, mich betrifft es mit ca. 8 ha - so große Betriebe gibt es bei uns auch nur wenige.

Laut Auskunft von den Verantwortlichen "sollten" für die Grundbesitzer keine Kosten enstehen. Zurzeit wird gerade die Infrastruktur wieder hergestellt - Wege und Vorfluter ausgebaggert.

@Bernhard P.213
Der Damm ist öffentliches Gut - natürlich kann man einen Schuldigen suchen. Doch bei solchen Katastrophen (700 Liter Niederschlag innerhalb weniger Tage) weiß ich nicht ob man dabei Erfolg hat.
Außerdem ist diese Fläche als Retentionbecken vorgesehen um die nachfolgenden Städte zu schützen. Das letzte mal war das 1966 der Fall.

Ich bin auch der Meinung die Flächen zu planieren - eventuell mit einer lasergesteuerten Planierraupe wie zB. auf einem Golfplatz mit leichtem Gefälle zu den Vorflutern. Den Boden würde man mit einer passenden Fruchtfolge und Düngung schon wieder in Schwung bringen. Mist und Körnermais wären da sicher eine gute Option.





heilei antwortet um 08-02-2019 13:59 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Hallo,
dann ist alles klar.
Aus eigener Erfahrung weis ich, dass in solchen Fällen keiner schlecht aussteigt.
Katastrophenfond, Entschädigungen, Versicherung, ....
Grüße


Ulm antwortet um 09-02-2019 16:23 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Haben wir auch immer wieder mal. Das letzte größere Hochwasser war bei uns 2013(Unteres Inntal in Bayern) Bei mir waren es nur ein paar Zentimeter. Ist kein Problem. Andere Kollegen auch bis zu 50/60 cm. Die haben sich einen Tiefpflug geholt, der ackert bis zu einem Meter tief. Andere haben nichts gemacht, nach 1-2 Jahren wächst alles wieder ganz gut. Das angeschwemmte Material hatte teilweise 10-15 mg Phosphor und Kali. Also unbedingt Bodenuntersuchung machen.


Stefan79 antwortet um 09-02-2019 19:52 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
Vielen Dank für eure Beiträge.



Bernhard P.213 antwortet um 11-02-2019 14:01 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Überflutete landwirtschaftlich Flächen
@Stefan79
700mm ist echt heftig. Gibt es da keine Abkommen mit den geschützten Städten? Würde mich selber sehr interessieren, da ich von meiner Arbeit aus wahrscheinlich zukünftig mit diesem Thema auch ein wenig zu tun bekommen werde. Weil du gerade von einer Planierraupe schreibst ich hab da mal was gesehen, vl. besteht die Möglichkeit einen Langarmbagger zu verwenden mit Tiefenlockerer (hoffe das heißt so sieht gleich aus wie der Zahn bei einer Planierraupe nur hald vorne am Arm). Sowas hab ich mal bei einer Wiederherstellung einer verdichten Wiese gesehen wo sie mit Planierraupe alles begradigt und verdichtet haben. Diese Dinger sind echt interessant wenn ums Thema weitere Bodenverdichtung im Bereich von Rekultivierungsmassnahmen geht. Die haben eine gute Genauigkeit und die Verdichtung wird ziemlich gering gehalten bei einer doch noch anschaulicher Fläche Leistung.


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