Nicht gekörter Deckstier?

Antworten: 18
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Steira 02-05-2016 21:13 - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Hallo,
Darf man einen nicht gekörten Stier in einer Mutterkuhherde mitlaufen lassen um ihn als Deckstier einzusetzen?
Darf man diesen dann als Vatertier eintragen bei der Tierliste??
Hab jetzt gehört, VON BIS. Was ist jetzt erlaubt oder Richtig!

MFG A STEIRA



 

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veti antwortet um 02-05-2016 21:31 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Mein Wissensstand dazu ist folgender (aber die Details dazu, kann dir der Zuchtverband besser sagen und ich weiß nicht, wie das bei Generhaltung geregelt ist-idR strenger):
Wenn seine Eltern und Großeltern im Hauptbuch eingetragen sind, sollte der Stier eigentlich im Herdebuch Hauptbuch Abt. B sein. Dann sollte es ohne Körung einen Abstammungsnachweis geben. Wenn bei der Abstammung der Eltern da was nicht passt, geht es nicht - aber egal, ob Körung oder keine Körung, weil der Stier nicht im Hauptbuch eingetragen werden darf.
ABER- je nachdem, wo du bist, könnte es bzgl. Zuschuss der Gemeinde Einschränkungen geben (z.B. nur 2a und 2b Stiere)- dann ist es fraglich, wie sinnvoll.
Und natürlich muss man sich als Zuchtbetrieb überlegen, ob es so gut ist, ungekörte Stiere einzusetzen, auch in Punkto späterer Vermarktung.

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179781 antwortet um 02-05-2016 21:55 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Das Gesetz verlangt für einen Deckstier, dass eine gesicherte Abstammung nachgewiesen werden kann. Mit einem Stammschein für den Stier ist das erfüllt. Zuchtverbände und diverse Qualitätsprogramme können weitergehende Anforderungen stellen. Eine Körung ist da meist vorgeschrieben. Das ist auch sinnvoll, nicht nur bei Zuchtbetrieben sondern bei reinen Produktionsbetrieben, egal ob Milch oder Fleisch.
Wenn Fachleute von einer Zuchtorganisation das Vatertier beurteilt und bewertet haben, ist das schon ein gutes Hilfsmittel für den Einkauf. Und in der Regel ist es sinnvoll einen Stier zu kaufen, von dem man sich positive Vererbung bei wichtigen Merkmalen erwarten kann. Auch wenn der etwas mehr kostet. Du brauchst ja nur die Mehrkosten auf die erwarteten Abkalbungen aufteilen, dann siehst du oft, dass diese Kosten mit relativ wenig mehr an Milch oder Fleisch bei der Nachzucht bezahlt sind. Wenn mehr herauskommt, dann bringt der Stier noch einen zusätzlichen Gewinn für dich.

Gottfried

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MC122 antwortet um 02-05-2016 23:39 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Hallo,

aber ist es gesetzlich erlaubt einen nicht gekörten Sprungstier einzusetzen?

Gruß


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MC122 antwortet um 02-05-2016 23:55 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Hallo,

aber ist es gesetzlich erlaubt einen nicht gekörten Sprungstier einzusetzen?

Gruß

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veti antwortet um 03-05-2016 07:50 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Soweit ich weiß, sind diese "alten" Gesetze alle obsolet. Als Nicht-Zuchtbetrieb kannst du defacto machen, was du willst (muss soweit ich weiß auch keinen Abstammungsnachweis haben- aber ob die Bundesländer da noch immer unterschiedliche Regelungen haben?), und ansonsten gilt die EU-Verordnung.

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jakob.r1 antwortet um 03-05-2016 08:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Grüße Euch,
@179781... warum soll ein gekörter Stier die Mehrkosten im Einkauf durch ein Mehr an Milch und Fleisch wieder reinbringen, wenn wir eh schon in der Milch ersaufen??? Der ganze Hype um Züchterleistungen wird künftig eh nur noch von den brutalsten Querfinanzierern erhalten werden, die das Geld aus ausserlandwirtschaftlichem Einkommen in die Zucht reinbuttern.
Als Nichtzuchtbetrieb kaufe ich mir alle paar Jahre einen Fresser aus einem Mastbetrieb. Da kann ich mir aus Hunderten den Schönsten aussuchen und bezahle so um 1700 Euro. Für die Stierkälber, die ein halbes Jahr bei der Mutter mitlaufen bekomme ich im Bioprogramm Münchner Weisswurst ca. 1000 Euro/Stück. Wo bitte habe ich da bei einem gekörten Stier der mich 4Tausend Euro im Einkauf gekostet hat jemals die Chance, den Mehrpreis zu meinem Stier wieder hereinzuwirtschaften? Auch beim Billigstier habe ich jedes Jahr ein Kalb pro Kuh wenns nach dem Stier geht.....
Wer auf Zuchtviehmärkten aufpasst, wie bereits die Preise auch für Spitzentiere fallen,
(noch nehmen viele Züchter die Tiere wieder mit nach Hause) --- doch die Preise werden weiter fallen wie bei der Milch. Ausnahmen sind nach wie vor die Stiere, die von den Besamungsstationen gesteigert werden, das ist klar. Doch solche Stiere haben die Züchterfamilie bereits ein Mehrfaches an Zeit- und Geldaufwand gekostet als selbst die höchsten Erlöse je wettmachen könnten.
Ich will damit ausdrücken, das der billigste Stier aus einem Mastbetrieb ausgesucht --- die höchsten Erträge bringen kann, --- viel wichtiger ist doch beim Fleisch die richtige Rasse.
Das Streben nach hoher Milchleistung ist für das bäuerliche Einkommen auf die nächsten Jahre sicher kontraproduktiv.
liebe Grüße
Jakob

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179781 antwortet um 03-05-2016 08:49 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Man kann auch, wenn man Weizen säen will ins Lagerhaus fahren und dort aus dem Silo mit der Konsumware welchen kaufen und aussäen. Und man wird ordentlichen Weizen ernten. Warum sind dann die Ackerbauern so dumm und kaufen zertifizieres Saatgut?
Das selbe ist es mit einem Bummerl aus einem Mastbetrieb. Das kann durchaus gutgehen und man bekommt schöne Kälber, die auch gut wachsen. Du kannst aber auch einen erwischen, der schwache Zuwachsleistungen vererbt oder lauter schwere Geburten macht usw. Dann schaut die Geschichte schon nicht mehr so gut aus.
Bei einem Deckstier für die Gebrauchskreuzung denke ich bei uns auch nicht an 4000 Euro. Die kriegst du in Österreich in ordentlicher Qualität schon um die 2500. Das ist nicht viel mehr als der Altstier an Schlachterlös bringt. Und wegen ein paar Hundert Euro beim Deckstier sparen, nur weil man anderen Bauern nichts für das Ergbnis ihrer Arbeit zahlen will, das ist nicht die richtige Rechnung.
Zur ursprünglichen Frage: Die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben verlangen nur eine gesicherte Abstammung = Stammschein. Das darf dann z. B. auch ein Tier mit absolut negativen Leistungsdaten sein. Diese Entscheidung ist dem Bauern selbst überlassen

Gottfried

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veti antwortet um 03-05-2016 09:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
@Jakob- eigentlich sollten die Betriebe die Zuchttiere ja nicht nur danach aussuchen, welches die höchste Milch/Fleischleistung hat. Da geht es auch um Lebensleistung, Fruchtbarkeit falls eigene Remontierung, Exterieur - wo es ja nicht nur darum geht, dass die Tiere möglichst schön ausschauen, sondern auch lange leben.
Ich würde mir alleine aus Sicherheitsgründen niemals einen Stier aus der Mastbox nehmen - seine Bestimmung war ausschließlich, auf dem Teller zu landen.
In unseren Bio-Jungrindprogrammen wärst mit dem 1000er übrigens nur mehr hinteres Mittelfeld. Dein Stier hat 1.700 € gekostet, du hast ihn ca. drei Jahre lang. Der Differenzbetrag für einen guten bewerteten Stier von Gottfried wären 800 €. Bei einem guten Vatertier sind pro Stück gut 100 € mehr zu erlösen. Sagen wir 10 Tiere pro Jahr - also 1000 € mehr pro Jahr. Ergo hat sich der "teure" Stier von Gottfried im ersten Jahr amortisiert und bringt im 2. und 3. Gewinn.
Auch in Bayern sind Deckstiere nicht so teuer, dass du 4000 Euro bezahlen musst.

Die ganze Diskussion wirft bei mir ja wieder einmal eine Frage auf - wenn die Bauern nicht einmal den Kollegen ein ordentliches Einkommen gönnen (bei 2.300 bis 2.500 Euro für Deckstiere bleibt nach den ganzen Kosten nun wirklich kein Vermögen übrig), wieso sollten das dann andere Berufsgruppen machen?

@Gottfried- kannst du einen Link zu dem Gesetz rein stellen?


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Ziegenbua antwortet um 03-05-2016 10:26 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Prinzipiell ist die Idee von Jakob schon gut, wenn es rein um die Mastkälber geht. Für die Nachstellung würde ich dann aber besamen (gibts ja schon gesext). Um aus einem 0815 Deckstier ein Kuhkalb nachzuziehen muss schon alles drum herum passen.

Dass er jetzt ein neidiger Hund ist nur weil er nicht um seinen Deckstier steigert würde ich so nicht so stehen lassen. Beim Stallbauen such ich mir auch nicht die teuerste Firma aus, sondern jene die mir zu einem akzeptablen Preis eine meinen Wünschen entsprechende Leistung verspricht.
In dem Fall wird der Mastbetrieb auch zufrieden sein mit dem aktuellen Kosten-Verkaufspreis-Verhältnis, sonst könnte er ihn ja auch noch ein paar Monate fressen lassen. Das Risiko eines vorzeitigen Abgangs hat er allemal abgegolten.

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kraftwerk81 antwortet um 03-05-2016 11:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
@Steira,

Es ist also im Prinzip wurscht ob Du den meldest oder nicht - bist Du überhaupt bei einem Zuchtverband? Die Nachzucht von dem Stier sind offiziell dann FL-D = Nutzvieh.
Interessant ist eine durchgängige Väterlinien dann, wenn nachfolgende Generationen die dann wieder einen gekörten Vererber als Vatertier haben erfolgreich sind. Nach 2-3 Generationen Reinzucht kannst Du wieder auf Herdebuch A kommen.

Und mal so nebenbei, der Krampf der in der Fleckviehzucht in den letzten Jahren passiert ist bez. Erbkrankheiten und Zuchtrichung hätte mit zufälliger Anpaarung auch nicht blöder laufen können.

Witzigerweise interessieren sich die grad für 2 meiner Kalbinnen als genetisch interessant welche aus meinem "ungekörten Zuchtprogramm" entspringen ;o)

in die AMA musst Du den Vater ja nicht eintragen - kannst aber natürlich
ob Dir der Zuchtverband einen Natursprung eines nicht gekörten Stiers übernimmt hängt vom Verband und vom good-will des jew. Zuchtwarts ab.

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veti antwortet um 03-05-2016 12:29 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
@Kraftwerk - es gibt keinen good will sondern eine klare gesetzliche Regelung, die das regelt. Ein Stier braucht keine Körung, um um Hauptbuch zu sein. Wenn der Stier aber nicht "hauptbuchfähig" ist, ist es egal, ob der Verband good will zeigt, oder nicht - alles was nach dem Stichtag 2011 geboren wurde und männlich ist, muss Eltern und Großeltern im Hauptbuch haben. Daher geht das auch nicht mehr so einfach mit 2-3 Generationen. Aber bei FV gibt es glaub ich bei den männlichen noch ein Vorbuch.

Diese alten Regelungen, wonach nicht gekörte Stiere gar nicht decken dürfen, gibt es meiner Info nach alle nicht mehr. Ansonsten dürfte es ja z.B. Bison, Shorthorn, Hereford u.ä. gar nicht geben, da die alle kein Herdebuch haben. Was es aber sehr wohl noch gibt, ist die AMA-Tierkennzeichnungsverordnung.

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179781 antwortet um 03-05-2016 12:42 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
@ziegenbua
Dein Vergleich mit dem Stallbau passt gut. Wer einen Deckstier einsetzt, von dem er nur die aktuelle Körperkondition und die Ohrmarke sicher kennt, anhand der Farbe in etwa auf die Rasse schließen kann aber sonst nichts weiß, der handelt so, wie jemand der seinen Stall mit einer Firma baut von der er nur die Farbe und das Kennzeichen des LKW kennt und weiß dass die für die Leute um 12,- Euro weniger je Stunde verrechnet als andere. Ob die die erforderlichen Genehmigungen haben ist egal, dass es keinerlei Garantie gibt ist sicher usw.
Jetzt zeigt mir jemand einen Bauern, der so handelt. Aber bei Zuchttieren mit denen man Geld verdienen will soll das richtig sein?
Einen link zu dem Gesetz weiß ich nicht. Die Information ist von unserem Arbeitskreisleiter und der hat wiederum auf der Tierzuchtabteilung der LWK deshalb nachgefragt.


Gottfried

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veti antwortet um 03-05-2016 13:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Bezieht sich diese Vorschrift dann nicht nur auf die Zuchtbetriebe?

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kraftwerk81 antwortet um 03-05-2016 14:02 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
@veti,
wo steht das geschrieben, hab gerade am FR eine Diskussion mit dem Zuchtwart diesbezüglich gehabt. Anlass war ein Kalb mit Fremdrassenanteil.


@ Gottfried,
schon klar dass Du Deine Zuchttiere verkaufen willst aber nur weil ein Stier nicht gekört wurde heißt das noch lange nicht dass man über den nichts weiß. Mittlerweile kann man ja beinahe jedes Kalb genomisch testen. Eine Nicht-Körung sagt über die Zuchtqualitäten nicht zwangsläufig was aus.

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Ziegenbua antwortet um 03-05-2016 14:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Ebenso über die Abstammung - nachdem man nicht jeden Stier zur Körung schleppen kann (auch Züchter machen das vermutlich nicht?!) werden auch hin und wieder gute Tiere in der Mastbox landen.
Ich traue Jakob durchaus zu, dass er sich ein bisschen darüber informiert, und wenn das "Bummerl" dann akzeptable Tageszunahmen vorweisen kann wirds meist nicht ganz falsch sein.

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veti antwortet um 03-05-2016 15:50 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
@ kraftwerk 81 - Das ist geltendes Tierzuchtrecht. Aber das im Hauptbuch betrifft natürlich ein und dieselbe Rasse. Also Eltern und Großeltern müssen im Hauptbuch derselben Rasse eingetragen sein. Sonst geht's wieder von vorne los...

Die genomischen Tests bei der Zuchtwertschätzung werden von manchen hochgradig überbewertet und z.T. auch fachlich falsch eingesetzt. Wenn keine gemeinsame Population zu Grunde liegt, hat das keinen Sinn.


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179781 antwortet um 03-05-2016 17:24 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Wegen mir brauchst du dir keine Sorgen machen. Die paar Zuchtstiere, die wir produzieren finden laufend ihre Abnehmer.
Es kann meinetwegen eh jeder mit seinen Tieren herumzüchten wie er will. Ich wollte in den vorigen Schreiben nur drauf hinweisen, dass es schon sinnvoll ist, gerade bei Stieren, die eine ganze Herde decken sollen auf die Qualität zu achten. Und die Körung ist halt so etwas ähnliches wie das Pickerl beim Auto. Das kann ja auch ok. sein, obwohl das Pickerl abgelaufen ist. Nur kaufen würde ich so eins eher nicht.

Gottfried

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Steira antwortet um 03-05-2016 20:20 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Nicht gekörter Deckstier?
Hallo,
Um noch etwas in die Runde zu werfen:
Ein weiterer Grund sich seinen Eigene Stier zu halten ist eben das er da ist wenns sein muss, der Tierarzt "Scheißt" sich auf gut deutsch gesagt nix!
Mir ist auch klar das man nicht jeden Stier nehmen sollte , da kann man ja eh schauen was passt!
Ich sehe nur bei die Mutterkuhbetriebe die noch sind haben alle einen Stier dabei, ist auch verständlich wenn einmal Besamen fast 50Euro kostet.....Und dann vielleicht nochmal 3 Wochen warten dann geht die Rechnung nicht mehr auf....

MFG A STEIRA

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