Einheitswert - müsste sinken

Antworten: 14
heribertniessl 23-12-2012 18:14 - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
Ist der Einheitswert veraltert? Eigentlich muss er sinken!!!!
Wissen die Steuerberater und Arbeiterkammerfunktionäre überhaupt welche Bedeutung er hat und was er ist? Wissen es denn überhaupt unsere Standesvertreter?

Der Einheitswert ist ein Etragswert und ein Maßstab für die natürliche Ertragskraft des Betriebes.

" Er ist das 18 fache des Reinertrages, den ein schuldenfreier ausgedingelastenfreier landwirtschaftlicher Betrieb im Schnitt der Jahre bei ortsüblicher Bewirtschaftung durch Lohnarbeitskräfte erwirtschaften kann."

Dies ist also ein objektiver Erfolgsmaßstab, auf welchen ein Großteil der Besteuerung in der Land- und Forstwirtschaft aufgebaut ist.

Der Einheitswert soll nun in einer Hauptfeststellung neu angepasst werden.
Für mich ist es klar, dass es in den meisten Fällen nur eine Korrektur nach unten geben kann, oder doch nicht?
Folgende Gründe sprechen dafür:

"schuldenfreier Betrieb" -- wieviel schuldenfreie Haupterwerbsbetriebe gibt es wirklich?
"Natürliche Ertragskraft" ---die Wetterextreme nehmen zu (dies kann die Hagelversicherung belegen) daher ist in den meisten Gebieten Österreichs die natürliche Ertragskraft wohl im schwinden und der Einheitswert müsste sinken
"durch Lohnarbeitskräfte" - - - kann man ischerlich nicht bestreiten, dass die Lohnkosten zunehmen
"im Schnitt der Jahre" - -- sicherlich gibt es Ausreißer nach oben für manche Jahre und manche Sparten,

Die letzte Hauptfeststellung liegt 20 Jahre zurück - - - in der Bodenkunde haben wir gelernt, dass die Bodenfruchtbarkeit von der Textur, vom Humusgehalt, vom Wasserhaushalt usw abhängen. Dies sind alles Parameter, welche sich nur langfristig ändern könnten, dass sie besser werden ist meist nicht der Fall, Fazit die Ackerzahl müssste großteils sinken.

Nun Kommt man von der Ackerzahl zur Bodenklimazahl und von dieser durch ZU und Abschläge zur Betriebszahl. Dabei werden innere und äußere Verkehrslage sowie besondere Bewirtschaftungserschwernisse berücksichtigt.
Die äußere Verkehrslage ist in den meisten Fällen wohl schlechter geworden, da durch die Schließung kleiner Genossenschaften der Absatzweg und Weg zum Betriebsmitteleinkauf zunimmt.


Also liebe Bauern , wovon haben wir eigentlich Angst? Der Einheitswert wird sinken.
Kann ja gar nicht sein, es wird wohl nicht zur Sachlichkeit reichen - oder doch?

Nebenbei bemerkt:

Der Einstieg in die landwirtschaftliche Buchführung ist etwas komplizierter als bei einem durchscnittlichen Elektriker oder Tischler.
Die Bewertung ist das Problem, es gibt nicht marktgängige Vorräte, Meliorationen, Vieh, stehendes Holz usw.
Viele Sachverständige und Steuerberater freuen sich schon auf das neue Betätigungsfeld.
Ich gehe davon aus dass unterm Strich kein zusätzliches Steueraufkommen herausschaut. Einem Betriebszweig der sowiso Preisausgleichszahlungen erhält auch noch die Kosten für die Steuerberatung aufzuladen finde ich pervers.

Ich weis natürlich dass auch mein Einheitswert im Endeffekt steigen wird. Mich stört die polemische unsachliche Art und Weise wie manche Agrarische Entscheidungsträge an die Sache herangehen.







mostkeks antwortet um 23-12-2012 18:37 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
" Er ist das 18 fache des Reinertrages, den ein schuldenfreier ausgedingelastenfreier landwirtschaftlicher Betrieb im Schnitt der Jahre bei ortsüblicher Bewirtschaftung durch Lohnarbeitskräfte erwirtschaften kann."

Durch Lohnarbeitskräft! Da müsste der Rentabilitätskoeffizient über 1 sein und das triff auf nicht 20% der Betriebe beim Grünen Bericht zu.

Heißt das es müßte bei über 80% der Betriebe ein neativer EHW sein???




Neudecker antwortet um 23-12-2012 19:35 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
Hallo ihr Zwei! Danke für eure sachlichen Beiträge. Wie der Einheitswert bei uns in Zukunft ausschaut macht mich neugierig. Bei der letzten Feststellung sind wir herunter gekommen. Diesmal so schätze ich, gehts wieder aufwärts. Nicht weil wir mehr verdienen, sondern weil der Grund besser erschlossen und alles auf einen Fleck zusammengelegt werden konnte. Dazu kommt noch, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten etwas Wald zugekauft haben. Diese Flächen wurden wegen der Geringfügikeit nie dem Einheitswert zugerechnet. Der Einheitswert selbst macht mir weniger Sorge als die damit verbundenen Pferdefüße. Schöne Weihnachten wünscht euch der Neudecker



wawiland antwortet um 23-12-2012 19:37 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
Ich kann deinem Beitrag nur Zustimmen, soweit habe ich noch gar nicht gedacht!
Allerdings befürchte ich, das unsere Politiker dies etwas anders sehen, es wird sich herausstellen!

Aber dass bei den meisten der Betriebe die über der Pauschlierungsgenze zu liegen kommen, die Steuerberater und Sachverständiger mehr Geld kosten als die Steuerabgaben sind, bin ich mir sicher!

Seltsam: Ausgleichszahlungen (für nicht kostendeckende Preise, benachteiligte Gebiete in der EU, sonstige Wirtschaftserschwernisse....) sollten auch besteuert werden? Bin ich falsch Informiert oder bekommen wir im Nachhinein Geld damit wir im vorhinein Steuernzahlen können?
Bürokratie-abbau!!!!!


heumax antwortet um 23-12-2012 21:23 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
heribertniessl
Du hast den § 32 des Bewertungsgesetzes Absatz 1-3 dargestellt, der die Grundlage für die Festlegung der land u. forstwirtschaftlichen Einheitswerte bildet.
Im Rahmen der Aufzeichnungen für den Grünen Bericht ( eingeführt unter Landwirtschaftsminister Hartmann ) habe ich mehr als 30 Jahre an der freiwilligen Buchführung teilgenommen. Durch diese Aufzeichnungen habe ich doch einen genaueren und aussagekräftigen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung des Betriebes bekommen. Ich kann solche Aufzeichnungen und Auswertungen nur jedem Landwirt empfehlen - ich sage sogar, sie sollten Pflicht sein.
Meine auch öfters geäusserte Kritik war, dass Manche die daran teilgenommen haben nicht ganz wahrheitsgetreu agiert haben - und sich selbst in die Tasche gelogen haben. Steuerlich hatte es für den Einzelnen keine Auswirkung, aber in Summe bei den veröffentlichten Zahlen, die doch die Grundlage für manche Schlussfolgerungen bildeten, war das nicht besonders dienlich.
Die Argumente die Du vorbringst sollten von Euch jüngeren Bauern in den dafür zuständigen Gremien vorgebracht werden.


Haa-Pee antwortet um 24-12-2012 10:59 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
referenzbetriebe für den grünen berichten stellten in summe schon den "besser" wirtschaftenden betriebe dar!
dass da unter umständen ein wenig bilanz "geschönt" wurde um beim LBG betreuer keinen maroden eindruck zu hinterlassen dürfte auch stimmen.

meiner meinung sollte es ohnehin pflicht für alle werden laut buchführung die steuern und abgaben zu bezahlen.

wenn man schon jede kuhflade tagesaktuell für das bürokratenkarusell als makulatur dokumentieren muss dann sollten auch steuern und abgaben aufgrund von aufzeichnungen kein problem sein.

vor der einkommensteuer brauchen sich keine 5 prozent der bauern fürchten!
der rest fällt ohnehin in die geringverdiener abteilung und wäre für eine pflichtmitgliedschaft bei der AK anzumelden!-


Obersteirer antwortet um 24-12-2012 12:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
@haapee Hallo volle Zustimmung Gruss Obersteirer


FraFra antwortet um 24-12-2012 13:25 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
laut bodenschätzung 2011 sollen die bodenpunkte gewaltig steigen

von 30% höheren einheitswerten ist die rede

klar das land braucht kohle zum verspekulieren-is doch einleuchtend!!


heribertniessl antwortet um 24-12-2012 13:57 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
OK, die innere Verkehrslage ist bei vielen besser geworden, die Höfe sind auch besser erschlossen


heribertniessl antwortet um 24-12-2012 13:59 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
Kann mir jemand verraten wie die Sozialversicherungsbeitragshöhe bei buchführungspflichtigen betrieben festgestellt werden?



zehentacker antwortet um 24-12-2012 14:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken

Hallo!
Nach dem tatsächlichen Einkommen, wie bei jeden Angestellten, Arbeiter und " normalen" Selbstständigen auch. auch Bei Vollpauschalierten Landwirten, ich war nie einer, werden soviel ich weiß, 2 Drittel des Einheitswerts als Einkommen angenommen.
MfG ferd


wawiland antwortet um 24-12-2012 14:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
Hast recht haapee, vor der Einkommensteuer brauchen sich die wenigsten Bauern fürchten, aber die Aufzeichnungen für das Finanzamt in geeigneter Form, dazu muss sich dort auch jemand damit Beschäftigen da werden sicher noch ein paar Beamte angestellt damit auch allles bearbeitet werden kann. Und dies muß dann auch noch zu einem gewissen Prozentsatz konrolliert werden!

Da frag ich mich schon wozu dieser Aufwand, oder habt Ihr Langeweile und der Staat zu viel Geld?

Aufzeichnungen zur Ermittlung verschiedener Kennzahlen vom Betrieb für Betriebswirtschaftliche Entscheidungen hat doch jeder oder, dies ist aber doch etwas anderes als Aufzeichnungen für die Finanz zb. Teilpauschalierung - Einkommensaufzeichnungen = zuwenig für Betriebswirtschafliche Kennzahlen, od. Doppelte Buchführung mit Bilanzierung - Regelbesteuerung = Sehr aufwendig!

Für den Grünen Bericht ist es doch eine vereinfachte Bilanzierung und Buchhaltung und dazu braucht niemand einen Steuerberater zahlen!


waen antwortet um 25-12-2012 12:39 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
Das ganze ist beschäftigungspolitik. Wohin mit den überflüssigen Beamten,brauchen wahrscheinlich ein bar Aktenträger mehr?


5800 antwortet um 25-12-2012 21:07 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
@waen
Graf Ali sucht eh diskrete Botengänger!


Restaurator antwortet um 25-12-2012 21:55 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Einheitswert - müsste sinken
@heribertniessl:
dein posting sollte als artikel in den tageszeitungen erscheinen.

den informationsstand der durchschnittsbevölkerung zu diesem thema, dass die landwirtschaft angeblich massig gewinn abwirft erklärt dieses video:
 


Bewerten Sie jetzt: Einheitswert - müsste sinken
Bewertung:
5 Punkte von 4 Bewertungen (Maximum 5 Punkte)
message;374593




Landwirt.com Händler Landwirt.com User