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Peter06 22-12-2012 18:36 - E-Mail an User
Braunheu
Eine Bekannte von mir, Historikerin und Autorin, befasst sich in ihrem neuen Projekt unter anderem mit alten Verfahrenstechniken zur Futterkonservierung, und ist dabei auch auf Braunheu gestossen.
In meiner unmittelbaren Umgebung ist dieses Verfahren unbekannt, wie man aber aus alten Lexika weiss, war diese Methode in Süddeutschland, Holland, und auch in Österreich, etwa in Salzburg und der Obersteiermark, bekannt.
Wie die Geschichte grundsätzlich funktioniert, ist uns schon klar, interessant wäre es zu wissen, wie dieses Verfahren in der Praxis mit der damals vorhandenen Technik gemacht wurde. Wurden sogenannte Heuschober angelegt, oder gab es Heustöcke unter Dach, gab es spezielles Werkzeug oder Hilfsmittel, warum hat sich dieses Verfahren letztendlich nicht durchgesetzt?
Vielleicht weiss ja jemand aus seiner Hofgeschichte noch ein paar Details dazu.....


walterst antwortet um 22-12-2012 18:47 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
"Wie die Geschichte grundsätzlich funktioniert, ist uns schon klar,...."

Kannst Du für alle, die es nicht wissen, "Braunheu" und "Wie die Geschichte grundsätzlich funktioniert" kurz erklären?


golfrabbit antwortet um 22-12-2012 19:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Braunheu wurde bei uns in der "Vor-Zwangsbelüftungs-Zeit" immer wieder einmal produziert, allerdings weder gewollt noch zur Nachahmung empfohlen. Kurioserweise haben unsere Butterhirschen den Tabakgeschmack sehr geschätzt und der Milchmesser hatte es auch nicht schwer zu tragen.



179781 antwortet um 22-12-2012 20:29 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Da geht es um "Heulage" Ein Verfahren, das in NOrddeutschland usw. angewendet wurde um Gras von sauren Wiesen für Rinder geniesßbar zu machen. Dabei wurde Heu mit einem Feuchtegahalt, der für richtiges einlagern etwas zu hoch war, auf Mieten im Freien festgetreten ähnlich, wie man heute Silohaufen macht. Durch den Sauerstoffmangel entstand im Haufen eine Vergärung oder besser Fermentation, die verschiedene ungenießbare Kräuter und Gräser für die Rinder schmackhaft machte.

Gottfried


AnimalFarmHipples antwortet um 23-12-2012 08:27 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Fermentiertes Heu wird durchaus gern gefressen, hat aber einen geringeren Nährwert und ist an sich ein eher unerwünschtes Nebenprodukt aus der Heulagerung, eben weil das Fermentierte beim Einlagern doch noch etwas zu feucht war (Gefahr von Heustockbränden, unerwünschten Keimen usw.).

Warum sich Heulage in der Produktion nicht so durchgesetzt hat, liegt wohl daran, daß sie schwieriger zu produzieren ist als Grassilage, weil bei der Grassilage muß man ja nur den richtigen Zeitpunkt zum Silieren erwischen, damit der Feuchtigkeitsgehalt paßt, während die Basis von Heulage ja eigentlich schon Heu ist, dem man beim Einsilieren wieder Feuchte zuführen muß, sonst wirds ganz einfach nichts.

Heulage ist aber bei Sportpferden durchaus gefragt wegen des geringeren Nährwerts -> geringere Gefahr von Koliken, und auch wegen der gegenüber Heu geringeren Staubbelastung.
Wird bei uns im Reitstall palettenweise abgesackt aus Lettland importiert. (heulage.eu).


Tyrolens antwortet um 23-12-2012 08:41 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Das Problem mit der Heulange ist, dass sie sich nur schlecht verdichten lässt.


walterst antwortet um 23-12-2012 09:25 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
da wäre mal eine Begriffsbestimmung angesagt. Ich blicke derzeit noch nicht durch.

Unter Heulage hätte ich verstanden eine Silage, also das Produkt einer Milchsäregärung, aus fast fertigem Heu und auf jeden Fall luftdicht verschlossen.

Bei Braunheu habe ich nach meinem Verständnis eine Fermentierung und Selbsttrocknung durch enorme Wärmeentwicklung. Tabak- oder Brotartiger Geruch im Idealfall.
Die Selbsttrocknung mit Neigung zur Selbstentzündung bringt auch eine Kondensationszone der ausgetriebenen Feuchtigkeit mit sich, wo Fäulnis und Schimmel auftreten(können), was das verfahren vermutlich etwas unpopulär gemacht hat.

mein schlaues Landw. Lexikon von 1888 kennt das Verfahren. 10-12 Leute müssen den Haufen bis 6 m Höhe gut festtreten. Oben drauf eine Strohschicht. UNd nach 8 Wochen kann der kürzlich hier vorgestellte Heutreter in Betrieb genommen werden....


servusdiewadln antwortet um 23-12-2012 09:29 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@AnimalFarmHipples
darf ich dich fragen was diese heulage aus lettland kostet?



Restaurator antwortet um 23-12-2012 10:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Die Bereitung des B. eignet sich bes. für Gebirgsgegenden, wo sich häufig feuchte Niederschläge ereignen, bes. aber bei der Grummeternte; sie ist aber auch überall da an ihrem Platze, wo die Futterernte in ungünstige Witterung fällt.

Pierer's Lexicon. 1857–1865.


Efal antwortet um 23-12-2012 10:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Da muss ich mich glatt, an unsere Kindheit erinnern, als wir noch Heuschober, Hüffin und Schwedenreiter machten.
Wenn wir fleißig mitgeholfen hatten, durften wir anschließend darunter sich Verstecken, Nachlaufen oder Indianer spielen.
Auch wenn es sehr anstrengend und zeitaufwendig war, vorallem das Pflöcke schlagen in den steineren Boden (teilweise nur 10cm Erde-Humus),
das schöne daran war, das "alle" Familienmitglieder mit geholfen haben,
ohne Motoren Lärm wurde so einiges erzählt und manchmal ergab sich beim männlichen Geschlecht so manche lustige Rauferei.
Um die Qualität des Heues zu beurteilen, kann ich leider keine angaben machen, den dazu war ich damals noch zu klein!
http://www.youtube.com/watch?v=CSwmfZQyT4I&list=UUZuIbX5HZJumlvdUlusUJtA&index=1
 


Peter06 antwortet um 23-12-2012 11:13 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Ja, Walter, Du hast es schon richtig beschrieben.
Als Kondensationszone wurde eine Abdeckung hergestellt, die aus Stroh, oder eher aus dem Feinanteil, der beim Dreschen und Kornreinigen (Spelzen, leere Ähren, Staub etc.) anfiel, war. Vielleicht kennt jemand die genaue Bezeichnung dafür, (dürfte regional verschieden sein).
Anschaulich sieht man das ja an den Hackguthaufen, die eine zu hohe Restfeuchte haben, da kondensiert ja auch immer der oberste Kegel, wird schwarz dann gibt es eine Schicht mit sehr hohen Schimmelanteil und darunter schön ausgetrocknetes Hackgut.
Durch die Anfrage von Fragenstein wegen des Heutreters dachte ich mir, das es zum Thema Braunheu vielleicht ein paar Experten gibt....



Efal antwortet um 23-12-2012 17:22 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@Peter
Vielleicht fängt deine Bekannte, für ihr Projekt, mit folgenden etwas an.
Beim Googeln in der Kategorie, Mehr - Bücher, gibt es mit den Eintrag "Braunheu - Früher" sehr viel zu lesen.


AnimalFarmHipples antwortet um 28-12-2012 08:20 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@servus :
Keine Ahnung, darüber schweigen jene, die es kaufen, ganz eisern.
Scheint aber immerhin so teuer zu sein, daß nach billigeren Alternativen gesucht wird, wie zB meine Gras-Silage (die ich aber nicht hergebe, ist mir viel zu riskant; verdirbt sich so ein Luxusgeschöpf am Ende den Magen, wäre sicher gleich meine Silage schuld ...)

Im übrigen bin ich nicht sicher, ob zwischen Fermentierung und Silogärung wirklich so ein großer Unterschied besteht; es dürfte einzig am Feuchtegehalt liegen.
Und ja - wenn es praktisch fertiges Heu abregnet, am Ende gar mehrmals hintereinander, dürfte eine Heulage die weniger arbeitsintensive Alternative zu Schwedenreitern sein.


walterst antwortet um 28-12-2012 09:51 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
UNterschiede zwischen Braunheubereitung und Silierung einmal laienhaft und unvollständig aufgezählt:

Silo: Milchsäure/Essigsäuregärung, Konservierung durch entstehendes und verbleibendes CO2 und die Säuren, geringe Erwärmung, Eiweiß bleibt "unangetastet", ursprüngliche Feuchtigkeit bleibt (außer im Extremfall Sickersaft) vorhanden. KOnserviertes Futter kann nach Abschluss der Konservierung durch Luftzufuhr verderben.

Braunheu: Energieverlust, große Wärmeentwicklung und Temperaturen, Eiweiss degeneriert (wahrsch. Vorteil für Pferdefütterung), Konservierung durch Selbsttrocknung durch Hitze, Gefahr von Schimmel in der Kondensationszone, keine Veränderung mehr nach Abschluss der Trocknung. Geschmacksstoffbildung ähnlich Tabakerzeugung.


AnimalFarmHipples antwortet um 28-12-2012 10:22 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Ok ok, hast ja Recht, es hat zwar beides was mit Gärung zu tun, aber im Pansen wird das Futter auch nicht siliert sondern fermentiert ... es lebe der feine Unterschied ... ;-)


Peter06 antwortet um 28-12-2012 10:42 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Diese Verfahren wurde bis in die 50er Jahre des 20. Jhd. weiträumig angewandt, und scheinbar erst durch die "Gärheubereitung", oder Grassilage verdrängt.
Logisch erscheint es mir, wie von Gottfried beschrieben, die Fresslust bei Heu von "sauren" Wiesen zu erhöhen, auch bei unsicheren Wetterlagen würde es Sinn machen, nur dürften die Nährstoffverluste zu hoch, und die händische Manipulation des halbtrockenen Heus zu anstrengend gewesen sein...


Christoph38 antwortet um 28-12-2012 10:44 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
mein Vater hat vor allem bei saureren Wiesen darauf geschworen, dass das Heu nicht zu trocken ist, damit es ordentlich "nachbrennt"

besonders "beliebt" war bei uns Jungen damals, wenn das Wiesenheu ordentlich schwer war und wegen der zu großen Nässe in den Heustadel geworfen werden musste, per Handbetrieb
allein für dieses Fluchen werde ich vermutlich in der Hölle schmoren müssen ;-)


walterst antwortet um 28-12-2012 11:01 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@peter
zusätzlich war noch das Problem, dass der Bereitungsprozess nur unzulänglich steuerbar war und sich das Erntegut nicht all zu selten samt dem umgebenden Gebäude im Aggregatzustand deutlich verändert hat.....


golfrabbit antwortet um 28-12-2012 12:01 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Durch das Aufkommen von Feuerversicherungen soll in der 2. Hälfte des vorigen Jhdt. die Risikobereitschaft zur Braunheuproduktion innerhalb der bäuerlichen Bevölkerung - jedoch in Abhängigkeit vom Erhaltungszustand ihres Anwesens - sprunghaft gestiegen sein. Lästermäuler umschrieben dies auch mit "thermischer Demontage", umgangssprachlich jedoch weiter verbreitet als "aufbrennen".
Entnommen dem beliebt/berüchtigten Ratgeber: "Bled ku ma gnuag sei, z´helf´n muaß ma si wissen!"


Peter06 antwortet um 29-12-2012 09:49 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@golfrabbit:
Also für alle, die Dein System der "thermischen Demontage" (besser bekannt unter "worm otrog´n") zur Anwendung bringen wollen, ist es doch eher zu empfehlen, der Mutter Gottes oder sonst einem dafür zuständigen Heiligen oder Nothelfer, an geeigneter Stelle ein Kerzerl zu weihen und anschliessend sich schnellstens auf eine Wallfahrt zwecks glücklichem Gelingen des Brandopfers (und der Alibibeschaffung) zu begeben, als auf das äusserst unwahrscheinliche Eintreten einer Heuselbstentzündung zu warten!
Damit sich nämlich so ein Heustock entzündet, müssen eine Reihe von Faktoren (Wassergehalt, relative Luftfeuchtigkeit, Zusammenspiel der Abbauprozesse etc.) zusammenpassen.


walterst antwortet um 29-12-2012 11:37 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@peter06
war das jetzt spassig gemeint "unwahrscheinliche Eintreten..."?

Wo sonst würden eine "Reihe von Faktoren" so gut zusammenpassen, wie bei der Braunheubereitung?

Fragst mal den Vordesten der Heumilchbauern, warum bei ihm 2 mal die Faktoren zu gut zusammengespielt haben?



golfrabbit antwortet um 29-12-2012 12:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@Peter
Bitte zu beachten: es handelt sich weder um mein System, noch haben Maria und die Heiligen etwas damit zu schaffen.


Peter06 antwortet um 29-12-2012 18:06 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@walter
Nö, war überhaupt nicht "spassig", gerade bei der richtigen Braunheubereitung kommt es eben nicht zur Selbstentzündung, weil sich Selbsttrocknung und Kühlung durch Verdunstung die Waage halten. Du wirst es nicht glauben, aber lt. Wikipedia ist die nachgestellte, experimentelle Selbstentzündung eines Heustocks im "Labor" bis jetzt noch nicht gelungen, was mich zur Feststellung veranlasst hat, das bei der "thermischen Demontage" (Copyright golfrabbit) andere Methoden zielführender sein können....

@golfrabbit:
Sry, ich dachte, Du bist der Verfasser des Ratgebers!
Und das mit dem Kerzerl-weihen soll schon mehrmals versucht worden sein, seit aber die Brandschadensermittler Spassverderber spielen, ist es wieder etwas aus der Mode gekommen...
Hier eine kurze Hörprobe:
 


xaver75 antwortet um 31-05-2017 20:13 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
wär das was für Jakob?


jakob.r1 antwortet um 01-06-2017 09:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Grüß Dich Xaver, -- nun Braunheu mit Rundballen zu produzieren ist etwa so wie ein 6er im Lotto. Die Grenze zwischen Schwammerl in der Mitte des Ballens und bereits zu trocken ist in der Praxis nur zufällig zu erreichen. Ich werde deshalb lieber eine Heutrocknungsanlage installieren. Aber danke für den Hinweis
Jakob


xaver75 antwortet um 01-06-2017 12:34 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
Jakob, versteh mich bitte nicht falsch, aber dein "Futter" vom Brandmoos auf der Rehgrabenalm würde ich nicht mal gerne als Einstreu hernehmen. Hab Milchvieh, Aufzucht ausgelagert und wüsste nicht, wer das fressen soll.
Nachdem Du gerne mit deinem Kran arbeitest, wärs vielleicht einen Versuch wert, wo sich ein möglicher Schaden durch Futterentwertung in grenzen hält.
Außerdem ein paar interessante Antworten von ehemaligen Schreibern.
mfg



Century antwortet um 01-06-2017 12:53 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
jakob braucht das Zeug nicht als Futter, er hat die Viecher ja nur, um noch mehr Steuergeld abzuschöpfen^^




fgh antwortet um 01-06-2017 13:52 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@century: Als ob er da der einzige wäre...


jakob.r1 antwortet um 01-06-2017 22:52 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Braunheu
@xaver... ja ja es ist gar nicht so einfach, meine Rehgrabenalm so vorsichtig zu bewirtschaften daß ja die Hexe Falak nicht auf die Idee kommt ich möchte an Ihren Goldschatz ran....
Grüße
Jakob


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