Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?

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edde 12-12-2010 11:43 - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
diese frage kann man sich in österreich berechtigterweise stellen, wenn man sich dieses totschweigen des jüngsten voschlages von kommissär Giolos betrachtet.

ciolos will die milcherzeugerpreise durch erzeugergemeinschaften festigen,beschränkt allerdings auf max 49 prozent der inlandserzeugung eines jeweiligen eu-landes.

also die erzeugung der bauern bündeln und somit gegenüber den molkereienals abnehmer stärkere verhandlungspositionen erreichen.
klingt gut und hat sich auch etwa in deutschland längst bewährt, doch in österreich wird ein solcher vorschlag des kommissärs nicht einmal erwähnt seitens der politik oder der sogenannten interessensvertretung.
da wird wie eh und je auf die starken genossenschaften gesetzt, inzwischen erreichen diese oder besser gesagt dieser bergriese bereits eine beängstigende grösse und natürlich auch macht gegenüber dem einzelnen milchbauern dass mir persönlich bei einer solchen molkereistruktur angst und bange wird.
interessanterweise ist von dem grossen vorteil derzeit ja nimmer viel zu sehen, denn österreich ist mit seiner genossenschaftsstruktur bereits hinter deutschland im auszahlungspreis zurückgefallen trotz fast hundertprozent genfrei, s-klassenmilch mit drakonischen abzügen bei nichterreichen ohne iregend einer ausreisserregelung wie in bayern,
jahreszeitabhängigen lieferbeschränkungen und einiges mehr.

ist es den genossenschaftsbauernbundlandwirtschaftskammerraiffeisendamen und herren etwa nicht genehm, wenn sich die milchbauern zu erzeugergemeinschaften zusammenschliessen wie es ciolos anregt ,oder wie soll man dieses totschweigen verstehen ??????

mfg




walterst antwortet um 12-12-2010 13:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
Grundsätzlich ist es sehr erfreulich, dass vom Agrarkommissar und der gesamten Kommission endlich wortwörtlich der Zustand bestätigt wird, dass die Milchbauern in der Wertschöpfungskette die schwächste Position haben und dass dies einer Korrektur bedarf.

Wie realitätsfern (oder von der Wirtschaft gekauft) die Politik aber agiert, ist gerade an diesem Beispiel ganz gut zu zeigen.

Die Bündelung von Milch darf aber nach diesem Giolos-Vorschlag aber letztendlich nur maximal 3,5 % der EU-Milchmenge oder 33% der nationalen MIlchmenge ausmachen. Darüber hätten die Wettbewerbshüter Bedenken.

Die selben Wettbewerbshüter haben aber überhaupt keine Bedenken, wenn Genossenschaftsmolkereien als absolute Monopolisten gegenüber den Milchproduzenten in den Regionen agieren und Molkereien bis zu 100% der nationalen Milchmenge bündeln oder bereits deutlich über den für Milcherzeugergemeinschaften festgelegten Wert von 3,5% der Europamenge kontrollieren.
Das Selbe beim Handel - 40% Marktanteil und damit absolute Dominanz der Zulieferer - kein Problem. Aber ein Kartell von 3 BAuern löst gleich Großalarm aus.


mosti antwortet um 12-12-2010 21:11 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
@walter: geben wir gas, bringen ´´freie milch´´ auf 50% und dann schaun wir weiter


alfalfa antwortet um 13-12-2010 14:40 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
was kann man sich von einer erzeugergemeinschaft erhoffen was eine genossenschaft nicht im stande ist zu leisten?
bitte korregiert mich aber gehört die genossenschaft, egal wie sie heißt, nicht auch in den österreich den eigentürmern sprich den genossen? ist ein system in dem sowohl die liefermenge als auch die verarbeitung vom eigentümer gelenkt wird nicht viel besser?
haben die eigentümervertreter nicht auch schon jetzt das recht und die pflicht (und werden dafür bezahlt) das sie die interessen der eigentümer vertreten und wenn dem nicht so ist auch die pflicht zu handeln (zb die geschäftsführung abbestellen)
also was kann so eine erzeugergemeinschaft was eine genossenschaft nicht auch kann?
wenns nur um die umsetzung geht, dann ist wohl nicht das system schuld sondern jene die es betreiben und da gehören alle stakeholder dazu!

lg


Christoph38 antwortet um 13-12-2010 15:05 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
Wenn man sich die "Marktmacht" der Milchbauern derzeit anschaut und die müden Verbesserungsvorschläge dazu, bleibt als einzig logische persönliche Konsequenz die Milchwirtschaft morgen zuzusperren, anstatt sich noch die restlichen 30 Jahre des Berufslebens verarschen zu lassen und zu versuchen Marktnachteile durch Kosteneinsparungen zu kompensieren.


walterst antwortet um 13-12-2010 15:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
@alfaalfa
Gegenwärtig ist es in Österreich so, dass eine bekannte Genossenschaftsmolkerei (selbstverständlich allein im Auftrag und mit Wissen ihrer Eigentümer) den anderen Genossenschaftsmolkereien verbietet, die Bauernmilchpreise so zu erhöhen, wie dies die Marktlage ermöglichen würde. Ansonsten wird damit gedroht, einzelne Produkte aus dem Regal zu kicken.
Man will Ruhe in der Hütte und braucht das Geld zur Sanierung von Managementfehlern anfusionierter Werke.
Und da kann man einfach nicht dulden, dass dadurch Unruhe bei den Eigentümern entsteht, wenn eine andere Molkerei einen besseren Preis bezahlt.

Ich muss zugeben, solche Schweinereien können Erzeugergemeinschaften nicht leisten.


biolix antwortet um 13-12-2010 15:24 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
schön langsam glaub ich dir das alles walter, "milki leak" ..;-)))

Aber statt sich abzusprechen, bei Verkäufen an den Handel nicht die Hosen runter zu lassen, versteh ich eher weniger.. ;-(

lg biolix


Muuh antwortet um 13-12-2010 20:53 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
Am Höhepunkt des europäischen Bauernaufstandes wurde im Oktober 2009 eine hochrangige Expertengruppe (HLG) „Milch“ eingerichtet.

Bedeutende europäische Interessengruppen der Milchversorgungskette leisteten mündliche und schriftliche Beiträge zu ihren Arbeiten: COPA-COGECA, das European Milk Board, die European Coordination Via Campesina (die alle die Landwirte vertreten), der Europäische Milchindustrieverband (Molkereien), EUCOLAIT (Milchhändler),EUROCOMMERCE (Einzelhandel) und BEUC (Verbraucher).

Einer der wesentlichen Aspekte der Arbeiten der HLG betraf Bereiche, die mit der Struktur des Marktes und dessen Akteuren zusammenhängen. Ein wesentliches Problem scheinen die Beziehungen zwischen Landwirten und Verarbeitungsbetrieben zu sein; hier liegt der Schlüssel zu Lösungen, die zu einer Verbesserung der Situation führen können.

Vertragsbeziehungen werden auf EU-Ebene auf freiwilliger Basis geregelt. Es bleibt den Mitgliedstaaten überlassen, ob sie eine obligatorische Regelung wählen.

Bauernbund-Präsident Grillitsch hält die Einführung von eigenen Erzeugergemeinschaften in Österreich für wenig zielführend, da er ein erzeugerdominiertes System in Form der heimischen Genossenschaften bereits verwirklicht sieht. Er sieht mehr Sinn, die österreichische Genossenschaftsidee weiterzuentwickeln und so für die Milchbauern eine Marktteilnahme auf Augenhöhe sicherzustellen.
Trotzdem stellt er auch fest, dass nicht die Bauern von etwaigen hohen Lebensmittelpreisen profitieren. Der Bauernmilchpreis beträgt nur ein Drittel des Verkaufspreises und liegt mit 32 bis 34 Cent netto derzeit rund 2 Cent unter dem Niveau im Nachbarland Bayern. Auch Elisabeth Köstinger hält fest: Zwei Drittel werden von Verarbeitungsbetrieben und dem Lebensmittelhandel lukriert.

Auch genossenschaftliche Verarbeitungsbetriebe wollen fusionieren, expandieren und neue Märkte erschließen, dazu muss der Rohstoff aber möglichst billig sein. Dazu werden schon einige Cent an Bauerngelder zurückbehalten.

Stärken heimische Genossenschaften die Bauern gegenüber Verarbeitungsbetriebe?
Vertragsbeziehung - aktuelle und zukünftige Lieferverträge?




walterst antwortet um 13-12-2010 21:04 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
das "erzeugerdominierte System in Form der heimischen Genossenschaften" hat für mich einen winzigen Schönheitsfehler: Der Erzeuger dominiert nicht sondern er wird dominiert.
Beispiel Liefervertrag: "Ich (Wir) erkläre(n) außerdem ausdrücklich, dass ich (Wir) Änderungen in der Milchlieferordnung und dem Milchanlageblatt, die der Vorstand der XXXXXX reg.Gen. beschließt, anerkennen werde(n) und die jeweils aktuell Fassung Bestandteil des Milchliefervertrages wird." Unterschreiben und auf ewig die Go.. halten.


edde antwortet um 14-12-2010 15:26 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Milcherzeugergemeinschaften erwünscht ?
@muuh


wie entwickelt sich dann nun die genossenschaftsidee weiter ?
auf "augenhöhe" mit den abnehmern ?

dder einzelne bauer auf augenhöhe mit einem abnehmer, der schon so gross ist dass er allles diktieren kann sogar die geschäftsbeziehungen der viel kleineren verarbeiter ?

der schon in weiten teilen des landes ein abnahmemonopol hat alleine auf grund von geografischen entfernungen ?

wir haben doch im landwirtschaftlichen warenbereich die weiterentwicklung exemplarisch vollzogen-nämlich hin zur gründung von bäuerlichen einkaufsgemeinschaften österreichweit ,um der alles diktierenden genossenschaft paroli bieten zu können !

mfg




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