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krähwinkler 25-01-2013 10:16 - E-Mail an User
Urbanisierung
Österreichs Einwohnerzahl wächst in Europa hinter der Schweiz am stärksten. Dieses Wachstum findet vor allem in den Städten statt. Zusätzlich gibt es eine Entvölkerung der ländlichen Gebiete. Ökologisch ist das eine wünschenswerte Entwicklung.

Mir bricht aber das Herz, wenn ich an die Verrentnerung und damit absehbare Entvölkerung meiner Heimatgemeinde denke, aus der ich selbst weggezogen bin.

Seht ihr mehr Silberstreife oder mehr Dämmerung über dem Dorf?










traktorensteff antwortet um 25-01-2013 12:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
Was du hier schilderst, betrifft 2 Bereiche.

Das Eine ist die Landflucht auf Grund zu wenig Arbeitsmöglichkeit in ländlichen Gegenden. Natürlich ist diese Entwicklung nicht gut, denn sie führt zur schrittweisen Entvölkerung dieser Landstriche, weil sich diese Tendenz immer mehr steigert. Ich kann aber deine Aussage nicht verstehen, warum das ökologisch gut sein soll, denn die Konzentration von viel Bevölkerung auf engem Raum und die dadurch zugebauten Vorstadtgebiete so wie Pendlerfahrten beeinträchtigen die Natur mehr, als eine verteilte Bevölkerung mit Arbeit "um die Ecke" es tut.

Das Andere ist der allgemeine Bevölkerungszuwachs. Laut Statistik Austria wird es 2030 9 Mio. Einwohner (statt jetzt 8,4 Mio.) geben und 2060 9,4 Mio. Grund: Die angenommene (!) Einwanderung, also ein Faktor, der noch gar nicht fest steht und politisch beeinflusst werden könnte. Unten der Link zum Interview. Man beachte: Steigende Genurtenraten werden erwähnt. Was nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass diese Geburten auf die Zuwanderer zurückzuführen sind. Was das bedeutet, brauche ich nicht sagen, den Politikern interessiert das scheinbar nicht.

Schon jetzt haben wir eine zu hohe Bevölkerungsanzahl. Noch mehr, und die Lebensqualität wird immer geringer. In Wien wird der Platz schon zu wenig, 200.000 Wohnungen in 20 Jahren würden benötigt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie bei solchen Entwicklungen das Leben noch lebenswert sein soll. Lärm, Verschmutzung, Naturzerstörung uvm.
http://oesterreich.orf.at/stories/2568179

Ich würde die Landflucht (Rückgang in ländlichen Gegenden) also nicht als das einzige Problem bezüglich der Wanderungsströme sehen!
 


freidenker antwortet um 25-01-2013 12:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
@melanchthon

>Seht ihr mehr Silberstreife oder mehr Dämmerung über dem Dorf?

hallo,

ich kenne euer dorf nicht. Bei mir ist es andersherum, also reichlich zuzug. Der großteil pendelt täglich zur arbeit ca 20km. Die Häuslbauer überlegen sich schon sehr gut wo sie sich niederlassen. Genieß die Ruhe, wenn du das dorf wiedermal besuchst ;-)

mfg



Woodster antwortet um 25-01-2013 17:06 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung

Verstehe auch nicht, warum die "Urbanisierung" das Heil der Welt sein soll.

Ich bin der Meinung, die Städte sind die Krebsgeschwüre dieser Welt. Es ist ein Zitat, ich weiß nicht mehr von wem. Aus ökologischer Hinsicht stimmt das ja. Quadratkilometerweise Boden zubetoniert, Flüsse begradigt, horrender Energieverbrauch auf kleinsten Raum, Luftverschmutzung, etc, etc..

Diese Leute in der Stadt haben meist auch keinen oder wenig Bezug zu Natur und deren Abläufen.
Hauptsache aber am Wochenende "ins Grüne". Aber nicht mit der Bim oder Bahn, sondern eh scho wissen.
Und dann sich über die "Zersiedelung" aufbudeln. Über jene die die Landschaft noch pflegen, damit man ins "Grüne" fahren kann...

Die Steuergesetzgebung begünstig seit langem die Städte, die Provinz wird über die Steuergebarung ausgesaugt.
Dann wundern sich alle, dass es seit Jahrzehnten eine Landflucht gibt.

Die hohe Politik in den Städten weiß dass und heuchelt scheinheilig.




NiN antwortet um 25-01-2013 17:20 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
Aus Sicht der Landwirte mit Expansionsdrang - gut
aus Sicht ökologischer Faktoren - katastrophal




Restaurator antwortet um 25-01-2013 19:45 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
wahrscheinlich hab ich's schon einmal geschrieben, aber trotzdem:
der städtische wohnbau entspricht den von seinen bewohnern kritisierten intensivstallungen, bloss für menschen.
dass in den städten mehr psychische probleme, kriminalität, drogenprobleme, prostitution, usw. usw. vorhanden sind hat seinen grund nicht hauptsächlich darin, dass jeder narr dort in der masse untertauchen und sich frei ausleben kann - was in einer dorfstruktur nicht ginge....


Spring antwortet um 25-01-2013 20:47 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
restaurator
in den städten wohnen/arbeiten mehr, als am land;.. am land wird auch eingebrochen und gibt ilegale prostition, drogenprobleme usw usw... narren werden in städten leichter aufgegriffen als am land zurückgezogene - in einer dorfstruktur sind alle deine aufgezählten möglichkeiten genau so machbar, wenn nicht leichter ..

ich bin gegen zersiedelung - somit steht den städtern genug grünland als erholungsraum zur verfügung
solange es bauern gibt, überlebt die provinz und gewinnt mehr an bedeutung durch subventionierte landschaftspflege, den landschaftspflege ist bei den unrealistischen produktpreisen längst keine selbstverständlichkeit mehr...



krähwinkler antwortet um 25-01-2013 20:55 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
Ich werde jetzt die Argumente, wo und wann der Ballungsraum ökologische Vorteile gegenüber dem Einfamilienhaus hat, nicht ausbreiten, das kann man nachrecherchieren.

Peter Rossegger hat eine Zeit der Entvölkerung der Dörfer beschrieben, die man nachträglich sehr begrüßen konnte.

Man wird die Attraktivierung der Dörfer nicht erzwingen können. Die Landwirtschaft macht wieder mehr Geld. Das ist schon einmal eine gute Voraussetzung. Ich sehe einen Vorteil am Land: Man kann zwischen Anonymität und Gemeinschaft wechseln. Dank Auto!




Spring antwortet um 25-01-2013 21:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
Peter Rosegger war (ironischer) Melancholiker, deswegen seine Begrüßung zum Land als Waldbauernbub jedoch weniger mit harter Arbeit verbunden



krähwinkler antwortet um 26-01-2013 08:45 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
Offensichtlich ist, wer sich im Netz tummelt, in einer belebten Gegend zu hause oder generell mehr ein Mensch, der die Dinge gestaltet als erduldet. Sonst würde das Echo anders sein aus Niederösterreich, das neben Stmk. und K am stärksten diesem Trend ausgesetzt ist, und wo bald gewählt wird. Drum wundert es mich, dass diese Thema so einen Null-Aufregungsfaktor aufweist..




NiN antwortet um 26-01-2013 09:43 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
Für mich in der Oststeiermark ist das so, daß der Trend gen Landflucht geht. Unser Dorfkaiser ( obwohl VP ::)) ) ist ein Topmann, kämpft wie ein Löwe für den KiGa und die VS....

Für mich als Landwirt im Betriebsaufbau ist es jedoch genau der Grund, warum ich in diese Gegend kam, raus aus Graz....

Ausserdem stützt sich mein Betriebskonzept langfristig auch auf die Expansion, ergo seh ich es positiv.

Mehr Platz und weniger Verrückte ( im Vergleich zu Graz )....


zehentacker antwortet um 26-01-2013 10:10 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
Hallo!
Carnuntum, Venedig, Hallstadt, Eisenerz, Linz, St.Pölten, Rotterdam, Shanghai oder Wien mit Speckgürtel. Alle diese Städte wurden entweder aus strategischen Gründen geplant, sind durch gefragte Rohstoffvorkommen oder günstige Lage gewachsen und zum Teil auch wieder verschwunden. Ein weiterer, für Österreich mit reichlichen Niederschlägen nicht zutreffender Faktor, genügend Wasser. Weder Produktion noch Dienstleistung, damit Einkommen ist ohne Wasser möglich. Ob jemand jeden Tag vier Stunden in der Bahn verbringt, weil er lieber am Land lebt oder in die Stadt zieht, ist seine persönliche Entscheidung. Lebensqualität hat nach meiner Meinung wenig mit Stadt oder Dorf zu tun, eher in welchen Umfeld er sich wohl fühlt, wo er mit seinen Freizeitgewohnheiten besser aufgehoben ist. Ein begeisterter Heger und Jäger, der gern im Garten arbeitet und bei der Feuerwehr ist wird eher am Land leben wollen. Eine Chinesische Stadtfamilie mit Einraumwohnung und einer Küche mit drei anderen Mietern muss ich aber mit einen Marrokanischen Bauern der auf dreißig Quadratmetern mit Ziege und Esel lebt, vergleichen.
MfG ferdinand


Hirschfarm antwortet um 26-01-2013 12:03 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Urbanisierung
Ich lebe selbst in einer Abwanderungsregion und bin froh darüber. Je mehr Menschen in die "Große Stadt" abwandern umso mehr Lebensqualität bleibt für die verbleibenden über.
Da ich auch das Stadtleben kenne kann ich nur sagen: Der Vergleich macht Sie sicher!
mfg
p.s.: Wenn jetzt noch die Politik die Ungerechtigkeit beim Finanzausgleich abschaffen würde die kleine Landgemeinden strukturell gegenüber großen Stadtgemeinden benachteiligt könnte man eigentlich als Landbewohner rundum zufrieden sein.


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