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Shalalachi 18-10-2012 11:06 - E-Mail an User
Dämmen mit Stroh
Hallo!
Ich plane den Dachboden meines Wohnhauses (Betondecke) zu isolieren.
Ich möchte gerne Naturmaterialen einsetzen, und ich bin nicht sehr überzeugt von den begehbaren Dämmelementen, außerdem ist es eine große Fläche, da kommt auch eine ordentliche Summe zusammen.
Ich hätte gedacht Holzstaffel 8x16cm aufzulegen und mit gehäckseltem Stroh auszufüllen. Darauf dann Bretterschalung oder OSB-Platten.

Alternativ kann ich auch Zellulose einblasen, oder eben mit Styroporplatten ausfüllen.

Wer hat Erfahrung damit?
1. Ungezifer das mit dem Stroh raufkommt? Muss es behandelt werden?
2. Isolierwert, passt die Höhe?
3. Haltbarkeit?
4. Sind die Kosten förderbar?



Schaf_1608 antwortet um 18-10-2012 11:27 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Dämmen mit Stroh
Ich kann dir wenig dazu sagen, aber wir haben mal einen Biosupermarkt im Mühlviertel besucht die haben den Laden mit Kleinballen gedämmt. Uns wurde gesagt, dass sie nur bestes Stroh verwendet haben und es absolut Mausdicht sein muss, die Ungezieferfirma kontrolliert das mit...

Ich würde sowas aber sicherlich nicht ohne Firma machen, weil wenn da nach zwei Jahren eine Ungezieferzucht hast kommt es dir teurer als hättest gleich mit "modernen" Stoffen gedämmt....

glg


JAR_313 antwortet um 18-10-2012 12:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Dämmen mit Stroh
hallo

habe auch den Dachboden mit Stroh gedämmt. Mit kleinen unbehandelten Ballen.
Die Dämmstärke mit 16 cm ist viel zu wenig. Für Niedrigenergiebauweise benötigst Du glaub ich 25 bis 30 cm Styropor - mit organischen Material muss man das doppelte rechnen.
Habe 2 Lagen kleine Ballen mit insgesamt 75cm aufgeschlichtet und mit Bretterverschalung und Platten abgedeckt. Bretter weil die Platten nicht ordentlich zu liegen kommen. 2 Lagen weil ausgerechnet Betonüberzüge mit nur einer enzigen Schicht dann schlechter gedämmt wären als der Rest.
Auch häckseln ist nicht optimal, da das Stroh so fest wie möglich gepresst werden sollte. Ideal wären somit Großpacken, die ich aber nicht verarbeiten hätte können.
Beim Googeln findet man hier und da auch praktische Tips neben den vielen Schauermärchen.

*) ein Kostenvorteil ergibt sich nur wenn man die Arbeit selbst macht und das ist nicht wenig
*) ich hab keine Firma gefunden die das besser machen könnte als man selbst. Das wichtigste ist die optimale Strohtrocknung. In meinem Fall war bei der Gerstenernte bereits ein Schönwetterfenster von 4 Tagen vorhergesagt wodurch nicht nicht mehr auf den Weizen warten wollte. Das kann man nur selbst unmittelbar entscheiden.
*) Mäuse sehe ich als kleinstes Problem hängt mit der Restkornmenge zusammen - selbst der Energiesparverband sagt, dass Mäuse keine Baubiologen sind. Auch Ungeziffer befällt auch syntetische Dämmstoffe wenn diese naß werden und schimmeln.
*) Förderung gibt es nur mit nicht rückzahlbare Zinsenzuschüssen zum Landgeld für ökologische Dämmstoffe - sonst ist mir nichts bekannt - hier müssen aber viele Vorgaben für das gesamte Bauwerk eingehalten werden
*) Für die Haltbarkeit habe ich keine brauchbaren Aussagen gefunden; nur die Erfahrungsberichte wenn alte Stallungen abgerissen werden findet man öfters noch Stroh auch ohne Abdeckung, das dort schon Jahrzente liegt.

-> Geld ist nicht viel verloren einzig die Arbeit
-> Die Bauwirtschaft wird das nie flächendeckend einsetzen; es ist viel zu kompliziert nur einmal im Jahr zu ernten - trocken, trocken einlagern, trocken auf die Baustelle bringen, trocken ins Gebäude einbauen.
-> auch sprechen in der Regel die Bebauungspläne dagegen, die die Bauhöhe einschränken

mfg josef




Shalalachi antwortet um 19-10-2012 10:39 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Dämmen mit Stroh
Danke Josef für die ausführliche Antwort.
75cm klingt ordentlich viel, da ja der Dämmwert verglichen mit Styropor gar nicht so übel ist.
Hast du zwischen den Ballen noch Holz, oder die Bretter und Platten dann auf die Ballen gelegt?

Ich hab schön trockene Triticalestroh lose im Heuboden entweder besorge ich mir eine Presse und füttere sie mit dem Kran, oder verdichte das Stroh am Dachboden indem ich die Holzkonstruktion ausstopfe.

Ich hab beim googeln noch was in meiner Region gefunden:
Ein Fertighaus aus Strohdämmung.
Nach 8 Jahren wird man da sicher auch schon Erfahrungswerte haben.

http://www.mondseehaus.at/presse/galerie/4.htm




JAR_313 antwortet um 20-10-2012 21:50 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Dämmen mit Stroh
hallo,

Der Dämmwert hängt von der Feuchte ab, da gibt es Werte von bis. Also so wie beim Mondseehaus auf eine Ballenhöhe von 35cm solltest schon kommen.
Ich hab die Bretter erst oben auf gelegt und darauf die Platten, da sonst die Stöße der Platten nicht ordentlich eben geworden wären.
Dein Stroh unbedingt pressen, mit stopfen bekommst das nicht so hin. Bei den Rigelkonstruktionen werden die Ballen auch so fest wie möglich eingebracht - hier geht es auch dann darum, dass nirgends eine Luftzirkulation sich aufbauen kann.
Mondsee ist eh auch nicht so weit weg von mir...


mfg josef


Shalalachi antwortet um 21-10-2012 15:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Dämmen mit Stroh
Lieber tria: man wird eher schräg angeschaut wenn man Kunststoffe verschmäht. Stroh ist ja kein moderner high tech stoff. Ich stell mir eben auch die Frage was kommt nach mir.
Ich hab ein bestehendes 30 jahre altes Gebäude und ein 40 Jahre altes Auszughaus mit Eternitfassade. Hier muss ich die Asbestsünden der vorigen Generation beseitigen. Toll!
Beim Auszughaus hab ich diese Fertigdämmelemente aus Gipsplatten und Styropor, und die sind wirklich nur begehbar. Mit einer Stehleiter bin ich schon mal eingebrochen.
Holz hab ich aus eigenem Wald, zum Teil B-Ware für genau solche Zwecke.

mfg Shala


ducjosi antwortet um 22-10-2012 10:46 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Dämmen mit Stroh
Haben neben den Wänden im Holzriegen auch die Decke mit Stroh gedämmt.
Verwendet wurde dazu gut getrocknetes Weizenstroh im Kleinballenformat.
Zum Raum hin mit einer Dampfsperre versehen, nach außen hin diffusionsoffen.

Würde auf jeden Fall Ballen verwenden. Die Dämmstärke entspricht etwa jener von Styropor, dass die doppelte Stärke notwendig wäre ist wie so vieles zum Thema Strohdämmen ein Märchen.

In der Berechnung des Dämmwertes wird bei Stroh, wie auch bei anderen Dämmstoffen ein Aufschlag eingerechnet für erhöhte Feuchtigkeit, nur dass Stroh mit höherer Feuchte nicht an Dämmeigenschaften verliert.

Die kannst die Ballen bündig verlegen und dann Platten mit Staffel drüber legen oder Du stellst Pfosten hochkant im Abstand von 2 Ballenbreiten und die Ballen dazwischen, auf die Pfosten dann die Platten. Vorteil man kann die Ballen sehr straff einbauen.

Wie schon geschrieben, Ungeziefer findet man in so ziemlich jedem Dämmstoff.
Nach einem Jahr bewohnen kann ich von keinen negativen Erfahrungen berichten.

Für mehr Info kannst mich gerne direkt kontaktieren.



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