Spätdüngung im Winterweizen unter trockenen Wetterbedingungen
Die Spätdüngung im Winterweizen stellt unter trockenen Bedingungen eine besondere Herausforderung dar. Im Jahr 2026 zeigen sich in vielen Regionen erneut Niederschlagsdefizite, die die Stickstoffeffizienz deutlich beeinflussen. Angepasste Düngestrategien, die Wahl geeigneter Düngerformen sowie eine genaue Beobachtung der Bestände sind entscheidend, um Ertrag und Qualität abzusichern.

Warum ist die Spätdüngung im Winterweizen so wichtig?
Die Spätdüngung sichert den Ertrag ab und hat einen entscheidenden Einfluss auf den Rohproteingehalt und somit auf die Backqualität des Weizens. Gerade in Jahren mit schwierigen Witterungsbedingungen wie 2026 gewinnt diese Maßnahme zusätzlich an Bedeutung. Grundsätzlich gilt: Der gedüngte Stickstoff geht immer zuerst in den Ertrag und dann ins Protein. Umso wichtiger ist es, die Spätdüngung nicht zu spät zu geben (bis spätestens EC 49 abschließen!), um das Ertragspotential auszuschöpfen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Spätdüngung bei Trockenheit?
Der optimale Zeitraum für die Spätdüngung liegt grundsätzlich zwischen dem Fahnenblattstadium und dem Ährenschieben (EC 37–49). Spätestens muss die Düngung stattfinden, wenn der Weizen den Stickstoff aus den älteren Blättern in die jüngeren verlagert hat. Unter trockenen Bedingungen ist dem frühen Düngungstermin der Vorzug zu geben, da es zu einer langsameren Stickstoffwirkung kommt und die Pflanze jedoch rechtzeitig versorgt sein muss. Späte Gaben sind bei Trockenheit kritisch zu bewerten, da nur mehr ein Teil des gedüngten Stickstoffs für Ertrag und Proteinbildung relevant werden kann.
Welche Düngerformen sind unter Trockenheit zu bevorzugen?
Die Wahl der Düngerform spielt unter Trockenstress eine zentrale Rolle für die Effizienz der Maßnahme. Auf trockenen Böden ist als Stickstoffdünger NAC 27 N die richtige Wahl. Gasförmige Verluste treten praktisch nicht auf und es reichen starker Morgentau bzw. wenige mm Regen, damit sich das Düngerkorn löst und der Stickstoff in die obere Bodenschicht wandert.
Zusätzlich sollte auf eine ausreichende Schwefelversorgung geachtet werden, da Schwefel die Stickstoffverwertung verbessert und die Proteinbildung unterstützt. Schwefel ist Bestandteil der Aminosäure Cystein, die im Speicherprotein Prolamin des Getreidekorns enthalten ist. Schwefel ist für das Verkleben des Teigs verantwortlich. Weniger Schwefel im Protein führt zu einem geringeren Backvolumen. Wurde der Schwefelbedarf des Weizens von 20–30 kg S/ha mit der ersten bzw. zweite Stickstoffgabe noch nicht abgedeckt, kann die Spätdüngung immer noch mit einem schwefelhaltigen N-Dünger (DusLAS, DASA®, MYNITRAS®) erfolgen. Reiner Harnstoff ohne Stabilisierung ist unter diesen Bedingungen hingegen weniger geeignet, da hier besonders hohe Verlustrisiken bestehen.
Die Düngermenge an den Ertrag anpassen
Als Faustzahl kann man sich merken: ca. 10 kg N/ha pro Tonne erwartetem Ertrag für die Spätdüngung vorsehen. Wurde der Weizen bereits mit 120–130 kg N/ha aus den ersten beiden Düngergaben versorgt und ist aufgrund anhaltender Trockenheit ein geringeres Ertragsniveau zu erwarten, kann die N-Menge zur Spätdüngung entsprechend reduziert werden (z.B. 160-170 kg N/ha Gesamt-N).
Digitale Werkzeuge wie die Webanwendung Terrazo und NutriGuide helfen bei der Bemessung und vor allem auch bei der optimalen Verteilung des Stickstoffs am Feld. Mit diesen kostenlosen Anwendungen kann gezielt auf die jeweiligen Wachstumsbedingungen am Betrieb reagiert werden.
Abbildung 1 zeigt das Ergebnis unseres Weizendüngungsversuchs in Wieselburg 2024 mit Ertrag und Proteingehalt in Abhängigkeit der N-Strategie. Auf dem Gesamt-N-Niveau von 120 und 160 kg N/ha konnte mit der Aufteilung auf 3 Gaben sowohl Ertrag als auch Proteingehalt deutlich verbessert werden im Vergleich zur 2-Gaben-Strategie.

Fazit
Die Spätdüngung im Winterweizen bleibt auch unter trockenen Bedingungen ein zentraler Baustein zur Sicherung der Qualität. Das Jahr 2026 zeigt deutlich, wie stark Witterungseinflüsse die Wirksamkeit von Düngemaßnahmen beeinflussen können. Entscheidend ist ein flexibles und standortangepasstes Vorgehen, das den richtigen Zeitpunkt, die passende Düngerform sowie den Zustand des Bestandes berücksichtigt. Nur durch eine gezielte Anpassung lassen sich unter Trockenstress stabile Erträge und die gewünschten Qualitätsparameter erreichen.



