Frühjahrsdüngung von Kartoffeln und Zuckerrüben: Nährstoffbedarf und Düngeempfehlungen
Wie alle Hackfrüchte benötigen Kartoffeln und Zuckerrüben neben Stickstoff (N-Düngung) auch hohe Mengen an Phosphat und Kalium. Darüber hinaus brauchen sie gute Böden mit entsprechender Nährstoffnachlieferung und Wasserspeicherkapazität. Insbesondere bei Kali können die Entzugsmengen bei hohen Erträgen mehrere hundert Kilogramm pro Hektar erreichen. Die Stickstoffdüngung muss deshalb unbedingt an die Ertragslage angepasst werden.

Welche Nährstoffmengen benötigt die Kartoffel?
Die Stickstoffdüngung ist nicht nur hauptverantwortlich für den Ertrag, sondern hat auch den stärksten Einfluss auf die Qualität der Kartoffeln. Eine hohe N-Versorgung fördert insbesondere das Knollenwachstum. Die Kartoffel benötigt den Stickstoff besonders früh zum Aufbau des Blattapparats. Bis zur Blüte werden bereits ca. 90 % des aufgenommenen Stickstoffs benötigt. Späte Stickstoffgaben bzw. eine zu späte Wirksamkeit führen daher rasch zu einem Sinken des Stärkegehaltes. Die Stickstoffdüngung muss sich nach den Bedürfnissen der Sorte, der Verwendungsrichtung, der Ertragserwartung sowie den im Boden verfügbaren Stickstoffmengen richten.

| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Stickstoff | 100–160 kg N/ha |
| Phosphat | 80–100 kg P₂O₅/ha |
| Kalium | 180–250 kg K₂O/ha |
Phosphat hat in der Kartoffel einen wesentlichen Einfluss auf den Knollenansatz und auch für das Dickenwachstum der Knollen. Als Energieträger fördert Phosphor die Stärkebildung und den Transport der Stärke in die Knollen.
Kalium ist nach Stickstoff der ertragswirksamste Nährstoff. Der Stärkegehalt in den Knollen wird direkt von der Kaliumdüngung beeinflusst.
Die Sollwerte für die Stickstoffdüngung liegen bei 100–160 kg N/ha. Die Phosphatgabe sollte man selbst auf gut versorgten Böden bei 80–100 kg P₂O₅/ha ansetzen, während die Kaligabe je nach Bodenvorrat 180 bis 250 kg K₂O/ha betragen sollte. In der Regel wird die gesamte Düngung bereits vor dem Kartoffelanbau erledigt. Eine Applikation vor der Dammfräsung unterstützt zudem die homogene Durchmischung mit dem Boden und fördert eine rasche Aufnahme durch die Wurzel.
Welche Kalidünger eignen sich am besten für Kartoffeln?
Neben der Nährstoffmenge spielt auch die Düngerform eine wichtige Rolle. Die Kartoffel zählt zu den chloridempfindlichen Pflanzen: Stärke- und Veredelungskartoffeln gelten als besonders chloridempfindlich, während Pflanz- und Speisekartoffeln chloridverträglicher sind. Chlorid verhindert die Stärkeverlagerung von den Blättern in die Knollen. Eine Mischung aus Sulfat-Kali und Chlorid-Kali im NPK-Dünger ist dafür ideal.

Als chloridfreier Dünger eignet sich COMPLEX SOP 15/5/18 +2,5MgO+24SO₃+B+Zn am besten, wie unsere Feldversuche gezeigt haben. Durch den reduzierten Chloridgehalt überzeugt COMPLEX SOP 12/12/17 +3,5MgO+13SO₃+B+Zn mit sehr guter Ertragsleistung sowie wirtschaftlichen Vorteilen gegenüber Formeln, die ausschließlich auf Kaliumsulfat (SOP) basieren. Beide Produkte enthalten zudem Schwefel und wichtige Spurennährstoffe (Abbildung 1).
Für die weitere Stickstoffversorgung bewährt sich neben NAC 27 N auch ENSIN®PLUS, ein Produkt mit Nitrifikations-Inhibitor. Die Inhibierung des Ammoniums verzögert die Umwandlung zu Nitrat und reduziert damit das Auswaschungsrisiko. Der hohe Schwefelgehalt sowie die pH-Absenkung im Bereich der Rhizosphäre erhöhen außerdem die Toleranz gegenüber Kartoffelschorf.
Wie hoch ist der Nährstoffbedarf der Zuckerrübe?
Im Gegensatz zur Kartoffel sind Zuckerrüben chloridtolerant und nehmen im Vergleich zu anderen Hackfrüchten sehr hohe Kalimengen (500 kg K2O/ha) auf. Daher wird die Grunddüngung häufig auf eine reine Kalidüngung (MOP) im Herbst bzw. zeitigen Frühjahr und eine NPK-Gabe zur Saat aufgeteilt.
Die N-Düngung der Zuckerrübe muss unbedingt an die Ertragslage angepasst werden:
- 70 t/ha erwarteter Ertrag benötigt ca. 100 kg N/ha
- 90 t/ha erwarteter Ertrag benötigt ca. 120–130 kg N/ha
Die Phosphatgabe ist selbst auf gut versorgten Böden mit 90-115 kg P₂O₅/ha anzusetzen.
Zuckerrüben benötigen außerdem ausreichend Magnesium, um eine gute Stickstoff-Effizienz zu erreichen. Für eine effiziente Photosynthese ist Magnesium als Bestandteil des Chlorophylls bis zur Ernte wesentlich. Unter den Spurenelementen ist Bor von besonderer Bedeutung. Es kann bei jeder Pflanzenschutz-Überfahrt in kleinen Dosen (400 g/ha) als Bordüngung mitgenommen werden, ebenso wie geringe Mengen an wasserlöslichen Nährsalzen und anderen Spurenelementen wie Mangan. Insgesamt liegt der Düngebedarf bei etwa 2 kg Bor pro Hektar.
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Zuckerrüben zu düngen?
Da der Nährstoffbedarf in der ersten Wachstumsphase besonders hoch ist, ist eine Gabenteilung meist nicht notwendig. Auf mittleren und schweren Böden können mehr als 100 kg N/ha in einer Gabe ausgebracht werden. Daher ist eine einmalige N-Düngung mit der geeigneten NPK-Formel (COMPLEX 14/10/20 +11SO3) vor dem Anbau oftmals ausreichend. Nur bei überdurchschnittlich hohen N-Gaben über 100 kg bzw. auf leichteren, auswaschungsgefährdeten Böden, muss eine N-Gabensplittung erfolgen. Dazu werden ca. 40 kg vom Gesamtdüngebedarf erst im 4-Blatt-Stadium in Form schnell wirksamer Stickstoffdüngern gegeben.

Wichtige Hinweise zur Düngung von Zuckerrüben
Die technische Qualität der Rüben – also die Zuckerausbeute in der Fabrik – hängt stark vom Mineralstoffgehalt im Rübenkörper ab. Dieser sollte möglichst niedrig sein. Eine hohe Ausbeute und ein niedriger Gehalt an sogenannten Melassebildern (Amino-N, Kalium und Natrium) hängen zudem eng mit der physiologischen Reife der Rüben zusammen. Diese kann durch eine überhöhte Stickstoffdüngung hinausgezögert werden. Eine zu hohe Stickstoffgabe erhöht folglich den Alpha-Amino-N-Gehalt in der Rübe.
Auch Kali hat Einfluss auf den Alpha-Amino-N-Gehalt: Eine unzureichende Kaliumversorgung führt zu einer mangelhaften Verstoffwechselung des gedüngten Stickstoffs.



