Mutterkuhstall Umbau

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David W. 19-08-2020 08:13 - E-Mail an User
Mutterkuhstall Umbau
Hallo Zusammen,

Ich bin am Planen unseren alten Anbinde-Stall umzubauen auf Mutterkuhhaltung.

Daten zum Stall:
Länge: ca. 16m
Breite Futtertisch: ca. 3,5 m
Breite Standplatz (für damalige Milchkühe): ca. 3 m
Dahinter hab ich nochmal ca. 4 m Platz bis zur Mauer, dieser ist 20 cm tiefer als der Standplatz.

Meine Fragen.
Zurzeit habe ich noch einen Hochbarren drinnen, der mir eben von den 3,5 m Futtertisch einen halben Meter raubt.
Würdet Ihr den so wie ich wegreißen und Selbstfangfressgitter einbauen? Wenn ich Fressgitter einbaue, welche soll ich dann nehmen, dass die Kälber auch etwas Heu fressen können wenn Sie wollen?

Wie viele Tage Im Jahr habt Ihr die Mutterkühe auf der Weide?
Ich kann leider keinen durchgehenden Auslauf gewähren, da die Kühe eine öffentliche Straße überqueren müssen.

Ich würde dann gerne Im Stall die hintere Fläche aus Tiefstreu machen. Mit wie viel Stroh sollte ich im Jahr rechnen? Und wie viele Mutterkühe kann ich höchstens in den Stall reinbringen? Die Maschinen zum entmisten sind vorhanden.

Gerne würde ich dann noch einfache Abtrennungen einbauen, für Abkalbeboxen oder dergleichen.

Ich freue mich auf Ratschläge und Anregungen.

BG



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fgh antwortet um 19-08-2020 09:06 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Mutterkuhstall Umbau
Bin da jetzt nicht so ganz der Speziallist.. bin nur kein Freund von breiten Futtertischen... wären für dich 3m breite auch praktikabel?
Ich würde viel Möglichkeiten zur Abtrennung für Gruppen einplanen. Trockensteher von den anderen Kühen, mal ein Bereich Kühe wo ein Einsteller dabei ist, der jungen Mädels gefährlich werden kann usw.
Für Heu und Kälber würde ich wo nen eigenen Platz vorsehen wo nur die Kälber hinkommen

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richard.w(7n417) antwortet um 19-08-2020 14:06 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Die Kälber sollten/müssen einen Kälberschlupf haben. Dort bekommen sie Heu, so können sie in Ruhe was fressen. Dh bei dir am besten ist der Kälberschlupf auch entlang des Futtertisches, so brauchst du kein Heu herum tragen. Im Kälberschlupf sollte ein Wassertränker sein, Wasser ist eh jetzt schon entlang dem Futtertisch vorhanden.

Ich finde Selbstfanggitter sind eine super Sache bei jeder Form der Kuhhaltung, aber geht auch ohne. Bei Mutterkühen ist der Vorteil, dass man zu den Futterzeiten etwas Ruhe und Gelassenheit beim Fressen hat, und man ganz leicht Tiere fixieren kann für Behandlungen.

Mutterkühe gehören meiner Meinung so viel Zeit wie möglich raus auf die Weide, außer man hat die Futtergrundlage (Acker) für intensivere Mast. Dh je nach Standort von ~April bis ~Oktober Weidehaltung. Ein Wald oder Schupfen als Unterstand ist besser als die Tiere in der prallen Sonne stehen zu haben. In Zeiten von Wanderern die über alles drüber fallen und Wölfen die sich schon herrichten auf Kalbfleisch, sollte man die Abkalbung in den Winter legen. Kühe mit älteren Kälbern sind weniger heikel bei Wanderern und Wölfe werden eher das leicht zu erwischende 1 Tages Kalb bevorzugen, also ein 5 Monate altes vitales Kalb aus der Herde zu erjagen.

Sonst klingen die Maße gut, ein Liegeboxenstall ist genauso möglich wie Tiefstreu oder Tretmist. Letzteres spart Stroh. Der Strohverbrauch schwankt gewaltig je nach System und Sauberkeitsanspruch von 3 kg/GVE und Tag bei Tretmist bis über 10 kg/GVE und Tag bei Tiefstreu. Die Menge an Stroh sollte man nicht unterschätzen. Eine Strohbühne über der Liegefläche ist das beste, nicht immer möglich. Meiner Meinung muss man täglich einmal nachstreuen, diese Arbeit muss also auch ohne herum tragen von Stroh funktionieren. Bei Tretmist ist eine Liegefläche von 4-5m² pro Kuh empfohlen. Vorübergehend kann man mehr halten, da geht dann aber der Strohverbrauch rauf und man muss evtl 2mal am Tag einstreuen.

Sonst sind viele Faustzahlen und Gesetze hier gut zusammengefasst:
https://oekl-bauen.at/cms/baumasse/rinderstall.php

Die ÖKL Blätter bekommt man per Post oder Download oder nett fragen auf der BLK ;)

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jakob.r1 antwortet um 19-08-2020 14:35 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Grüße Euch, zum Kälberschlupf möchte ich aus eigener Erfahrung anmerken, das der so gebaut werden sollte, das die Kälber bequem durchgehen können. Sobald die Kälber tatsächlich "schlüpfen" müssen, dann sind das die ersten die als Kühe durch jeden Weidezaun, Stacheldraht schlüpfen.
Beste Grüße
Jakob


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179781 antwortet um 20-08-2020 00:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Der Futtertisch ist für mich auch ein Fragezeichen bei der Planung. Der nimmt dir 56 m2 Stallfläche weg und muss nicht unbedingt dort sein. Füttern geht auch im Freien im Auslauf - oft mit ganz einfachen Mitteln und noch dazu mit weniger Arbeit als an einem Futtertisch wo immer nachgeschoben werden muss.
Kälberschlupf, wurde schon erwähnt, ist ein wichtiges Kriterium. Der sollte neben dem Liegebereich der Kühe sein, dass Kühe und Kälber sich sehen können. Als Abtrennung funktioniert sehr gut eine elektrische Weidezaunschnur, die in der Höhe einstellbar ist. Wenn die Kälber noch klein sind mit 1 m anfangen. Da laufen sie fröhlich aus und ein und die Kühe müssen draussen bleiben. Und wenn sie einmal schwerer werden, um 10 cm höher hängen. Kostet mininmal was, ist beim Entmisten nicht im Weg.
Eingestreute Liegefläche im Zweiraum Tieflaufstall ist für die Tiere eine ideale Lösung. Für den Bauern nur, wenn er Stroh selber hat oder günstig kaufen kann. Und wenn er eine passende Technik für diese Arbeit hat.

Gottfried

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richard.w(7n417) antwortet um 20-08-2020 07:29 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Super Inputs hier, das mit den Schlüpfern von Jakob habe ich so noch nie gehört, das ist mal ein echter Erfahrungswert aus der Praxis!
@Gottfried: mir ist eine Abtrennung aus Holz oder Stahl (Weidepanel) meist lieber als eine Schnur im Stall. Wenn eine brünstig ist, gehts doch hoch her, und plötzlich stehen alle im Kälberschlupf. Malheur ist das zwar keins, aber doch unfein. Hast du damit keine Probleme?

Was wäre mit einem extrem schmalen Futtertisch:
https://bilder.landwirt.com/ez/ezimagecatalogue/catalogue/phpG7A92W.jpg
https://www.landwirt.com/Zeitsparend-Rinder-fuettern,,17265,,Bericht.html

Vorteil: kein Anschieben, Nachteil: kein Traktor

Dann gibts ja noch Futtterbänder. Mir kommt vor Futterband-Firmen wollen immer ein umfangreiches teures System verkaufen (überkopf Bänder, Baren, Elektronik und Automatik usw). Diese Lösung schaut gut aus, was haltet ihr davon:
https://www.youtube.com/watch?v=ZpcEkCxS9F4



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David W. antwortet um 20-08-2020 09:52 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Danke für die ersten Antworten!

Die Weidepanels habe ich mir auch vorgestellt. Also Abtrennungen mir integriertem Kälberschlupf. Gibt's ja alles schon, und ich kann die auch jederzeit wegtun oder umplatzieren.

Den Futtertisch möchte ich gerne so behalten, da ich dann schön mit dem Hoftrak Heuballen reinfahren kann. Ebenfalls aus baulichen Maßnahmen wäre dass besser so.

Eine Frage habe ich noch.
Wenn ich meine Hochbarren wegreisse, dann bin ich von dem Standplatz der Kühe eben zum Futtertisch. Das heißt ich kann die 15 cm Höhenunterschied nicht einhalten. Wie würdet Ihr hier vorgehen? Soll ich eine kleine Futtertischerhebung machen?

Danke!


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richard.w(7n417) antwortet um 20-08-2020 12:25 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Mutterkuhstall Umbau
Die Technik zum Futter auf den Tisch zu bekommen muss zum Betrieb passen, wenn du das schon hast umso besser.

Den Höhenunterschied auf den Futtertisch musst du einhalten. Drauf betonieren ist sicher einfacher als alles andere absenken, eh klar. Die Futterbarnsohle muss meines Wissens mindestens 10 cm über dem Standniveau sein, überprüfe das selber ob die Zahl stimmt. 15 cm ist sicher besser, Empfehlungen gehen bis 25 cm.
Einen Einstand würde ich mir sparen, und wenn dann ca 160 cm lang machen, damit beim Fressen die Kuh ganz drauf passt. Die ganz kurzen Einstände bzw "Antritte" (ca 30-50 cm) sollen verhindern, dass eine Kuh auf den Futtertisch scheisst. Es hilft etwas, aber zu dem Preis das die Kuh ungünstig steht: sie steht schräg nach oben (Vorderfüße am Einstand drauf, Hinterfüße unten), und dann soll die Kuh ohne Weideschritt runter auf 15 cm kommen. Meiner Meinung ist das für die Kuh jeden Tag so abgeknickt zu fressen nicht förderlich. Duck und weg ;)

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179781 antwortet um 21-08-2020 01:07 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Mutterkuhstall Umbau
Aus der Anfrage lese ich zwischen den Zeilen heraus, dass da einer von Milchkühen auf Mutterkühe umstellen will. Aber er will, wie so viele, gar nicht wirklich umstellen, sondern die Kühe nicht mehr melken und stattdessen die Kälber dazu lassen. Aber ansonsten mit dem gleiche Aufwand wie früher weiterarbeiten.
Das kann wirtschaftlich nichts werden. Mutterkühe sind eine komplett andere Produktionsform und verlangen auch eine entsprechend angepasste Produktionstechnik.
Die sollen mit dem, was sie können selber für den Bauern arbeiten. Alles was der Bauer unnötiger Weise für die Kühe macht ist Aufwand, den man nicht bezahlt bekommt. Und am Ende geht sich die Rechnung nicht aus.
Also vor der Umstellung bei Leuten die professionell Mutterkuhhaltung betreiben ausreichen informieren, wie man das richtig macht. Und wenn man das nicht lernen will, besser die Finger davon lassen.

Gottfried

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