Stierkälber aus der Milchviehhaltung

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paul.e(s943) 05-05-2019 19:03 - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Das Thema mit den Stierkälbern aus der Milchviehhaltung ist ja nicht nur in den Medien sehr präsent, sondern ist auch für viele Bauern und Bäuerinnen ein Thema, dass ihnen nahe geht und wofür wir eine Lösung finden müssen. Wir haben rund 40 Holstein-Kühe und jedes Mal, wenn der Viehhändler die 3-Wochen alten Stierkälbchen abholt ist es für mich eine Qual sie ihm mitzugeben, da ich nur ahnen kann, wie es ihnen im weiteren Leben gehen wird (der Großteil geht wohl nach Spanien und Italien). Seit Jahren überlegen wir uns schon, welche Alternativen es gibt (bitte keine Rassen-Diskussionen). Pro Jahr machen wir ein paar Milchmast-Kälber, aber wenn wir das bei allen machen würden, wäre nicht mehr viel Milch für die Molkerei. Wir haben auch schon überlegt, sie als Ochsen selbst zu mästen (wir haben keine klassischen Holstein, sondern sie haben auch noch etwas Fleisch auf den Knochen (dafür auch nicht so viel Milch ;) - aber wenn weder Stallplätze, noch Futterfläche vorhanden sind, wäre das finanziell eine Rechnung, die sich leider nicht ausgeht. Ich könnte mir gut vorstellen, die Stierkälber solange sie Milch bekommen (4 Monate) bei uns am Hof zu behalten und dann als Fresser an einen Betrieb zu verkaufen, der z.B. von Mutterkuhhaltung auf Ochsenmast umsteigt. Allerdings erklärt mir jeder, dass das weniger rentabel ist als Mutterkuhhaltung, was ich mir nicht vorstellen kann. Außerdem hat man ja auch weniger Arbeit (keine Abkalbungen, keine Sorgen wegen Trächtigkeit,...). Ich denke die 4 Monate alten Kälber müssten rund 550€ kosten, damit die Kosten bei uns gedeckt sind (die Arbeit nicht, aber das wäre es mir Wert dass ich weiß, dass die Stierkälber kein Abfallprodukt mehr sind). Hat jemand von euch Erfahrungen, ob das mit Holstein Kälbern wo gemacht wird (wie gesagt unsere sind sicher etwas fleischiger als der Durchschnitt - bestätigt auch der Händler) bzw. ob sich die Rechnung wirklich nicht ausgeht? Unser Betrieb ist bio - ändert nichts was die Thematik angeht weil das konv. und bio betrifft, aber sicherlich was das Rechnerische angeht. Vielleicht gibt es ja im Forum jemanden aus dem Raum Oberkärnten / Salzburg, der es einfach einmal mit ein paar Stierkälbern probieren möchte (ich könnte mir zum Beginnen auch vorstellen, dass ich die Ochsen mit 2 Jahren wieder zurück nehme und ein Futtergeld für jeden Tag bezahle und schaue, ob sich die Rechnung für uns dann ausgeht.

Schönen Sonntag aus Kärnten,
Paul



Vollmilch antwortet um 05-05-2019 19:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Hallo Paul!

Ich kann dir leider nicht weiterhelfen aber ich finde es super, dass du dir konkrete Gedanken machst, die Situation zu verändern!

LG Vollmilch




179781 antwortet um 05-05-2019 19:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Ist gut, wenn sich jemand solche Gedanken macht. Für die Aufzucht bis zum Absetzer brauchst du bei weitem nicht so viel Milch, wie für ein Mastkalb. Aber ob dir bei dem Fresserpreis noch etwas für Arbeit Stallplatz und das Kalb übrigbleiben ist eine Rechenaufgabe.
Nachfrage nach Ochsen für die Mast im Biobereich ist gut. Allerdings sind auch hier die Preise nicht berauschend. Und ob da jemand Tiere dafür einstellen will, die nur wenig Fleisch drauf haben aber viel Futter brauchen, ist eine eigene Frage.
Die Zukunft bei reinen Milchtypen ist eher der Einsatz von gesextem Sperma auf die besten Kühe und alle anderen werden mit Fleischrassestieren belegt.

Gottfried


peter.z(cgu8) antwortet um 05-05-2019 19:23 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
In der Schweiz ist das Spermasexing im Biobereich Verboten. Wenn dies aber in Österreich erlaubt ist durchaus eine gute Möglichkeit die Männlichen Milchrassenkälber auf ein Minimum zu Reduzieren. Auf Konventionellen Schweizer Betrieben hat sich das gesexte Sperma schon seit paar Jahren etabliert.


Der R. antwortet um 05-05-2019 20:00 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Da du über Rassewechsel nicht nachdenken möchtest: "probieren geht über studieren"
Finde jemanden, der einen Stall verpachtet oder im Lohn mästet, mäste deine Tiere, komme für die Kosten auf, verkauf deine Ochsen und dann weißt du, warum das keiner machen will.
(Übrigens: Fleckvieheinkreuzung ist kein Hochverrat und auch nicht verboten. Es soll auch den einen oder anderen Vorteil haben.)


paul.e(s943) antwortet um 05-05-2019 20:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Danke für die Antworten,

Gesextes Sperma lässt sich bei unserem Stier leider nicht bestellen. Und verzichten möchten wir auf den Stier sehr ungern (zumal wir abgesehen von NZ - Genetik wohl kaum vergleichbare Genetik bekommen würden)

Wir haben aktuell gerade einen Fleisschtier, aber damit lässt sich das Problem aber nur reduzieren, nicht vermeiden.

@Fleckviehkreuzung: nein es ist natürlich nicht verboten, aber bei Vollweide (Vorteil für leichtere Tiere), 0kg Kraftfutter und aktuell 8 Jahren Nutzungsdauer mit ca. 6000l kann ich mir schwer vorstellen, dass ich mit FV bei uns am Hof zufrieden wäre...


2472660 antwortet um 05-05-2019 20:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
gesextes sperma bringt auch nur kurzfristig entspannung - was machst nachher mit den vielen kalbinnen?? vor allem grösser gedacht als bis zur eigenen stalltür....
hf-stiere mästen ist nicht generell uninteressant (war vor einem halben jahr ca sogar ein artikel im landwirt) und fv-einkreuzen (wenn du auf weidegenetik setzt vielleicht bis 50%) ist auch eine vernünftige maßnahme (haben selber mit diesen kreuzungstieren sehr gute erfahrungen - kannst den heterosiseffekt nützen)


LaLi antwortet um 05-05-2019 21:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Als Milchviehhalter mit HF Kühen würde ich schon über Gesextes Sperma nachdenken!
HF + Blauweißbelgier sind im Verkauf gleichwertig mit FV, und zur Nachzucht auf die besten Kühe Gesextes Sperma(20€ Mehrkosten für sicher weibliches Kalb) vom besten Stier!
Und auch die HF+BB Kalbinen sind in der Mast gefragt!
Mfg Thomas



Heimdall antwortet um 05-05-2019 21:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Ich habe nach einiger herumforscherei einen Betrieb in naher Umgebung (30km von mir) gefunden, der nur HF mästet. Der kauft mir die Kälber mit 3 Wochen um 100.- ab.
Dafür habe ich das Problem von dem du sprichst bei Hf/Piem Kreuzungen.

Vielleicht gibts bei dor auch wo einen Betrieb der HF mästet?
Lg
Heimdall


tomsawyer antwortet um 05-05-2019 21:36 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Ja alles kann man nicht haben ! Ich würde auch gesextes Sperma einsetzt und Fleischrassen auf das schlechtere drittel nehmen. Meinst wirklich dass Du mit Fleckvieh so viel schlechter fährst ? 6000kg bei Kurzrasenweide ist auch beim Fleckvieh drin.


kraftwerk81 antwortet um 06-05-2019 12:55 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
also BIO Fresser produzieren geht sich mit BIO Vollmilch nie und nimmer aus (es sei denn man hat viel minderwertige Milch die nicht zur Vermarktung taugt).. selbst bei BIO Kalbfleisch darf nicht viel schief gehen.

... btw... auch viele FVxWB und FVxCH Kreuzungen gehen nach Italien, Spanien, Polen... Kreuzungszucht mit Fleischrassen ist kein Allheilmittel. Man müsste nur die Mast in Ö rentabel machen.


michelle.f(pdi3) antwortet um 06-05-2019 13:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Hab genau das selbe problem wie du, haben auch HF und immer das leidige Thema wenn die kleinen in den lkw ins ungewisse steigen.
Ich hab mir derweil mal mit gesextem sperma abgeholfen, nur funktioniert es bei mir fast zu gut ;) hab nun zu viele kuhkälber und belege jetzt mal ein jahr lang nur mehr noch mit fleckvieh. Weiß-Blau Belgier setze ich nicht mehr ein, da tun mir die kühe einfach viel zu leid wenn sie ein 50 kilo kalb ausdrücken müssen. Das ist nicht in meinem sinne den damen so wiederum schmerzen aufzudrücken.
Und bezüglich Rassenumstellung, warum kann es eigentlich nie einer einsehen das man einfach seine Holstein Friesen hat? Ich schreib doch auch nicht immer wieder spöttisch unter beiträge von fleckvieh bauern warum nicht eine andere rasse? Musste das mal loswerden den diese dauerhafte schlechtmacherei der hf ist für mich echt ein Ärgernis.


kraftwerk81 antwortet um 06-05-2019 14:22 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
... genauso wie die Schlechtmacherei der WB.. haben mit WB durch die Bank leichte Geburten


xaver75 antwortet um 06-05-2019 14:27 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Ich hab auch bei FV/WB eher mehr normalgroße Kälber als mit rein FV.

mfg


mostkeks antwortet um 06-05-2019 16:29 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Habe selber Fleckvieh und Bio, aber selbst da ist es nicht wirklich rentabel die männlichen Kälber all zu lange zu füttern. Gehen zum größten Teil in die konventionelle Mast aber zumindest im Umkreis von wenigen km.
Kreuze gelegentlich RF ein da die F1 sehr produktiv und robust ist. Diese werden wiederum mit Fleischrasse belegt. Habe da immer WBB genommen und damit sehr leichte Geburten, selbst bei Kalbinnen. So ein Kalb kommt bei einer Fleckviehkuh leicht raus. Die Schwergeburten sind in der Reinzucht ein Problem, da die Kühe so extrem bemuskelt sind und diese Muskelmasse den Geburtskanal einengt.
Das ist auch der Grund warum diese Rasse bei ZZU verboten ist. Verwende jetzt BA und CHA
Ich finde es toll wenn sich ein Betrieb ernsthaft Gedanken über den Verbleib seiner Tiere macht.
Ich gönn mir den Luxus und gebe keine Zuchttiere an Länder ab wo sie einmal geschächtet werden.
Die Kühe mit denen ich meist über 10 Jahre zusammengearbeitet habe gehen direkt an den nächsten Schlachthof.


kraftwerk81 antwortet um 06-05-2019 16:53 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
... das Doppelendergen gibt's genauso bei CH und BA... wie so vieles bei ZZU ein überflüssiges Verbot..


paul.e(s943) antwortet um 12-05-2019 10:26 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
weiß jemand, warum die Mast in Italien/Spanien/Portugal rentabel ist? Bessere Fleischpreise können es ja kaum sein oder? Richtlinien? Billigeres Futter?
@WB: Ich habe schon von vielen gehört, dass die Kreuzungen recht problemlos kälbern, aber wenn ich mir die reinrassigen Stiere ansehe (ist leider auch bei anderen Rassen mittlerweile ähnlich) kommt mir ehrlich gesagt der Graus. Findet ihr das nicht auch unnatürlich? Bei >15.000kg Kühen geht es mir übrigens ähnlich ;)

Mag für manche vielleicht komisch klingen, aber ich schätze es sehr, dass ich mit dem eigenen Stier unabhängiger bin (Ich kenne die Vorfahren, brauch keine Kataloge, weiß dass das Problem sicher nicht am Besamer liegt...) und deshalb möchte ich wegen gesextem Sperma nicht darauf verzichten, auch wenn ich weiß dass es mir bei meinem Problem mit den Stierkälber natürlich hilfreich wäre...


Century antwortet um 12-05-2019 10:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Stierkälber aus der Milchviehhaltung
Weil nicht jedes Land so strenge Haltungs- und Fütterungsvorschriften hat, wie unsereins.

Wir sind in Österreich, da muss der größte Schwachsinn der aus Brüssel kommt nochmal übertrieben werden, um seine Identität nicht einzubüßen^^


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