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outsider 03-05-2012 13:07 - E-Mail an User
Tierärztenachwuchs


Tierärztenachwuchs


Das Tierarztstudium ist überlaufen, es müssen sogar viele Studienbewerber ausselektiert werden. Welche studieren fertig? 90% Frauen. Dagegen ist ja nichts zu sagen, jedoch gibt es prozentuell genauso viele Nutztierpraktikerinnen wie Maurerinnen. Für eine Frau ist der Beruf als Nutztierpraktikerin wesentlich familienunfreundlicher als für einen Mann. Sie geht nach Studium also zumeist in die Kleintierpraxis. Hunderl und Katzerl impfen zu festen Ordinationszeiten geht grad noch, wenn sie eine Oma oder ein Kindermädchen in dieser Zeit haben. Sehr viele gehen in die Verwaltung und in neugeschaffene Versorgungseinrichtungen wie beispielsweise den TGD mit fragwürdigem Aufgabenbereich. Viele sind auch „nur“ mehr mit ihrer eigenen Familie beschäftigt. Muss ich in einem Zug dazu schreiben, dass Tierärztinnen derart für die Gesellschaft weit wichtigere Aufgaben erbringen. Manche gehen aber auch gleich stempeln. Eine Handvoll kann man lebend auch in der Nutztierpraxis sehen, ausgestopft kommen diese ins Museum. Nun, soweit die Biologie.

Studieren ja auch 10% Männer Tierarzt. Mit dem Studium fertig geworden, findet man sie vielfach als Beamte, als Kontrollore, als Kontrollore der Kontrollore, als Fleischuntersucher, als Blauzungen-Impfer, als Versteigerungsuntersucher, als Nabelgreifer bei Kälberversteigerungen und als Pharmavertreter. Etliche taugen halt auch so nichts. Ein paar wenige tun sich doch eine Nutztierpraxis an.

Teilweise machen es sich die Tierärzte selbst schwer, sie eliminieren sich durch Anzeigen gegen Kollegen. Anzeiger sind zumeist Tierärzte, welche sich nicht im freien Wettbewerb durchsetzen können, sei es an der Qualität oder am Preis oder an beidem gelegen. Sie erhoffen sich auf diese Weise, die Kunden des derart eliminierten Tierarztkollegen unter den Nagel reißen zu können.

Teilweise erschwert die in letzter Zeit vervielfachte Verwaltungsarbeit die Arbeit. Man muss – um „Betreuungsverträge“ des „TGD“ zu kriegen – die Mängel der eigenen Kunden anzeigen. Und ohne diese Verträge darf der Tierarzt dem Bauern eine Eutertube nicht geben und der Bauer darf sie auch gar nicht selbst verabreichen. Nur wenn ein solcher Vertrag vorhanden ist und die (zu bezahlenden) Fortbildungsstunden absolviert wurden, darf der Bauer auch weiterhin tun, was er und seine Vorfahren schon immer getan haben.

Für die Verabreichung der Thrombosespritzen dem Großvater brauchen sie keine Fortbildung, für das Hineindrücken einer Eutertube sehr wohl. Der Opa ist allerdings auch nicht im Tierschutzgesetz angeführt.

Ein Wechsel des Tierarztes ist nur mit hohem Aufwand möglich, Kündigung, neuer „Vertrag“ mit einem anderen Tierarzt, neuerliche Betriebserhebung, wieder einige Formulare. Konkurrenz wird so ausgeschaltet, vor allem auch Nachwuchstierärzte. Der Bauer kann nicht einfach den Tierarzt A holen, weil er sich gut mit Kälbern auskennt, und den Tierarzt B, weil er bei Euterentzündungen erfolgreicher ist. Er kann nicht einmal den Betreuungsvertrag mit „seinem“ Tierarzt sofort kündigen, auch wenn dieser die letzten 17 Euter versaut hat. Eine Kündigungsfrist von drei Monaten ist einzuhalten!

Seit drei Jahren ist man nun auf die abstruse Idee gekommen, dass Praxisneulinge nicht gleich eine tierärztliche Hausapotheke eröffnen können. Sie müssen zunächst bei einem Tierarzt ein Jahr lang beschäftigt sein, der eine solche besitzt. Zusatzausbildung „Praxisjahr“ heißt das. Und sie müssen dabei mindestens Euro 22.000,-- verdienen, damit das auch echt ausschaut. Sie müssen also als Neulinge einiges an Steuern investieren, ein Geld, das sie sehr oft nicht aufbringen können! Sie werden selbst erkennen können, dass mit solchen Maßnahmen künstlich ein Tierärztemangel am Nutztiersektor entstehen muss. Oder soll der Jungtierarzt ein Rezept ausstellen, mit dem Sie in der „öffentlichen“ Apotheke das Medikament bestellen, um es nach dem Wochenende verabreichen lassen können?

Vergönnen wir uns einmal einen Blick in das Amtsblattl der unheimlich wichtigen Tierärztekammer. Und zwar in die Ausgabe Februar 2012:

o In die Tierärzteliste (eine Notwendigkeit für die Berufsausübung) haben sich 10 Kolleginnen und 1 Kollege eingetragen.

o Eine unselbständige Tätigkeit haben 7 Damen und 1 Herr angemeldet. Der einzige Herr ist im Wiener Tierschutzhaus tätig geworden!

o Demgegenüber träumt man von der Vergangenheit: Geburtstage über 65 Jahre feierten 2 Tierärztinnen jedoch noch 22 Mander, davon waren allerdings dem Titel nach mindestens 9 Beamte. Das sind Hofräte, wirkliche Hofräte, Regierungsoberveterinäre, Professoren und Veterinärdirektoren.

o In der Zeitschrift der Vet.med.-Uni Wien wird berichtet, dass von Oktober bis Dezember 2011 das Diplomstudium Veterinärmedizin gar 42 Damen und 3 Herren beendet haben.

Eine sinnvolle Zusammenarbeit unter den wenigen am Nutztiersektor praktizierenden Tierärzten ist kaum möglich, da die schwächeren Kollegen meist um ihre Kunden fürchten müssen. Es handelt jedoch auch um ein Verschulden der Landwirte, welche nur einen (den „ihren“) Tierarzt holen, um ihn nicht durch die zeitweilige Beschäftigung eines anderen zu vergrämen. Viele Tierärzte würden sich aber arbeitstechnisch nach einer Kooperation sehnen.

Früher einmal wusste ein Tierarzt über die Familie der Bauern Bescheid, erlebte Zuwachs und Abgang in der Familie, die wussten auch einiges über den Tierarzt. Man hatte sehr viel sozialen Kontakt, Probleme und Neuigkeiten wurden besprochen. Auch wie´s der Rosi nach der 12. Abkalbung geht. Heute weiß der Tierarzt mehr über die Standlänge des Jungrindes mit der OM-Nummer „AT soundso“ Bescheid. Checkliste heißt das Facebook der Bauern. Und Jammern über die Mehrfachanträge. Die Verwaltung blüht auf. Die Bauern sterben, mit ihnen die Tierärzte.



textad4091 antwortet um 03-05-2012 19:50 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Tierärztenachwuchs
Hmmm, es gibt halt nicht viele Akademiker die um teilweise geringeren Stundenlohn als ein Hilfsarbeiter arbeiten gehen- Da schlägt man lieber jene Berufswege ein die eine halbwegs fixe Arbeitszeit und ein damit mögliche Freizeit- sowie Familienleben ermöglichen ...
Außerdem werden für Kleintierbehandlungen in der Stadt oft ohne mit der Wimper zu zucken ein paar Hunderter bezahlt ... mach das einmal bei einem Landwirt für ein Kalb, da wär der Schussapparat oft schneller bei Hand als die Geldbörse- drastisch formuliert ...
Aber auf jeden Fall egal ob Nutz- oder Kleintiere, im Amt oder sonstigen Institutionen- Wenn man Veterinärmedizin studiert hat kann man sich denk ich immer irgndwas anhören, von wegen "wieso machst keine Nutztiere", "Bist jo gstopft" falls man sich als Nutztierarzt mal ein ordentliches Dienstauto kauft oder "Bist jo zu faul als echter Tierarzt" wenn man halt geregelte Arbeitszeiten bevorzugt ...
Dass es durch den hohen Frauenanteil an der VetMed weniger Nutztierärzte gibt halt ich einfach gesagt für ein Gerücht- Wenn die Rahmenbedinungen als Nutztierarzt so schlecht sind, dass er anfangs vom Gehalt eines Installateurs oder Elektrikers nur träumen kann, allerdings 9 Jahre (Fürn Doktor) mehr für die Ausbildung investiert hat, steht das einfach in keinem Verhältnis zueinander ...
Als Landwirt würd man glaub ich auch nicht für weniger als 25cent/Liter melken gehen ... jetzt mal grob als Beispiel ...
Is halt in jeder Berufssparte so, werden die Rahmenbedinungen schlecht werden sich halt wenig finden die das Handwerk weiterführen (is ja in der Landwirtschaft derzeit nix anderes)


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