GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?

Antworten: 33
alfalfa 15-03-2010 07:58 - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Ich habe mit Absicht eine neuen Beitrag aufgemacht, da ich das Thema der GAP (und somit auch die Basis für das nächste Öpul und Begleitmaßnahmen) einmal aus einer anderen Perspektive anschneiden wollte.
Vorweg einige Argumente die man immer gern verschweigt, aber zentrales Ergebnis der europäischen Agrarsubventionen der letzten Jahrzehnte sind.
1. Mit Agrarsubventionen wurde den Bauern die Möglichkeit geschaffen sich zunehmend nicht am Markt und deren Bedürfnisse zu orientieren. Was in manchen sensiblen Bereichen zu einer zunehmenden Belastung führt.
2. Durch die Subventionen wird es den Bauern ermöglicht zu Preisen zu produzieren, die keine Kostenwahrheit repräsentieren.
3. Das System der gesamten Zahlungen (inkl. Intervention und Exporterstattung) ermöglicht der europäischen Agrarwirtschaft, Produkte (zb. Magermilchpulver) in allen Regionen dieser Welt zu Preisen absetzten zu können, die den dortigen Markt regelrecht zerschmettern.
d.h. Europa, Amerika sowie einige weitere kleine Länder wie Norwegen, Schweiz. Japan tragen die ?Hauptschuld? am niedrigen Weltpreis für Agrarprodukte!
4. Subentionen tragen einen wesentlichen Teil dazu bei, dass in Überschussbereichen wie etwa der Milch die Produktion vor allem durch Sojaimporte zunehmenden ausgebaut werden kann, ungeachtet dessen ob der Markt diese Milch (dieses Fleisch) braucht oder nicht
5. Nicht zu letzt, werden durch dieses System, Preise für natürliche Faktoren (etwa Grund und Boden) die für jeden wachsenden Betrieb unersetztlich sind, in Bereichen hochgehalten, die jeder wirtschaftlichen Überlegung entbehren

Zum Thema höhere Umweltstandards, muss auch erwähnt werden, dass uns diese keine WTO Verhandlung aufgezwungen hat, sondern diese eine österreichische und innereuropäische Entscheidung sind, von der wir ausgehen, dass sie uns einen Vorteil am Markt verschaffen, folglich sie sich über diesen Vorteil auszahlen müsste, nicht über höhere Subventionen.

Es gebe hier weitere negative Auswirkungen, die im Grunde dafür sprechen würden, vor allem die erste Säule sofort zu streichen bzw. den Struckturwandel nicht künstlich zu verlangsamen sondern einen sauberen Schnitt zu machen. Aus wirtschaftlichen Überlegungen muss man mittlerweile sagen, dass Länder mit größeren Struckturen schon allein wegen der besseren Auslastung der Maschinen billiger in der Produktion sind.

Wie seht Ihr das?

Alfalfa






Tyrolens antwortet um 15-03-2010 09:14 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Hallo,


dem kann ich weitgehend zustimmen. Es ist halt immer so, dass Subventionen zu oftmals merkwürdigen Auswüchsen führen.

Das Argument mit den höheren Umweltauflagen stimmt insofern nicht, als das auch Neuseeland sehr strenge Auflagen hat (wenn man deren Ökosystem kennt, weiß man warum), Neuseeland aber komplett ohne Subventionen auskommt.
Nunmehr ist es sowieso schon so, dass ein Verstoß gegen Umweltauflagen in krassen Fällen auch gleich eine strafrechtliche Ahndung nach sich zieht. Man kommt also so oder so nicht aus.


Hirschfarm antwortet um 15-03-2010 09:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Wenn dann mußt du konsequenterweise alle Subventionen abschaffen. Das beinhaltet aber auch, daß alle öffentlichen Posten ausgeschrieben werden und an den Billigstbieter gehen.Außerdem möchte ich dann auch Arbeiter zum Weltmarktpreis und Abschaffung der gesetzlichen Sozialversicherungspflicht. Eine Privatisierung der Bahn und die Abschaffung des Militärs (seit 60 Jahren in Wartestellung und kostet mehr als die Bauern) sind dann sowieso selbstverständlich. Meinen Porsche Cayenne möchte ich dann auch zollfrei um 40% billiger aus den USA importieren. etc. etc. etc.
Entweder freier Markt für alle oder geschützte Märkte für alle. Nur die Bauern im Regen stehenlassen während alle anderen ihre Schäfchen ins Trockene bringen wird nicht funktionieren.


alfalfa antwortet um 15-03-2010 10:44 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Umweltauflagen Neuseeland:
Ich glaub wir stimmen, alle überein wenn ich sage, die großen Differenzen in der weltweiten (Agrar)Produktion sind durch folgende Dinge bedingt:
1.Einkommens- und Währungsdifferenzen
2. Umweltstandards- und Auflagen
3.Naürliche Gegebenheiten (etwa Klima vor allem aber die Wintermonate)
4. Bearbeitungsfläche und Schlagfähigkeit
Neuseeland hat allein durch die Tatsache, das sie im Verhältnis zu uns kaum einen Winter haben, einen riesen Preisvorteil. Das Gesamte System baut anders auf und ist in Summe wohl auch um einiges natürlicher als das europäische Agrarsystem

Wenn man sich das Ergebnis der WTO Verhandlungen vergangener Jahrzehnte anschaut, so muss man sagen des bis auf die Landwirtschaft bzw. den Agrarprodukten kaum mehr nennenswerte Zölle gibt. Geschützte Märkte für alle gibt es wohl schon lange nicht mehr!
Es ändert nichts an der grundsätzlichen Frage ob ein sauberer Schnitt bei staatlichen Regularien und Subventionen nicht besser ist, als den Sturckturwandel künstlich zu verlangsamen und Betriebe die an eine Besserung glauben über Jahrzehnte finanziell verenden zu lassen.

Auch wenn man über alles Disskutieren kann, so sich nicht darüber, dass mit steigendem Einfluss der Schwellen und Entwicklungsländer in der WTO auch die Agrarzölle weltweit fallen werden. Was an Sich eh die besste Entwicklungshilfe sein würde.


Tyrolens antwortet um 15-03-2010 11:35 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Die Verlangsamung der Prozesse durch Subventionierungen sind ein riesen Problem. Ich habe das schon öfter kritisiert. Trifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern zb auch die dt. Automobilindustrie. Die verschlingt derzeit Milliarden.

Neuseeland führe ich nur als Beispiel an, weil die diesen radikalen Schnitt der kompletten Abschaffung der Subventionierung durchgeführt haben. Man könnte daraus lernen.



pa1984 antwortet um 15-03-2010 13:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Im Grunde gebe ich Alfalfa Recht.

Ein sauberer Schnitt, d. h. die Abschaffung aller Subventionen für die Landwirtschaft, hätte allerdings enorme soziale Folgen. Deshalb trete ich für ein schrittweises Auslaufen der Förderungen ein. So kann Betrieben ein natürlicher Ausstieg ermöglicht werden, d.h. die ältere Generation bewirtschaftet bis zur Pension und verpachtet (oder was auch immer) danach.

Vielleicht sollte man auch darüber nachdenken, den Strukturwandel offensiv zu unterstützen, indem man Anreize schafft, dass unrentable Betriebsstrukturen nicht weitergeführt werden, d. h. dass man Betriebsschließungen direkt fördert.






biolix antwortet um 15-03-2010 13:57 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Pa komisch, was sind "Unrentable Betriebsstrukturen "in Österreich ?

Warum brauchen 1000 ha Betriebe noch "Ausgleichszahlungen" ?

lg biolix


iderfdes antwortet um 15-03-2010 14:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Erstens: Die Lebensmittelproduktion muss immer subventioniert werden (werden die meisten anderen Bereiche übrigens auch), damit Lebensmittel leistbar bleiben.
Zweitens: Ein Arbeitsloser kostet der Volkswirtschaft ein Vielfaches der durchschnittlichen AZ. Dazu noch viel höhere Zuzahlungen zur SVB, weil viel weniger Einzahler.
Drittens: Kein noch so großer Betrieb wird so billig produzieren, wie ein Nebenerwerbsbauer, der auch mit Verlust weiterarbeitet.

Dass die Betriebsprämie von der EU abgeschafft wird, hat wohl den Hauptgrund, dass diese - im Gegensatz zur zweiten Säule der landwirtschaftlichen Förderungen - allein aus Mitteln der EU bezahlt wird, während die Umweltprämien von Land und Bund kofinanziert werden müssen.


pa1984 antwortet um 15-03-2010 15:39 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
ad biolix:

Ein unrentabler Betrieb ist einer, der keinen Gewinn erwirtschaftet (ohne Berücksichtigung der Förderungen).

Ein 2 ha Betrieb kann rentabel sein, ein 1000 ha Betrieb kann unrentabel sein. Betriebsstruktur ist nicht gleich Betriebsgrösse.


alfalfa antwortet um 15-03-2010 15:54 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Gemessen am Einkommen liegt der Anteil der für Nahrungsmittel ausgegeben wird, bei rund 10% (is eh a alte, vielzitierte Zahl), also hier von nicht-leistbaren Lebensmittel in einem Land der westlichen Welt zu sprechen, is eigentlich a Scherz. Selbst in Hochpreisphasen sind die Kosten für die Rohstoffe, real gesehen, kaum gestiegen. Problematischer ist dies sicher in Ländern der Dritten Welt, vor allem wenn der Reispreis steigt, obwohl die westliche Welt nur einen geringen Teil vom Weltreis braucht (Reis sollte eigentlich von der Warenbörse genommen werden)
Die Argumentation vom Nebenerwerbslandwirt der mit Verlust weiterarbeit, versteh i überhaupt ned. Warum sollte gerade ein Nebenerwerbslandwirt, der ja offensichtlich von seiner Arbeit leben kann, sonst könnte er nicht lange mit Verlust weiterarbeiten, sinnlos Geld ins eigene System stecken: Das würde heißen, er verdient wenn er nichts macht, sprich sich aufs Sofa legt, bevor er in den Stall geht. Die populistische Parole die immer durchgegeben wird, das die Kleinen länger durchhalten, als die Großen, mag stimmen, aber ich glaub vor allem deshalb weil die Kleinen beim eigenen Lohn, Verzinsung etc. sparen, was der Große nicht machen kann, weils seinen Arbeitern wurscht ist. Kann aber auch kein betriebswirtschaftlich vernünftiger Ansatz sein, das i beim eingen Lohn spare. (zum. nicht über längere Zeit). Was aber nichts Ändert, das bei gleicher Ausgangssituation, der Große pro Einheit immer Billiger sein wird.

Lebensmittelproduktion muss nicht immer subventioniert sein. In vielen Entwicklungsländern, in denen der Primärsektor hohen Anteil hat, werden Exportsteuern auf Agrarprodukte eingehoben. Ein höherer Weltmarktpreis würde diesen Ländern die Möglichkeit geben, die Steuern zu erhöhen.

Prinzipiell gehts aber nicht darum warum die EU das macht, sondern obs ned besser wär, für die Landwirtschaft in Österreich und in Europa, wenn ma an sauberen Schnitt macht. Ausserdem werden (müssen) sich alle nationalen Folgeregelungen an der GAP und deren Höhe orientieren. Davon abgesehen wird man sich zum Zeitpunkt des neuen Öpul genau ansehen müssen, ob es diese "Green-Box"- Ausnahme der WTO noch in dieser Form gibt.



Tyrolens antwortet um 15-03-2010 16:27 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Biolix, der 1.000 ha Betrieb braucht keine Ausgleichszahlungen. Du brauchst eventuell auch keine, aber du nimmst sie auch, wenn sie schon mal da sind.
Wenn man mit Betriebsleitern in dieser Klasse spricht, gibt es zwei Lager: Die einen, die ohne Subventionen eher heute wie morgen Insolvenz anmelden müssten und dann jene, die sich fragen, warum der der Nachbar, der so ziemlich alles falsch macht, noch immer existiert. Ach ja, wegen den Subventionen. Sehr motivierend ist soetwas nicht, vor allem dann nicht, wenn man vom Nachbarn auch noch beim Pachten ausgestochen wird, weil der, Subventionen sei dank, trotz betriebswirtschaftlichen Unvermögens noch immer existiert und fleißig Fabelpreis bezahlt.


biolix antwortet um 15-03-2010 17:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Hallo !

das ist aber eine nette Diksussion, wer zu diesen jetzigen Preisen übrig bleibt, das will ich einfach nur wissen ?

Bzw. das in der Größe der Vorteil liegt, könnt ihr nicht immer abstreiten, tut ihr aber immer wieder... ich hab in Ö noch keinen 50 ha Betrieb aufhören gesehn, aber genug bis 20 ha Betriebe...

Alfa. alfa, welcher nachbar macht alles falsch ? ich kenne nur fleißige die rackern und rackern, und denen nciht viel bleibt, überhaupt im 10-30 ha bereich, weil denen bleibt samt Förderung nicht viel, konv. eben noch ärger....

lg biolix


biolix antwortet um 15-03-2010 17:57 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Also die gegen Subventionsfreunde hier: SChreibt mal die DBs der "normalen" jahre hier pro ha, kann ruhig vom guten bis zum angeblichen "Schlechten" liegen, ihr wisst es doch... udn dann schau ma was der betreibesgewinn ist.. oder lest im Grünen Bericht nach wies aussieht udn wie viele Betriebe noch da sind, ohne Ausgleichszahungen.....

Was bleibt wenn nochmals 90% aufgehört haben ? Wie schuat unser Land nach dem aus wenn die 10% Angaser sich gegenseitig weiter "angasen" ? ;-)))

lg biolix

p.s. unser Vorteile, Viel Hirn pro Hektar, und die Liebe zur Landwirtschaft... ich hoffe das lassen wir uns nicht nehmen... Und tiroler warum steigst du nicht ordentlich ein in die LW wennst so "geil " bist auf ohne Förderungen und WEttbewerb ?


Hirschfarm antwortet um 15-03-2010 18:07 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
@biolix
Deshalb sind diese Betriebe besser beraten wenn sie die Außenwirtschaft abgeben. Entweder verpachten oder über den MR machen lassen. Dann kann man auch mit kleinen Strukturen Geld verdienen und sich in der freigewordenen Zeit die Sonne auf den Bauch scheinen lassen oder sonst irgendetwas bereicherndes machen.
@alfa
Das es ohne Förderungen gehen würde ist klar. Ich arbeite schon seit jeher ohne Förderungen weil ich diese einerseits an die Verpächter und andererseits an die Bank (für die Flächen die ich gekauft habe) weiterreiche. Es ist jedoch so wie wenn du einem schwerst Drogenabhängigen plötzlich seine Droge wegnimmst. Er wird wahrscheinlich eingehen. Wenn du mit ihm aber ein ordentliches Entzugsprogramm mit Ersatzdrogen durchführst ist die Wahrscheinlichkeit das der Junkie von seiner Sucht loskommt sehr hoch.
Soll heißen: Abbau der Subventionen ja aber langfristig planbar inklusive Begleitmaßnahmen und nicht von heute auf morgen.


alfalfa antwortet um 15-03-2010 18:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Ich hab von keinem schlimmen Nachbar gesprochen. Es sollte eigentlich auch Alfalfa heißen nicht alfa alfa. Mir ist es nur um die Grundsatzfrage gegangen. Wär ma auch ned so sicher ob die Voigasbauern zu den Überlebenden gehören, da dort unterm Strich oft viel weniger überbleibt als man glaubt.

Also i sehs ned so wie mit dem Drogenabhängigen. I seh eigentlich zunehmend Betriebe die über ihre GVE- Grenzen bauen bzw. aufstocken und um überhaupt noch Prämien zu bekommen halt Pachtpreise zahlen die jeder wirtschaftlichen Grundlage entbehren. Wie es auch der Grüne Bericht verdeutlicht, gibt es mehr und mehr Betriebe die von der Substanz leben, was für mich nichts anderes heißt als, dass sie zwar im Moment von zb. der AfA leben sprich keinen Überschuss ausweißen können, aber glauben das es besser wird, sonst wüden sie s ja nicht machen

Wollt nur drüber disskutieren, ob ein rascher Weg, weg von Subventionen, ned der beste Weg für die europäischen und weltweiten Bauern ist.


lg


helmar antwortet um 15-03-2010 18:29 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Weg von den Subventionen? Nun, dann auch weglassen sämtlicher Auflagenm angefangen vom 57a für Nutzfahrzeuge bis Düngeeinschränkungen, Tierhaltungsvorschriften, Abbrennverbote , Gewässerschutz und was es da so alles gibt was direkt und indirekt Kosten verursacht......kein UBAG, keine Bioförderung, Einzahlen von nur noch einer Sozialversicherung aus einer Tätigkeit etc. usw.
Mfg, helmar, Helga Marsteurer


grasi1 antwortet um 15-03-2010 18:37 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
@ alfa, ich kann deinen Ausführungen nur recht geben, dann tritt nähmlich der Fall ein das es die sogenannten "unrentablen Betriebe" ausradiert.
Wer meinst du, das die unrentablen (meist hoch verschuldeten) Betriebe sind?
Wenn ich mir den Strukturwandel in der letzten Zeit so vor Augen halte, dann komm ich zum Schluss, das es die Betriebe am allermeisten treffen würde, die auf Teufel komm raus investiert haben.
Die haben jetzt schon keine Luft mehr!
Die kleinen und mittleren Betriebe halten es einfach länger aus.
Das tut dem großen und mit Fremdarbeitskräften arbeiteten Betrieben viel mehr weh!
Das gilt natürlich Europa-weit.


Hirschfarm antwortet um 15-03-2010 18:48 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
@grasi
Da liegst du meiner Meinung nach falsch. Die kleinen Betriebe bei uns gibts doch nur mehr weil am Jahresende die Überweisung aus Brüssel kommt. Das ist oft der einzige Grund warum die noch wirtschaften. Das in der Landwirtschaft viel verwestiert wird da muß ich dir recht geben. Aber gerade die Vollgasbauern sind es meistens die mit einem sehr spitzen Bleistift rechnen und sich auch an geänderte Rahmenbedingungen anpassen. Ohne eine gewisse Betriebsgröße kann man nicht vernünftig arbeiten!


helmar antwortet um 15-03-2010 18:57 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Naja, wenn einer um einen Ladewagen 20 km fährt? Da weiss ich nicht recht, ob da nicht die 20 vor 20 Jahren statt der 100 heute nicht doch etwas weniger an Aufwand brauchen......Viele hätten wohl nicht doppelt und dreifach so gross gebaut, wäre da nicht die Hoffnung auf "billiges" Pachten gewesen, welche sich sehr oft nicht erfüllt hat. Was. lieber Hirschfarm, ist für dich ein "kleiner Betrieb"? Ich habe 9,3 ha mit 120 BHK. Da tauchen als AZ, EHP, und aus dem UBAG knapp über € 6.000,-- am Jahresende auf. Davon zahl ich die SVB, und die Bündelversicherung und die Versicherung für 2 altehrwürdige Traktoren....
Immer wieder, auch in der Bibel der "Überfortschrittlichen", TOP-AGRAR, ist es interessanterweise zu lesen, dass die Ausgleichszahlungen ganz dringend dafür gebraucht werden, um den laufenden Betrieb aufrecht zu halten.....
Mfg, helmar, Helga Marsteurer


grasi1 antwortet um 15-03-2010 19:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
@Hirschfarm, da schauts bei uns aber anders aus, da gehen bei uns einige in den Zuerwerb und andere gehen in den Nebenerwerb und die habe ich gemeint, die es länger aushalten, weil die haben noch freude daran, das sie zweimal Arbeiten können, damit sie einmal Leben.

Und eines kannst mir glauben, ich kenne somanche Betriebe, nicht bei uns, aber die würden schnell von der Bildfläche verschwinden, wenn man ihnen die Förderungen von einen Tag auf den anderen wegnehmen würde.

Und bei somanchen Investitionsfreudigen Bauern bin ich mir nicht sicher, ob sie mit spitzem Bleistift gerechnet haben.



pa1984 antwortet um 15-03-2010 19:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
In der derzeitigen Marktsituation könnten natürlich nur wenige Betriebe ohne Subventionen überleben. Das liegt aber vor allem daran, dass völlig am Markt vorbei produziert wird. Dieses Vorbeiproduzieren wiederum ist nur möglich, weil es die Subventionen gibt. Hier beisst sich die berühmte Katze.

Alfalfa geht aber davon aus, dass sich dieses Vorbeiproduzieren mit Beendigung der Subventionen aufhört. Damit ist auch die Marktsituation eine andere. Das ist natürlich nur eine Hypothese von Aflalfa, aber zumindest eine interessante.


biolix antwortet um 15-03-2010 19:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
aso alfa alfa da gebe ich dir recht, denn siehe am Beispiel HF, das sollte es wohl nciht sein das die Förderung für Pacht und Banken ausgegeben wird.. ;-))

PA klär uns auf was wir in Ö produzieren sollten ? oder einfach ob es am "begrenzenden" Faktor liegt, d.h. wenn jeder andrückt wirds immer bals zuviel sein, egal welchen Nische man sich sucht...

lg biolix


Hirschfarm antwortet um 15-03-2010 19:48 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
@biolix
Du tritts immer für Gerechtigkeit ein. Wenn ich dann meinen Verpächtern einen ordentlichen Pacht zahle regst du dich auch wieder auf, obwohl das mit Sicherheit die gerechteste Form des Wirtschaftens ist. Ich habe meinen Betrieb so ausgerichtet das er auch ohne Förderung profitabel ist (wenn ich die Pacht und Bodenkosten mit der Förderung gleichsetze). Wenn ein Verpächter mir seine Flächen überläßt ünterstützt er mich dabei durch die Kostendegression effizienter zu arbeiten und ich unterstütze ihn dabei aus seiner Fläche das Maximum für ihn herauszuholen (Win-Win Situation). Wenn ich mir eine Fläche kaufe ist mein Gegenüber nicht ein Verpächter sondern meine Bank und mein eigenes Geldbörsel. Wenn ich denke es rechnet sich dann mach ichs, wenn nicht dann lass ich die Finger davon. Meine Intention ist es meinen Betrieb in so eine Situation zu bringen das er auch ohne Förderung noch eine Lebensberechtigung hat.
mfg


biolix antwortet um 15-03-2010 20:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Hallo !

HF ich meine du machst es aber nur über die Größe und was machst mit der Win Win Situation ohne Förderung, was sagst du dem Verpächter ? Inkl. der Bank, du zahlst dann die Zinsen nicht mehr ?

Wie viel ha machst du grad, und wie ist dein DB pro ha ohne Förderung ?

lg biolix


Hirschfarm antwortet um 15-03-2010 20:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Zwischen 50 und 150€ Gewinn pro ha und Jahr. Wenn die Förderung sinkt sinken automatisch alle anderen Kosten auch mit. Das ist logisch. Wenn ich damit rechnen muß daß ich meine Kredite ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr zurückzahlen kann weil ich ab dann keine Förderung mehr bekomme, dann muß ich eben schauen das ich bis zu diesem Zeitpunkt schuldenfrei bin. Wer anderer wirds nicht für mich zahlen.


biolix antwortet um 15-03-2010 20:26 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Hallo !

HF wie soll das dann gehen bei den Gewinnen, da braucht jeder 200 ha ?
hast du dir ausgerechnet wie viele dann übrig bleiben in Ö ?

Darum frage ich mich schon seit langem, ob nicht gerade diese "Flächenförderung" wo der 1000 ste ha fast genau so viel zählt wie der 1. , ob das nciht sogar die Verdrängung beschleunigt hat, bzw. auch das investieren etc., aber das wollte man ja auch dadurch, sonst gäbe es ja eine ordentliche Staffelung....

lg biolix

p.s. bist du eigentlich bio und kenne ich dich.. ;-))


pa1984 antwortet um 15-03-2010 20:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
ad biolix:

was man in Ö produzieren kann, hängt von der betriebl. Situation und von der Marktsituation ab.

wer nichts rentabel produzieren kann, der kann immerhin noch aufhören, schließlich wird niemand zur Produktion gezwungen.


biolix antwortet um 15-03-2010 20:35 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
;-)))

wollt ihr eigentlich wirklich alle nachbarn los werden ?

Pa was produzierst du gerade so , und wie schauen deine DBs aus, abz. Förderungen natürlich .. ;-))

lg biolix


grasi1 antwortet um 16-03-2010 00:26 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Zitat: Wenn die Förderung sinkt sinken automatisch alle anderen Kosten auch mit.


@Hirschfarm warum bist du da so sicher, das automatisch alle anderen Kosten auch sinken?
Strompreis, Sprit, Wasser, Kanal, Dünger, Versicherungen, Betriebsmittel und und und wird immer teurer, oder seh ich da was falsch?




Fallkerbe antwortet um 16-03-2010 11:59 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?

@ hirschfarm, volle zustimmung




alfalfa antwortet um 16-03-2010 12:10 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
@hirschfarm
I versteh deinen Ansatz auch gerade nicht? Was meinst du mit, wenn die Förderungen sinken sinken auch die anderen Kosten? Meinst du, dass viele Zulieferer im Moment preislichen Spielraum haben und deshalb bei schlechterer finanzieller Situation der Bauern auch mit dem Preis nachgehen werden?

lg


BSE1 antwortet um 16-03-2010 13:02 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
ja, da gibts schon noch einigen Spielraum!! Beiuns werden oft Pachtpreise jenseits von 1000 Euro bezahlt, somit kann man sich dann die Ausgleichszulage von den "Ofenbauern" holen. Jede Förderung verzerrt!!


iderfdes antwortet um 17-03-2010 12:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
@Tyroleans: Wenn der Nachbar so viel mehr bekommt, dann sollte man sich wohl eher fragen, was man selber falsch macht...
Die meisten Zahlungen sind an Auflagen gebunden und/oder sind Ersatz für Wirtschaftserschwernisse. Dass es jemand im Berggebiet mit 5 Monaten Schnee schwerer hat, als jemand in Gunstlagen ist logisch und diese Zahlungen sind auch am einfachsten gegenüber dem Steuerzahler zu verteidigen, wenn man so will. Diesen Zuschuss hat es ja auch schon lange vor der EU gegeben. Bergbauern sind dann die Vorzeigebetriebe, wenn es darum geht, AZ auszuverhandeln und nicht irgendwelche riesigen Mastbetriebe, die die meisten nicht mal in der Nachbarschaft wollen.

@Alfaalfa: Warum jemand mit Verlust arbeitet: Weil er die Landwirtschaft gerne hat, nicht nur als Geldesel, den man verschmeißt, wenn er nichts mehr abwirft. Und auch als Investition für die Zukunft. Wer jetzt alles neu kauft, kann vielleicht in Kürze etwas ruhiger treten und auch mit weniger Einkommen auskommen. Es ist ja meist nicht so, dass der Beitrieb unter normalen Umständen nichts abwerfen würde, aber die Investitionen übersteigen den Ertrag.

Und dass sich Entwicklungsländer - wo es ohnehin wenig zum Beißen gibt - darüber freuen, wenn die Lebensmittelpreise steigen, möcht ich jetzt mal bezweifeln.


Hirschfarm antwortet um 17-03-2010 21:48 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
@alfalfa
Wenn es keine Förderung mehr gibt dann kauft sich keiner mehr einen neuen Traktor weil es keinen Sinn mehr macht. Dünger wird weniger gekauft weil die Bauern sich keinen mehr leisten können. Beim Pflanzenschutz wird genauso gespart. Unnötige Versicherungen werden abgemeldet, das Drittauto ebenso. Beim Betriebsmitteleinkauf wird plötzlich um den letzten cent gefeilscht. Gebaut wird auch nichts mehr. Durch diese Massnahmen sinkt automatisch die Produktivitaet was logischerweise einen Preisanstieg zur Folge haben wird. Die obengenannten Handelspartner wollen aber weiter was verkaufen, also müssen sie den Preis senken. Ergo wird es ohne Subventionen billigere Betriebsmittel und teurere Lebensmittel geben.


Bewerten Sie jetzt: GAP- Reform: ökonomischer Ansatz?
Bewertung:
Noch keine Bewertungen vorhanden!
message;229920




Landwirt.com Händler Landwirt.com User