'Verflixt nochmal, machen Sie es einfach'

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Muuh 03-03-2010 08:35 - E-Mail an User
Verflixt nochmal, machen Sie es einfach
agrarheute, Milch & Rind 02.03.2010

Kartellamt empfiehlt Erzeugergemeinschaften
'Verflixt nochmal, machen Sie es einfach'

Warburg-Hardhausen - Das Bundeskartellamt sieht den Wettbewerb um den Rohstoff Milch als stark gestört an. Damit Landwirte ihre Position am Milchmarkt stärken können, empfiehlt das Amt jetzt die Bildung von Erzeugergemeinschaften.

Der Wettbewerb um die Milch braucht starke Erzeugergemeinschaften. Das empfahl die Berichterstatterin des Bundeskartellamtes in Sachen Milch, Eva-Maria Schulze, am gestrigen Montag in Warburg-Hardehausen auf der öffentlichen Milchtagung der Aktionsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), des Fachgebiets Agrarpolitik der Universität Kassel und der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB).

"Es hat uns zunächst sehr überrascht, dass das Machtgefälle auf dem Milchmarkt zulasten der Milchbauern so stark ist, obwohl 70 Prozent der Milch von Genossenschafts-Molkereien erfasst wird. Aber die Strukturen und Organe der Genossenschaften haben sich verselbständigt", sagte Eva-Maria Schulzes. Auf die Preisbildung für ihre Milch hätten die Milchbauern bisher kaum einen Einfluss. Der Milchpreis werde rückwärts gebildet, das heißt aus dem, was nach der Verhandlung der Molkerei mit den Abnehmern wie den Handelsketten übrigbleibe.

Nicht nur die Marktmacht des Handels beklagen

"Die Molkerei-Genossenschaft trägt kein eigenes Schmerz-Risiko", formulierte Schulze. Sie reiche das Risiko der Vermarktung an die Bauern weiter. "Die Genossenschaften haben nicht den letzten Anreiz, in den Verhandlungen mit dem Handel das letzte für die Bauern rauszuholen", sagte Schulze. Da helfe es den Bauern nicht, immer nur die Marktmacht des Handels zu beklagen.

Privatmolkereien orientieren sich an Genossenschaftspreisen

Bei den Privatmolkereien sehe die Situation nicht viel besser aus, obwohl viele Privatmolkereien mit ihren nicht austauschbaren Markenprodukten einen höheren Preis auszahlen könnten. Aber, Schulze, "beim Auszahlungspreis an die Bauern orientieren sie sich an den Preisen der Genossenschaften". Als wesentliche Möglichkeit der Milcherzeuger, ihre Position am Milchmarkt zu stärken, nannte sie den Zusammenschluss in Erzeugergemeinschaften.

Erzeugergemeinschaften: 'Verflixt nochmal, machen Sie es einfach'

Der Gesetzgeber räume anerkannten Erzeugergemeinschaften nicht nur das Recht zu mengenbegrenzenden Maßnahmen, sondern auch zur Preisabsprache ein. Auf die Frage aus dem Publikum, bei welchem Bündelungsgrad das Kartellamt einschreiten werde, meinte die Berichterstatterin des Bundeskartellamts in Sachen Milch, Eva-Maria Schulze: "Von 80 Prozent sind wir soweit entfernt, dass es keinen Sinn macht, darüber zu reden." Nochmals darauf angesprochen wurde sie deutlicher: "Verflixt nochmal, machen Sie es, und sagen Sie nicht immer, Sie wissen nicht, wie das Kartellamt sich verhält".

Schaber: Dem Milch Board beitreten

Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), forderte die Bauern auf, die Zurückhaltung gegenüber der Bündelung in der bundesweiten Erzeugergemeinschaft "Milch Board" aufzugeben und einzutreten. Schaber, der auch Vorsitzender des europäischen Dachverbands der Milcherzeuger "European Milk Board" (EMB) ist, forderte die Einrichtung einer Monitoringstelle auf EU-Ebene. Diese Stelle solle den Milchmarkt beobachten und je nach Marktlage zusätzliche Menge freigeben oder mengenbegrenzende Maßnahmen auslösen.

Weidehaltung gut für Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung

Dr. Edmund Leisen von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen berichtete aus vielen Praxiserhebungen und Untersuchungen, dass eine umfangreiche Weidehaltung der Milchkühe sich für die Betriebe eindeutig positiv auf die Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung auswirke. Und Kraftfuttergaben während der Weidezeit brächten keine zusätzliche Milchleistung. "Beides widerspricht dem, was wir alle gelernt haben, aber die Praxis zeigt, dass es so ist", sagte Leisen. (pd)





helmar antwortet um 03-03-2010 08:49 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Da kommens erst jetzt drauf? Sehr interessant, denn TOP-AGRAR hat dies schon vor mehreren Jahren gepredigt.........und es sind ja immer wieder Erzeugergemeinschaften gegründet worden, besonders knapp vor jener Zeit, als die Spekulationen mit Milchpulver so richtig nach oben gesaust sind. Da hat diese Zeitung auch in dicken Berichten von diesen innovativen Bauern, welche ihr Schicksal selber in die Hand genommen haben, berichtet.
Als sich das Blatt gewendet hat, waren die weniger erfreulichen Meldungen gerade mal einen Einspalter wert........Den Preis gestalten immer noch Angebot und Nachfrage, und sonst nichts! Und natürlich, wenn auch in geringem Ausmass, die Qualität.
Mfg, helmar, Helga Marsteurer


josefderzweite antwortet um 03-03-2010 09:22 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Die Zeilen sin Palsam für mei Seel denn des sag i schon lang und die ganze Zeit, dass a GENOSSENSCHAFTSmolkerei von Bauern gründet is gworden und netta vo Vorständen!!!!!!!!!!

Bei der LWG is ja a schon längst der Zug abgefahren und vo der Raiffeisen gar netta zreden!!!


Tyrolens antwortet um 03-03-2010 09:45 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Das kommt auch nicht allzu oft vor, dass sich eine Genossenschaft dermaßen verselbständigt, dass sie den Grund, warum sie gegründet wurde, völlig pervertiert.
Das kann eigentlich nur an der Schwäche der Genossenschafter liegen. Bevor man einen neuen Erzeugerverband gründet, den dann eh wieder das gleiche Schicksal wie das der Genossenschaften ereilen würde, könnte und sollte man einfach mal die Genossenschaftsmolkereien reformieren. Die Genossenschafter hätten es in der Hand.


josefderzweite antwortet um 03-03-2010 10:06 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Dann zeigst mir a Genossenschaftsmolkerei die a größ erreicht hat dass sie was zusagen hat und den erzielten Gewinn den Genossenschaftern weitergibt ohne selbst einzusackln


Tyrolens antwortet um 03-03-2010 11:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Tja, Sepp, wenn du so viele Genossenschaften kennst, die in ihre eigene Tasche wirtschaften, solltest du von deinen Rechten Gebrauch machen. Den Zweck einer Genossenschaft scheinst du ja zu kennen.

Auf deine Frage: Schau dir mal Migros an.


walterst antwortet um 03-03-2010 11:40 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Ich glaube, das Thema Erzeugergemeinschaften ist gegessen.
Denn die Milchbauern sind vernünftig und wissen ganz genau, was sie in jahrzehntelanger Klausur gelernt haben: Die Milchwelt ist eine Scheibe, deren fester Boden aus Genossenschaften besteht. Geht man an den Rand der sicheren Scheibe, bläst ein eisiger Wind, bekommt man Krätze, Hexenschuss und Schweinegrippe und fällt letztlich, erblindet von Teufelsglut und betäubt von den Gesängen nichtbauernbündlicher Sirenen in die ewige Verdammnis.

Dass es leider immer wieder vereinzelt Leute gibt, die die Wahrheit einfach nicht vertragen und dann doch ins Unglück losfahren wie der Ch. Columbus, muss man hinnehmen


helmar antwortet um 03-03-2010 11:54 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Wird ja niemand dran gehindert, was zu machen.........nur wenn es jetzt jemandem einfällt, den Liefervertrag noch zu kündigen, ist es etwas zu spät, 28.2.2010 war der letztmögliche Termin. Aber vielleicht lassen manche mit sich auch jetzt noch reden...
Mfg, helmar, Helga Marsteurer


biolix antwortet um 03-03-2010 11:58 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Komisch, war nicht gerade das Kartellamt gegen größere Zusammenschlüsse in der Bauernschaft erst vor kurzer Zeit ?


walterst antwortet um 03-03-2010 11:59 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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gut dass Du darauf hinweist helmar, dass es schon zu spät ist. Hätt gar nicht mehr daran gedacht.
Und nächstes Jahr gelten dann eh schon zum Teil andere Kündigungsfristen, Treueprämien usw. Also kurz gesagt, die elektronische Fußfessel für den Rohstofflieferanten.


Tyrolens antwortet um 03-03-2010 12:00 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Also wir haben einige Betriebe, die haben ihre Genossenschaftsanteile und Lieferverträge supendiert und liefern jetzt nach Deutschland. Funktioniert auch.


helmar antwortet um 03-03-2010 12:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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So ist sie nun mal, die freie Marktwirtschaft.......ich hab nix dagegen.
Mfg, helmar, Helga Marsteurer


pa1984 antwortet um 03-03-2010 19:05 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
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Eine Genossenschaft und eine Milcherzeugergemeinschaft sind völlig verschieden.

A: Genossenschaft: kauft Milch ein, verkauft Milchprodukte. Einkaufsmarktpartner: Landwirte, Verkaufsmarktpartner: LEH und andere Abnehmer.

B: Milcherzeugergemeinschaft: kauft Betriebsmittel ein, verkauft Milch. Einkaufsmarktpartner: Landproduktehandel, Verkaufsmarktpartner: Milchverarbeitung (Genossenschaft und Privat)

Sowohl A als auch B leben von der Differenz zw. Einkauf und Verkauf, d. h. je billiger man einkauft und je teurer man verkauft, desto besser. A kauft Milch ein, hat also ein Interesse an billigem Einkauf, B verkauft Milch, hat also ein Interesse an teurem Verkauf. Das ist Marktwirtschaft und hat nichts mit Moral zu tun. Hier prallen 2 entgegengesetzte Marktineressen aufeinander. D. h. es gibt einen Findungsprozess, dessen Ergebnis dann der Preis ist. Die Stärke der Marktpartner entscheidet dann darüber, auf welcher Seite der Preis zu liegen kommt.
Bei der Milch ist die Stärke der Marktteilnehmer sehr ungleich verteilt, d. h. der Preis wird von oben vorgegeben. Der Verarbeiter hat nur mehr die Möglichkeit an der Einkaufspreisschraube zu drehen. Das macht er dann auch, weil von den Milcherzeugern keine Marktmacht ausgeht.

Ob der Verarbeiter genossenschaftlich oder privat organisiert ist, ist dabei völlig wurscht. Beide müssen sich am Markt behaupten und sind den selben Spielregeln verpflichtet. Der genossenschaftlich organisierte Verarbeiter tut sich vielleicht ein bisschen leichter damit, den Preisdruck an seine Lieferanten weiterzugeben, weil diese als Anteilseigner in der Pflicht sind.

Selbstverständlich wäre durch eine Bündelung des Angebotes eine Stärkung der Marktmacht möglich, dieser Zug ist aber bereits abgefahren.



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