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  09-10-2009 00:34  4580
Milchwert
Für mich die einzige vernünftige Lösung des Milchpreis-Dilema wäre, die "Milchschleuderei" beim Endverbraucher zu beenden. Dem Konsumenten klar machen, dass Milch ein wertvolles, heimisches Lebensmittel ist. Dieses verdient es wohl, wenigstens ein viertel der Zigaretten zu kosten, mit denen sich mancher pro Tag vergiftet...
Im Liter Bier ist der größte Teil Wasser, aber da darf der Liter 1,60 kosten - warum nicht auch bei einem heimischen Lebensmittel, dass auch noch gut für unsere Kinder ist!

Milchpreis im Markt min. 0,90 - Heumilch 1,00 Euro!
Für den Bauern davon 0,40 . Heumilch 0,50 Euro!

Dem mündigen Konsumenten muss auch klar gemacht werden, dass diese Politik die heimische Milchwirtschaft ausrottet und den "globalisierten" Milchkonzernen Tür und Tor öffnet.
Auf die Qualität könnt Ihr Euch freuen...

Was meint Ihr dazu?

Ciao


  09-10-2009 07:42  walterst
Milchwert
Du hast jetzt beste Gelegenheit, die Milchschleuderei beim Handel zu beenden.
Gehe hin, mache es und berichte!

Ich bin ganz bei Dir, dass Heumilch um mind. 1€ verkauft werden soll - Warum macht dann grade die ARGE Heumilch das ganze viel billiger? Frag doch mal nach!

  09-10-2009 08:12  Christoph38
Milchwert
Ich bin ein lupenreiner Konsument von Milch und Milchprodukten, da ich keine Milch erzeuge.

Als Konsument ist mir längst bekannt, dass Milch ihren Wert hat und bin auch bereit den Wert zu zahlen. Ich bin der Meinung, dass viele Konsumenten grundsätzlich bereit sind mehr zu bezahlen. Schliesslich ist es für die Konsumenten ja nichts neues, dass Preise erhöht werden. Preiserhöhungen finden überall statt. "Der Konsument" muss sich deshalb nicht einschränken, da die Löhne mit den Preisen mitsteigen.

Nur sollte man von den Konsumenten nicht erwarten, dass sie freiwillig mehr zahlen oder bei Preiserhöhungen begeistert jubeln.
Der Unternehmer sollte doch soweit seine Kosten kennen, dass er auch erkennt welchen Preis er braucht. Der Bauernaufstand hat gezeigt, dass es viele Milchbauern gibt, die zwar über zu niedrige Preise jammern, aber gleichzeitig weiterliefern als ob alles in Ordnung wäre.

Solches Verhalten ist aus meiner Sicht absolut unglaubwürdig und erweckt den Anschein, dass die Preise völlig in Ordnung sind, da sich am Verhalten nichts ändert. Das Jammern erscheint als jammern nach besseren Preisen, obwohl man auch so gut zurecht kommt. Dass der selbstverschuldete falsche Anschein zu keinen Preisverbesserungen führt, dürfte wohl jedem klar sein ?

Einem reinen Suderer, der sein Marktverhalten unbeirrt beibehält, mehr zu bezahlen, muss aus Konsumentensicht als "Geld zum Fenster rauswerfen" eingestuft werden.



  09-10-2009 08:25  helmar
Milchwert
Vielleicht ist auch so manchem Konsumenten in der Nähe jener Grundstücke nach deren Düngung mit Milch bei dem darauf folgendem Wetter der Appetit auf Milchprodukte nachhaltig vergangen.....
Mfg, helmar


  09-10-2009 09:14  50plus
Milchwert
@ Christoph38

Ich bin auch keine "Kuhbäuerin", aber das Ganze ist nicht so einfach, wie du das glaubst.
Die Milch muß täglich gemolken werden, die Menge läßt sich nicht so schnell regulieren.
Und wenn zuwenig produziert wird - was meinst, wie schnell wir die Milch vom Ausland herinnen haben (mit Ausland mein ich garnicht die EU).
Wie gesagt, die Obrigkeiten der reichen Länder sind sehr wohl interessiert, dass es bei der Nahrung keinen Mangel gibt, und soviel können sie uns Bauern schon steuern. Aber schon 101 % Produktion ist eben Überschuß und bedeutet Preisverfall. 99% Produktion wären ja Hungersnot.
Weil wir aber zu den reichen Ländern gehören, importieren wir von Tschibutti - bevor wir hungern müssen.
Und - die Bauern kriegen kein Geld für ihr Milchverschütten. Die restliche Bevölkerung sehr wohl für das Streiken. So gesehen, ist es für uns Bauern unmöglich etwas zu ändern.

Wir Bauern sind Bauern......das läßt sich nicht mit Unternehmern gleichstellen.
Unternehmer können ihre Produktion rasch einschränken, sind nicht so sehr von Verderblichkeit der Ware und Witterungsbedingungen, von langen Produktionsphasen......abhängig.
Da muß schon von den "geistig Höhergestellten" ein wenig eingegriffen werden, wenn man uns doch noch braucht.

lg
50plus

  09-10-2009 11:06  Nutz
Milchwert
Hallo

Ich denke es muß nicht unbedingt die Milch teurer werden damit der
Bauer mehr bekommt.
Es währe interessant wie die Aufteilung vom Milchpreis
Bauer-Molkerei-(Zwischenhandel)-Handel aussieht.

  09-10-2009 11:37  50plus
Milchwert
Eh klar, aber das war schon immer so, nur der Bauer konnte auch noch leben.

Schon vor Jahrzehnten wurde das Kind vom obersten Chef der Genossenschaft mit Mercedes u. Chauffeur zur Schule gebracht, während wir noch bei jedem Wetter gingen.

Schon damals flogen die Obrigkeiten in den hohen Norden zu einer wichtigen Tagung, ließ den Chauffeur hinterherfahren, damit er dort die Herrschaften herumkutschiert - wir haben es halt erst jetzt erfahren, weil der Chauffeur noch lebt, die Herrschaften aber schon tot sind und er erst jetzt sich traut, drüber zu reden.

Ich glaub nicht, dass unsere Obrigkeiten mehr übertreiben, als damals, aber das Fußvolk wird halt weniger und kann das nicht mehr "ertragen".

lg
50plus

  09-10-2009 11:56  Christoph38
Milchwert
a propos oberster Chef der Genossenschaft:
Weil ja bekanntlich derzeit am Markt weniger erwirtschaftet wird und logischerweise die Bauern weniger erhalten:
Habt ihr in euren Molkereien von den Bossen einen Solidarbeitrag eingefordert und die Firmenpensionen eingefroren ?
Oder wolltet ihr nicht wegen asozialem Verhalten gegenüber Mitarbeitern an den Pranger gestellt werden und habt lieber noch einen Tick mehr an der Preisschraube gedreht ?

  09-10-2009 13:27  mfj
Milchwert
Nun Christof – Du schickst die Milchbauern geradezu durch das „ selbstauferlegte Fegefeuer“, mit den alten Vorsätzen, es beim nächsten doch noch besser zu machen.
Aber die Bauern werden sich nicht an die „guten Vorsätze“ halten oder errinnern, von wenig produzieren und Kosten minimieren, denn wenn der Preis wieder gut ist, vergisst man all die Gelübde und Verbitt-Rosenkränze, und es wird wieder produziert was die Landwirtschaft hergibt. So wird lieber wieder gebeichtet, und gebeichtet und auferlegte Sühnegebete abgeträllert, und es werden noch viele Generationen mit „durchgewetzten Kniehosen“ auf Bitt- und Sühnegänge durch die Lande ziehen...und den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.

Christoph – Du als Nicht- Milchbauer solltest eigentlich die „Murxspirale“ der Milchwirtschaft sehen.
An der Marktbereinigung der Milchwirtschaft führt kein Weg vorbei. Am einfachsten, schnellsten und schmerzlosesten ist der Weg über den Milchpreis.
Alles andere verzehrt, verhindert und verlängert nur das „sterben der schwachen Betriebe“.
Das gilt für den 5 Kuh Betrieb genauso wie für den 50 oder 500 Kuhbetrieb.
Alle müssen Ihre Kosten im Griff, Ihre Aufwände sondieren und ihre Investitionen kalkulieren.
Jeder der das nicht kann, hat keinen Platz im Wirtschaftsmarkt – schon gar nicht in der Milchwirtschaft.
Konkret heißt das:

Pachtpreise bedürfen einer Anpassung
Mehreinnahmen oder Verlustabdeckung ist nicht durch Betriebsvergrößerung zu lösen
Technikeinsatz und Zukauf konzentriert sich auf Einsatzstunden
Familienleben und Arbeitszeiteinsatz haben oberste Priorität, und erhalten letztendlich auch die Hofnachfolge
Usw.

Nischen- und Sonderproduktionen müssen vom eigenen Betrieb entwickelt und bestätigt sein, Kopien, Öko-Weihnachtsschmuck, Zertifizierungs-Irrgärten a´la ARGE HEUMILCH usw. sind die „Guillotine“ des eigenen Unternehmerischen Denken.

In allen Wirtschaftskreisen sieht man „Milchwirtschaft“ vor diesem Strukturwandel, nur in eigenen Reihen erzählt man das Märchen vom „Goldesel“ des ewigen „Dahinsiechens“.
Der Milchstreik wird als Zeichen der „Ignoranz“ dieses zu akzeptieren interpretiert, nicht als Umdenken.
Streik ist die Methode der Schwäche, der Erpressung und Kurzsichtigkeit – weit entfernt von Marktnähe und Kontrolle.

Die Interessensvereine IG, BDM und EMB werden eine Berufsgruppe, ein gesundes Produkt ein gelisteter Artikel im LEH-und Discount erst mal in „Schutt und Asche“ legen, aber den Grund Ihres „Scheiterns“ werden sie nicht kapieren....


  09-10-2009 14:03  50plus
Milchwert
@mfj

Wissen das die Ärzte u. Lehrer auch, dass Streik ein Zeichen von Schwäche, Erpressung und Kurzsichtigkeit ist?

lg
50plus

  09-10-2009 14:46  Christoph38
Milchwert
@mfj
Deine Ausführungen wortgewaltig wie immer. Dafür ein Kompliment. :-)

Ich meine persönlich die Murxspirale in der Milchwirtschaft schon erkennen zu können. Ich habe auch lange genug Murx erlebt.
Der Murx besteht aus meiner Sicht darin, dass in der Landwirtschaft ein massives marktwirtschaftliches Versagen stattfindet.

Die Landwirtschaft muss in einem freien Markt ankommen. Dazu gehört für mich: Kosten erkennen, Kosten weiterverrechnen, Leistung verweigern bzw. Betriebseinstellung bei mangelnder Kostendeckung, Preiserhöhungen durchsetzen, keine einseitige Abhängigkeit, weg von politischer Einflüsterung etc.

Die freie Wirtschaft in der Finanzkrise zeigt es vor wie es geht: Bevor man sich gegenseitig in nicht endenwollenden Preisschlachten ruiniert, müssen X Fabriken schliessen und Y Arbeiter entlassen werden. Die Vorgangsweise ist einfach: der Preis bleibt erhalten (im wesentlichen), die Produktion sinkt

Die Landwirtschaft macht das Gegenteil: Der schlechte Preis wird versucht aufzufangen, indem man die Produktion steigert und/oder die Kosten senkt. Ein Irrweg, der dazu führt dass man bereits heute berechnen kann, wielange es dauert bis ein heute effizienter Betrieb kaputt ist.
Du hast heute € 200.000,- Einnahmen und € 150.000,- Ausgaben ?
In 10 Jahren ist dein Betrieb mausetot: 3% Inflation bei den Ausgaben, macht € 202.500,- Ausgaben, Einnahmen unverändert

Streik ist nichts anderes als ein unschöner Ausdruck. Im Endeffekt geht es darum, ob ich soviel Rückgrat habe, für meine Leistung einen Preis zu verlangen und durchzusetzen oder nicht. Wer schlechte Preise hinnimmt, warum auch immer, wird sicher einen Geschäftspartner finden, der noch weniger zahlt.

Es kann nicht angehen, dass mit der Erzeugung eines notwendigen Produktes die besten 3% aller Betriebe gerade mal € 5.000,-/Monat verdienen und dafür 3 Arbeitskräfte einsetzen und € 2 Mio Eigenkapital.



  09-10-2009 15:25  50plus
Milchwert
@Christoph38

Genau so ist es.
Aber ohne Unterstützung von oben sehe ich trotzdem schwarz.

lg
50plus

  09-10-2009 15:29  4580
Milchwert
Eben das in letzten Sätzen genannte ist es, das auch mich sauer macht...
Da werden für einen Centkrieg mit Lebensmittel DIE Österreichischen Grundversorgungsbetriebe kaputtgemacht, um in Folge wieder von Anderen abhängig zu sein!
Beim Erdöl können wir nix dafür, das gibt es bei uns nicht.
Aber wenn wir irgendwann keine landwirtschaftlichen Produkte mehr aus Österreichischer Erzeugung bekommen, sind wir selber schuld!

Milch ist Mehrwert!

Milchpreis im Markt min. 0,90 - Heumilch 1,00 Euro!
Für den Bauern davon 0,40 . Heumilch 0,50 Euro!

  09-10-2009 15:43  dorni
Milchwert
Warum auch nicht die Marktbereinigung in anderern Bereichen?

z.b. Banken oder Autoindustrie

mfg

  09-10-2009 18:42  Fallkerbe
Milchwert
Hallo,
Ein Produkt ist immer das wert, wan ein anderer dafür zu Zahlen bereit ist.
mfg




  09-10-2009 19:19  50plus
Milchwert
@ Fallkerbe

Im Prinzip hast du recht - hängt aber auch davon ab, wie notwendig ich es brauche und wieviel von dem Produkt zur Verfügung steht.

lg
50plus

  09-10-2009 19:20  walterst
Milchwert
2006 war der preis z.B. für ein Packeröl Butter 99 Cent beim Diskonter

Zwischendurch ab Herbst 2007 stieg die Butter bei uns Schrittweise auf 1,49 € und in Deutschland schlagartig.

Ähnlich der Verlauf bei Trinkmilch.

Frage: Um wieviel ist der Butterverbrauch beim Konsumenten nach dem Preisanstieg gesunken?

Um wieviel steigt der Butterverbrauch derzeit, wo wir Preise haben, so niedrig wie noch nie?

  09-10-2009 19:48  Fallkerbe
Milchwert

ich denke der butterverbrauch ist wohl kaum gesunken, trotzdem ist jetzt ein Überangebot am Markt und damit die Preise im Keller. Die schönsten Reden werden nichts nutzen, solange mehr produziert wird, als man verkaufen kann wird der Preis schlecht bleiben.

mfg

  09-10-2009 19:55  helmar
Milchwert
Also bei mir wird bis auf eine einzige Ausnahme(Spritzgebäck) nur mit Butter gekocht und gebacken. Besonders im Advent steigt da der Verbrauch...
Mfg, helmar

  12-10-2009 21:33  4580
Milchwert
Findest Du die Antwort fair?
Meinst Du nicht, es wäre eindrucksvoller, wenn man zumindest zu zweit hingeht?

;-)

  12-10-2009 21:35  4580
Milchwert
Es war dieses Posting angesprochen :-)


Name: walterst antwortet um 09-10-2009 07:42 auf diesen Beitrag
Tagebuch
Milchwert
Du hast jetzt beste Gelegenheit, die Milchschleuderei beim Handel zu beenden.
Gehe hin, mache es und berichte!

Ich bin ganz bei Dir, dass Heumilch um mind. 1€ verkauft werden soll - Warum macht dann grade die ARGE Heumilch das ganze viel billiger? Frag doch mal nach!