Bodenkalk informiert: Ist die Kalkung von Acker- und Grünlandflächen im Herbst sinnvoll?


Die teils intensive Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen und die natürlichen Vorgänge im Boden setzen laufend Säuren im Boden frei. Was Sie zur Verbesserung der Bodenverhältnisse im Herbst für Äcker und Grünland tun können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Regelmäßige Kalkung sorgt für ein aktives Bodenleben und stabile, krümelige Bodenstruktur.

Werden die freigesetzten Säuren nicht neutralisiert, beginnt eine Versauerungsspirale. Die Basen- und Kalziumsättigung nimmt ab, die Nährstoffverhältnisse gelangen in ein Ungleichgewicht. Der pH-Wert sinkt und der Boden verliert an Fruchtbarkeit. Dies hat zur Folge, dass die Pflanzenverfügbarkeit von Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium und Schwefel rapide abnimmt, auch wenn diese lt. Bodenuntersuchung in ausreichender Menge im Boden vorhanden sind.

Welche Vorteile bringt die Herbstkalkung?

Eine regelmäßige Kalkung sichert nicht nur eine sehr gute Nährstoffverfügbarkeit für die Pflanzen, sondern schafft auch eine stabile und krümelige Bodenstruktur mit einer hohen Anzahl an aktivem Bodenleben. Weiters neutralisiert Kalk die in den Boden eingetragenen Säuren und erhöht die Basen- und Kalziumsättigung. Dabei löst sich der Kalk auf und gibt Kalzium frei, was die Bodenstruktur stabilisiert. Dieser “verbrauchte“ Kalk muss durch eine regelmäßige Kalkung wieder ersetzt werden. Die Kalkung mit Bodenkalken im Herbst nach Mais-, Kürbis-, Hirse- oder Sojakulturen sowie im Grünland ist einer der besten Zeitpunkte die Kalkreserven wieder aufzufüllen.

Mischkalk, Branntkalk, kohlensaurer Kalk: Welches Produkt eignet sich für die Herbstkalkung im Ackerbau?

Mischkalk als Universalkalk eignet sich auf allen Böden und zu allen Kulturen sehr gut. Der wasserlösliche Branntkalkanteil ist rasch wirksam. Er sorgt für eine lockere, krümelige und stabile Bodenstruktur. Der Anteil an kohlensaurem Kalk bringt eine nachhaltige Stabilisierung des Bodens pH-Wertes und verbessert das Puffervermögen des Bodens. So können zukünftige Säureeinträge durch den im Boden verbleibenden Kohlensauren Kalk neutralisiert werden und die Kalziumsättigung bleibt im Optimalbereich. Auf sehr schweren Ackerböden mit hohen Tongehalten ist reiner Branntkalk zur Herbstkalkung mit 800–1.000 kg/ha am effizientesten. Eine Vorsaatkalkung mit Branntkalk hat sich bewährt. Wichtig bei einer Vorsaatkalkung ist die Einmischung des Branntkalks in die obersten 3 bis 5 cm Bodenkrume. Sollte aufgrund der Witterung bzw. aus Zeitmangel keine Vorsaatkalkung möglich sein, kann die Kalkung auch auf den aufgelaufenen Bestand erfolgen – jedoch nur mit mehlfeinen Kalken.

Günlandkalkung sichert den Erhalt hochwertiger Gräser wie Wiesenschwingel, Timothe, Wiesenrispe, Englisches Raygras etc. sowie Leguminosen.

Welche Vorteile bietet die Maisstrohkalkung? 

Die Kalkung mit Mischkalk oder Branntkalk von Maisstoppel im Herbst hat sich auf mittleren und schweren Böden als sehr positiv herausgestellt. Sowohl der pH-Wert als auch die Bodenstruktur und somit in weiterer Folge der Lufthaushalt im Bereich des untergepflügten Maisstrohs werden optimiert. Dadurch können die Bodenmikroorganismen das Maisstroh deutlich schneller abbauen, Schadpilzen wie Fusarium wird die Nahrungsgrundlage entzogen und Nährstoffe für die Folgekultur werden schneller freigesetzt.

Tipp für die Dosierung: Hier reichen geringere Aufwandmengen von 1000 – 1300 kg/ha Mischkalk bzw. 500 – 800 kg/ha Branntkalk direkt auf das Maisstroh.

Magnesiumfreie kohlensaure Kalke im Bio Ackerbau

Im Bio-Landbau sind aufgrund ihrer Wasserlöslichkeit weder Brannt- noch Mischkalke zugelassen. Daher sollten im Biolandbau magnesiumfreie kohlensaure Kalke (2.500–3.500 kg/ha) eingesetzt werden. Nur bei Magnesiummangel aufgrund einer Bodenuntersuchung ist der Einsatz von magnesiumhaltigen Kalken auf schweren Böden empfehlenswert. Bei Phosphatmangel können auch die phosphathältigen Produkte Kaphos, Kalkkorn P15 oder Biophos eingesetzt werden.

Herbstkalkung im Grünland verbessert das Bodenleben und vermindert Trockenschäden

Die Grünlandkalkung wird oft im Herbst Rhythmus von zwei bis drei Jahren durchgeführt. Für eine regelmäßige Erhaltungskalkung, bei der 400–700 kg/ha/Jahr CaO ausgebracht werden, ist die Herbstkalkung bestens geeignet. Vor allem hochwertige Gräser wie Wiesenschwingel, Timothe, Wiesenrispe, Englisches Raygras etc. sowie Leguminosen haben einen sehr hohen Anspruch an den pH-Wert des Bodens. Das Bodenleben (vor allem der Regenwurm) gedeiht in neutralen, kalkreichen Böden am besten und sorgt für einen optimalen Humusauf- und -abbau und einen geregelten Nährstoffkreislauf. Durch das im Kalk enthaltene Kalzium wird der Boden durchlüftet und Regenwasser versickert besser. Dieses wird im Boden gespeichert und steht dann in Trockenperioden zur Verfügung.

Bodenkalk Tipp: Diese Kalke eignen sich für Grünland

Grundsätzlich eignet sich auch im Grünland Mischkalk sehr gut. Biologisch wirtschaftende Betriebe können Kohlensaure Kalke einsetzen. Weist das Grünland einen Phosphormangel auf, sollten Produkte wie Kaphos mit Phosphor oder Kalkkorn P15 verwendet werden. Bei Magnesiummangel sollte Kohlensaurer Magnesiumkalk, Dolo40 oder Kalkkorn Mg verwendet werden.