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josefderzweite 23-11-2013 16:30 - E-Mail an User
Hirse
Ich habe Mutterkühe und Stiermast und suche fürs kommende Jahr eine Alternative zu Mais da in diesem Jahr schon ein absoluter Druck durch Schädlinge aufgetreten ist.

Da in meinen Breiten Hirse bestens gedeiht, frage ich nun ob schon jemand Silohirse angebaut hat. Etwa für die Stiermast.

Wie ist die Akzeptanz bei den Tieren? Wann die Ernte? Probleme bei der Ernte? Wie hoch ist eigentlich der Energiegehalt gegenüber Mais/Silomais?

Vielen Dank für die Beiträge!


179781 antwortet um 23-11-2013 19:47 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Hirse
Zuerst würde mich interessieren, welche Schädlinge dich plagen. Da gibt es meistens auch Strategien, die auszutricksen.
Biomassehirse, Sudangras haben wir schon einige Male angebaut. Im Vergleich zu Mais sind die später zu säen. Unter 15 Grad Bodentemperatur tun die nichts. Anfangs wachsen die Pflanzen sehr zögerlich. Die bilden zuerst ein gutes Wurzelsystem, um mit Trockenheit zurechtzukommen. Man geht davon aus, dass diese Pflanzen um 30 % weniger Wasser als Mais für den selbe produzierte TM brauchen. Dann fangen sie, wenn es warm genug ist, explosionsartig zu wachsen an. Die meisten Sorten haben eine schwache bis sehr schlechte Standfestigkeit, weshalb man in den meisten Jahren Probleme mit Lager und mit der Erntetechnik hat.
Sillierbarkeit ist sehr gut, gefressen wird das Futter auch sehr gerne. Die Energie liegt mehr in Form von Zucker und weniger als Stärke vor, im Vergleich zu Mais.

In einer Ananlyse aus 2006 haben wir folgende Werte gehabt:
TS 20 %, in der TM 4,9 % RP, 35 % RF, Umsetzbare Energie 7,92 MJ, NEL 4,50 MJ. Auffallend war ein Kalium : Natrium Verhältnis von 153 : 1

Was auch noch auffällt, die Pflanze scheidet an den Wurzeln Blausäure aus. Da wächst nicht einmal mehr der Ampfer. Und bei Getreide oder Mais als Nachfrucht sind deutliche Mindererträge auf den Parzellen, wo Hirse war, gegenüber Mais als Vorfrucht. Letztes Jahr hatten wir Ackerbohne auf so einer Fläche, die war nach Biomassehirse deutlich schöner, als nach Getreidevorfrucht. Wahrscheinlich hat die Hirse durch das hohe Nährstoffaneignungsvermögen bei Stickstoff radikal \"aufgeräumt\"

Gottfried


josefderzweite antwortet um 24-11-2013 09:43 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Hirse
@ 179781

Probleme bereitet mir der Freund Maiswurzelbohrer.

Deine Inhaltsstoffe sind von Sudangras oder von Silosorghum? Und du fütterst damit deine Stier? Nur Hirse oder Sudangras oder mais auch noch? Ist ein so hohes Kali:Natri Verhältnis nachteilig?

Sudangras soll ja aufgrund der Blausäure bei geringer 'Wuchshöhe giftig sein (Google).

Interessant ist für mich die Produktion von hohen Mengen an Grundfutter auf geringer Fläche bei mässiger bis starker Trockenheit.



179781 antwortet um 24-11-2013 10:46 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Hirse
Das war damals Biomassehirse Goliath. Etwa 0,75 ha in einem Feld mit 7 ha Mais. Das hat es beim silieren "mitgerissen". Vom Volumen her ist da mehr herausgekommen als beim Mais. Laut unserem Futterberater ist das Futter nichts wert, aber ich kenne Leute, die das in größerem Umfang als Winterfutter für Mutterkühe und Jungvieh einsetzen und dort sind die Tiere in sehr guter Kondition.
Das müsste man genauer verfolgen. Zwischen dem, was in einer Analyse auf Grund der chemischen Zusammensetzung errechnet wird, und dem was die Tiere machen draus, ist doch noch ein ganz schöner Unterschied. Es gibt auf jeden Fall Sorten die speziell für den Einsatz in der Rinderfütterung gezüchtet werden. Ausserdem haut es den meisten Fütterungsberatern sowieso den Vogel heraus, wenn sie wo mehr Rohfaser sehen. Die haben zu wenig Vertrauen in die Fähigkeiten von Wiederkäuern.

Ich würde das Futter nicht gleich als genereller Ersatz für Mais einsetzten, bevor nicht mehr Erfahrungen zu Sortenfrage, tatsächlicher Nährwert usw. vorliegen.
Zudem wird der Maiswurzelbohrer dort, wo ihn die Maisspezialisten in großem Umfang vermehren realativ schnell lernen, dass alle Hirsearten nahezu ident mit Mais sind und sich auch davon ernähren und vermehren.
Ich kenne deine Voraussetzungen nicht, aber um viel Futter zu erzeugen und die Probleme des hohen Maisanteiles zu lindern ist bei uns z. B. Luzerne mit etwa Grasanteil eine interessante Frucht. Bringt hohe Masseerträge, steht mehrere Jahre auf dem Feld, wurzelt sehr tief, daher Trockenheitstolerant, ist ein ausgesprochen gesundes Futter in einer Grundfuttermischung mit Mais, spart/ersetzt Sojaschrot usw.
Was auch geht sind Gemenge von Hirse, Sonnenblume, Ackerbohne usw. nach Grünschnittroggen. Da hast du auch hohe Massererträge und musst halt, genau wie bei Luzerne mehr Getreideschrot einsetzen in der Mast. Da kenn ich zwei user im forum, die das machen.
Hohes K:Na Verhältnis im Futter ist ungesund, aber das soll jetzt jemand anderer erklären. Und das mit der Blausäure ist so, wie du gelesen hast.

Gottfried


josefderzweite antwortet um 24-11-2013 13:02 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Hirse
In erster Linie geht es mir darum dass ich für die Mutterkühe keine Futtermischung mit gehäckseltem Stroh verarbeiten muss um den Rohfasergehalt zu erhöhen, sondern gleich vom Feld weg ein Massenfutter habe mit gutem Rohfasergehalt.
Eine Mutterkuh muss man nicht mästen, sondern soll fit und vital sein.

Vorallem ob es Auswirkung auf Fruchtbarkeit hat wäre interessant.
Es wird so manch einem aufstoßen der nur in die Energierichtung arbeitet, aber mir geht es auch um den Rohfasergehalt. Erst wenn der Pansen arbeitet und nicht gleich auf die Hüften schlägt ist eine Mutterkuh glücklich.

Sudangras hört sich in diesem Zusammenhang recht gut an. Aber wahrscheinlich werde ich beim Grünschnittroggen verbleiben solange es keine anständigen Ergebnisse und Sorten gibt.

Luzerne will auf meinen Böden nicht so recht gedeihen. Wird meist vom Raygras erdrückt.


179781 antwortet um 24-11-2013 14:17 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Hirse
Unter den Voraussetzungen dürfte Grünroggen nicht schlecht passen. Den kannst du in der Blüte ernten, dann hast du eine Menge Futter, die deinen Vorstellungen entspricht. Ich habe das schon öfter gemacht. Inakarnatklee dazugesät, der bringt ein wenig Eiweiss dazu und sieht so schön aus, dass man ihn gar nicht abmähen möchte. Allerdings muss die Siliertechnik tiptop sein, sonst geht das schief. Die angehängte Analyse ist von so einem Futter. Das haben wir am 25. Mai siliert. Da war Luzerne druntergesät, die soll noch bis nächstes Jahr stehenbleiben.
Man kann nachher auch umbrechen und eine Futtermischung oder eben eine Hirse nachbauen. Die braucht aber dann gute Düngung, weil der Grünroggen ordentlich N aufgenommen hat.
Die Sämereien für Grünroggen und Inkarnatklee vermehre ich mir immer selbst, weil die sind relativ teuer und da bekommt man gleich soviel zusammen, dass es für längere Zeit reicht.



Gottfried






 


agrisem antwortet um 27-05-2015 10:02 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Hirse
Leider habe ich das Landwirt Forum erst jetzt gefunden. Ich beschäftige mich seit etwa 10 Jahren mit Sorghum (Kulturhirse). Dazu gehören Züchtungskooperationen, Sortenprüfungen in Deutschland , Österreich und weiteren EU-Ländern. Aktuell ist unsere Firma Agrisem an Prüfungen der Ages und einiger Versuche österreichischer Kammern mit Körnerhirse Sorten beteiligt. Sortenbeschreibungen, Versuchergebnisse, Qualitätsanalysen und Anbauhinweise für 2015 finden Sie auf unserer Internetseite: www.energiepflanzen.net. Möglicherweise ist noch Saatgut lieferbar.
Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie mir: agrisem@energiepflanzen.net oder rufen Sie mich an: 0049 1632505005
viele grüße,
Friedrich Jäger
Geschäftsführer der Agrisem


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