mfj 18-09-2012 12:19 - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...


Letzte Woche war ich im Schwarzwald.

Dort gibt es sie noch...die Altbauern und Altbäuerinnen die mit Gehstock und Mostkrug am Hauseingang sitzen, und dem Treiben und Geschehen am Hof zuschauen.

Die Gespräche mit Ihnen waren toll – weil sie sich abseits von Seniorennachmittagen und „Essen auf Rädern“ abspielen.

Sehr erstaunt war ich, als es über „alte Zeiten mit Hofnachfolger ging..“
Mehr als einmal wurde mir bestätigt, dass männl. Hofnachfolger – sofern sie nicht die Natur gönnte – einfach getauscht wurden.

Die Tauschstelle bzw. unoffizielle Behörde war die Hebamme.

Es fand natürlich mit Zustimmung der jeweiligen Eltern statt.... und so konnte manch ein Bauernpaar dass bereits etliche Söhne hatte – einen Sohn abgeben und eine Tochter samt einer guten Kuh oder einem starken Zugochsen eintauschen.

Beiden war geholfen. Die Tauschkinder erfuhren fast nie etwas davon – es wurde auch darauf geachtet – dass der Geburtstermin ähnlich war.

Meine Frage – gab es das in Österreich auch... schließlich waren Bauern überall nach dem 4 Mädchen in arger Not.
Weiß jemand eine Geschichte darüber ?





soamist2 antwortet um 18-09-2012 13:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
http://www.sagen.at/





Christoph38 antwortet um 18-09-2012 15:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
was früher öfter vorkamm, war dass Bauern ohne männliche Nachkommen einen Buben aus der Verwandschaft adoptierten als Hofnachfolger.

Vor allem bei größeren Bauern war ein Hofnachfolger ein "must have", obwohl es den Begriff noch gar nicht gab. ;-)

Von einem regelrechten Tausch habe ich nie gehört.
Nach der früheren Denkart wäre dann ja ein Tauschpartner doppelt geschädigt, er gibt einen Bub und bekommt ein Mädchen. ;-) Um evtl. Missverständnissen vorzubeugen darf ich noch anmerken, dass ich mich von einer solchen überholten Denkart klarerweise vollkommen distanziere bzw. solches Denken überhaupt verurteile.



AnimalFarmHipples antwortet um 18-09-2012 15:43 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
He, mein Lieblingsposter ist wieder mal da, welcome back !

Vom Kindertauschen hab ich noch nie gehört, allerdings geh ich jede Wette ein daß die Geschichten von der Katz, die angeblich beim Schlafen in der Wiege das Baby erstickt hat, allesamt net stimmen.
Ließe sich sicher anhand der Pfarrchroniken irgendwie auch satistisch nachweisen daß das hauptsächlich Mädchen waren die so ums Leben gekommen sein sollen ...


179781 antwortet um 18-09-2012 18:07 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
Bei uns war es zumindest so, dass Hofnachfolger erst heiraten "durfen", wenn ihre Braut schwanger war. Damit war zumindest einmal die Fruchtbarkeit gesichtert. Dass Neugeborene getauscht wurden, kann ich mir bei unseren Vorfahren sehr schwer vorstellen.Eventuell noch in der VErwandschaft aber sonst nicht. Die hielten doch noch vielmehr auf die "Abstammung" als man es heute noch tut. Das sich da einer einen Wechselbalg auf den Hof holt, kann ich mir nicht vorstellen. Aber der Schwarzwald ist wohl eher allemanisch besiedelt. Die können durchaus andere Wertvorstellungen als unsere Bajuwarischen Sturköpfe haben.

Gottfried


Fallkerbe antwortet um 18-09-2012 18:13 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
In unserer Gegend kam es früher öfter vor, das man kinder "angenommen" hat, oder es gibt auch den ausspruch, diesen oder jenen " hat man dort aufgezogen"
das bedeutet, es waren nicht leibliche kinder, sondern man hat sie halt aufgezogen.

Meistens in der näheren verwantschaft, entweder zu junge mutter, oder auch oft, wenn mutter oder vater früh verstorben sind, wurden kinder innerhalb der verwantschaft vergeben.


Was wohl auch öfter vorkam ist, das die Oma als Mutter auftrat, wenn das Kinmd unehelich schwanger wurde.


tiroler antwortet um 18-09-2012 18:35 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
ein lediger bub wurde in unserer gemeinde für eine trächtige kalbin abgegeben.
diese frau heiratete einen bauern und bekam nur mehr mädchen.
wurde bei uns im dorf erzählt und dürfte nach dem 1.wk gewesen sein.


helmar antwortet um 18-09-2012 19:21 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
Also mein alter Herr hätt bei mir wohl 2 Kühe mitgegeben.....;-).
Mfg, Helga


tch antwortet um 18-09-2012 19:58 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
....:-) 5, mit dem Versprechen das sie Dich nicht zurückbringen....:-)

trauriges Thema....


tch


walterst antwortet um 18-09-2012 20:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
Das "Aufziehen" war sicher weit verbreitet und nicht automatisch etwas schlechtes, auch mit heutigen Wertvorstellungen betrachtet. Da kam wohl insgesamt die ganze Bandbreite von gut bis böse zur Geltung, für den Einzelnen muss es nicht so schlecht gewesen sein. Man könnte ja mal Willi Molterer, geborenen Kletzmayr fragen....


mfj antwortet um 18-09-2012 20:38 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...


Als mir ein Altbauer diese Geschichte das erstemal erzählt hat, dachte ich mir auch – solche Gruselgeschichten haben früher halt den „Krimi od. Horrorfilm“ ersetzt.

Und es war ja nicht an der Tagesordnung. Die Vielkinderfamilien die um die Jahrhunderte überall und auch im Schwarzwald waren, hatten nicht unbedingt ein Geschlechterproblem.

Sieben Mädchen hintereinander wird es wohl kaum gegeben haben – oder er war so selten wie ein Lotteriegewinn...
Das größere Problem war sicher die Gesundheit der Mutter, und die Unsicherheit wie viele Kinder gehen sich noch aus.
Jede sechste Mutter starb an Kindbettfieber dazu noch TBC etc. und zu guter letzt die verrückte Kindstaufe im Mutterleib...wo meistens Mutter und Kind sowieso starb.

Wenn nach der zweiten Geburt immer noch kein Bub die Augen öffnete, zogen schon die ersten Sorgenfalten auf Vater´s Stirn...und wäre es anders als Heute – kamen schon die ersten guten Ratschläge...alles natürlich zum Besten - für den Hof und den Geschlechtsnamen.

Eine Altbäuerin im östlichen Schwarzwald hat diesen seltenen aber doch realen Kindstausch bestätigt. Bewiesen ist er natürlich dadurch nicht. Darum frage ich weiter nach – ob das ein Thema in anderen Gebieten war.

Noch was erklärendes und wichtiges dazu. Die Schwarzwaldhöfe sind keine Herrschaftsbesitze. Sie (waren) sind klein, armselig und mühsam. Knechte und Mägde waren die Ausnahme. Man musste seine Arbeit selber schaffen. Starb die Frau – waren die Chancen gering, Ersatz zu bekommen.
Da taten sich die württenbergischen und badischen Betriebe schon leichter, es waren Großbauern mit viel Besitz und Ansehen. Fand sich nichts passendes, wurde einfach eine Magd geheiratet...


P.S.
Danke Tria und AFH für Euren Willkommensgruß !

Der Grund für meine Abwesenheit hatte zwei Gründe.
1) Mein neu hinzugekommenes Aufgabenfeld forderte fast alle Zeit...
2) Ich spürte in mir eine „Forums-Sucht“ aufsteigen...und Süchte sollte man heilen bevor sie unkontrollierbar werden ;-))





dahans antwortet um 07-10-2012 21:40 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
ist doch ganz einfach einen Buben zu bekommen ,entweder bei der Zeugung Gummistiefel anziehen ,oder bei der Frau auf die Körpertemperatur achten !


Paul10 antwortet um 07-10-2012 21:59 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Als die Hebammen noch Erbhöfe retteten...
Wir hatten früher im dorf einen Arzt der sich um das Wohl seiner Patienten kümmerte............ Er ließ Kinder,,verschwinden``, oder er kümmerte sich um nicht schwanger werdende.
Er hatte 2 kinderlose Ehepaare als Patienten. Da schlug er mal einen Partnertausch vor.......... Das machte die auch. Ein Tauschpaar wurde auch schwanger. Das Kind blieb bei seiner Mutter. Das zweite Kind kam zum Vater.
War doch ne gute Idee oder?
Gruß Paul


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