Wiederherstellung von einem Acker

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Fehring 22-08-2012 13:15 - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Hallo

Wir sind eine kleine Gruppe, die einen (mehr oder weniger kleinen) Teil ihrer Selbstversorgung mit einfachen Maschinen (kein Traktor, höchstens Miete) und ohne Einsatz synthetischer Inputs (Pestizide, Kunstdünger) decken will. Wir haben dazu eine ehemalige Landwirtschaft unter die Fittiche genommen, insgesamt 2,5 ha, mit Wald, ehemaliger Weide, Streuobstwiese und verbrachtem Acker.

Der verbrachte Acker ist insgesamt rund 0,8 ha groß. Der kleinere Teil ist mit ca. 10 Jahre alten Birken bestanden, die wir zum Teil zu entfernen begonnen haben. Der größere Teil ist baumfrei, aber von zum Teil Goldrute (herdenweise), Reitgras, stellenweise Brombeere etc. bewachsen, zum Großteil eher locker, außer bei den herdenbildenden Unkrautarten. Mitunter ist bereits eine Grasnabe ausgebildet. Der Bode ist sandige bis lehmige Braunerde (wechselt), Wasserhaushalt ist großteils vermutlich gut bis sehr gut, außer auf dem (flachen) Rücken, Nährstoffhaushalt vermutlich mäßig. Lage ist submontan (ca. 300 m), Flächen sind teils eben, teils nach NW geneigt.

Vielleicht kann uns jemand weiterhelfen und korrigieren oder Tips geben. Momentan erachten wir am sinnvollsten, beim Maschinenring anzufragen, die baumfreie Ackerbrache mit Motorfräse umzubrechen und zu eggen. Gibt es hier Eurer Erfahrung nach ein Problem?

Dann würden wir Ende Sept. Fazelia einsäen. Da die Fläche zwar für traktorlose Bearbeitung groß, aber auch nicht zu groß für eine kleine Gruppe ist, wie wir glauben, würden wir den entstehenden Mulch mit dem Rechen beiseite schieben, wo zu säen ist.

Mittelfristig denken wir allerdings an die Anschaffung einer handgeschobenen Motorfräse für diesen Zweck - ist sowas dafür geeignet? Welches Modell?

Im Frühjahr denken wir an Kürbis, der scheint am einfachsten in der Saat und Pflege sowie Ernte zu sein. Was meint ihr?

Denkbar sind für uns auch Erdapfel, Bohne, Mais (die beiden letzteren ev. in Mischkultur, was aber wieder anspruchsvoller ist). Allerdings dürften die vor Jahrzehnten noch eingesetzten mit Hand geschobenen dafür sinnvollen Geräte für Erdapfelsaat und -ernte kaum / nicht mehr erhältlich sein? Wer hier Tips zu einfachem Erdäpfelgerät hätte, würde uns sehr helfen!

Die Unkrautbekämpfung planen wir mittels Weedmaster (Allround Gerät, das für Gemüsebetriebe bis 2 ha angeboten und allg. offenbar für gut befunden wird; Importeur ist Firma Kress in Deutschland, in Österreich gibt es keinen Vertrieb). Der kann auch als Saatmaschine, zum Anhäufeln und zum Abflämmen eingesetzt werden.

Hat jemand mit dem Weedmaster Erfahrung?

Eine letzte Frage betrifft den kleineren Ackerteil, wo wir einen Teil der Birken entfernen. Hier ist auch Gründüngung und dann Einsaat von ev. Erdapfel geplant. Da die Stumpen im Boden bleiben, ist an mechanische Bearbeitung eh nicht zu denken. Wir nehmen an, dass auch eine traktorgezogene Motorfräse hier sinnlos ist. Wenn jemand schon mal so ein Problem hatte: wir sind für jeden Tip dankbar! (Die Birken stehen ziemlich locker, sodass die Pflanzung als solche unproblematisch wäre, aber ohne technische Erleichterung stattfinden muss.)

Dank Euch, Andreas




Fehring antwortet um 22-08-2012 14:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
hi tria

herzlichen dank für die hilfreiche rückmeldung!!!!!

sowohl was fräsen (motofräse, forstmulcher) als auch weedmaster angeht.

nö, so sehr stehen wir auch nicht auf kürbis :)))) ....allerdings will zumindest ich nur ungern risiken eingehen, noch dazu wo wir grad mal begonnen haben - und besser die fläche ist mal wieder in nutzung und mit überhaupt einer feldfrucht bewachsen als mit gar keiner.

allerdings: erdapfel, bohne, mais würd uns schon reizen. bislang ist uns noch nichts eingefallen, was sonst noch relativ einfach ginge. - ? - bei erdapfel wirds wohl auch auf schlichte händische bearbeitung wie vor 200 jahren hinauslaufen; obwohl diese alten saat- und erntemaschinen vermutlich schon manches einfacher machen würden...

alles andere wird vermutlich schwierig, weil entweder maschinenintensiv oder sonst pflegeintensiv??

das grundstück ist für die gruppe nicht grad "ums eck" und wir können nur am wochenende was machen dort, und das auch nicht jedes mal, damit fallen salat & co. aus.

deine info zur händischen freihaltung von 2 ha kürbis ist ermutigend!!!


payment antwortet um 22-08-2012 14:47 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
pazelia, erdöpfel, kürbis, vergesz den scheiß, mais miasz anpflanzen, dann kinnts nakat umadumrenna und es brennt euch net auf....., und versorgen kinnts euch ah min mais-maisbrot,
de man i ernst,
denkts drüber nach- de mehrheit siegt



traktorensteff antwortet um 22-08-2012 14:56 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Schönes Projekt, wenn ihr eine nicht bewirtschaftete Fläche wieder produktiv nutzen wollt.

Naja, es gäbe sicher einiges zu sagen.

2,5 ha sind einiges und da würde sich natürlich auch viel mehr anbieten, wie z.B. Schafhaltung. Nur gehe ich davon aus, es sind keine Gebäude vorhanden und womöglich ist das auch nicht gewollt. 2,5 ha ist für "eine kleine Gruppe" (wie viele Personen sollen versorgt werden?) schon fast zu viel. Die 8000 m² reichen sicher aus. Ich würde vom Maschinenring die Ackerfläche mit einer Umkehrfräse bearbeiten lassen. Dann ist wenigstens schon mal die Bodenstruktur locker. So früh wie möglich, dann wächst euch heuer noch ein bisschen Gründüngung. Ich würde allerdings eine Mischung nehmen, nicht nur Phacelia, auch etwas Schnellwachsendes wie Senf.

Die Birken würde ich, wie tria sagt, zu Brennholz verarbeiten. Dann wäre die Frage, was ihr mit der Fläche macht. Ich würde die Fläche auch fräsen lassen (birkenstümpfe müssen weg, die ärgern euch nur) und Beerenobst wie Himmbeeren, Heidelbeeren usw. pflanzen. Mit Rindenmulch rundherum und Grasfläche dazwischen, die man mit einem Rasenmäher pflegen kann. Ist der verwilderte Wiesenteil eben und mit einem Rasenmähertraktor befahrbar? Der größte Feind wird nämlich das Unkraut werden und Unkrautzupfen verdirbt den Spaß. Ganz sicher beim Kürbis, unter dem das Unkraut wuchern wird. Für 200 m² (oder so) Speisekürbis, würde ich das Gras von der Wiesenfläche mähen und als Mulch Ende Mai um die Kürbisse legen. Dann hat das Unkraut fast keine Chance. Das selbe gilt für Erdäpfel, die per Hand auch schwer unkrautfrei gehalten werden können. Bei einer Fläche von 200 m² bekommt ihr schon mehr Erdäpfel, als ihr essen könnt!

Wie gesagt, selbst für 10 Personen sind 8000 m" mehr als genug. Ich würde 1/4 der Fläche jedes Jahr mit Gründüngung bebauen.

Ihr werdet einen EInachser brauchen, alleine schon für das Abfahren eurer Ernte, falls die Fläche nicht mit dem Auto befahrbar ist. Wenn es ein leichter Boden ist, ist das Pflügen mit so einem Iseki, den man um 300-400 Euro gebraucht bekommt, kein Problem. Ich habe ja keine Ahnung von den Verhältnissen oder euren Vorstellungen, aber bei 8000 m² würde ein kleiner Kubota-Traktor um die 4000 Euro schon sehr hilfreich sein. Oder ihr kauft euch 2 Motorfräsen und arbeitet parallel. Ansonsten ist die Fläche echt zu groß. Aber generell würde ich empfehlen, einmal klein anzufangen, Erfahrungen sammeln und langsam mehr anzubauen. Im ersten Jahr würde ich 4000 m³ mit Gründüngung, Sonnenblumen usw., über den Sommer gehen lassen. Dem Boden wird es sicher auch gut tun.

Was ihr auch machen könnt: Macht euch an einer Stelle, vielleicht auf dem jetzigen Wiesenstück, kleine Beete, die nicht breiter als 1 m sind. Holz als Umrandung und etwas (10-20 cm) erhöht. Das ist viel leichter unkrautfrei zu halten als ein kompletter Acker. Dort könnt ihr auch Kulturen wie Knoblauch besser anbauen, intensiver mit Kompost düngen usw. Dort geht auch Wurzelgemüse wie Karrotten gut. Dazwischen wieder Gras säen. Auf jeden Fall einen Kompostplatz errichten oder besser mehrere, damit man nicht so weit gehen muss.

Ah, ja, das Ding heißt kartoffelpflug oder Kartoffelroder (auf Ebay gibts Bilder und Kaufangebote).
Abseits von Erdäpfeln, Bohnen und Mais fällt mir auch kein Gemüse ein, dass man großflächig anbauen und verbrauchen kann. Kraut müsste man mit einem Schädlingsnetz schützen. Rüben gehen auch, mag aber nicht jeder essen. Zwiebeln gehen auch noch, die sind aber im Geschäft relativ billig und der Anbau ist eher aufwändig. (Unkraut, Gießen, usw.)

Ich wünsche euch viel Spaß!

@ payment
Gerade Mais ist ohne gute Bodenbearbeitung und Kunstdünger keine einfache Kultur. Außerdem müsste man den Mais auch mahlen lassen.


Tyrolens antwortet um 22-08-2012 15:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Tja, so einfach könnte es sein. Nimmst du Totalherbizid, dann Direktsaatmaschine mit guter Unterfußdüngung und schon wächst es, ganz ohne dabei die gute Bodenstruktur der Brach zu verstören.


Wurm antwortet um 22-08-2012 15:39 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
@fehring

Wo ist den das ganze irgendwie kommen mir das ganz bekannt vor!

nur der Name mit Fehring irritiert mich ein wenig!

den wen das da ist wo ich es mir denke kannst du sämtliche geräte von mir Haben!

Wenst du es nicht öffentlich machen willst kannst du mir ja eine privat nachricht schicken!



payment antwortet um 22-08-2012 16:40 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
geeehhh bitte, und des andere wachst ohne dünger oder was, und außerdem gibts so handmahlgeräte aber da muß mann als nakerta a bisl aufpassen


Fehring antwortet um 22-08-2012 17:22 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
hi traktorensteff!

das sind nochmal sehr sehr tolle hinweise und empfehlungen!

sehr beruhigt mich der zweimalige hinweis, dass man die birkenstümpfe (sind ja nicht dick) offenbar ganz gut per fräse mechanisch entfernen kann!!

die gruppe sind derzeit 5 erwachsene, wobei wir erst begonnen haben, das heißt sowohl leute wegfallen als auch dazu kommen können. sofern uns - was für ein notfall! - was übrig bleiben würde oder die erdäpfel bei den ohren rauswachsen, wovor ich aber keine angst habe, dann wird das einfach verteilt. gegessen wirds wohl werden.

ja, 0,8 hektar sind sicherlich viel und der ratschlag eher mal kleiner bzw. stückweise zu beginnen weise. dass auch du mal die ganze fläche "saatfertig" / bearbeitbar machen würdest, beruhigt mich, denn das würden wir eigentlich auch ganz gern so handhaben, damit man mal die brache weg hat.

1/4 als gründüngung übers jahr rotieren zu lassen ist ein supertip!

irgendeine einfache maschine, und seis ein billiger kleiner traktor, wird sicher notwendig sein. bei dem von dir genannten preis ist das auch gut machbar. danke nochmals!! der kubota schaut ziemlich passend aus!

ja, der boden ist leicht, insofern ist auch der iseki tip super! mal schauen, ob es da auch einen passenden kartoffelroder (danke für den gerätenamen) dazu gibt, falls das überhaupt im ersten jahr sinn macht.

wegen umkehrfräse frag ich nach, das scheint der beste weg. danke auch für den tip, eine gründüngungsMISCHUNG zu nehmen, klingt plausibel.

die birken werden in der tat in den ofen wandern, es gibt zwei kleine bewohnbare gebäude am grundstück, die damit was anfangen können. beerenobst für den jetzt mit birken bestandenen ackerteil ist ehrlich gesagt ein tip, der was für sich hat und uns noch nicht in den sinn kam! das wär echt zu überlegen.

der wiesenteil ist "leider" eher steil und südexponiert (ich halte es für eine früher als weide bewirtschaftete fläche, weil eine der magerweiden-schwingelarten dominiert, horstbildend, da ungepflegt, und auch sonst die flora nach weide aussieht; es fehlt aufrechte trespe und all die anderen typischen magerwiesenarten).

da gehören wohl nur schafe drauf, denn mähen kann man das ganze nicht wegen der schwingelhorste. zudem wär das heu wohl nicht der beste mulch, für das wenige, was man rausholen kann. die fläche wurde unseres wissens nach zumindest einmal in den letzten 10 jahren geschlegelt, vielleicht auch mehrmals, jedenfalls sind noch keine bäume aufgekommen und keine sträucher.

im anschluss daran gab es "früher" allerdings (laut alten karten) einen weingarten und auch noch acker. aber das ist fürs erste zu mühsam, weil steil.

was das unkraut beim kürbis angeht: die goldrute wird sicher schwierigkeiten machen und auch sonst allerhand. tria berichtet, dass eine 2ha kürbisfläche per hand unkrautfrei gehalten werden kann. aber das war ja keine ex-brache in dem fall.

ob wir wirklich beete anlegen wird sich zeigen, zwar kann man intensiver düngen etc., aber "intensiv" heißt eben auch: mehr zeit vor ort.

@geräteborgen: das grundstück befindet sich ca. 7 km südlich von fehring, bei petersdorf

@mais: das wär eher nur eine "spielerei", denn in der tat hab ich das auch als eher anspruchsvoll eingeschätzt, und das zu einer mühle zu führen erhöht den aufwand unnötig

@chemie: sicher ginge das, aber das wollen wir halt nicht.

danke euch allen von ganzem herzen!!



kuhlinarrisch antwortet um 22-08-2012 17:36 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Hallo!

In kleinem Umfang wäre möglich: einzelne Weinstöcke, Ribisel, Himbeeren, Obstbäume (Äpfel, Birnen, etc.) Sind nicht soo pflegeintensiv und man hat doch was davon (Marmelade, eingelegte Früchte, Mus, getrocknete Früchte usw.)

Sellerie, Rote Rüben, Rettich, Radieschen

Hatte heuer bei mir im Hausgarten das alles quasi ohne Pflege, und ist was geworden. Also im kleinen Umfang für den Eigengebrauch sollte es halbwegs funktionieren.

Alles Gute!

kuhlinarrisch


Fehring antwortet um 22-08-2012 19:48 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
ja, an weinstöcke hatten wir auch schon mal gedacht, das wäre eher was mittelfristiges... interessant auch deshalb, weil der südhand mal einen weingarten trug (nichts mehr zu sehen davon).

vielen dank auch dir!!!


Steyr-8070 antwortet um 23-08-2012 09:07 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Hallo

Wie viel ha Wald und Grünland hast du ?

Sonst könntest du ein paar Hühner halten versorgen kannst du sie mit dem was du auf dem Feld anbaust. Bei den Acker würd ich dir auch raten Sträucher, Erdäpfel und Weinstöcke du könntest auch ein wenig Mais und Getreide ausprobieren. Einen kleinen Traktor würd ich mir schon kaufen 0,8 ha händisch zu bearbeiten dauert eine Zeit. Wie einen 30er Steyr der tuts schon

Beste grüße aus OÖ


Fehring antwortet um 23-08-2012 10:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
hi, danke für deine mail!

da die gebäude ziemlich prekär bzw. verfallen oder nur klein sind, kommt durchgehende betreuung von tieren derzeit leider nicht in frage. wald ist 0,5 ha, aber für uns momentan kein schwerpunkt . grünland und ehemalige streuobstwiese (die meisten bäume sehr alt und am absterben) ca. 1 ha. das ist für uns momentan auch eher mal zweitrangig, außer dass wir eine verbuschung verhindern wollen.

mais würd uns eh interessieren, aber eher als "spielerei", für getreide ist glaub ich die fläche doch zu klein und das ganze zu aufwendig.

kannst du mir eine exaktere typenbezeichnung für das genannte traktormodell "30er steyr" sagen? (dann könnt ich es googeln)

einen kubota, den traktorsteff empfahl, fand ich im netz als angebot, und der schaut recht passend aus (echt klein, nur das nötigste).

lg!


Steyr-8070 antwortet um 23-08-2012 12:30 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Gib einfach Steyr 30 plus ein dann bekommst ein paar Bilder oder mehr Informationen. Wahrscheinlich müsstest du ihn gebraucht kaufen es gibt auch andere Steyr der plusserie 40, 40a, 50
Aber der Kubota wäre auch eine gute Idee !!


Fehring antwortet um 23-08-2012 12:46 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
ok, herzlichen dank nochmal!!


Steyr-8070 antwortet um 23-08-2012 12:55 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Wünsche gutes Gelingen mit ihren Acker !


AnimalFarmHipples antwortet um 23-08-2012 14:18 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Also ich kann Euch eins sagen:
In punkto Unkraut werdet Ihr nicht ohne Herbizide auskommen.

Ich hab voriges Jahr auf 4 Ar Futterrüben angebaut, als der Acker ungefähr zur Hälfte unkrautfrei war, hab ich aufgegeben und mir gedacht, ich hätte mir halt mehr Zeit zum Unkrautjäten nehmen müssen (der Ertrag war trotzdem gut, auch dort wo das Unkraut war, für den Verkauf hätten sich die teils schneckenverbissenen Rüben aber nicht geeignet, Lagerfähigkeit im Erdkeller war aber trotz Schneckenverbiß ok, hab die letzte Rübe erst vor 14 Tagen verfüttert).

Heuer hab ich denselben Acker auf 5 Ar vergrößert und Mais gesäht.
Dazu hab ich schon im Herbst geackert und im Frühjahr nocheinmal geeggt und das dabei zutage geförderte Wurzelwerk weggebracht.
Nach der Aussaat war es längere Zeit trocken, der Mais ist nicht gekommen, aber dafür das Unkraut.
War aber noch überschaubar und deshalb bin ich dem Rat des Nachbarn, Glyphosphat (Roundup) zu spritzen, nicht gefolgt, weil das bißl Unkraut derzupf ich doch locker.

Bloß: Dann kam der Regen, der Mais hat gekeimt, aber das Unkraut ist noch weitaus mehr und natürlich auch schneller aufgegangen.
Hab mich also seit Ende Mai konsequent jeden Tag eine Stunde lang hingestellt und Unkraut ausgerissen, und aber praktisch täglich mit noch geringerem Fortschritt weil das Unkraut zunehmend verholzt und es immer schwieriger wird, den Mais nicht gleich mit auszureißen.
Obendrein: Dort wo das Unkraut weg ist, neigt der Mais jetzt zu Windbruch bzw. ist durchs Ausreißen der Boden momentan so locker geworden daß der Mais nimmer allein steht, umfällt, eingeht ...

Hab also auch heuer wieder aufgegeben.
Inzwischen steht das Unkraut ca. zwei Meter hoch und zwischendrin schaun vereinzelt ein paar Maispflanzen heraus.
Da wirds nix mit dem geplanten Silieren, werd maximal ein paar Scheibtruhen voll Maiskolben rauskriegen und am Schluß den ganzen Acker kleinhäckseln und alles wegbringen.
Und mit dem Unkrautsamen, der da heuer abgefallen ist, werd ich wohl noch mehrere Jahre kämpfen müssen.

Fazit:
Wenn ich im zweiten Jahr und bei an sich guter Saatbeetvorbereitung, aber eben ohne Herbizid, es trotz eines Zeitaufwands von täglich einer Stunde netamal schaff, 5 Ar unkrautfrei zu halten, dann habt Ihr, selbst wenn Ihr alle Eure Wochenenden opfert, bei 0,8 ha ohne Herbizideinsatz erst recht keine Chance.
Da wächst von Montag bis Freitag weit mehr nach als Ihr Samstag und Sonntag wegkriegt.

(Obwohl ich zugeben muß, daß ich Unkrautausreißen als kontemplative Tätigkeit gerade in den Abendstunden durchaus schätze, aber es ist frustrierend zu merken, daß der Kampf schon verloren ist, und noch frustrierender wenn man sich die schönen ordentlichen Reihen der anderen anschaut.)

Meine Meinung.


Fehring antwortet um 23-08-2012 15:54 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Hm.

Das ist natürlich bedenkenswert. Ich persönlich bin gar nicht mal strikt gegen Herbizideinsatz, wenn er sich nicht vermeiden lässt. Allerdings hab ich da ziemlich sicher den Rest der Gruppe und auch den Eigentümer dagegen :). Auch würd ich es gern mal anders versuchen. Jedenfalls weiß ich jetzt, was uns im "Ernstfall" blüht...

Zwar hat hier tria berichtet, dass auch eine noch größere Fläche händisch freizuhalten ist, aber bei uns ist das Problem natürlich die Samenbank der Unkräuter im Boden und die vorhandenen Wurzeln der Ausläufer treibenden Arten.

Ein Landwirt mit unkonventionellen Ideen riet uns zu Mulchen, ebenso wie das hier im Forum auch geschah. Das ist sicher notwendig, vermutlich werden wir uns doch an die Mahd des Südhangs wagen müssen, um das Material zu bekommen. Oder die im Winter zusammenbrechende Gründüngung reicht.

Deine Erfahrung spricht vielleicht dafür, es langsam anzugehen. Andererseits wirds auch nicht besser, wenn man die Brache weiter stehen lässt (ganz im Gegenteil, die Bäume sind wahnsinnig schnell da...).

Jedenfalls spricht es als ein weiteres Argument dafür, sich einen kleinen Traktor anzuschaffen.

Ich weiß nicht, was so generell die Erfahrungen mit Abflämmen sind, aber das wäre theoretisch eine Möglichkeit.

Eine andere wäre die Hoffnung auf eine dichte Gründüngung mit Phazelia und Ackersenf, wie hier vorgeschlagen noch im September. Kommt natürlich darauf an, wie dicht der Mulch ist und wie aggressiv das Unkraut. Es ist in jedem Fall ein Risiko bzw. etwas, was nur die Erfahrung zeigen kann.

Mais wurde hier übrigens als eher schwierig ohne Herbizid und Kunstdünger dargestellt, da würd ich persönlich also wirklich mal die Finger davon lassen.

Sehr vielen Dank für Deine nachdenklich stimmenden weil sicherlich für uns (leider) relevanten Erfahrungen!

LG!


anderson antwortet um 25-08-2012 01:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Hallo,
googel mal Selbstversorgung, da findest du etwas Inspiration und einige Anleitungen.
Zu einem Traktor und einigen kleinen Ackergeräten würde ich dir auf jeden Fall raten. Ausserdem würde ich mich mit dem Thema Hackfrüchte bzw Dammkulturen beschäftigen. Grund? Einiges an Gemüse, Kartoffeln und so weiter lässt sich mit einem Häufelpflug und einer Netzegge leicht pflegen und da reicht ein Durchgang pro Woche.
Nebenbei: Seine Lebensmittel in harter Handarbeit zu erzeugen und sie dann zu spritzen find ich nicht durchdacht.
mfg
anderson


AnimalFarmHipples antwortet um 25-08-2012 04:39 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Ich bin ja prinzipiell auch eher gegen Spritzen, aber es muß wohl sein (auch bei Schädlingsbefall).
Gibt zwar auch tolle Maschinen, die das Unkraut zwischen den Reihen einhäckseln, aber anscheinend nicht bei uns in der Gegend und für mich allein rechnet sich sowas nicht.
Mein heuriger Maisversuch war zwar von vornherein bloß eine Spielerei, aber im Nachhinein betrachtet wars doch auch schad um die viele investierte Zeit, wenn dann gar nix rauskommt. Und so verunkrautet wie der Acker im Moment dasteht schäm ich mich ja richtiggehend dafür.

Hab heute mit meinem Nachbarn gesprochen, wie ich den Acker für nächstes Jahr am besten möglichst unkrautfrei kriege.

Ein Vorschlag war, ihn jetzt abzumähen, das Mähgut zu trocknen, evtl. noch altes Stroh dazu, und den Acker dann abzubrennen; das laß ich aber besser, sind zuviele Gebäude in der Nähe.

Der andere Vorschlag war, sobald als möglich abmähen, das Mähgut gleich wegzubringen, dann ackern und bis zum Frost immer gleich drübergrubbern, sobald sich der grüne Flaum wieder zeigt. Und nächstes Jahr vor der Saatbeetvorbereitung jedenfalls einmal mit Roundup drübergehn und evtl. gleich nach der Aussaat, noch vor der Keimung, nocheinmal.

Wobei: Man muß auch aufpassen - derselbe Nachbar, ein Vollerwerbs-Ackerbauer, der sein Lebtag nichts anderes gemacht hat, hat heuer seine roten Rüben versemmelt (blöd, weil er hätte extra für mich noch etwas mehr angebaut); er meint evtl. hat er etwas zu scharf gespritzt ...


steyr8100chrisi antwortet um 25-08-2012 08:52 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
@AFH
Bei uns steht die Spritze auch schon hinter dem Kipper und fängt den Staub. Bei uns ist eigentlich nie sehr viel Unkraut drinnen. Bei uns ist aber auch ganz viel Sand den man hochackern kann


anderson antwortet um 25-08-2012 14:05 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
Hallo,
da liegt für mich die eigentliche Schwachstelle der Spritzerei: zu stark- alles ist hin, zu schwach- Unkraut freut sich und wird resistent, Aufwand- teuer, Spritzenpickerl, Befähigungsnachweis usw.
Und eben einfach ist es nicht chemischen Pflanzenschutz anzuwenden. Vor allem im kleinen Rahmen kann man leicht drauf verzichten.
mfg
anderson


traktorensteff antwortet um 25-08-2012 14:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
@ steyr8100chrisi
?
Sand sollte man nicht hochackern, besonders wenn auch noch wenig Humus vorhanden ist.


Fehring antwortet um 27-08-2012 00:53 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
hi alle hier!

wir sind momentan nach beratung dieser total hilfreichen antworten und beiträge ziemlich überzeugt, dass wir uns einen kubota oder steyr 30 anschaffen werden. der einzige nachteil bei diesen geräten ist wieder die abhängigkeit von fossilen treibstoffen. ob die mit agrotreibstoff auch gehen weiß ich noch nicht (ev. hier wer?). wir geben den "fossilen" eigentlich nicht mehr allzu lange (peak oil...).

weiters denken wir, dass der mulch ziemlich entscheidend sein wird. und bei erdapfel vermutlich am anfang zudem häufige mechanische unkrautbekämpfung.

@anderson: vielen dank!!

kürbis da im ersten jahr nach der brache wohl eher riskant, da mit traktor da nix mehr geht. wir würdens dennoch gern versuchen, ev. auf kleinerer fläche, wie traktorensteff riet.

eine möglichkeit wär vermutlich mehr als das viertel acker (von den 0,8 derzeit brache hektar) mit gründüngung zu versehen und die fläche mit "essbarem" erst langsam von jahr zu jahr auszudehnen. mal sehen.

spritzen wäre sicher die aller allerletzte möglichkeit und ist wie gesagt eh praktisch ausgeschlossen, weil da einige bei uns dagegen sind, mich grausts auch. dennoch: meine grundsätzliche meinung ist, dass ich limitierten und sachgemäßen herbizideinsatz einem weiterbestand der brache vorziehen würde. produzieren ist immer noch wichtiger als nicht produzieren.

lg




Fehring antwortet um 27-08-2012 08:38 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Wiederherstellung Acker
@anderson: zum thema dammkultur hab ich das hier gefunden: http://www.haeufelpflug.de/cms/start.html
scheint interessant zu sein!


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