Getreidetrocknung - welches Systhem ist zu empfehlen?

Antworten: 12
JD6230 25-12-2011 16:36 - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Hallo,

wir sind derzeit am überlegen, ob wir uns eine Getreidetrocknung zulegen. Da es verschiedene Systeme gibt sind wir uns noch nicht schlüssig, welches System am besten geeignet ist.

Ausgangssituation:
Getreide und Alternativen ca 50 ha ohne Mais.
kein eigener Mähdrescher
ev. ein zwei Fuhren Mais im Herbst

Trocknung nur für Eigenbedarf - keine Lohntrocknung (oder nur in sehr geringem Ausmaß)
10-15 m3 Fassungsvermögen

Ist ein Satztrockner ausreichend, oder soll es doch ein Umlauftrockner sein?
WElche Erfahrungen habt ihr mit diesen Systemen?
Vorteile und Nachteile der beiden Systeme?

vielen Dank.





Jophi antwortet um 25-12-2011 18:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Kommt drauf an wieviel Du trocknen willst.
Ich trockne im Rechtecksilo über die Belüftungskanäle, wenn möglich mit Außenluft.
Nötigenfalls muß halt die Luft angewärmt werden.
Das ist sicherlich die Preisgünstigste Lösung.
Voraussetzung ist natürlich ein zuverlässiges Hygrometer, am besten ein elektronisches eichfähiges. Ohne das brauchst erst gar nicht anfangen.
Zusätzlich zu den Lagersilos mit Belüftungskanälen, ( die Du ja sowiso zum Lagern brauchst ) mußt Du nur noch ein Heizgerät zum Lufterwärmen anschaffen.
Sowas kriegt man auch günstig gebraucht.

Wenn Du Dich für einen Durchlauftrockner entscheidest wirds deutlich teuerer, aber auch komfortabler.


179781 antwortet um 25-12-2011 18:26 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Wir haben einen 30 Jahre alten Satztrockner. Für das tockenen von Getreide, das mit etwas überhöhter Feuchtigkeit vom Feld kommt, reicht der allemal, zum Maistrockenen ist das System nicht so gut geeignet. Bei hohen Feuchtigkeiten steigt der Dunst im aufgeschütteten Material hoch und macht die oberen Schichten noch feuchter.
Einen Vorteil hat so ein Satztrockner auch. Man kann auch kleine Mengen oder "Extrawürste" damit trocknen. Etwa eigenes Nachbau-Saatgut, wo man mit niedriger Temperatur und meist auch geringen Mengen arbeiten muss. Wir haben sogar schon Schnittpetersilie oder Pfefferminztee getrocknet.

Noch wichtiger als das Trocknersystem würde ich aber das Umfeld sehen. Ein Trockner, der allein auf weiter Flur steht ist Stückwerk. Wenn du den mit Lagersilos, einem ordentlichen Elevator und einer guten Vorreinigung und vor allem einem großen Vorbehälter kombinierst, dann ist das eine feine Sache.
Vor allem eine Lagermöglichkeit vor dem Trockner ist sehr viel wert. Das kann auch ein überdachter Lagerplatz vor der Elevatorgrube sein. Dann kannst du beim Dreschen vormittags mit etwas Überfeuchte anfangen, den Tag über gut trocken einbringen und bis in die Nacht hinein fahren. Feuchtes Getreide kommt in den Trockener oder auf Lager und trockenes gleich ins Silo. Mit solchen Voraussetzungen werden sich die Lohnunternehmer freuen, bei dir dreschen zu können und auch über die Konditionen wird sich besser reden lassen, als mit Kundschaften, wo der Drescher um 3 Uhr Nachmittag am Feld stehen soll und dann nur drei Kipper voll dreschen.

Gottfried



JD6230 antwortet um 25-12-2011 19:07 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Eine Getreideanlage ist vorhanden. Es geht eingentlich nur darum, flexibler zu sein. Oft spielt das Wetter verrückt bei der Ernte und wenn man da die ersten und letzten Fuhren Getreide trocknen könnte, wäre das nicht schlecht.

@Jophi:
wie hoch schüttest du in den Silos auf, damit du trocknen kannst? - Wie ist das Heizgerät und das Gebläse aufeinander abgestimmt?

@Gottfried:
Habe gehört, dass man bei einem Satztrockner das Getreide auf 12 % runtertrocknen muss, damit auch das Getreide in den Ecken des Trockners 14 % hat - stimmt das?



Jophi antwortet um 25-12-2011 20:07 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Hallo !

Die Schütthöhe ist unterschiedlich hoch, je feuchter das Getreide desto niedriger die Schütthöhe.
Bei Getreide über 20 % Wasser würde ich sagen besser nicht mehr als 3 - maximal 4 meter.
Kommt auch immer auf die größe der Partie an.
Auf jeden Fall solltest Du ein Belüftungsgebläse mit eher etwas größerer Leistung wählen.
Den Luftbedarf kann man berechnen, hab aber die Unterlagen nicht zur Hand.
Die Lüfterleistung muß um einiges größer sein als die des Heizgerätes, damit keine angewärmte Luft verloren geht.
Außerdem gibt es die Möglichkeit über einen Regler die max. Lufttemperatur einzustellen, das ist für Saatgetreide wichtig.
Schade daß Du so weit weg bist, sonst könnte ich Dir meine Anlage mal zeigen.


179781 antwortet um 25-12-2011 20:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Wenn du Getreide sicher lagern willst ist 12 -13 % sowieso ein Idealwert, bei 14 heist es schon aufpassen.
In einem Satztrockner ist es immer schwierig, die Feuchte genau zu bestimmen. Es wir von unten nach oben getrocknet und erst, wenn es herausgenommen wird, weiß man wie trocken die Mischung wirklich ist. Wenn man das öfter macht, bekommt man schon ein Gespür dafür, aber in der Tendenz wird man halt immer etwas zu trocken machen, weil beim Gegenteil heißt es noch einmal reinschütten und nachtrocknen.

Gottfried


ANDERSgesehn antwortet um 26-12-2011 02:49 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
hallo jd

bei satztrockner ist bei mais (~30% h2o) mit einer
schütthöhe von ca 1,3-1,4m schluß( je feuchter desto
niedriger), wenn die gebläseleistung 30.000m³/h
beträgt (11kw).

in deinen fall brauchst du dann ca 12 m², dass
entspricht dann format eines anhängers.

tja, da sind wir schon bei einer günstigen variante.
2 mir bekannte betriebe rüsten ihre anhänger um.
dh. sie stellen einen 2 lochboden ca 25-30cm hoch aufs
plateau, wechseln den unteren teil der heckwand
mit einen gebläseanschluß und trocknen es mit
der heizkanone (80kw) und einen (heu)gebläse.

so nebenbei eine einfache rechnung.
11 t mit 18% "sollte" (rechnerisch) auf 11%
heruntergetrocknet werden, dh 7% h2o-entzug.
7% x 11.000kg = 770 liter wasser
80kw heizleistung verdunstet ca 10% weniger
wie die heizleistung, sprich 72 liter/stunde,
dh knapp 11 stunden heiße luft und je nach
außenluft min 1,5-2,5 std kalte luft.

!!!: unbedingt kaltbelüften (getreide muß kalt sein)
sonst zieht getreide wieder feuchtigkeit an und
ist dann wieder nicht lagerfähig.

günstig sind fahrbahre trochnungsanlage
wie zb von wimmer kematen/oö oder wenn´s
eine stationäre in deiner größe ist, von gollinger
in vorchdorf/oö oder bamberger in ried/oö

lg
ANDERSgesehn.

ps: ich brauche kommendes jahr selber eine,
aber die oö haben keine in meiner gebrauchten
größe.

pps: wennst dich für eine umlauftrocknung
entscheidest dann hast "MIN." 250-400kw in
deiner größe drauf, dann sieht die rechnung
gleich anders aus. :)




DJ111 antwortet um 26-12-2011 08:41 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
kleine Bemerkungen dazu:

Getreide zieht keine neue Feuchtigkeit an, sondern wenn es nicht gekühlt ist, verdunstet im Inneren weiter Wasser und an der kalten Oberfläche kondensiert es wieder, wodurch es dort wieder feucht wird!

Ausserdem würde ich sagen, dass der Wirkungsgradverlust etwas höher als 10 - eher gut 20 % ist.

Gruß DJ


ANDERSgesehn antwortet um 26-12-2011 09:32 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung

hallo dj

dein geschriebenes stimmt wenn die
kornfeuchte noch nicht die lagerfähigkeit
erreicht hat (biochem. ablauf der natur)

jedoch wenn die lagerfähigkeit (ist von
getreide zu getreide verschiedenen)
erreicht ist und das korn "warm" ist,
ist das ein teil des biochem. prozeßes
und nimmt dadurch wieder umgebungs-
feuchte auf, die natur versucht halt zu
überleben.

meine 10% bzw deine eher 20% sind
nicht wirkungsgrad sondern nur eine,
(nennen wir es mal so) "pauschale"
form, die der realitätsnahen berechnung
vereinfacht. (ein fehler ist schon mal
megajoule heizleistung und nicht kw
usw usf)

man kann es berechnen, wenn man "alle"
parameter (zahlen und daten) dazu kennt.
in ein paar stunden ist das zwar gelernt,
aber für jeden landwirt ist das gefühl und
die erfahrungswerte genauso gut, wie das
berechnungsschehma nach mollier.

(einen landwirt interessiert es nicht, ob jetzt
4minuten länger oder kürzer die heizung läuft ...)

hier ein 2-dimensionales mollier h-x-diagramm
(übrigens es gibt auch ein 3-dimensionales):

lg
ANDERSgesehn.

ps: @ jd , wenn du dazu oder anderwertig fragen
hast, schick mir per mail deine tel.nr, ich rufe zurück)





 


DJ111 antwortet um 26-12-2011 10:36 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Einfache Berechnungsgrundlage für eine Flachrosttrocknung:

Um 1 l Wasser zu verdampfen, braucht man etwa 1,2 - 1,4 kw, also rund 0,12 - 0,15 l Heizöl oder entsprechend anderes Heizmaterial mit kleinen Rundungsfehlern, abhängig auch etwas vom Trocknungsgut und der Trocknungstemperatur. Erbsen und Bohnen sind da etwas energieaufwändiger.

Faustzahl für die Luftmenge: 1000 m³/h je m² Rostfläche.

Wichtig ist auch der Druck, den das Gebläse erreichen kann.
Aber bei Getreide und Mais wirst dab bei etwa 1 m Schütthöhe sowieso keine Probleme haben.

Das Problem bei Flachrosttrocknern ist ja trotz Rührwerk die etwas ungleichmäßige Trocknung - Liegt in der Natur des Systems, dass man unten eher immer zu trocken wird, und oben noch etwas zu feucht bleibt.

Meine Erfahrung ist die: Ich messe die Feuchtigkeit etwa 25 cm unter der Oberfläche. Wenn diese dort der Lagerfeuchtigkeit entspricht, schalte ich die Heizung aus, kühle fertig und durch die Vermischung beim Entleerten passt das eigentlich dann.

Gruß DJ, der jährlich eine 100 t am Flachrost trocknet.





pek antwortet um 26-12-2011 10:36 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Hallo,

wir trocknen seit jahrzehneten Mais und Getreide in einem Dächersatztrockener - ich verstehe nicht warum diese nicht anfüllen kann.
Günstigere Betriebskosten hast du jedenfalls mit einem Durchlauftrockener vorallem kannst du durchtrocknen und mußt nicht abstellen zum kühlen. Bei kleineren Mengen ist das trockenen aber schwierig. Die staubbelastung für die Umgebung ist nicht zu vernachlässigen. Ich glaube das irgendwo gebrauchte stehen werden.


JD6230 antwortet um 26-12-2011 13:16 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Vielen Dank erstmal für die vielen Antworten.

zu den Wagentrocknungen: ein Bekannter hat seinen Anhänger auch umgerüstet. Er sagt, das Gebläse (11kW) und die Heizkanone (100 kw) passen da nicht wirklich zusammen. in der Zuluft hat er "nur" 35-40 Grad. Somit dauert das ganze relativ lange, bis sich beim Trocknen was tut.

Meine überlegungen gehen derzeit zum (Dächer)satztrockner oder eben Umlauftrockner. Vom Aufbau her sind sie ziemlich ähnlich. Nur der Preis bei der gewünschten Größe ist aufgrund der STeuerung und Austragung beim Umlauftrockner fast das doppelte.


Jophi antwortet um 26-12-2011 19:35 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Getreidetrocknung
Mein Gebläße hat 7,5 kw und das Heizgerät 100, nach meiner Meinung paßt das rel. gut zusammen.
Im übrigen kommt es m.w. auf die rel. Luftfeuchtigkeit und nicht auf die Temperatur an.
Deshalb ist es natürlich gut wenn man an trockenen Sonnentagen trocknen kann.


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