03-06-2011 12:29  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Alle Möglichkeiten, dass Wasser in die Tankmilch kommt, sind ausgeschlossen und trotzdem liegt die Kryoprobe gefährlich nahe dem Toleranzwert von -0,510°C. Was tun?

  04-06-2011 09:29  Koch
Gefrierpunkt Milch
Untersuchungen in Ba.-Wü. haben gezeigt, daß weniger das Restwasser für ein Überschreiten der Toleranzgrenze für das Erreichen der S Klasse Schuld war, wahrscheinlicher sind Fütterungsfehler. Da vor allem ein NaCl- und/oder Mineralstoffmangel und Energiemangel, der einen geringeren Lactosewert in der Milch bewirkt. Am besten einmal Blutuntersuchungen durchführen, kurzfristig Salz- und Mineralstoffgaben erhöhen.

  04-06-2011 15:19  mfj
Gefrierpunkt Milch


Da hat der Koch nicht unrecht. Die Mineralstoffversorgung kann ein Knackpunkt sein. Aber auch Acidosen sind dafür nicht übel.
Ich denke aber mal – das haste eh im Griff...

Letztens habe ich einen Bericht gehört wo der Wert des GfP durch Kühlungen verursacht wurde. Wenn Kühlungen zu früh einschalten oder überdimensioniert sind, kann es bei der ersten Milch zu „Kristallisierungs-Effekten“ kommen die den Wert negativ beinflussen. Es findet eine Fettspaltung statt.
Abhilfe: Verzögerungsmodul einbauen.




  04-06-2011 17:51  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
@Koch
Laktosewert ist bei 4,9. Also top. Geblockte Abkalbung bei Weidegang mit lediglich Grassilage und Heu im Stall.

@mfj
Bei ausschließlicher Weidefütterung mit Heu und Grassilage ist Acidose eher seltenst. Salz in Mischung mit Steinmehl zur freien Entnahme als Mineralstoffergänzung zugänglich. Mal sehen! Danke!


  04-06-2011 19:32  Haggi
Gefrierpunkt Milch
Wie schaut die ZZ aus? Hast du da Probleme? Es gibt da interessante Untersuchungen von Prof. Dr. Volker Krömker von der Uni in Hannover.

Wenn willst kann ich dir gerne die Mailadresse geben...
Schreib mir einfach!

SG
Haggi

  04-06-2011 20:14  mfj
Gefrierpunkt Milch

Hallo Alois,

...kurze Zwischenfrage: Fressen die genug Salz - wenn´s mit dem Steinlausmehl vermischt ist ?





  04-06-2011 20:33  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Also die ZZ ist um die 150.000. Eine Email kann nie schaden. Danke

Steinlausmehl? Ein Scherzerl sei dir gestattet. Ich hab keine Ahnung, wieviel kg Salz pro kg Milch gefressen werden soll. Hast du einen Wert?

  04-06-2011 20:46  tch
Gefrierpunkt Milch
http://www.agrar.de/landfrauen/forum/index.php?topic=23628.0

tch

  04-06-2011 20:48  mfj
Gefrierpunkt Milch


Hallo Alois,

zu meiner Zeit war die Lehrmeinung:

EF pro 100 kg LG 2,3 g Na
LF pro Liter bei 4 % Fett 0,8 g Na

Nachgewogen habe ich das nie.
Ich biete es auch ad libitum in Lecksteinen an.
Allerdings mögen „meine Damen“ nur ein Hersteller...mein Pech !
Zum Glück weiß der Vertreter das nicht ;-))

...aber Salz mit Lausmehl würden meine nicht anrühren. Da würden die lieber den Laufgang ablecken !




  04-06-2011 21:10  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Danke für die Werte und die begleitenden, lausigen Worte ;-)

  05-06-2011 12:40  cowkeeper
Gefrierpunkt Milch
Hallo.

Also erstens kann es bei reiner Gras/Heu- Fütterung sehrwohl zu Acidosen kommen (und der Lactose-Wert sagt gar nichts aus, auch nicht über die Energieversorgung also Ketosen).
Oftmals sind die Durchfälle, die bei jungem Gras oder Heu oft als Eiweißüberschuss verstanden werden nämlich ausgewachsene Acidosen durch den Zucker im Gras/Heu. Bei Silage gibts das nicht. Hier ist der Zucker in die verträgliche Milchsäure umgewandelt( in der Regel)
Wenn du dann zu einer solchen Ration wegen vermeintlichem Eiweißüberschuß dann evtl. auch noch schnelles Energiefutter (Getreidebetont) fütterst, hast du die perfekte Acidose produziert.

Zweitens ist eine Salz (und Steinmehl *g*)- Gabe keine Adequate Mineralstoffversorgung. Kauf dir um das Geld statt dem Steinmehl irgendein Mineralfutter, und misch das drunter.

Und das mit den Kühlungen hört man ja öfter. Eine neue Fehlerquelle sind aber auch Plattenkühler, die undicht werden können. Allerdings werden die erst bei größeren Betrieben eingesetzt.

lg cowkeeper

  05-06-2011 21:21  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Acidose bei Weidegang ohne KF ist mir neu. Ich dachte, weil die Kühe bei Weidegang schön langsam dahinfressen, dass sich die Übersäuerung gar nicht ausgeht. Bei Grünfütterung im Stall weiß ich, dass die Chose nach hinten losgehen kann. Hast du selber so etwas festgestellt oder ist das eine Nacherzählung?

  07-06-2011 22:56  Gewessler
Gefrierpunkt Milch
@alois b: soviel Glucose im Gras habe ich seit Jahren nicht mehr gemessen, detto im Heu wie schon von cow-keeper gesagt. ZZ 150.000 ist zu hoch.
Jeden Sommer haben wir die gleiche Diskussion hier - Kühler kontrollieren und einfach später einschalten und bring deine Acidose in den Griff, denn die hast Du sicher .
Wie sieht also Fett - Eiweiß aus vorallem der F/EW Quotient?

LG

Franz

  07-06-2011 23:09  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
ZZ ist aber nicht für Fleckvieh, sondern das RB-Vieh. Die sind ein bissl höher. Ich mach mir da keine Sorgen. Fett ist 4,0 und Eiweiß ist 3,1. Und Laktose -nicht Glucose - ist offiziell gemessen.

  08-06-2011 07:08  cowkeeper
Gefrierpunkt Milch
´...schon Glucose, nämlich im Gras durch den extrem warmen Frühling heuer. Das verursacht die Acidose. Und wenn du mit RB Rotbunte meinst, auch hier ist diese ZZ eigentlich zu hoch. Wir haben zb bei Schwarzbunten und ~10000l Leistung ca 70000.

lg cowkeeper

  08-06-2011 08:51  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Sind dir die 70.000 nicht zu niedrig? Jugendliche Herde, würde ich mal sagen!
Ich nehme an, du hast öst. Analysenwerte von heuer. Ich bin zurückhaltend, was die Übertragbarkeit von Silageanalysen und Weidefutter anbelangt. Bei Acidose liesse ja die Futteraufnahme nach. Und zur ZZ, da muss man auch das Alter der Kühe miteinbeziehen. Wir haben da um die 20-25% zum Nachstellen.

  08-06-2011 09:25  cowkeeper
Gefrierpunkt Milch
Nein, keine jugendliche Herde, im Durchschnitt 3,45 Laktationen (grad gezählt). Nur beste Futterqualität, keine Acidosen und straffes Melkmanagement und Hygiene.

Aber zurück zum Thema: Wennnst unsere Theorie mit der Acidose so gar nicht glauben willst, würde ich zumindest bei der Mineralstoffversorgung ansetzen. Das kostet nur wenig Geld und hat vielleicht auch noch andere positive Wirkungen.

lg cowkeeper

  08-06-2011 09:43  mfj
Gefrierpunkt Milch


Also, das sind schon außergewöhnlich gute ZZ-Werte bei dieser Milchleistung.
Selbst die österreichische Auswertung für diese Kategorie des LKV liegt weit darüber.

Interessant wäre dein Suspension-Einsatz pro Kuh und Laktation - Cowceeper ?




  08-06-2011 23:34  Gewessler
Gefrierpunkt Milch
@alois b: ich als Molkereimeister mache mir da schon Gedanken, denn alles was im Schnitt über 80.000 ZZ ist, bedeudet ein Mastitisgeschehen und die Grenze für ordendlichen Hartkäse ist halt einmal max. 120.000 . Milchverlust ist nebenbei ca. 5-8% bei 150.000, aber es ist ja dein Milchgeldverlust und du wirst schon wissen was du machst.
Durch die heutigen Verfahren ist es möglich auch Emmentaler aus Silomilch zu erzeugen (Vakuum rein und raus - oder mit Filtrationsverfahren oder Umkehrosmose Milch mit >600.000 Zellen zu verarbeiten(USA)) aber das alles kostet Geld, weil die Anlagen sehr teuer sind - und schon sind wir wieder beim Milchpreis. Südtiroler Sennereien verlangen max. 80000 Zellen dann gibts auch bis zu 1,20€ Milchgeld. Bei 150000 Zellen steigt der Salzgehalt in der Milch schon ziemlich an und dann noch Deine subklinische Acidose und schon bist du mit dem Gefrierpunkt an der Grenze. Jetzt hats ja abgekühlt, dann lass nochmals den Gefrierpunkt messen und berichte uns das - dann kann ich Dir ziemlich sicher sagen, was der Grund ist. ZZ von weniger als 80.000 LKV ist sicher auch mit RF und HF möglich. Betreue einige hochleistende Herden mit Altersschnitt > 4,5 Jahren und die haben alle unter 80.000 Zellen bei mehr als 70 Kühen LKV.
Die Fett - EW und Laktosewerte sind wahrscheinlich die Tankmilchwerte oder?
Interessant wäre die Anzahl der Kühe mit einem F/EW Quotienten in den ersten 100 Tagen mit nahe 1 aus den LKV Daten.

@mfj:du mußt bei den LKV Werten auch die Herdengröße berücksichtigen, da ja Durchschnittzahlen angegeben werden, Auswertungen mit Boxplots wären da besser. zum Verständnis: betrieb mit 3 Kühen hat eine Millionärin dabei und die anderen haben 30.000 Zellen ergibt
>350.000 Zellen obwohl 66,67% seiner Kühe eine hervorragende Eutergesundheit haben. Mathematisch gesehen haben daher bei < 20 % Mastitisfällen die Betriebe mit 30-80 Kühen die besten LKV Zellzahlen, die schlechtesten Werte die mit < 10 Kühen, obwohl da nur eine Kuh höhere Werte hat also nur 10% der Tiere eine Mastitis hat.
Detto bei der ZKZ - aber ab heuer wird das nach vielen Interventionen mit Boxplots ausgewiesen. Ein kleiner Lichtblick beim Datentsunami des LKV.

fg

  09-06-2011 22:00  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Du verunsicherst mich etwas, Gewessler, mit dem Salzgehalt. Weil mehr Salz heißt ja tieferer Gefrierpunkt. Das würde ja in die Gegenrichtung gehen.
Ja und Kuhzahl ist weit über dem öst. Durchschnitt, und über 100 Tage sind keine 15% davon.


  10-06-2011 01:45  Gewessler
Gefrierpunkt Milch
@ab: sry war in der Eile ungenau: mit steigendem Salzgehalt,und Zellgehalt sinkt der Laktosegehalt aber auch , und dann hast Probleme mit dem Gefrierpunkt, weil die Laktose einen wesentlich größeren Einfluß darauf hat
Wenn du bei den 15% Acidosetieren die meiste Milch melkst kann das die Ursache sein.
Kannst du die LKV Daten im Adis /Adet format schicken, dann analysiere ich Dir das schnell?
Wir können Dir dann ausrechnen, wieviel Milch du von welcher Kuh in den Tank geben kannst usw.
Arbeitest Du mit einem Herdenmanagementprogramm wie Herde?
Grundsätzlich: 520 ist Gefreirpunkt und Erhöhung meist durch Fremdwasser (Nachdrücken mit Wasser, also Fremdwasser ) dann geht das gegen Nuill und bedeutet Milchgeldabzug.
Bei Hitze geht Salz über Schweiß verloren und dann noch höhere Zellzahlen somit weniger Lactose und GP geht hinauf. Viele frischmelkende mit hohen Leistungen haben das gleiche Problem usw. da brauchen wir wie gesagt Daten

  11-06-2011 18:24  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Über eventuelle wechselseitige Zusammenhänge von Sal, ZZ und Laktose kann ich mir keinen Reim mehr machen, weil steigender Zellgehalt hier mit steigendem Laktosegehalt einhergeht. Blöd, oder?

Wegen Renditeoptimierung wird - wie schon oben beschrieben - auf 5000- 6000 Liter Grundfutterleistung gesetzt, mit Weide ohne oder minimal KF. Herdenmonitoringsoftware mögen andere notwendig finden. Übersetzungsarbeit für die Analysedaten will ich mir vorerst auch ersparen. Danke trotzdem für dein Hilfsangebot. Vielleicht kann ich es nochmal gebrauchen.

Mittlerweile wird 500 g/KF Kuh/Tag gegeben. Fett ist auf 4,18 - Eiweiß auf 3,05 - Harnstoff auf 240 und ZZ 210 Tsd. Verändert ist auch das vorher dürstende Weidefutter wegen Niederschlags mit mehr N drinnen.

Ja und der Gefrierpunkt bewegt sich wieder schön langsam in die richtige Richtung.

  12-06-2011 08:19  golfrabbit
Gefrierpunkt Milch
Morgen Alois!
Das mit deinem Harnstoffwert birgt für mich folgende Lösungeansätze:
1. Energie im Futter drastisch erhöhen
2. Eiweiß zurückfahren
und wenn das alles nichts mehr nützt
3. Die 0 nach den 24er weglassen.
bitte um Nachricht ob Besserung einhergehend.
Josef, der sich beim cowkeeper und beim Gewesseler für die interessanten und für ihn noch neuen Ausführungen bedankt!

  12-06-2011 17:49  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Sag das dem Weidefutter, dass es sich anders zusammensetzen soll! Und wegen Low-Input, du weißt, da heißt´s den Kühen Druck machen, damit sie die Weide gut nutzen. Ausgleichsfutter ist da keine Option! Was ist grad mal der Preis für Biomischfutter? :-)))

  14-06-2011 08:29  Gewessler
Gefrierpunkt Milch
@ab: hab nur ganz wenig Zeit: Um wieder zum Gefrierpunkt zu kommen: Hauptursache ist meist Restwasser oder Fremdwasser,
Weidehaltung: hoher Verlust an Natrium und anderen Spuren und Mengenelementen über Schweiß, daher bei sinkenden Außentemperaturen wieder Besserung beim Gefrierpunkt.
Hohe Harnstoffgehalte kannst bei Weidefütterung nur durch Kartoffel oder Rübenschnitte ausgleichen mit Getreidegaben wirds sicher schwierig.
Dass die Laktosewerte noch immer trotz der hohen ZZ passen läßt sich nur durch Abmagerung (Gewichtsverlust) bei den Tieren erklären.
Also gibts für mich nur eine Lösung für die bevorstehenden Hitzetage und den GP : mindestens einmal am Tag besser um 10 und um 14:00 eine Kaltwasserdusche wie es in den heißen Gebieten der Welt (Texas, Saudi Arabien...) üblich ist und Fremdwasser (Nachdrücken...) unbedingt vermeiden, neue Schwämme anschaffen ,vielleicht liegts auch an dieser simplen Geschichte?
Noch eine Frage zum Schluß- hast du LKV Daten, oder nur MPR Daten?

  14-06-2011 10:56  krähwinkler
Gefrierpunkt Milch
Ich werde mit dem Herrgott reden, dass er pünktlich eine Dusche schickt, wenn die Kühe draussen grasen. Daheim könnten wir das ja machen! Das mit dem Abschlanken und dem Laktosewert wird schon stimmen.
Ich kann dir weder mit LKV noch MPR dienen, die Herde spricht nicht deutsch!
Es ist sehr aufschlußreich, was du da ins Forum stellst. Da sieht man, was rauskommt, wenn ein Thema ausdiskutiert wird!