Der Sinn unseres wirtschaftens...

Antworten: 27
User Bild
biolix 14-07-2005 22:28 - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...

Ein Investmentbanker stand in einem kleinen mexikanischen Fischerdorf
am Pier und beobachtete, wie ein kleines Fischerboot mit einem Fischer
an Bord anlegte. Er hatte einige riesige Thunfische geladen.
Der Banker gratulierte dem Mexikaner zu seinem prächtigen Fang und
fragte, wie lange er dazu gebraucht hätte.
Der Mexikaner antwortete: "Ein paar Stunden nur. Nicht lange."
Daraufhin fragte der Banker, warum er denn nicht länger auf See
geblieben sei, um noch mehr zu fangen.
Der Mexikaner sagte, die Fische, reichten ihm, um seine Familie die
nächsten Tage zu versorgen.
Der Banker wiederum fragte: "Aber was tun Sie denn mit dem Rest des
Tages?"
Der mexikanische Fischer erklärte:
"Ich schlafe morgens aus, gehe ein bisschen fischen; spiele mit meinen
Kindern, mache mit meiner Frau Maria nach dem Mittagessen eine
Siesta, gehe ins Dorf spazieren, trinke dort ein Gläschen Wein und spiele
Gitarre mit meinen Freunden.
Sie sehen, ich habe ein ausgefülltes Leben."
Der Banker erklärte:
"Ich bin ein Harvard-Absolvent und könnte ihnen ein bisschen helfen. Sie
sollten mehr Zeit mit Fischen verbringen und von dem Erlös ein größeres
Boot kaufen.
Mit dem Erlös hiervon wiederum könnten sie mehrere Boote kaufen, bis
Sie eine ganze Flotte haben.
Statt den Fang an einen Händler zu verkaufen, könnten Sie direkt an
eine Fischfabrik verkaufen und schließlich eine eigene
Fischverarbeitungsfabrik eröffnen.
Sie könnten Produktion, Verarbeitung und Vertrieb selbst kontrollieren.
Sie könnten dann dieses kleine Fischerdorf verlassen und nach Mexiko
City oder Los Angeles und vielleicht sogar New York City umziehen, von
wo aus Sie dann ihr
florierendes Unternehmen leiten."
Der Mexikaner fragte: "Und wie lange wird dies alles dauern?"
Der Banker antwortete: "So etwa 15 bis 20 Jahre."
Der Mexikaner fragte: "Und was dann?"
Der Banker lachte und sagte:
"Dann kommt das Beste. Wenn die Zeit reif ist, könnten sie mit ihrem
Unternehmen an die Börse gehen; ihre Unternehmensteile verkaufen
und sehr reich werden. Sie könnten Millionen verdienen."
Der Mexikaner sagte: "Millionen. Und dann?"
Der Banker sagte:
"Dann könnten Sie aufhören zu arbeiten. Sie könnten in ein kleines
Fischerdorf an der Küste ziehen, morgens lange ausschlafen, ein
bisschen fischen gehen, mit ihren Kindern spielen, eine Siesta mit ihrer
Frau machen, in das Dorf spazieren, am Abend ein Gläschen Wein
genießen und mit ihren Freunden Gitarre spielen."

nachdenkliche aber natürlcih sonnige Grüße, haben heut weitere 4 kW photovoltaik aufs dach bekommen und einen schritt weiter gemacht zur energieautarkie.. biolix

User Bild
Bergdoktor1 antwortet um 15-07-2005 06:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
Guten Morgen allerseits,

Diese tiefsinnige Geschichte macht nachdenklich. Die wahren Werte des Lebens gehen in unserer schnelllebigen, hektischen Zeit langsam verloren. Zufriedenheit und Genügsamkeit heißen die Zauberwörter, die leider die meisten von uns nicht mehr zu kennen scheinen.

Liebe Grüße, der Doc



User Bild
theres antwortet um 15-07-2005 06:54 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Hallo biolix,
ich kenne diese Gesichte in ähnlicher Form, sie ist mir immer wieder untergekommen. Hat aber noch in keinster Weise etwas von ihrer Aktualität verloren.
Wenn ich das auf die Landwirtschaft übertrage:

Ein Bauer hat einen Betrieb mit 3o Kühen, einen schönen Bauernhof,
ein gemütliches Sitzplatzerl vor dem Haus, hat ein einigermaßenes Auskommen, arbeitet noch hin -und wieder beim Maschinenring.
Die Bäuerin hat noch Zeit für die Familie, die Kinder und sie sind zufrieden.
Das ist der Agrarpolitik ein Dorn im Auge- zufriedene Bauern - wo gäbs denn so was.
Also dreht man ein bisschen an der Preisschraube, dafür gibts dann einen minimalen Ausgleich.
Berater fahren durch das Land, ein Laufstall für 1oo Kühe muss her,
dazu die entsprechende Quote und Fläche, der Traktor passt nicht mehr, ebenso die dazu passenden Maschinen.
Auf ein paar Tausend Euro Schulden kommt es doch jetzt auch nicht mehr an. Die Leistung der Kühe muss gesteigert werden,
da reicht das Futter nicht mehr, aber es gibt ja genug Pülverchen, um den Tieren aus dem Sackerl alles zu geben, dass sie problemlos 10.000 l und mehr schaffen, sie schaffen es zwar nicht mehr so lange,
aber es gibt ja bei den Zuchtversteigerungen genügend schöne, hochleistende Jungkühe.
Die Kälber waren auch schon einmal gesünder, aber mit den entsprechenden Impfungen ist auch das in den Griff zu bekommen.
Die Güllle stinkt wie ein Weltmeister, aber dafür kauft man einen Schleppschlauchverteiler und weil auf den Wiesen nicht mehr so viel wächst, macht nix, das wird mit Mineraldünger und Zukaufsfutter wieder ausgeglichen.
Auf den Äckern ist auch Hochleistung angesagt, der Dünger wird teurer, ebenso der Pflanzenschutz, gentechnisch verändertes Saatgut - das gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel ressistent ist, damit sind gleich 2 Probleme aus der Welt geschafft.
Für die auftretenden Superunkräuter gibst weiteren Pflanzenschutzbedarf,
der Preis für das Getreide ist zwar im Keller, aber ein paaf Firmen sind so gnädig und kaufen zu billigen Preisen das Getreide auf.
Eine Biogasanlage dazu, damit lässt sich Energie vom Acker erzeugen,
sie ist zwar heute um einiges teurer geworden, aber das ist einfach der Preis, der dafür gezahlt werden muss- Mais kann mit 6o Kilometer weit transportieren.
Endlich ist alles so, wie es sein soll, hohe Milchleistung, dafür ist der Milchpreis schon wieder gefallen, also muss halt nochmals die Leistung rauf und man überlegt, ob man nicht doch auf 15o Kühe aufstockt, damit wäre man der grösste Betrieb in der Gegend und es wird ja immer gesagt, dass nur die Besten überleben.
Bauer fühlt sich in letzter Zeit nicht mehr so wohl, beim Anblick seiner Buchführung braucht er immer einen Schnaps zur Beruhigung,
seine Frau wird ständig angehalten, ja nichts überflüssiges mehr zu kaufen- und im Stall müsste sie auch noch viel besser dahinter sein.
Er ärgert sich zwar, dass es beim Mittagessen jetzt so oft nur noch schnelle Küche aus dem Supermarkt gibt, die Frau immer so abgehetzt und gereizt auch für ihn immer weniger Zeit hat, die Kinder mit Grausen das Weite suchen, wenn sie schon wieder helfen sollen, Bauer oder Bäuerin will von den undankbaren Fratzen auch keins werden.
Der letzte Kontoauszug war so depriemierend, dass sich da jetzt was ändern muss,
ist doch das beste, hin- und wieder beim Maschinenring auszuhelfen,
muss halt seine Frau im Stall mehr machen, für die Arbeit im Aussenbetrieb kommt jetzt eben mehr der MR zum Zuge.

Das ist hoffentlich auch ein Märchen,
leider höre ich von Bäuerinnen aus Wachstumsbetrieben so ähnliche klagen.
Und da frage ich mich immer mehr nach dem Sinn unseres Wirtschaftens.
frdl. Gr.
regi




User Bild
helmar antwortet um 15-07-2005 07:42 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
Tja, und ich lese dann TOP-Agrar, um zur Erkenntnis zu kommen welch ein Trottel ich mit meinen 9-10 Kühen eigentlich bin. Mein Mann hat einen anderen Beruf, und das läuft gut so. Wie aber wenn ich dann in selbiger Bibel lese, dass bei 80-100 Kühen mit 10.000 Milchleistung die Frau des Bauern als Lehrerin oder sonstwo arbeitet? Und so Topbetriebe können ja wohl nicht von siehe oben geleitet werden, oder geht sich doch auch nur wegen eben außerlandwirtschaftlichen Einkommens aus?
Ich überlege mir TOP-Agrar( mit einer entsprechenden Erklärung) abzubestellen......oder doch nicht, weil ich bei solchen Berichten ganz sicher weiß, wie ich es nicht machen will.....
Mfg, helmar
......aber solch leuchtende Beispiele werden uns ja nicht nur aus der BRD präsentiert, oder?>



User Bild
theres antwortet um 15-07-2005 09:13 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Hallo Helmar
Bekannte von uns haben einen Wiedereinrichterbetrieb im Osten Deutschlands gegründet.
Oma und Opa machten mit, so gab es 1,2 Mio Quote,
der Stall der ehemaligen LPG wurde umgebaut, ein Melker eingestellt.
Beide Grosseltern wurden krank und brauchten selbst Hilfe, die Bäuerin war mit Kindern und der Pflege der Schwiegereltern mehr als ausgelastet.
Der Melker fand andere besser bezahlte Arbeit, gutes Melkpersonal ist gar nicht so einfach zu finden.
So war der Bauer gezwungen, die meiste Arbeit selbst zu tun, die dortige Infrastruktur ist anders als bei uns.
Sie haben jetzt beschlossen, aufzuhören, weil sie keine Menschen mehr sind,sondern nur noch Sklaven der Arbeit, der Bank.
Wenn du deine Zeitschrift so lesen kannst, dass du weißt, dass nirgends so viel gelogen wird - wie in Fachzeitschriften, dann gehts ja noch.
Die Zeitschriften bestimmen nicht nur, was geschrieben werden darf, sondern auch- was eben nicht veröffentlich werden darf.
Ich bin kein mathematisches Genie, aber 2 und 2 konnte ich bisher noch immer eingermaßen zusammenzählen.
Beim Lesen der Fachzeitschriften stelle ich zunehmend fest, dass meine Annahme, dass 2 plus 2 4 ergäben, doch nicht richtig sein kann.
Denn anders kann ich mir nicht erklären, dass immer noch höhere Kuhzahlen und höhere Leistungen als Lösung aus dem Preisstrudel geboten werden.
Dass dafür zuerst kräftig Geld reingesteckt werden muss, um den sinkenden Milchpreis aufzufangen- die grössere Milchmenge zuerst durch Quotenkauf, Landvergrösserung erwirtschaftet werden muss, und bei wieder sinkenden Milchpreis geht das ganze von vorne los.
Ich bin zur Zeit am Überlegen, alle Fachzeitschriften zu kündigen,
denn die dort angebotenen Rezepte kommen mir immer mehr spanisch vor.
Ich bekomme das ungute Gefühl nicht los, dass die Rezepte der Vergangenheit bei der Lösung der zukünftigen Probleme nur bedingt tauglich sind.
Aber es besteht auch die Möglichkeit, dass ich mich gewaltig irre- und 2 plus 2 eben doch nicht 4 ergibt.
Auf alle Fälle ist die Geschichte des Fischers sehr nachdenkenswert, weil sie zeigt, wie wir aufs Glatteis geführt werden.
Es zeigt auch, dass manchmal ein ganz normaler gesunder Hausverstand dem harvardgeschulten Geist überlegen ist.
frdl. Gr.
regi


User Bild
helmar antwortet um 15-07-2005 16:41 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
>Hall Theres!
Ich habe vor einem Jahr ungefähr die wahre Geschichte eines Hofes aus der Oberpfalz geschildert, welcher mit Hilfe seiner Geschwister zwar noch die Kurve gekratzt, aber den Viehstand heute auf einem Drittel der früheren Menge stehen hat( und dass der Hof überhaupt gerettet werden konnte weil besonders der Bruder nun für ein paar Jahre monatlich ein erkleckliches Sümmchen den Banken rückzahlt). Was jahrelang nicht passierte, geschieht heute: es wird Buch geführt, und der brüderliche Retter zeiht das Sanierungskonzept beinhart durch.........und weißt du was das Tollste ist: als man spät, aber doch, einen Berater zuzog, empfahl dieser doch glatt, mit dem 2 Bauern im Ort ( etwa 100 Kühe) eine Kooperation zu machen..........
Mfg, helmar



User Bild
theres antwortet um 15-07-2005 17:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Hallo Helmar,
ist doch gut, dass es Beratung gibt. :-))). Ich möchte nicht wissen in wieviel Betrieben, egal ob landwirtschaftlich oder gewerblich dank Beratung der Betrieb weitere Lasten auf den Buckel gedrückt bekommt.
frdl. Gr.
regi


User Bild
biolix antwortet um 16-07-2005 20:00 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Hallo !

danke, das märchen regi kann schon aus dem leben sein...

ja finkerl, alle die hier nun gepostet haben denen kaufen sie es ab, aber nnur z.b. bei unseren betrieb können es wohl wenige verstehen wenn wir eine PRaktikantin haebn und die Bäuerin macht sich einen schönen tag am teich und der bauer am tennisplatz mit freunden, natürlcih nu rind er Zeit wo keine heu, silage oder drusch zu machen ist..
aber wir leisten uns das und die Praktikanten bekommen dann auch sehr viel mit eben von lebensarten, biol. LW und eben auch genügsamkeit das man den "Gewinn" der Betirebes sogar noch mit einem "Fremden" PraktikantenIn teilen kann...

lg biolix und viel Zufriedenheit auch allen... und wenig schlechtes Gewissen, denn das hilft nur den anderen...



User Bild
ede_1 antwortet um 16-07-2005 20:12 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> also ich find dass es sehr wohl sinn macht ,wenn ich so weitermache wie bisher, nämlich nicht auf urlaub fahre, gut wirtschafte, dadurch relativ viel geld schäffle und des dann meine kinder in einem ausserlandwirtschaftlichen leben verprassen können. das macht sinn....allerdings aus der sicht meiner kinder .........eben alles eine frage der betrachtung
mfg
ede

User Bild
theres antwortet um 17-07-2005 06:23 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Hallo biolix,
schön, wenn du dein Leben so organisiert hast, dass du das Leben führen kannst, dass es dir gut geht.
Eigentlich bin ich mit meinem Leben als Bäuerin auch sehr zufrieden,
es gibt noch vieles, was wir ändern müssen, aber jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt und bis man ans Ziel kommt- der Weg ist ja das Ziel.
Leider hat heuer das Wetter schon mal gezeigt, dass wir doch nicht soviel in unseren Händen haben, innerhalb von 1o Minuten war die Ernte vorbei und der Wald statt froh heranwachsenden Mischwald eine zerdrehte, zerstörte Kraterlandschaft, oben abgebrochene Bäume und die Masse entwurzelt.
Wir sind momentan zwar wieder aus dem Schock erwacht, aber es tat und tut immer noch weh, wenn man einfach zuschauen muss, wie in 5 oder 1o Minuten die Arbeit eines Jahres und im Wald die Arbeit mindestens einer Generation kaputt ist.
Zum Glück gibt es heute eine andere Technik und der Wald muss wieder angepflanzt werden, was uns momentan einfach zu schaffen macht,
dass der Wind keinen Unterschied zwischen reinen Fichtenkulturen und zukunftsfähig aufgebauten Mischwäldern macht- Wirbelsturm bleibt Wirbelsturm.
Es ist nicht nur der Schmerz über die Zerstörung im Wald und auf den Feldern, ich gebe zu, dass ich draussen gestanden bin- und aus tiefstem Herzen geheult habe, die ganze Mühe und Arbeit um einen schönen Getreidebestand der heuer in Mischkultur einfach prachtvoll dastand. Hafer und Erbsen mit Leindotter, Sommergerste mit Leindotter,
Weizen viel früher angebaut mit Untersaat- das Getreide ist abzuschreiben, einzig der Leidotter hat es einigermßen überstanden.
Dass auch der Obstgarten, die Beerenfrüchte, das Gemüse - das Gewächshaus, selbst im Rosengarten die Rosenkugeln zerschlagen worden sind, das ist aus der Sicht der Landwirtschaft gesehen - nebensächlich- aber es hat mich tief getroffen.
2003 war es so trocken, da hatten wir nur Glück, weil wir einiges anders machen, 2oo4 war der Borkenkäfer ein Riesenproblem im Wald,
vor einer Weile raste ein Wirbelsturm bereits über einen Teil unseres Waldes-
die Machtlosigkeit den Naturgewalten hilflos ausgeliefert zu sein,
damit habe ich Momentan noch gewaltige Probleme.
Da kommt manchmal schon auch die Frage nach dem Sinn des Wirtschaftens hoch.
Momentan ist mir weder nach Urlaub- noch nach grosser Freude zumute,
wenn ich egal bei welchem Fenster oder Stalltor auch rausschaue, ich sehe überall nur eine leidende, zerstörte Natur.
Aber die zerfetzten und zerlegten Wälder rings um uns herum-
das geht mir an die Seele, denn der Wald war wie ein Schutz vor unserem Gehöft.
frdl. Gr.
regi

User Bild
Kathi antwortet um 17-07-2005 11:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Hallo Regi & Helmar,

Ich will euch in eurer gegenseitigen Beweihräucherung der "Klein ist Fein-Theorie" stören.
Helmar, von dir weiß ich mittlerweile (lese schon lange hier mit), dass du einen Nebenerwerbsbetrieb mit ca. 10 Kühen führst. Deine Tochter wird warsch. den Betrieb nicht übernehmen - mal brutal gesagt - ein sterbender Betrieb.
Glaubt ihr wirklich, dass man mit einen 10 Kuh-Betrieb längerfristig ein "lebender"-Betrieb ist ?? Es kann doch nicht die einzig wahre Bewirtschaftung sein.
Hier wird ein jeder als "Investitionswütiger Großbetrieb" hingestellt, der sich ernsthaft und längerfristig von der Landwirtschaft leben will und sich seine Landwirtschaft so einrichtet, dass er vielleicht die Chance hat weiter im Vollerwerb bewirtschaften zu können.

Sicher es wird schon den einen oder anderen geben, der sich über seinen "Mitteln" hinaus vergrößert, aber das ist sicher nicht Standard.

Früher hatte ein Bauernhaus ein paar Kühe, ein paar Zuchtschweine mit eigener Mast, etwas Getreide und Wiesen. Wenn man sich jetzt auf eine Richtung spezialisiert, dann ist das doch klar, dass ich nicht mit den Viehbestand, den man als Mischbetrieb hatte nicht weitermachen. Dafür zieht man sich in der Produktion von z.B. Schweinen und Getreide zurück.

Also lasst auch andere in diesen "Forum" leben, die sich das Ziel gesetzt haben, auch in 10-20 Jahren von der Landwirtschaft zu Leben.

Kathi



User Bild
theres antwortet um 17-07-2005 12:03 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Hallo Kathi,
welche Betriebsgrösse gehört für ich zu den überlebensfähigen Grössen?
Wir haben einen Hofnachfolger, der in unsere Fusstapfen treten will,
und bisher auch mit recht grosser Begeisterung bei der Sache ist.
Klein ist fein- ist eigentlich nicht das Thema,
sondern darum, ob es Sinn macht, die Fischereiflotte so auszuweiten und zu vergrössern, mit dem Ziel, irgendwann das erreichen zu wollen, was wir jetzt schon haben.
Helmars Betriebsstrategie für ihren Betrieb gefällt mir, sie hat mit Sicherheit mehr Lebensqualität als die Wachstumsbetriebe, die mit Milchpreissenkung und immer weiterer Aufstockung nicht mehr ruhig schlafen können.
Es gibt mit Sicherheit auch den gesunden Betrieb, egal welche Kuhzahl er sein eigen nennt,
aber wenn ein ständig sinkender Milchpreis mit immer höheren Leistungen und grösseren Beständen erkauft werden muss,
dann gleicht das für mich der Quadratur des Kreises,
denn sobald er die Investitionen geätigt hat - weitere Preissenkungen und das Spiel geht von vorne los.
Ist nur meine Meinung, lass mich gerne vom Gegenteil überzeugen.
frdl. Gr.
regi


User Bild
Katharina antwortet um 17-07-2005 19:50 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
>
Hallo Kathi!
Bei Dir ist also ein 10 Kuhbetrieb ein „sterbender Betrieb“ Naja, irgendwie hast Du ja recht, wenn man sich die Entwicklung so ansieht. Aber gibt es nicht ein Sprichwort, „totgesagte leben länger“? Jene, die schon vor Jahren gesagt haben, dass sie aufhören, „werkeln“ noch immer dahin, während jene „hochfahrende“ Betriebe das Handtuch geworfen haben. Das ist Faktum in unserer näheren u. weiteren Umgebung. Und zwar Betrieben, von denen niemand von uns gedacht hätte, dass sie aufhören. Wobei man sagen muss, dass familäre Gründe die Hauptgründe waren. (Trennung der Partner) Warum soll sich also einer hineinsteigern, wenn eh niemand mehr weitermacht? Warum soll ich da investieren bis zum „geht nicht mehr“? Es gibt schon genug leere Stallbauten, die jetzt als Garagenplätze vermietet sind. Ist sicher lukrativer diese Mieteinnahmen als das Halten von Rindern, wo man noch einen Haufen Arbeit und Risiko damit hat. Aktive Betriebe sind für mich jene, die sich wirklich selbst um ihre Tiere kümmern, und nicht jene, die alle 2 Wochen mal auf der Weide mal nachschauen, ob alles rechtens ist.


User Bild
theres antwortet um 17-07-2005 20:46 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
>
Hallo Kathi,
in unserem Betrieb werden mehrere Fachzeitschriften gelesen,
ich habe neulich aufgeräumt und wollte sichergehen, dass ich keine wichtigen Beiträge der letzten 5 Jahre wegwerfe.
An 2 Abenden habe ich alles durchgeblättert-
ich war mehr als erstaunt, wieviel Beiträge, die einmal den allerneuesten Schrei in der Fütterung, der Technik repräsentiert haben und bald schon von wieder etwas besserem abgelöst worden sind.
Aber es hat immer etwas gekostet.
Wenn sich der Stand der Technik weiterentwickelt, kein Problem,
wenn wir damit Verbesserungen im Betrieb erzielen, noch besser.
Aber wenn ich mir dafür die Preisentwicklung bei Milch und Getreide vor Augen halte- dann hat jede Verbesserung der Leistung einen geringeren Preis zur Folge.
Wenn ich selbst Rückschau halte, was habe ich alles unternommen, um unsere Kühe mit steigender Leistung fit zu halten, was war es für eine manchmal nicht mehr auszuhaltende frustende Tätigkeit, die kleinen Kälber über die Runden zu bringen. Durchfall und viele andere Kälberkrankheiten haben mich irgendwann an meinem Können zweifeln lassen, haben mich manchmal fix und fertig gemacht.
Wievielen Kälbern musste ich traurig hinterherschauen, wenn sie es doch nicht geschafft haben.
Irgendwann habe ich die ganze neuste Praxis des modernen Fütterns über Bord geworfen und alles anders gemacht, denn ich hatte einfach keine Lust und keinen Mumm mehr, nur noch Krankenschwester im Betrieb zu spielen.
Wir haben sicher auf einige Liter Milch in der Leistung verzichtet, aber ich habe einiges an Lebensqualität hinzugewonnen.
Gesunde Kälber sind für mich eine Freude und es macht meine Arbeit gleich um Längen mehr Freude, ich habe keine Angst mehr, wenn heute Kälber auf die Welt kommen.
Vielleicht haben andere damit keine Probleme, vielleicht war ich einfach zu dumm als Bäuerin-
aber heute haben wir zum Glück robuste, widerstandsfähige Kälber und entsprechende Kühe.
Der Sinn unseres Wirtschaftens ist doch- von der Arbeit zu leben
und nicht für die Arbeit.
Ich möchte nicht mehr zurück, dann ständig kranke Kälber kosten einen irgendwann die Lebensfreude und auch noch einen Haufen Geld an Behandlungskosten für den Tierarzt, wenn sie überleben, dann sind sie oftmals noch fürs Leben geschädigt und wenn sie draufgehen, dann hat man den Verlust auch noch.
frdl. Grüsse
regi

User Bild
Kathi antwortet um 17-07-2005 20:49 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Hallo -

es mag ja für den einen oder anderen ein 10 Kuh Betrieb das Richtige sein - aber es kann auch nicht sein, dass hier immer wieder auf investierende Betriebe "hingepeckt" wird.
Nicht ein jeder investiert sich zu Tode !!
Todgesagte leben länger - keine Frage - bleiben wir bei unseren 10-Kuh betrieb. Neben wir einmal an Helmar´s Tochter will nun doch übernehmen, kann sie in einen 10-Kuh Betrieb im Vollerwerb ohne andere Einkommensquelle heutzutage überleben ??

- Würdet Ihr einen Jungübernehmer empfehlen nicht zu investieren, wenn - oder damit - er von der Landwirtschaft leben will ??

Kathi



User Bild
Katharina antwortet um 17-07-2005 21:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
>
Wie viele Kühe sind bei Dir die Grenze um zu überleben? Nur von der Landwirtschaft meine ich. Ich glaube, dass Du keine Zahl nennen kannst! Denn der 30 Kuhbetrieb sagt, ich brauche 60 Kühe, dass ich meine Kosten abdecken kann, der 60 Kuhbetrieb sagt, ich brauche 100, um über die Runden zu kommen. Das geht immer so weiter, bis der 300 Kuh Kooperationsbetrieb sagt, es geht sich nicht mehr aus. Die Spirale dreht sich im oberen Bereich immer schneller. Warum kratzen so viele Großkonzerne ab, obwohl sie viel investiert haben in arbeitsparende Techniken? Soviele kleine Gewerbebetriebe gibt es, neben großen Firmen. Die müssten schon längst verschwunden sein, wenn nur die Großen überleben können lt. Betriebsberatern. Genauso hat der kleine Landwirt seine Lebensberechtigung! Oder glaubst Du, dass der „Zukunftsbetrieb“ wie er gerne genannt wird, die Landschaft offen hält? Wer mäht bzw. bewirtschaftet noch die kleinen Flächen im Steilgebiet? Die vielen Kleinlandwirte sind es!
Zu Helmar´s Tochter; sie hat sich wahrscheinlich schon entschieden berufsmäßig, sollten die Zeiten wirklich schlechter werden, werden gerade solche Betriebe gebraucht für die Versorgung, die nicht nur von den Computer gesteuert werden. Ein hoher Ölpreis kann die ganze Theorie „Groß frisst Klein“ über den Haufen werfen!
Gute Nacht allseits!


User Bild
biolix antwortet um 17-07-2005 21:53 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
>
DU sagst es Katherina !!!

keiner kathi hat hier weas gegen "zukunftsbetriebe" nur es kann nicht sein das alles auf sie ausgerichtet ist. Investitionsförderungserhöhung etc. . Es gehört endlcih auch mal gesagt " Danke das du mit dem AUskommst was du hast udn zufrieden bist und es auf den Preis ankommt den wir erlösen und nicht auf die menge die wir umsetzen !! "

Weiter kann ich es mir nicht vorstellen das unsere Kinder einen Betrieb
übernehemen wollen mit 60 Kühen und arbeit arbeit arebit bei keinen Zukunfstvisionen...

aber "small is beautifull" wird schneller kommen als ihr alle glaubt, ich vergönns niemanden doch die zeichen der zeit erkennen bzw. leider haben sich alle system mal wieder "überworfen" die zeit ist leider schon sehr nahe gerückt.. egal ob hochwasser in Rumänien oder 2 Hurricans schon wieder in anmarsch, mexico und wo schnell noch..
ega wo man hinschaut, prognostizierter Dollarzusammenbruch nicht in einer linken Zeitung ne im Wirtschaftsblatt, Terror, etc, etc. schützen und pflegen wir unsere "kleinen " Oasen sie werden noch sehr gebraucht...
ach regi, das mit dem wald auch so zeichen es tut mir leid, aber wieder wir müssen lernen und dürfen fehler nciht 2 mal machen...

lg biolix

User Bild
Asterix250 antwortet um 18-07-2005 09:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
Guten morgen.
Naja es kommt halt drauf an wie man wirtschaftet.
Man kann ja nicht sagen um so mehr um so besser.
Mit 10 Kühe kannst du nicht von der milch leben aber wenn du kein Geld reingesteigt hast dann brauchst auch keinen Kredit zurückzahlen.

Das kann man also nicht sagen ab wann man Gewinn macht. Es ist vielleicht ein besseres Bertiebsergebnis wenn man zb bei 40 Kühe bleibt als das man einen stall für 80 baut.

und einen denn es gefällt hört nicht auf ob er jetzt 10 Kühe hat oder 100.

mfg
Asterix


User Bild
helmar antwortet um 18-07-2005 10:54 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
Hallo Kathi und auch alle anderen!
Nun, ich weiß nicht wie alt du bist, ich werde heuer noch 50 und unser Mädel hat die 1.Klasse HTL ohne 4er heil überstanden und schwitzt derzeit in der Pflichtpraxis, in welcher es ihr sehr gefällt. Also sie ist fürs Arbeiten sicher nicht zu schön oder zu faul.
Mein Ziel ist es, ihr, wenn es soweit ist, schuldenfrei zu übergeben, denn soll sie dann etwa noch für etwas zahlen dass ihr ihre Mutter eingebrockt hat? Wir lassen natürlich nicht alles verkommen und verfallen, und auch ein paar kleinere Investitionen gehen sich aus, wenn nicht gerade im Stall arg was ausfällt oder es extrem trocken ist. Auch sind 20 ha Wald ein Betriebsstandbein in welchem zum Glück keine Bäume für den Quotenkauf fallen müssen. Nun wird sich meine Tochter wenn sie übernimmt entscheiden müssen was sie dann tut. Es könnte sein dass dann der Rückhalt eines wie du es nennst, sterbenden Betriebes nichts so schlecht sein kann. Keiner weiß nämlich ob es trotz guter Ausbildung nicht sehr schwer sein kann einen Job zu bekommen.
Wenn sich aber meine Tochter dazu entschließt, das Grünland zu verpachten dann hat ja gerade ein zukunftswilliger Betrieb Chancen ein paar ha zu erwischen, zumindest um diejeneigen wo man vom Traktor nicht absteigen muß könnte ein Wettrennen einsetzen. Auch die Milchquote, sollte sie da noch vorhanden sein könnte die von dir und der IG so sehr herbeigesehnte Quotenbörse bereichern......
Für mich stirbt ein Hof dann wenn er nicht mehr bewirtschaftet wird. Solange dies anstelle eines Eigentümers ein Pächter tut ist dagegen auch nichts einzuwenden.
Du blickst auf den 10 Kuhbetrieb, sagen wir es so, etwas verächtlich herab. Bedenke aber dabei dass dies der österreichische Durchschnittsbetrieb ist-aller , nicht der Nebenerwerbsbetriebe. Auch stehen die meisten Höfe(zum Glück) auf mehreren Beinen, das kann der Wald, der Fremdenverkehr, der Nebenerwerb und vieles andere sein.
Ich bin vor einigen Wochen bei einer IG-Infoveranstaltung gewesen, und es war auch der Obmann jener Liefergemeinschaft als Referent da in welcher zumindest der Obmann selbiger IG Mitglied ist. Die durchschnittlichen Richtmengen in jener Liefergemeinschaft sind um einiges höher als der Ö-Durchschnitt, und irgendwie hat man da schon das Gefühl dass so manche im stillen ein Gebetchen zum Himmel schicken dass die Deppen mit ein paar Kühen endlich von der Bildfläche verschwinden und die Quoten da lassen.........Nur Steinbichler sprach sich auch für den "kleinen" Milchhalterarbeitsplatz aus, aber der ist ja auch Kammerobmann......und Politiker.>
Weißt du was ich mir für meine persönliche zukunft wünsche? In allererster Linie dass ich gesund bleibe......dass wir von Naturkatastrophen verschont bleiben.....dass meine Familie gesund bleibt und dass meine Tochter ihr gestecktes Ziel erreicht.......dass wir weiterhin im eingermassen Frieden leben......dass es uns nie schlechter geht als jetzt!
Du magst das jetzt vielleicht als Gedanken einer alten Schachtel abtun, aber glaub mir, auch wenn es diese auch manchmal recht hektisch kriegt, sie ist mit ihrem Leben sehr, sehr zufrieden!
So, jetzt bin ich mal wieder länger geworden als ich es anfangs wollte, verzeih mir.
Mfg, helmar

User Bild
lassi antwortet um 18-07-2005 18:44 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
>
Hallo

die Geschichte vom Fischer ist mir auch schon einige male untergekommen

nur zum Nachdenken - wenn der Fischer keine Fische mehr zu vernünftigen Preisen verkaufen kann (Überangebot am freien Markt) und im Prinzip alle selbst essen müßte - täglich nur Fisch - also soviel Fischliebhaber kann ich gar nicht sein - würd mir schleunigst was abwechslungsreicheres suchen ........

User Bild
pepesmeinung antwortet um 19-07-2005 07:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> Ich hab die Geschichte auch schon öfters gelesen, sie stammt in leicht veränderter Form von Earnest Hemmingway. Schon vor hundert Jahren machte man sich darüber gedanken, ob das Wirtschaftsystem von Kaynes (ich glaube, man schreibt ihn so) wohl das Richtige ist. Er meint, dass Angebot und Nachfrage das Wirtschaftsleben regeln, auch gibt es kein Wirtschaft ohne ständiges Wachstum. Unsere westliche Welt arbeitet heute noch nach einem System, das gut 150 Jahre alt ist.
Zum Glücklichsein braucht man keinen Wohlstand, das gilt als erwiesen.
Wenn man bedenkt, dass sich die Menschen in Bangla Desh und Österreich laut Eigeneinschätzung gleich glücklich fühlen, wird das mehr als deutlich. Andererseits müssen auch wir Bauern am allgemeinen Standard teilhaben, wir wollen uns dasselbe leisten können, wie die anderen Berufsgruppen und das ist gut so. Es wird rein schon deshalb nicht ohne Wachstum gehen, und wenn dieses Wachstum nicht in Form von Betriebsvergrößerungen geschieht, dann eben in Form des Nebenerwerbes. Unsere derzeitige, konsumorientierte Welt verlangt das eben. Und wer glaubt, sich das alles wegen einer Geschichte ersparen zu können, der muss eben als Fischer in die Karibik gehen oder als Reispflanzer nach Bangla Desh. Glücklich sein kann man auch dort.



User Bild
theres antwortet um 19-07-2005 10:22 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn unseres wirtschaftens...
> HalloPepesmeinung,
man muss gar nicht nach Bangaldesh oder sonstwohin gehen,
man kann auch hier so leben, dass man leben und davon leben kann.
Aber man muss sich halt öfters auch mal unbequemen Fragen stellen, den seinen und denen der anderen.
Bei sich selbst zu fragen, ob man das- was uns eingetrichtert wird,
wirklich alles brauchen- und das Selbstbewusstsein, es auch auszuhalten, nicht alles haben zu wollen, was die anderen auch haben.
Den Euro, den man nicht ausgibt, dann braucht man auch nicht immer zu erwirtschaften.
Das geht mit der Mode, mit vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfes weiter über Prestigeobjekte- egal welcher Art auch immer.
Dass die Wirtschaft so nicht besonders läuft ist klar,
aber wenn uns immer weniger zugestanden wird, dann können wir es auch nicht ausgeben.
Höchstens mit dem bisherigen Wirtschaftssystem.
Heute gehört für viele Menschen z. B. Urlaub einfach dazu,
je weiter weg umso besser.
Sie vergessen nur, dass sie sich egal wohin auch immer, selbst mitnehmen und dass ein Jahr ausser einer Woche Urlaub auch noch 51 Wochen Alltag beinhaltet.
Den Alltag so zu gestalten, dass ein Jahr nicht in ein halbes Jahr Vorfreude auf den Urlaub und ein halbes Jahr davon zu zehrende Kraft ist,
das scheint kein Thema zu sein.
Ein paar Tage rauszukommen ist schön, man sieht was anders,
aber noch viel wichtiger ist der restliche Alltag.
Es ist schön, chic gekleidet zu sein, aber wie siehts in einem selbst aus,
es gibt unheimlich viel, was man haben muss, um etws zu zählen.
Wenn man einfach probiert, was im Leben Lebensqualität bringt,
merkt man immer mehr, dass es um sehr viele Dinge geht, die mit Geld überhaupt nichts zu tun haben-
und für mich ist Lebensqualität auch- ein eingermaßenes Auskommen, ohne schlaflose Nächte- weil das Geld nicht stimmt.
frdl. Gr.
regi


User Bild
theres antwortet um 01-11-2005 09:02 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn der Arbeit
Die Diskussion der vergangen Tage veranlasst mich,
hier diese Frage zu stellen:
Was ist für euch der Sinn der Arbeit.

Verwandte von uns leben in USA,
er und dessen Frau, eigentlich sehr viele Ehepaare drüben- haben beide jeweils 2 Jobs, um über die Runden zu kommen, um den Kindern ein Studium zu finanzieren, um eine Alterssicherung aufzubauen, um eine Absicherung im Krankheitsfall zu haben,

meine Schwägerin ist beruflich im ganzen Südeuropäischen Raum unterwegs,
dort steht Leben trotz geringerem Einkommen hoch im Kurs-
und bei uns in der Landwirtschaft wird trotz Rationalisierung und den vielen Maschinen scheinbar auch die Arbeit nicht weniger,
denn geringere Preise und sofort muss Viehbestand oder Ackerfläche erweitert werden, um diese Löcher aufzufangen.
Auch in der übrigen Wirtschaft soll wieder mehr geleistet werden-
alle Frauen am Besten schon kurz nach der Geburt des Kindes ganz schnell wieder in die Arbeit, Kinderbetreuung soll vermehrt ausgebaut werden.
Ganze Wirtschaftszweige stehen in den Startlöchern, um die Hausarbeit so einfach wie möglich zu machen, Dienstleistung im Familien und Pflegebereich schafft viele Arbeitsplätze.

Bei all dem stellt sich mir schon länger die Frage-
was ist der Sinn der Arbeit?
Gilt es, den Lebensunterhalt damit zu verdienen, seinen sozialen Status zu festigen,
sich selbst zu beweisen?
Kann man es sich überhaupt leisten, nach einem Sinn der Arbeit zu fragen, muss man nicht eher froh sein, überhaupt eine Arbeit zu haben?
Gilt derjenige, der am meisten Arbeitet auch als der Tüchtigste?
Schaffen wir es noch - auf Schnelligkeit und Leistung getrimmt,
wieder zurückzuschalten, um Aufzutanken, um wieder Kräfte zu sammeln?
Kann die Arbeit an sich diese Befriedigung schenken, dass es dieses Auftanken überhaupt nicht mehr bedarf?
frdl. Gr.
regi

User Bild
raps antwortet um 01-11-2005 20:27 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn der Arbeit
Hallo theres,
Geld allein macht bekanntlich nicht glücklich. Trotzdem ist es meiner Meinung nach so, dass finanzielle Probleme ungeheuer belastend sind. Deshalb behaupte ich, dass Geld die wichtigste Nebensache ist (das trifft aber nicht nur auf uns Bauern zu).

Zum Sinn der Arbeit : Arbeite um zu leben, und nicht lebe nicht um zu arbeiten, dieser Spruch trifft aus meiner Sicht den Nagel auf den Kopf. Was bringt es schon, wenn man ständig Quote kauft, Flächen pachtet, große Investitionen tätigt, wer kann denn heute sagen was morgen ist ?
Man soll zwar nicht den Kopf in den Sand stecken, trotzdem ist das Wichtigste, dass Arbeit Freude macht. Dann wird man auch über manche Durststrecke leicht hinwegkommen, sei es finanzieller Natur oder auch kanke Tiere usw.
Wenn einem die Abeit über den Kopf wächst wird das Ganze schnell ein Debakel, man verliert die Freude und auch der Erfolg wird zwangsläufig darunter leiden.
Wir Bauern haben ein großes Gut von unseren Vorbesitzern erhalten. Es ist unsere Pflicht, dieses nach bestem Wissen und Gewissen zu erhalten und auf faire Art und Weise an unsere Nachfolger weiterzugeben, was leider nicht selbstverständlich ist, wenn ich einige Betriebe in meiner Gegend so betrachte.
Arbeit ist für mich auch eine Selbstbestätigung, oft ist es schwer aufzuhören, weil man in der LW rund um die Uhr arbeiten könnte. Aber ihr werdet mir recht geben, wenn ich sage, sie läuft einem eh nicht davon. Deshalb sollte man sich den Tag einteilen wie in anderen Branchen auch. (ist schon klar, dass das nicht immer möglich ist). Es soll genug Zeit für die Familie bleiben, dann wird man auch leichter einen Nachfolger finden. Man kann ja nicht erwarten, dass jemand einen Betrieb übernimmt, wenn ihm ständig vorgejammert wird, dass eh nichts bleibt, man keinen Urlaub machen kann und rund um die Uhr nur schuften muß.
Schönen Abend noch
raps


User Bild
redbull antwortet um 03-11-2005 06:44 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn der Arbeit
Die Geschichte mit dem Fischer ist sehr schön, ich kenne sie schon lange in der Version mit einem griechischen Fischer!

Die Frage ist nur, ob man eine Familie ernähren kann mit "ein bißchen fischen"!?

Wenn man sparsam lebt und sich so weit wie möglich einschränkt (kein Internet?, kein Urlaub!?, kein teurer Fuhrpark, keine neue Maschinen usw.), dann wahrscheinlich schon.
Aber unser Lebensstandard ist halt mittlerweile so hoch, dass man einiges dafür tun muss, diesen auch zu halten.

User Bild
theres antwortet um 03-11-2005 17:44 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Der Sinn der Arbeit
Hallo redbull,
mit ein bisschen fischen - langt es vermutlich nicht für den Lebensunterhalt,
aber in der Geschichte kommt gut heraus,
dass ein bisschen freie Zeit für einem selbst, für die Familie ein so hoher Wert sein kann, dass einer fast die ganze zeit dafür schuftet, um am Ende diesen Wert zu bekommen.
Da ist der Fischer klüger.
Es stimmt, dass der Lebensstandart höher geworden ist-
nicht mehr schlafen zu können,
weil die vielen unbezahlten Rechnungen die Ruhe rauben würden,
das ist sicher nicht im Sinne der Geschichte.
Aber wann ist es genug zum Leben?
Diese Frage muss sich jeder selbst stellen.
Mit frischgebackenes Brot mit selbstgemachter Butter auf der Terasse die letzten Herbstsonnenstrahlen geniessen,
mag für den einen ein Geschenk sein, der andere würde damit nicht zufrieden sein.
Wichtig ist, dass man sich selbst bewusst macht, was man haben will-
und dann bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen.
Arbeite ich um zu Leben, oder lebe ich, um zu arbeiten.
Wir leben zum Glück in einem freien Land, wo ein Stück freie Entscheidungsfähigkeit jedem zusteht.
Es fällt mir auf, dass so viele Filmschauspieler, Geldleute sich irgendwann ihren Traum erfüllen und einen Bauernhof kaufen.
Und diejenigen, die einen Hof haben-
vor lauter Arbeit manchmal gar nicht mehr zum Denken und Schnaufen kommen.
Wir leben auch nicht im Schlaraffenland, aber all das, was ich nicht brauche, muss ich zuerst nicht verdienen.
Die Frage, welchen Sinn die Arbeit für einen hat-
da
wird es vermutlich viele verschiedene Antworten geben.
frdl. Gr.
regi

Diese Diskussion wurde von der Redaktion beendet!