Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel

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goofixx 22-03-2011 14:30 - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo liebe Landwirte,

ich bin "nur" ein Laie was landwirtschaftliches Wissen anbelangt. ich ziehe aber den Hut vor euch, die ihr die Versorgung des Landes aufrecht erhaltet.

Was mich als Verbraucher betrübt, ist es, die niedrigen Preise in den Regalen der Supermärkte zu sehen, und genau zu wissen, daß diese im Grunde nur durch Erpressung der Erzeuger durch die Verarbeiter und Genossenschaften entstehen.

Was ich als Verbraucher nicht verstehe ist, daß es Milchförderungen gibt für Milch, die ins Ausland ausgeführt wird (als Milchpulver z.B.). Das können sich doch nur Großbetriebe Genossenschaften oder Verarbeiter leisten.

Diese Gewinne der Großbetriebe zahlt der Steuerzahler, letztendlich auch ihr. Sollten die Förderungen nicht eher Kleinbetriebe bekommen bzw. auf diese umgelegt werden?

Insbesondere bei geförderten Überproduktionen bekommt doch ebenfalls der "Kleinbetrieb" nichts ab.

Auch die überaus "soziale" Einrichtung der Genossenschaften, mittlerweile genossenschaftliche Konzerne ist doch mittlerweile gar nicht mehr sinnvoll, da es heute möglich ist, sich durch andere und mehr Medien zu informieren.

Ich verstehe nicht, warum ihr euch von den Konzernen so ausbeuten laßt.

Der Verbraucher kann sicher mehr Geld für "den Liter" Milch zahlen. 1,2 € wären sicher möglich, da Milch in keinem Haushalt in so großer Menge verzehrt wird, daß das Haushaltsbudget dadurch in Gefahr wäre. Gerade nur die Verbraucher würden meckern, die nebenbei noch Cola-Getränke, Zigaretten, Süßwaren en mass und so weiter konsumieren.

Es wird von diesen Verbrauchern grundsätzlich nicht über die eigens produzierten Kosten geredet (wie z.B. hohe Handyrechnung), sondern nur über die Preiserhöhungen gemeckert und wie arm sie doch wären.

Was arg ist, daß ein Kilo Mehl 79 Cent im Supermarkt kostet, das Kilo Brot aber im Schnitt 2 Euro 50 (ist ja auch viel teure Hefe, teures Salz und teures Wasser d´rin *grins). Wie ist es möglich, daß ein großer Wiener Backwarenhersteller mit einer riesigen Verkaufskette von schlecht geführten Filialen Förderungen bekommt, wenn die Backwaren definitiv schlechter und teurer sind, als die der Mitbewerber.

Was bekommt der Landwirt eigentlich für einen Liter Milch, ein Kilo Getreide?

Ist es noch immer so, daß von den Genossenschaften nur ein Teil in Bar ausgezahlt wird und der Rest für Gegengeschäfte einbehalten wird? Wie zur Goldgräberzeit (ist das nicht schon 100 Jahre her?).

Das ganze Problem wird sein, daß Kleinbetriebe weniger ökonomisch (Einsatz von Maschinen, Betriebsmitteln, etc) arbeiten können und damit auch nicht die Möglichkeit haben, solch große Gewinne zu erwirtschaften, damit nicht wichtig genug sind um politisch wirkungsvolle Akzente setzen zu können (politische Entscheidungen zu erzwingen).

Solange es die Großbetriebe mit gutem Draht zu den entscheidenden (von Entscheidung) Politikern gibt, werden euch die Gewinne vorenthalten werden.

Problematik des Ganzen ist die Gewinnsucht eines jeden Einzelnen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ihr es schaffen würdet, 100 oder gar 500 Betriebe zusammen zu bekommen, die sich gegen die Vorgangsweise der Milchindustrie auflehnen würden und GEMEINSAM an einem Strang ziehen, höhere Milchpreise zu erzwingen. Dazu nehme ich an, gibt es auch zu viele Großbetriebe als Milchlieferanten und zu viel Milch auf dem "Markt".

Die Entscheidung, die Milch an den oder die Abnehmer zu verkaufen, die im Moment mehr zahlen ist sicher nicht zielführend. Die Frage ist, wie lange der jeweilige Abnehmer sich die Preise leisten kann, wenn die Endverbraucherpreise von den Supermärkten quasi diktiert werden.... "Kaufen wir halt woanders ein"... .

Solange es keine Gesetze zum Schutz der das Land versorgenden Betriebe gibt, wird niemand mehr zahlen als er unbedingt muß.

Irgendwann werden wir aufwachen und feststellen, daß wir unser Land nicht mehr selbst versorgen können, weil die mittlerweile abgewanderten Großkonzerne die landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen erst mit aufgebaut und dann zerstört haben.
Wie Dieb´sgesindel, das mal hier und mal dort auftaucht, wo immer es etwas zu holen gibt und dann weiterzieht.

Und wer politisch gute Kontakte hat, hat damit den längeren Arm und damit die Gewinne in seiner Tasche.

Dieses ist nur meine Meinung, die im Moment leider nicht sehr konstruktiv ist, da ich zu wenig Einblick in die tatsächlich vorhandenen Strukturen habe.

Aber ... wenn ihr zusammen haltet, werden euch doch sicher geeignete Möglichkeiten einfallen, wie ihr die Industrie unter Druck setzen könnt.





rotfeder antwortet um 22-03-2011 17:05 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo!
Die Großbetriebe sind politisch gewollt. In Ö eh weniger als in Deutschland, wo zum teil die ganzen Mittelständler weg sind und nur mehr ein aktiver Bauer im Dorf ist, der jedoch den ganzen Grund gepachtet hat. Ein hoher Konsumentenmilchpreis ist zwar hilfreich, es ist aber nicht gesagt, das dann auch der Bauernmilchpreis hoch ist. In der wirtschaft, und das ist bei den Bauern nicht anders, will jeder niedrige Kosten, billige Grundstoffe und dafür aber teuer
verkaufen.


goofixx antwortet um 22-03-2011 17:36 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
@rotfeder
Das ist schon richtig. Das funktioniert wie überall in der Wirtschaft. Allerdings fiinde ich, muß es doch möglich sein, der Nahrungsmittelindustrie, die die Riesengewinne macht, das Ganze etwas schwerer zu machen.

Wenn 85 % der Landwirte / Bauern ihre Produkte an die Genossenschaften verkaufen und sich alle Bauern über die mickrigen Preise beschweren, dann stimmt doch bereits das zweite Glied in der Kette nicht mehr. Die Genossenschaften sind verantwortlich für Weiter-Vermarktung /-Verkauf der Produkte, ergo sind sie es, die bereits ordentlich an den Handelsspannen verdienen. Oder etwa nicht?

Ich muß dazu sagen, daß ich von vornherein auf dem "Kriegsfuß" mit solchen !!!ehemals!!! wichtigen Vereinigungen stehe. Ursprünglich als Zusammenschluß von Betrieben mit dem Ziel der leichteren Vermarktung, sind sie doch heute selbst zum Klotz am Bein der Landwirtschaft geworden.

Nicht umsonst schließen heute wieder viele eigene Produktionsstätten z.B. Käsereien etc. an, um die Gewinne selbst ernten zu können als sie den Händlern und Verarbeitern zu überlassen.

Ich verstehe nicht, warum sich die Bauern nicht auflehnen. Wäre ich Milch-Bauer, würde ich die Milch eher verfüttern als zum "Fast"-Herstellungspreis abzugeben.

Oder zusammen mit 5-10 anderen eine Käserei aufbauen, ein neues Produkt kreieren und dieses zum Beispiel exklusiv an eine Hotelkette verkaufen.

Das ist ja Sklaverei par excellance. Wenn du mir deine Milch nicht zu dem Preis gibst, kaufe ich sie eben nicht - freie Marktwirtschaft in allen Ehren, aber das ist Ausbeuterei !

Es wird Zeit, daß die Milch mal für ein paar Wochen aus den Regalen verschwindet, damit die Verbraucher froh sind, wenn sie wieder welche bekommen, und das zum höheren Preis.



kraftwerk81 antwortet um 22-03-2011 17:52 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Mit der Dampfplauderei könntest Dich glatt als Politiker bewerben.


tch antwortet um 22-03-2011 19:14 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Wo hast Du diese Dampfplauderrethorik so gut gelernt?

"""Oder zusammen mit 5-10 anderen eine Käserei aufbauen, ein neues Produkt kreieren und dieses zum Beispiel exklusiv an eine Hotelkette verkaufen.""

An Österreichische Hotelketten? wo sind diese zu finden?
Wenn es klappt dann können Das 4-5 Gruppen machen..

Hast Du noch weitere gute Ideen für die restlichen ca.35000 Milchbauern?

Exportieren sollte diese nicht, schon alleine wegen der Förderungsabzocke (unter dem Nagel reissen)


lg
tch




Felix05 antwortet um 22-03-2011 19:34 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo,

da kommt ein moderner Andreas Hofer und ihr nölt nur rum, also wirklich...

Gruß, Lutz!


tch antwortet um 22-03-2011 19:39 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Ob er dann im virtuellen Mantua auch alleine dasteht?

tch


helmar antwortet um 22-03-2011 19:40 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo Lutz, ich seh das auch so..................;-) Aber vielleicht sollte er ein Ratgeberbuch schreiben. Den letzten grossen Ratgeber den ich live, im Sommer 2007 gehört habe, vergesse ich nicht so schnell und der reicht mir noch für Jahre......
Mfg, Helga


TDP1979 antwortet um 22-03-2011 20:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo!

Also ich gebe goofix zu 99 % recht. Würden alle Kosumenten so denken hätten wir nur die halben probleme! Fakt ist doch das man von drei Bauern zwei erschlagen muss um alle drei unter einen Hut zu bringen, weil der eine den anderen Anlügt damit dieser den gleichen Fehler macht wie er. Mit dieser Einstellung werden wir es nie schaffen gerechte Preise zu verdienen. Allerdings ist es auch ein Fakt, das es überall nicht nur in der Landwirtschaft so ist, dass sich der Händler( der fast kein Risiko trägt) krumm und dämmlich verdient, und der Produzent gerade so am leben gelassen wird.
MFG
Thomas


tch antwortet um 22-03-2011 20:51 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo popodi

Warum handelst Du nicht?
Warum wird ab Hof ein höherer Preis erzielt als beim nur abliefern?
Was haben die Kunden unmittelbar mit dem Bauern zu tun?
Warum wird Brennholz billiger bei "den" Bauern wenn mehrere nebenander verkaufen?
Warum gibt es Preisschlachten bei Abhofmilch in Kleinmengen?


Alles nur weil der Konsument es so will?


tch





agrobertl antwortet um 22-03-2011 21:08 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
@popodi
da hast vollkommen recht. wieviele kooperationen gibt es wirklich unter landwirten. jeder ist zu stolz (jeder braucht seine eigenen geräte etc.) obwohl der kostendruck die bauern schon umdenken lässt.
aber kooperationen sind auch nicht einfach, gerade wenn nicht jeder in der lw arbeitet, sondern vielleicht nur flächen einbringt etc. voraussetzung ist vollstes vertrauen untereinander, gleich einstellung und niemanden etwas neidig sein
lg


agrobertl antwortet um 22-03-2011 21:11 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
@tch
in den agrarhandel einsteigen geht nicht? warum? woher nimmst das viele geld für die investitionen und zum einkauf von betriebsmittel und getreide? ein agrarhändler wächst nur langsam, genauso wie man als lwbetrieb mit eigenflächen nur langsam wachsen kann.
wie ist das lagerhaus groß geworden? mitn geld der bauern und dafür bekommt essen und trinken einmal im jahr. raiffeisen würde sich im grab umdrehen - wo ist der grundgedanke
lg bertl


tch antwortet um 22-03-2011 23:38 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo Bertl

Viel geld brauchst nicht um in den Handel einzusteigen, und wenn schon die bank hilft mit Startkapital und es geht los.
Ist Doch ganz einfach....
Als Händkler hast keinen Aufwand, kein Risiko und verdienst eine goldene Nase.

Derzeit der Renner am Markt- verlustarme Gleichspannungstrafo von 360 KV Afrikaerdleitungstrom auf 24 V Gleichstrom für die Okowaschmaschinen im Großraum Allensteig.
Wenn Du das liefern kannst schaut der Bill Gates arm aus...

lg
tch


Felix05 antwortet um 23-03-2011 07:09 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
...oder astfreie Sägespäne aus naturbelassenen Wäldern zur Einstreu für ökologisch gehaltene Haustiere in umweltbelasteten Großstädten.
´s gibt schon noch Lücken...


biolix antwortet um 23-03-2011 07:17 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Nett, hier spricht echt einer der sich für LW engagieren möchte und ein paar Probleme und vielleicht auch Lösungen aufzeigt, und dann reden 5, die aus der LW entweder aussteigen oder nie einen Hof gehabt haben und machen den einen lächerlich... wie dumm muss man sein um so zu reagieren ?


Felix05 antwortet um 23-03-2011 08:07 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
...saudumm, lieber Biolix.
Ich weis das, weil ich in der Selbsteinschätzung noch ziemlich gut bin.
Übrigens, wer sagt denn, dass ich noch nie einen Hof hatte.
War sogar ein ziemlich ansehnlicher Hof, war aber bevor ich einer den Hof machte :-)).
Weist ja selber: alte Höfe und junge Frauen, da langt das Geld nicht hinten und nicht vorn.
Eines muss´t aufgeben...

Mach dich locker, Lutz!


Franz S. antwortet um 23-03-2011 11:48 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Tja, liebe Bauern, da interessiert sich einer (goofixx) für euch und eure Probleme und was macht ihr? Ihr verhöhnt ihn!
Wahrscheinlich wollt ihr gar nicht anders als es eh läuft - ist ja bequem, irgendwas an Unterstützung bekommt ihr ja doch immer wieder und sonst könnt ihr wieder wohlig weiterschimpfen und euch im Selbstmitleid suhlen!





Tyrolens antwortet um 23-03-2011 12:17 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Es läuft ja nicht schlecht.


Felix05 antwortet um 23-03-2011 12:52 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo Silva,

da muss ich wohl was richtigstellen.
Erstens sollten die Antworten nicht dazu dienen, den Verfasser zu verhöhnen. Also das lehne ich ganz entschieden ab!
Zweitens kamen die für dich wohl etwas anrüchigen Bemerkungen von Nichtlandwirten, gell?
Drittens schießt du mit deinem letzten Satz wesentlich schärfer, wenn auch versteckter hinter den Ecken auf die Bauern.
Und letztens, Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Warum nehmt ihr alles mitunter immer so ernst? Kann denn keiner mehr über sich selber lachen? Ich trau mich schon nicht mehr, mich zu rasieren, müsstest mal sehen, wie ich ausschaue. Muss mir schon eine Wurst um den Hals hängen, damit sich der Hund überhaupt mit mir beschäftigt.

Gruß, Lutz!


Icebreaker antwortet um 23-03-2011 13:55 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Zum Thema " Ausgebeutete LW und Preise für Lebensmittel:

Hier meine vor einiger Zeit angekündigte Frage zu LM- Preisen im Handel für den Endkonsumenten.
Also:
Ich habe am 08.03.2011 in Wien bei einem bekannten Fleischer für 4 Personen Rindlungenbratensteaks gekauft. Zu je ca. 300g geschnitten. Beim Bezahlen hat es mich ein bisschen auf den Gaga gehaut.
Kilopreis Eur 54,00.
Beiried habe ich zusätzlich noch je einmal/Pax gekauft - Kilopreis: Eur 24,90.

Rechnung habe ich, falls man mir nicht glauben sollte.Auch die Visitkarte der Filialleiterin.

Ich nenne das WUCHER und kaufe sicher NIE wieder direkt beim Fleischer, sondern doch lieber beim Supermarkt, weil dort der Kilopreis für BIO RLBraten bei maximal Eur 35,- liegt und mir keiner garantieren kann, dass das Fleisch um 54,- besser ist.

Darum eine Frage: Wieviel bekommt eigentlich der Produzent für den Rindslungenbraten?



mfg Ice






biolix antwortet um 23-03-2011 15:48 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo Ice !

bei uns verlangen sie ab Hof 30,-( das ist aber günstig, sind shcon jahrelange Stammkunden ) sonst Großhandel bzw. ein befreudneter Bio-Fleischer zahlt den Biobauern auch bis 28 Euro das kilo...

lg biolix




Icebreaker antwortet um 23-03-2011 16:49 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Hallo Biolix,

Danke. Und die *ab Hof* Preise der mehr als spärlich gesäten Fleischanbieter in Österreich sind mir bekannt.
Vielmehr interessiert mich, wie es dazu kommt, dass eine Ketten- Fleischerei für den Kilo RLBraten Eur 54,- verlangen kann und was ein LW dafür bekommt, der nun mal NICHT ab Hof verkauft/verkaufen kann.

mf und sonnigen Grüßen
Ice




Hausruckviertler antwortet um 23-03-2011 19:04 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Der Bauer hat das Problem, dass er Standort gebunden ist. Dass er emotional an den Hof gebunden ist. Dass er den Grund den er hat auch bearbeiten muß. Dass er die Tiere, wenn er welche hat, auch füttern muß, und wenn Kühe vorhanden, die auch melken muß. Dass er langfristig planen muß. Dass er die Produktion nicht kurzfristig umstellen kann und ein halbes Jahr drauf wieder was anders machen kann.
Das und vieles mehr machen sich die Lebensmittelkonzerne und der Handel zunutze um, den Preis für Lebensmittel möglichst gering zu halten. Nur wenn irgendwo auf der Welt Probleme auftauchen, die eine vermeintliche Lebensmittleknappheit erahnen lassen, dann schlagen Spekulanten zu und erhöhen die Preise, von denen der Bauer nur zu einem geringen Teil profitiert.
Kooperationen auf der Erzeugerseite helfen nicht um die Preise für die Bauern zu heben, sondern nur um die Kosten zu senken um damit die niedrigen Erzeugerpreise abzufedern.
Dieses Problem hatten die Bauern immer schon, darum wurden auch von den Bauern die Genossenschaften gegründet. Einerseits, wie z.B. Raiffeisen um geschlossen und damit billiger einkaufen zu können. Andererseits wie die Molkereien und Rinderbörsen um die Produkte geschlossen verkaufen zu können. Oder auch der Maschinenring um bei der Mechanisierung sparen zu können. Die Idee war an sich grandios und hat auch anfänglich die erwartete Wirkung gebracht. Nur haben sich diese Genossenschaften verselbstständigt, zusammengeschlossen und diktieren den Preis den der Bauer einerseits für seine Produkte bekommt und andererseits für einzukaufende Produkte bezahlt. Die Rinderbörse ist noch zu jung um diese Entwicklung durchgemacht zu haben, wie die anderen Organisationen, die zwar von den Bauern gergründet wurden, sich aber davon abgekoppelt haben um sich einträglicheren Geschäften widmen zu können. Sie handeln mit den Produkten des Bauern ohne dass dieser auch nur irgend einen Einfluss auf die Preisgestaltung hätte. Nur bei den Generalversammlungen brauchen sie noch die Bauern um sich durch Hand heben ihre Geschäftemacherei legitimieren zu lassen.
Die Direktvermarkter sind zwar ein wertvoller Teil der Bauern, aber eben nur geeignet um ein paar einzelnen ein gutes Einkommen zu bringen. Alle die in irgend einer Form neben der Landwirtschaft ein Geschäft anfangen um nicht in ein unselbstständiges Arbeitsverhältnis gehen zu müssen und auch erfolgreich sind, verlagern ihre Präferenzen immer mehr in Richtung ihres Geschäftes um über kurz oder lang die Landwirtschaft aufzugeben. Alle die eine unselbständige Arbeit annehmen, können wenn sie ihre Lebensqualität nicht verlieren wollen, keine Direktvermarktung anstreben, weils sie zu arbeitintensiv ist.
Also wird sich an der Situation, dass der Großteil der Bauern in seinem Einkommen von anderen abhängig ist, nichts ändern.
Der Umstieg auf Bio, wäre zwar von der Einkommensseite finanziell interssant, aber hintergründig, wenn man die Investitionen die gemacht werden müssen und die Auflagen betrachtet, nicht wirklich ersterbenswert. Das große Geschäft mit Bio machen andere.

Ich danke goofixx dafür, dass er/sie als Nichtlandwirt Verständnis für die Situation der Bauern hat. Sowie viele von der "normalen" Bevölkerung. Es ist ja meistens die Arbeiterkammer und die Medien, die einen Wirbel machen, wenn die Lebensmittel im Geschäft wieder teurer werden. Unabhängig davon ob der Bauer auch mehr bekommt oder nicht.


goofixx antwortet um 23-03-2011 20:33 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Liebe Leute,
ich danke recht herzlich für die Erklärungen und daß die meisten verstehen, was ich gemeint habe.
Ich bin nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen; - danke für den Kosenamen Andereas Hofer^^, den Eulenspiegel habt ihr mir ja zum Glück erspart:-)

Ich bin Deutscher, seit 23 Jahren in Österreich und war den gößten Teil meines "Hierseins" selbständig. Das heißt, die Schwierigkeit des Aufbaues einer Firma / eines Betriebes ist mir nicht fremd, ebenso wie die umfangreichen Investitionen, die man meistens machen muß, wenn man die Produktion steigern, ändern oder verlagern möchte.

Ich bin nur grundsätzlich verärgert über die allgemeinen Verhältnisse die hier herrschen (nicht nur hier, auch in Deutschland).

Das betrifft nicht nur die Landwirtschaft. Auch im Bereich des Handwerks und industrieller Produkte geht alles in die falsche Richtung.

Z.B. Verpackungen. jedes kleine Stück Gemüse, Fleisch, Obst ist in Folie oder PE-Schalen verpackt. Die Glasflasche ist "gott-sei-dank" abgeschafft worden, denn dafür gibt es ja genügend Rohstoffe. Kunststoff-Einweg-Verpackungen sind zwar leichter händelbar, aber aufgrund der bald mangelnden Rohstoffe bestehlen wir uns selbst bzw. unsere Nachkommen. Hoffen wir inständig, daß nicht irgend ein Idiot wieder Mehrwegverpackungen auf den Markt bringt, die Kosten und Ressourcen einsparen.

Nachdem ich im Marketing ebenfalls tätig war, denke ich über viele Dinge des täglichen Lebens nach
und habe auch ein "bisserl" Erfahrung.

Die losgetretene Diskussion hat einige meiner Annahmen bestätigt :-)).

Und daß es nicht 35.000 Milchbauern möglich ist, eigenen Käse an eine Hotelkette zu liefern ist mir auch klar.

Allerdings gibt es ja auch nicht nur eine einzige Käsesorte sondern hunderte. Ich würde auch keinen Gouda herstellen sondern versuchen ein Produkt herzustellen, das mit einem Parmesan oder einem anderen Hartkäse vergleichbar ist, vielleicht in Kräutern geräuchert.


tch antwortet um 23-03-2011 20:52 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Seid wann ist Deine Firma pleite?

tch


goofixx antwortet um 24-03-2011 08:13 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
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goofixx antwortet um 24-03-2011 08:15 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Das war ein Import von Werbeartikeln aus Fernost. Während der Wirtschafts(Banken)-Krise 2008/2009. Werbeausgaben sind das Erste, was in schlechter Finanzlage der Firmen verringert wird. Aufschläge von 15-20% sind maximal zu erreichen, das bei sehr hohem Risiko (Produktionsfehler). Dann einige nicht zahlende Kunden, Banken die plötzlich nicht mehr kooperierten etc.. Bei den Verkaufspreisen wird um Zehntel Cent gefeilscht.


goofixx antwortet um 24-03-2011 10:06 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Ausgebeutete Landwirte, Preise für Lebensmittel
Mich würde interessieren, wie der Preis für Rindfleisch Schweinefleisch ab Hof and die Schlachtbetriebe berechnet wird.
Preis je kg für das gesamte Tier oder werden von vornherein sounsoviel % abgezogen für Innereien / Knochen?
Oder ist der Kilopreis ab Produzent / Mastbetrieb für das ganze Tier berechnet?

Nachdem heute in den meisten Haushalten (in der Stadt) wenn überhaupt noch gekocht wird zumeist nur Fleisch verarbeitet wird, werden die Handelsbetriebe natürlich für das Fleisch entsprechend mehr verlangen, denn welcher von den "modernen Haushalten", deren Mitglieder meist schon gar nicht mehr kochen können fertigt noch eine Mark- oder Schleppsuppe, oder ähnliches. Nachdem ich zur Zeit als Koch arbeite, weiß ich, daß die Knochen zum großen Teil als "Fleischknochen in der Gastronomie für Suppen, und Grundsaucen verwendet werden.

Oder aber gleich ab Schlachbetrieb in die Tierfutterverwertung abgegeben werden oder für die Industrielle Produktion von Fertigsaucen / Suppen.

Wenn das Kilo ab Hof für das gesamte Tier berechnet wird, dann müssen die sogenannten Gustostückerln eben hochpreisiger angeboten werden.

Ich muß gestehen, daß wir als Sparhaushalt eher Rindfleisch vom Jungstier als Gulaschfleisch kaufen und dieses dann als Schmorgericht kochen.

Beuf Bourginion (Rindfleisch Burgunder Art), Gulasch, etc. . Preis im Großhandel €4,19 netto.
Das ist mir peinlich aber ich würde auch 6 oder 7 Euro zahlen, wenn es so viel kosten würde.
Dieses Fleisch ist sicher aus Großmastbetrieben oder importiert.

Österreichisches Rindfleisch- man importiere aus Rußland oder von sonstwoher Rinder, füttere sie in Österreich und schon sind sie österreichisches Rindfleisch.

Man hört ja so einiges. Daß es sicher nicht möglich ist, auf herkömmlichem Wege Fleisch für 5€ das Kilogramm kostendeckend oder Gewinn bringend herzustellen, ist mir klar.

Es sei denn, man kann den Futterbedarf aus der eigenen Landwirtschaft decken.

Außerdem "fressen" wir eh zu viel Fleisch. Früher war es üblich 1-2 mal die Woche einen Braten zu machen. Ansonsten gab es andere Gerichte mit Hülsenfrüchten, Getreide Kohl und Rüben. Ich nehme an, das Überangebot durch Großmastbetriebe macht das erst möglich.

Mich würde auch interessieren, wodurch sich Biorinder von anderen Rindern unterscheiden. Ist es nur die Fütterung (Grünfutter von der Weide, Haltung, Silagefutter ohne Spritzmittel)?

Ich stelle eine ganze Menge Fargen und hoffe, daß ich euch damit nicht auf den Keks gehe.
Werde mich wohl mal in einschlägigen Seiten informieren müssen.



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