Die Kanonen von NaWaRo. Ein Bio-Rohrkrepierer

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kotelett 28-11-2010 19:30 - E-Mail an User
Die Kanonen von NaWaRo. Ein Bio-Rohrkrepierer

Eines der Rätsel des Öko-Sprech ist „Bio-Gas“. Was soll das sein? Ist Gas, jedenfalls das Gas, mit dem wir heizen, kochen und Kraftwerke betreiben, nicht per se bio? Kommt aus dem Schoß von Mütterlein Erde, oder? Erdöl ist erst recht bio, bioiger geht´s gar nicht. Aus organischem Gelumpe - alten Bäumen und Pflanzen – gewonnen, also praktisch recycelt! Aber zurück zu Bio-Gas.

Im Grünwelsch bezeichnet der Begriff Gas, welches unter anderem aus Lebensmitteln wie Mais gewonnen wird. Mais gehört zu den „NaWaRo“, den nachwachsenden Rohstoffen. Alles, was nachwächst, ist nämlich gemäß dem Katechismus der Kirche zur hl. Nachhaltigkeit ganz toll. Oder doch nicht? Jetzt ist die Lebensmittelvergärung, der nicht nur eine solide ethische Desorientierung, sondern auch eine landschaftliche Verwüstung sondergleichen vorausgeht, schwer in Verschiss geraten.

In Niedersachsen, aber natürlich nicht nur dort, sind durch die hohen Subventionen für „Energiemais“ riesige Maisanbauflächen entstanden, Monokulturen mit besonders hohen Stickstoffeinträgen in die Böden. Folge: teils heftiger Rückgang der Artenvielfalt, besonders bei den Vögeln, dafür explosionsartige Vermehrung von Wildschweinen, die hohe Flurschäden anrichtet. Ein stark erhöhter Wasserverbrauch geht ebenfalls mit Maisanbau einher. Ferner die Verarmung der Kulturlandschaft, grassierender Flächenverbrauch und überhöhte Pachtpreise, letztere zu Lasten kleiner Bauern. Im vergangenen Jahr ist allein in Niedersachsen die Zahl der Bio-Gasanlagen dank des NaWaRo-Subventionsfüllhorns um ein Drittel angestiegen, auf nunmehr 900 Anlagen.

Gegen die totale „Vermaisung“ des Nordens regt sich inzwischen heftiger Widerstand; in den betroffenen Gemeinden wie in den lokalen Medien. Der bei den Grünen, dem Nabu, Bund & Co. ansonsten ziemlich verhasste niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander von der FDP kündigte jüngst eine Bundesratsinitiative gegen den nachwachsenden Irrsinn an: „Wir müssen die von der Politik gesetzten falschen Anreize stoppen.“ Selbst die meisten Ökofredys wollen da nicht widersprechen. Nur die subventionsabgreifenden Bauern murren, aber Bauern murren immer.

Kommt hinzu, dass die Verwendung von NaWaRo für kleine, dezentrale Anlagen zur Strom- und Wärmeproduktion sich in keiner Weise rechnet. Nur Menschen von ungewöhnlicher Einfalt, wie die Landkommunarden in dem lustigen Filmchen „Am Tag, als Bobby Ewing starb“, glauben noch an selbstgehäkelte Energieversorgung, etwa durch das gemütliche Tante-Emma-Kraftwerk gleich hinter dem Maisfeld.

Bio-Gas ist ein Paradebeispiel dafür, wie Laienprediger naiven Gläubigen Voodoo-Therapien aufschwatzen. Da wird irgendeine neue Idee zur vermeintlich sauberen Energieerzeugung auf den Markt der grünen Moden geworden. Die Idee sieht auf den ersten, kurzen Blick ganz pfiffig aus, ist in Wahrheit aber völlig undurchdacht. Gleichwohl wird sie mit riesigen Summen aus dem Steuersäckel erstmal angeschoben, und einige Leute verdienen sich an den Boni einen goldenen Traktor. Landschaft und Tierwelt werden kräftig versaut, bis irgendwann auch dem letzten Tagträumer dämmert, dass es so nicht weiter geht. Inzwischen sind aber schon Milliarden verpulvert worden, die man besser in die Entwicklung effektiver und wirklich neuer Technologien gesteckt hätte, jenseits der erratischen, für die Stromversorgung weitgehend irrelevanten Energieerzeugung aus Wind und Sonne.

Genügend Zeit für durchdachte Konzepte ist vorhanden, energiepolitischer Aktionismus ganz unnötig. Nein, keineswegs geht uns das Öl demnächst aus, schon gar nicht das Gas - Blick in den Wirtschaftsteil eines beliebigen Blattes genügt. Und wer glaubt, man müsse von jetzt auf gleich den CO2-Ausstoß mindern, weil das furchtbare Treibhausgas den blauen Planeten ins Verderben treibe - müsste der nicht konsequenterweise unsere CO2-freien Atomkraftwerke brennstabwarm in sein Herz schließen?

Kernkraft ist übrigens auch irgendwie bio. Im tiefsten Kern jedenfalls.

Autor: Wolfgang Röhl




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