Sau007 12-05-2010 14:13 - E-Mail an User
Eber-Eliteversteigerung in St. Pölten und NÖ-Genetik
Hallo Leute!

War von euch jemand gestern auch bei der Eliteversteigerung? Meiner Meinung ist die Präsentation der Zuchtarbeit der österr. Züchter gut gelungen. Vor allem die Steiermark hat mit dem Zuchtbetrieb Tüchler - meiner Meinung - sicher momentan den besten Pietrainzüchter. Seine Eber waren gestern gefragte Ware - aber für mit eindeutig zu kostspielig ;-)!!

Als Niederösterreicher und Kunde bei der NÖ-Besamungsstation frage ich mich aber, warum sowohl ÖO als auch Stmk. viele Eber vom Tüchler aufstallen und die dort an vorderster Spitze bei den Zuchtwerten liegen, aber im Bestand der NÖ Besamungsstation kein einziger Eber vom Tüchler zu finden ist.

Generell liegt das Leistungsniveau in NÖ wenn ich mir die Zunahmen usw. der Nachkommensprüfungen der Besamungseber so ansehe deutlich unter OÖ und der Stmk..

Warum stellt Hohenwarth noch immer laufend Eber einem Stressstatus PP auf, obwohl auf keiner anderen Station mehr PP-Eber zu finden sind und vielfach bewiesen ist, dass die Fleischqualität und die Zunahmen deutlich schlechter sind als bei NP und NN-Ebern. Warum wird bei den Zuchtbetrieben in NÖ nicht härter durchgegriffen - ich habe gesehen, dass der Pietrainzüchter Willim viele PP-Eber nach Hohenwarth liefert mit katastrophalen Tageszunahmen und Fleischanteilen jenseits von Gut und Böse, die uns am Schlachthof nicht bezahlt werden?

Ganz werd ich aus den Herren und Damen beim NÖ-Zuchtverband/Besamung und NÖ-Schweinebörse nicht schlau. Auf der einen Seite wird eine Kooperation mit dem Gastgewerbe angestrebt und die verlangen natürlich gute Fleischqualität und auf Besamungsseite werden PP-Eber in Hohenwart aufgestallt, obwohl Dr. Knapp in der TopAgrar (Mai 2010) die Probleme bei der Fleischqualität bei PP-Ebern deutlich gemacht hat. Hoffentlich liest hier nicht die Schlachtbranche mit, sonst haben die NÖ ein ernsthaftes Problem.

Als Kunde bei der NÖ-Besamung muss ich mir ernsthaft überlegen, ob ich diese "Inkompetenz" weiter unterstützen möchte oder einfach in Oberösterr. oder Stmk. mein Sperma kaufen soll. Wir zahlen alle sehr viel Geld für das Sperma und wollen neben einer guten Qualität auch leistungsstarke Genetik kaufen und das sollten die Damen und Herren in NÖ in Zukunft in ihre Entscheidungen einfliessen lassen.

Ich hab gestern schon mit einem steirischen Pietrainzüchter Kontakt aufgenommen und werd mir einen steirischen Eber in den Stall holen - hoffentlich bellt der nicht so heftig wie der Züchter ;-))

LG Sigi



apfel11 antwortet um 14-05-2010 07:28 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Eber-Eliteversteigerung in St. Pölten und NÖ-Genetik
Hallo Sigi!

Ich komme ja auch aus NÖ und kann die Strategie der NÖ Besamung auch nicht ganz verstehen. Irgendwie fehlt mir da auch die Kursrichtung, aber da müsste man natürlich auch mit dem einen oder anderen Pietrainzüchter ein ernstes Wörtchen reden. Die Besamungsstation kann natürlich nur die Genetik ankaufen, die von den Züchtern angeboten wird. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass die Besamung genügend "Macht" hätte, die Stresssanierung bei der Pietrainpopulation voranzutreiben, weil die Besamung viele Eber bei den Züchtern kaufen. Zur Verteidigung der Züchter muss ich aber sagen, dass es nur mehr ganz wenige Züchter gibt, die überhaupt noch PP-Eber anbieten.

Ich hatte auch einige PP-Eber und meistens im Hochsommer hat so ein Eber massive Probleme gemacht. Entweder hat er die Hitze gar nicht durchgestanden und ist mir verendet oder die Spermaqualität war zum Vergessen. Durch die Stresssanierung ist dieses Problem so gut wie verschwunden und meine Nerven im Sommer werden auch geschont ;-)!

Das Ebergeschäft ist aber mit Sicherheit kein Honiglecken mehr. Die Eberverkaufszahlen gehen sicherlich ständig zurück, weil durch die hofeigene Besamung die Eber meist sehr effizient genutzt werden. In ein paar Jahren werden vermutlich nur eine handvoll Pietrainzüchter übrig bleiben und die anderen werden kapitulileren müssen.

Den guten Züchter in Österreich machen ihre Hausaufgaben aber sehr gut, du brauchst dir nur die E-Linie anschauen - da ist in den letzten Jahren einiges an Zuchtfortschritt passiert. Vor ein paar Jahren waren mit Sicherheit keine Pietrainschweine mit Tageszunahmen von weit über 800 g bei hoher Fleischleistung zu finden. Wenn du dir den Zuchtwert von dem "Ettore" in der Steiermark ansiehst, dann ist dem Züchter schon ein Geniestreich gelungen. Von dieser E-Linie sind auch schon einige Söhne auf den Besamungsstationen und davon können wir alle profitieren.

LG Werner


Verband antwortet um 14-05-2010 10:30 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Eber-Eliteversteigerung in St. Pölten und NÖ-Genetik
Liebes Forum,

ich möchte zu dem Kommentar von Sigi alias „sau007“ Stellung beziehen, um die Besamungsstation und den Verband in NÖ vielleicht wieder ins rechte Licht zu rücken:
Zum einen kann die Zuchtarbeit in NÖ nicht ganz so verkehrt laufen, wenn wir uns in den 4 Eberkategorien 3x mit dem Siegereber und in der 4. Kategorie mit dem Reservesieger plazieren konnten (Insgesamt kamen 6 der 8 Plazierungen aus Niederösterreich).

Zum anderen muss man aber den Hinweis (oder Vorwurf) absolut gelten lassen, dass die KB Hohenwarth noch immer einen deutlichen Anteil an PP-Ebern verwendet. Aber das hat einen guten Grund, sie folgt hier den Bedürfnissen der niederösterreichischen Schweineproduzenten. Und zwar jenen Produzenten, die es ablehnen, österreichische Sauengenetik – ÖHYB Genetik – zu verwenden, welche speziell auf den österreichischen Markt zugeschnitten ist, sondern statt dessen eine für den österreichischen Fleischverarbeiter nicht passende weil zu fleischarme Genetik zum teureren Preis einsetzen. Und genau diese Stationskunden bedürfen eines extremen Fleischebers, eines PP-Ebers, damit sie ein halbwegs akzeptables Mastschwein auf den Hacken bringen.

Uns allen wäre es lieber, würden nur mehr NN- oder NP-Eber gebraucht werden, denn der Weg geht absolut dahin, aber es ist ein Teil der niederösterreichischen Schweinehalter, welcher unbedingt meint, den niederösterreichischen Schlachtbetrieben ausländische Genetik aufs Aug drucken zu müssen - der oberösterreichische und der steirische Ferkelerzeuger steht viel treuer dem ÖHYB-Programm - der diese Entwicklung bremst und ein gefährliches Spiel mit der Branche treibt.

Sigi, herzlichen Dank für Ihren Eintrag, vielleicht nimmt sich der eine oder anderer Berufskollege an der Nase und wechselt über zum ÖHYB-Programm damit auch wir den PP-Eberanteil verringern und gleichzeitig die Schweinefleischqualität steigern können ! Wir wären sofort bereit, nur noch NN und NP Eber auf die Station Hohenwarth zu stellen, das Angebot von hervorragenden Ebern ist vorhanden, und ein Ferkelproduzent mit ÖHYB-Genetik hat hier auch keinerlei Leistungseinbuße bei seinen Ferkel zu befürchten.
Aber keine Sorge, auch die KB Hohenwarth verfügt jetzt schon über eine ausreichende Zahl an hochwertigsten NN und NP-Ebern, die ihren Kollegen in den anderen Bundesländern um nichts nachstehen.

Ing. Johann Nolz
Verband nö. Schweinezüchter
EZG Gut Streitdorf


frank100 antwortet um 14-05-2010 11:21 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Eber-Eliteversteigerung in St. Pölten und NÖ-Genetik
Welche Preise werden AB-Hof für Eber verlangt.


Verband antwortet um 14-05-2010 12:34 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Eber-Eliteversteigerung in St. Pölten und NÖ-Genetik
Der Ab-Hof Preis liegt für Pietrain-Eber der Zuchtwertklasse 1 und 2+ zwischen 700 und 800 Euro, Eber der Klasse 2 bekommt man für circa 600 Euro (alles netto). Allerdings werden besonders gute Eber der Klasse 1 des öfteren zu höheren Preisen gehandelt.

viele Grüße,
Martin Prissnitz
Verband nö. Schweinezüchter



Sau007 antwortet um 17-05-2010 07:45 auf diesen Beitrag - E-Mail an User
Eber-Eliteversteigerung in St. Pölten und NÖ-Genetik
Guten Morgen Herr Ing. Nolz!

Danke für die rasche Stellungnahme! Ich möchte mit dieser Diskussion niemanden ins "falsche Licht" rücken, sondern nur meine Meinung sagen. Wir Landwirte werden von der Beratung zur kritischen Auseinandersetzung mit unserem Arbeitsfeld angespornt und wenn ich mir die Empfehlungen der Beratung anhöre, dann passt da einiges für mich nicht mit der "Praxis" zusammen

Ich pflichte Ihnen bei, dass die Züchter aus NÖ sehr "schöne" Eber präsentiert haben und die Prämierung der Körkommission verdient haben, dennoch hat sich gezeigt, dass nicht die Siegereber der Körkommission sehr gefragt waren, sondern die Leistungstiere. Natürlich muss in diesem Zusammenhang der NÖ-Züchter Topf genannt werden, der sehr gute Zuchtarbeit leistet.

Ihre Begründung, warum noch etliche PP-Eber in Hohenwarth stehen, muss ich insofern relativieren, als dass sich doch zeigt, dass die Nachkommensleistungen der NN oder NP-Eber im Fleischanteil locker mit einem PP-Eber mithalten können. Gerade der Eliteeber vom Betrieb Topf, der nach Baden-Württemberg gegangen ist, hat bei der Geschwisterprüfung eine Karreefläche von über 70 Quadratzentimeter gezeigt!!

Gegen die PP-Eber die sich in Hohenwarth bewährt haben, ist sicherlich nichts einzuwenden, aber dass immer wieder neue PP-Eber in Hohenwarth aufgestallt werden, ist meiner Meinung nicht notwendig und auch nicht zielführend. Wenn ich mir die Eber der Besamungsstationen anschaue, dann findet sich kein einziger PP-Eber unter den "Topebern" und ein Top-Eber bringt mir als Schweinemäster laut Beratung 2-3 Euro pro Masttier.

Über die Experimente mit ausländischer "Mutterrassegenetik" könnten wir lange diskutieren. Ich kenne selber einige Betriebe, die dänisches Sperma importieren. Die Betriebe sind sich auch bewusst, dass der Schuss auch nicht hinten losgehen kann, aber ich bin selber auf Ergebnisse gespannt. Die Dänen haben sicherlich auch massive Nachteile (Sauensterblichkeit usw.), dennoch ist die Schweinezucht dort nicht in bäuerlicher Hand, sondern in der Hand von Zuchtexperten, die verdammt viel Geld investieren, und dass dann schneller ein Zuchtfortschritt erzielt wird, ist unumstritten.

Liebe Grüße Siegfried


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